Ihr müsst ja keinen VW kaufen

Die Abgebrühteren unter uns werden jetzt sagen: So ist das nun mal, da kannst du nichts machen, Geld regiert die Welt. Trotzdem: Mich regt das auf, wenn ein Felix Magath mit gefülltem Geldbeutel nach Nürnberg düst, um dort einem Abstiegskonkurrenten die Spieler wegzukaufen. Magath wurde am Dienstag im Cafe Lorenz gesichtet, wie er Gespräche mit Beratern von Clubspielern führte. Interessant für ihn sind vor allem Philipp Wollscheid und Timothy Chandler.

Der VFL-Trainer hat schon früher alles zusammen gakauft, was nicht niet- und nagelfest ist. Nun meint er wohl, der FCN ist eh angeschlagen, da könne er ein bisschen wildern oder wenigstens etwas Unruhe reinbringen. Klar gehört zu einem der kaufen will immer auch einer der verkauft, in diesem Fall sogar noch einer, der sich verkaufen lässt. Aber wenn jemand mit größeren Beträgen wedelt, dann wird mancher schwach – zuimal beim Club.

Für mich ist aber einfach die Situation skandalös. Das würde nicht einmal der FC Bayern bringen, derart den Wettbewerb zu verzerren und offensichtlich zu demonstrieren, dass im Profifußball nur die Kohle zählt. Doch den Geldgebern von Magath geht es nicht um Fußball oder um einen regulären Wettbewerb. Für den VW-Konzern ist es aus Imagegründen wichtig, dass der VFL Wolfsburg in der ersten Liga bleibt. Der Rest ist diesen Leuten egal. Die Millionenbeträge die VW für neue Spieler bereit stellt, stammen größtenteils aus den nach wie vor enormen Absätzen in China. Dass VW dort so gut verkauft und auch weiter verkaufen wird, hängt nicht zuletzt auch damit zusammen, dass unsere Bundesregierung – nicht zu vergessen auch der frühere Autokanzler Schröder – dies als eine nationale Aufgabe verstanden haben.

Vielleicht sollten wir diesen Totengräbern des Fußballs einmal zeigen, dass auch Clubfans Autos kaufen und Kanzler/innen wählen.

Yeah, Heimsieg Nummer 3!

20101023 FCN gg WolfsburgDer FCN ist kein Retortenverein, deswegen schlägt er solche auch, trotz des Geldes, das die investieren können. Und deswegen tut er sich wohl gegen andere Vereine, die leben, kämpfen und sich reinknien, wie der FC St.Pauli, schwer. Geld scheint nur noch bedingt eine Rolle zu spielen, auch in der Bundesliga, zumal man sich dafür zwar Spieler, aber – wie man angesichts der Handvoll Wolfsburger im Frankenstadion feststellen konnte – keine Fans kaufen kann.

Doch genug geschwafelt, kommen wir wieder auf den Rasen zurück: Wir freuen uns natürlich riesig über den dritten Heimsieg. War zwar wieder eine harte Nummer, wieder ein 2:1 mit einem relativ glücklichen Siegtor. Aber was solls?

Dabei sah es am Anfang doch nach einem geruhsamen Nachmittag für uns Fans aus. Der Club hatte die VW-Truppe im Griff, ging bald in Führung und es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, wann das 2:0 fällt. Stattdessen kam es dann, wie schon öfter in dieser Saison: Wenn es läuft, läuft es nicht beim Club. Da fangen dann einige wohl an, mit den Gedanken abzuschweifen und es etwas relaxter angehen zu lassen. Dass der Wolfsburger Schäfer da so frei auf Grafite flanken konnte, das ist anders nicht zu erklären. Doch anders als in früheren Jahren, wo dann gern der völlige Einbruch folgte, rappelte sich die Clubmannschaft dann wieder auf (vor allem die Vorarbeit zum 2:1 von Julian Schieber war Klasse). Da kann man sich Aussetzer erlauben.

Schade nur, dass dann nicht noch ein Tor nachgelegt wurde, dann wären wir wieder an den Bayern vorbeigezogen. Aber gut: Wichtig ist, wo man am Ende steht. Im Augenblick ist das alles nur eine Momentaufnahme – und wenn wir nach 34 Spielen vor den Bauern sind, dann machen wir ein Faß auf.