Das Waldi-Syndrom

An anderer Stelle habe ich das Phänomen schon mal am Beispiel des bayerischen Innenministers Joachim Herrmann beschrieben. Der wohnt zwar im fränkischen Erlangen, lässt sich dort auch immer wählen, versucht aber alles, um nicht als fränkischer Loser dazustehen. So wirft er sich in bayerische Trachtenmoden, gibt sich weiß-blauer als jeder Oberbayer und frisiert sogar seinen Lebenslauf…

Das Gleiche ist mir jetzt bei der Sendung Anne Will begegnet (Thema: „Geld oder Leidenschaft – wer regiert die Fußballwelt?“) – in Gestalt von Waldmar Hartmann (hier ist der Media Stream, die Sendung war ansonsten allerdings extrem grottig und lohnt das Anschauen eigentlich nicht). Daher will ich das Phänomen mal als Waldi-Syndrom bezeichnen und hoffe, dass sich bald jemand wissenschaftlich damit beschäftigt.

Waldemar Hartmann stammt aus Nürnberg (sein Vater war übrigens Hausmeister an meiner Schule) und erzählte, dass er in seiner Jugend FCN-Fan war und sogar Mitglied wurde, um ein Max-Morlock-Trikot zu ergattern. Gladbach-Fan Serdar Somuncu fragte dann, wie es sein kann, dass so jemand ins Bayernlager wechselt. Wenn man mal Fan eines Vereins sei, dann bleibe man das auch. Hartmann irrlichterte darauf verbal herum, faselte was von persönliche Kontakten, Weißbieren usw.

Letztlich – wir wissen das, er halt nicht – hätte er als Clubfan beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk nichts werden können. Und Karriere ist manchem wichtiger als der FCN. Wenn das allerdings zu solchen Extrembewegungen führt, dass man vom Franken zum Bayern und vom FCN- zum FCB-Fan mutiert, dann sollte man dafür vielleicht eine Krankenakte anlegen und weitere Erfahrungen sammeln. Einmal als Krankheit erkannt, schaffen wir es vielleicht, dass irgendwann mal ein Mittel gegen das Waldi-Syndrom erfunden wird.