Völlig von der Rolle

Die Woche:

  • Von einem seiner früheren Trainer wurde Lukas Mühl nicht nur „Bescheidenheit“ attestiert. Er wurde auch als „lernwillig und lernfähig“ bezeichnet. Offenbar hat er gelernt, dass einen Bescheidenheit im Profigeschäft nicht weiterbringt. Das war schon Anfang der Saison so, als er einen Stammplatz einforderte. Jetzt hat er gegen Ex-Trainer Damir Canadi nachgetreten. Wenn es bei der Suche nach Fehlern hilft, soll es uns recht sein. Trotzdem darf man die auch mal bei sich selbst suchen.
  • Immerhin ist Mühl ein sogenanntes Club-Eigengewächs. Solche identifizieren sich mitunter eher mit dem Verein und sollten deswegen möglichst gehalten werden. Das trifft eigentlich auch auf Patrick Erras zu. Dennoch steht er nach zuletzt eher dürftigen Leistungen vor einem Wechsel. Vielleicht hat er aber ebenfalls nur unter Canadis Vorgaben gelitten, und man sollte das nochmal überdenken.
  • Für die einen ist es nur ein T-Shirt mit Sternchen drauf, für die anderen „Ausdruck unserer Liebe zur Stadt“, ein an das „Gewand des Christkinds angelehntes Jersey“, verziert mit einem „dezenten, floralen Stoffmuster“… Zumindest marketingmäßig scheint der FCN in der ersten Liga mitzuspielen. Das schlägt sich dann auch im Preis für das Sondertrikot nieder: 89,95 Euro.
  • Club-Offensivspieler Virgil Misidjan muss nicht in den Knast. Zunächst war er wegen Körperverletzung zu vier Monaten Knast verurteilt worden. In der Berufung kam er glimpflicher davon: Geldstrafe und gemeinnützige Arbeit. Mancher witzelte daraufhin, auch eine erfolgreicher Einsatz für den Club wäre gemeinnützig.

Das Spiel:

Zum ersten Heimspiel unter Trainer Keller durfte die Club-Elf mit den neuen Christkindlesmarkt-Trikots auflaufen. Mit denen wollten die Spieler offenbar eine gute Figur abgeben und gleichzeitig ein bisschen Glühweinstimmung verbreiten. Nur blöd, dass sich der Tabellenletzte aus Wiesbaden da nicht eingroovte. Der erspielte sich bereits in der 2. Minute die erste gute Chance. Doch der Ex-Nürnberger Dittgen schoß am Tor vorbei. Zwei Minuten später machte es Schäffler besser. Er hob den Ball über Dornebusch hinweg und machte das 0:1 . Schiedsrichter Stegemann hatte zunächst auf Abseits entschieden. Auf den Videobildern war aber erkennbar, dass Valentini die Abseitsfalle aufgehoben hatte.

Jetzt wich die harmonische Weihnachtstimmung allgemeiner Verunsicherung. Einfachste Pässe kamen nicht mehr an. Wehen-Wiesbaden konnte den Club ruhig den Ball überlassen, der wusste damit eh nichts anzufangen. Eine halbe Stunde lang gab es keine einzige Torchance, aber 70 Prozent Ballbesitz. Erst gegen Ende der ersten Hälfte bekam Gästekeeper Lindner doch noch etwas zu tun. Überwinden ließ er sich aber nicht.

Anders war das bei seinem Kollegen auf FCN-Seite. Der versuchte offenbar eine Erklärung dafür zu liefern, warum ihn der heutige Gegner vor der Saison nur als Ersatztorwart verpflichten wollte. Bereits drei Minuten nach Wiederanpfiff lief Dornebusch unmotiviert raus. Kyereh nutzte die Gelegenheit und markierte das 0:2 per Fernschuss ins verwaiste Clubtor.

Nun musste der abermals verunsicherte Club also zwei Tore aufholen. Und wie wir das kennen, bekommt er das geordnet nicht hin. Da versuchen es dann Geis, Frey oder Hack lediglich mit Einzelaktionen. Mannschaftssport Fußball? Nicht beim Club.

Es folgte einfalls- und sinnloses Angerenne, wie wir es zur Genüge kennen, Dann pfiff der Schiedsrichter auch noch Elfmeter für Wiesbaden. Mühl stellte sich gegen Kyereh ungeschickt an. Der hatte zuvor aber den Ball mit der Hand mitgenommen, so dass der Elfmeter zurückgenommen wurde.

An der hilflosen Spielweise des FCN änderte das jedoch nichts. Höchstens an der Erkenntnis, dass es nicht nur in der Abwehr hapert. Auch nicht an der Misere im Tor (Mathenia war auch immer für einen Klops gut). Dass da elf Einzelindividuen auf dem Platz stehen, die scheinbar keinen Plan haben, hat offensichtlich weitreichendere Ursachen.

Im Augenblick ist zudem nicht erkennbar, wie der freie Fall beim FCN gestoppt werden kann. Der branchenübliche Impuls von Außen ist ja durch den Trainerwechsel schon verpufft. Vielleicht ist es auch ein Fehler, dass der nette Herr Behrens auf den Platz steht und der unnette Herr Palikuca Personal anwerben soll.

Ein Letztes:

Vorweihnachtliches Männleinlaufen (vorausgesetzt, die trauen sich noch raus):