Eingeknastet in der Zweiten Liga

Der Club ist schon  als Meister aus der Bundesliga abgestiegen (im Jahr 1969), als Pokalsieger (2008), mit 17 Auswärtsniederlagen (1984), mit einer Hinrunde ohne Sieg (2014) und mit einem Sturz von 12 auf 16 am letzten Spieltag (1999): Für negative Superlative ist der Ruhmreiche also bekannt. Nun aber mal ein positiver Rekord im Jahr 2016: 38 Zweitliga-Spiele in Serie hat der 1.FC Nürnberg stets ein Tor erzielt, das glückte außer der SG Wattenscheid 09 (September 1987 bis Dezember 1988) keinem Verein.
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Karussell statt Kontinuität

13.09.2015 --- Fussball --- Saison 2015 2016 --- 2. Fussball - Bundesliga --- 06. Spieltag: SpVgg Greuther Fürth Fuerth - 1. FC Nürnberg Nuernberg FCN --- Foto: Sport-/Pressefoto Wolfgang Zink / JüRa ---  Benedikt Röcker Roecker (2, SpVgg Greuther Fürth ) gg Alessandro Schöpf Schoepf (28, 1.FC Nürnberg / FCN ) -- Derby Frankenderby -- Und wieder ist einer weg: Stürmer Jakub Sylvestr wechselt auf Leihbasis zum abstiegsgefährdeten SC Paderborn. 28 Spieler umfasste der Kader des 1.FC Nürnberg in der Hinserie, wenn man Nachwuchsstürmer Cedric Teuchert mitzählt. Nun sind es nur noch 24. Sylvestr kam im Sommer 2014  als großer Hoffnungsträger und amtierender Torschützenkönig, er erzielte auch gleich im ersten Zweitligaspiel das „goldene Tor“ gegen seinen alten Verein Erzgebirge Aue. Doch schon in der vergangenen Rückserie tat  er sich schwer, und im Saisonverlauf 2015/16 pendelte der Angreifer zwischen Bank und Tribüne. In der Stürmer-Hierarchie von Trainer Rene Weiler war Sylvestr hinter Burgstaller, Füllkrug, Blum und selbst Nachwuchsmann Hercher nur noch die Nummer 5. Angesichts der geringen Einsatzchancen ist sein Wechsel logisch – nun soll er Paderborn aus dem Keller schießen.

Auch die zuvor abgewanderten Reservisten Willi Evseev (zu Holstein Kiel) und Stefan Kutschke (Dynamo Dresden) standen im bisherigen Saisonverlauf höchst selten (Kutschke) oder gar nicht (Evseev) für die Profis auf dem Platz.

Viel schwerwiegender ist freilich der Abgang von Mittelfeldstratege Alessandro Schöpf Richtung Schalke. Vielleicht hat der Club hier für sechs Millionen Euro den Aufstieg verkauft. Man wird sehen. Schöpf, Kutschke, Evseev, Sylvestr. Da warens nur noch 24.

Aufschlussreich übrigens ein kleiner Rückblick auf die Liste der Spieler, die vor und während der Saison 2014/15 kamen oder von der zweiten Mannschaft in den Profikader befördert wurden: Colak, Mendler, Ramirez, Ott, Özdemir, Candeias, Celustka, Radlinger, Mlapa, Bihr, Nikci, Dittgen, Pachonik, Schöpf, Evseev, Sylvestr – sie alle sind schon wieder weg oder gehören zumindest dem Profikader nicht mehr an.    Übrig geblieben von den damaligen Zugängen sind Bulthuis, Hovland, Blum, Koch, Füllkrug, Polak, Mössmer, Kerk und natürlich Burgstaller, wobei Koch ebenfalls gehen dürfte.

Gut, Schöpf verkaufte der Verein mit einem satten Gewinn, doch von allen anderen Spielern trennte man sich sehr rasch freiwillig wieder. Motto: Karussell statt Kontinuität –  die Transferbilanz der Saison 2014/15 war mehr als durchwachsen. Diejenigen, die sie zu verantworten haben, sind allerdings auch nicht mehr da.

Eineinhalb Schäfer-Stündchen mit Happy End

1. FC Nürnberg - Eintracht BraunschweigKirschbaum-Holz lässt sich wunderbar zu Möbeln verarbeiten. Vielleicht hat Trainer René Weiler auch ein wenig an den Club-Sponsor „Möbel Wolf“ gedacht, als er Keeper Thorsten Kirschbaum vor dem Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig am Montagabend derart absägte, dass dieser nicht einmal mehr im Kader des 1. FC Nürnberg zu finden war. Den durch diese radikale Maßnahme vakanten Torhüter-Posten nahm der nach seiner Wadenverletzung bereits im Vorruhestand gewähnte, überraschend schnell wiedergenesene Leitwolf Raphael Schäfer ein. Am Ende gewann der FCN mit 2:1. Auch dank Schäfer.

Vermutlich wäre die Analyse anders ausgefallen, wenn Braunschweigs Hendrick Zuck in der 36. Minute, beim Stande von 1:0 für den Club, Profit aus einem dicken Schäfer-Patzer Kapital geschlagen hätte. Der Schlussmann hatte einen strammen Schuss von Jan Hochscheidt nach vorne abprallen lassen, direkt vor die Füße des völlig freistehenden Zuck. Doch der senste in Slapstick-Manier über die Kugel – und so waren es die Nürnberger, die nach Spielende das Lachen hatten. Allen voran Raphael Schäfer.

Während die Eintracht-Profis sich fürchterlich aufregten (warum auch immer) und Guido Burgstaller auf die Pelle rückten, war es Schäfer, der den Österreicher lächelnd wegzog, ihn beruhigte. Und kurze Zeit später grinsten sie alle: Weiler, die Mannschaft, die Betreuer. Da war er, der Schäfer-Effekt. Es geht nicht um die Leistung. Man denke da nur an den Gegentreffer in der 53. Minute durch Nik Omladic. Ein Ball, den man nicht halten muss, aber eben kann. Doch die Routine und Abgeklärtheit des 36-jährigen Schäfer, alleine seine Präsenz auf dem Platz tun dem Spiel des 1. FCN in dieser Phase der Saison gut. Verdammt gut.

Jetzt ist es natürlich sehr zugespitzt, den Dreier nur an der neuen alten Nummer eins festzumachen. Schon deshalb, weil die beiden Torschützen Sebastian Kerk (33.) und Burgstaller (84.) ebenfalls ihren Anteil hatten. Auch ein Niklas Füllkrug oder der in der Halbzeitpause eingwechselte Kevin Möhwald machten eine gute Partie. Grund zur Euphorie gibt es längst nicht, mit etwas Pech hätte der Club durchaus auch verlieren können. Das wissen die Jungs aber selbst. „Mit drei Punkten kann man zufrieden sein, mit der Leistung eher nicht so“, resümierte Burgstaller nach dem Spiel im Interview. Und lachte.