Das lange Warten auf den Dreier

Wieder kein Sieg. Stattdessen das fünfte Unentschieden im siebten Spiel. Aber: Wenn man nur eine Halbzeit gut spielt und die andere grottig, dann kommt halt schon statistisch nicht mehr als ein Remis heraus.

Doch von vorne. Der Club musste nicht bloß ohne der verletzten Ginczek antreten, auch der andere Torgefährliche, Pelle Nilsson, musste krankheitsbedingt passen. So ließ sich die Mannschaft in der ersten Hälfte von Bremen teilweise vorführen. Auf rechts bekamen Chandler und Kiyotake überhaupt keinen Fuss auf den Boden. Permanent brannte es lichterloh und eine nennenswerte Entlastung gab es praktisch nicht. Dass Bremen da nur 2:0 führte, war eigentlich noch glücklich. Keine alte Sau hätte zu diesem Zeitpunkt nur einen Cent auf den FCN gewettet. Der Sky-Reporter konstatierte nur lapidar: „Der Club hat Riesenprobleme, vorne, hinten und in der Mitte.“ Im Netz wurden bereits wieder die Wiesinger-raus-Rufe laut. Da half es auch nicht, dass Kiyotake kurz vor der Halbzeit den Anschlusstreffer erzielte. Ein Glücksschuss halt, dachte jeder.

Nach der Pause wechselte Wiesinger Drmic für den wieder einmal blassen Alexander Esswein ein. Prompt kam der Club besser ins Spiel. Kiyotake, dem das Abwehren sichtlich keine Freude macht, blühte auf und auch die anderen zeigten auf einmal Biss und Spielfreude. Folgerichtig machte Drmic den Ausgleich. Danach ließ es der Club gleich wieder ruhiger angehen und geriet hinten wieder in die bekannten Schwierigkeiten. Dabanli, der schon das 1:0 der Bremer durch ein Eigentor erzielt hatte, bekam den Ball nicht weg und Werder lag erneut vorne. Der Club wachte wieder auf und mit einem Zuckerpass von Kiyotake war diesmal Hlousek der Ausgleichschütze. Zu mehr reichte es dann allerdings nicht.

Beim Club hat man zusehends das Gefühl, dass nur gefightet wird, wenn es brennt, wenn der Stuhl von Wiesinger am Kippen ist oder wenn weitere Rauswürfe drohen. Ein Unentschieden reicht da scheinbar als Leistungsnachweis. Wie schon gegen Dortmund ist zwar der Druck von Wiesinger durch die 2. Halbzeit erstmal wieder weg. Der erste Dreier steht aber weiterhin aus.

Selbst wenn die Einwechslung von Drmic die Wende brachte, steht und fällt das Clubspiel augenscheinlich mit der Stimmung von Hiroshi Kiyotake. Leute, besorgt ihm Geishas, füllt ihn mit Reiswein ab, peppelt ihn sonstwie… ganz egal, sonst wird das nie was mit einem Dreier. Den braucht der Club jedoch, und zwar bald. Wenn wir nämlich in dieser Saison remismäßig so weiter machen, dann hat der Club am Ende 32 Punkte. Das dürfte zum Klassenerhalt nicht reichen.

Versöhnlicher Sommerkick

Die Musik spielte heute woanders. Im Frankenstadion ging es eigentlich um nichts mehr. Trotzdem war das letzte Saisonspiel noch einmal typisch für die Saison. Die verschlafene erste Hälfte zum Beispiel. Unpräzises und wenig zielorientiertes Mittelfeldgeplänkel, das auch diesmal wieder eher den Club als den Gegner einlullte. Zumal wenn der einen Kevin de Bruyne in den eigenen Reihen hat. Solche Spieler machen dann den Unterschied. Aber halt nicht allein und nicht über 90 Minuten.

Es gibt ja immer auch noch eine zweite Hälfte und es gibt die Standards, über die der Club in dieser Saison (ganz anders als früher) meistens am gefährlichsten war. Und es gibt Pelle Nilsson, Nürnbergs Goalgetter. Der machte dann den wichtigen Ausgleich und spielte den Dosenöffner für die beiden P-Stürmer, die dann ebenfalls mal wieder trafen. (nachdem der Franke aber P eher wie B ausspricht, kommt der Begriff der Wahrheit dennoch ziemlich nahe).

Das junge Mittelfeld mit Mendler, Mak, Plattenhardt, Stark wirkte anfangs etwas überfordert, steigerte sich dann und konnte immerhin Erfahrungswerte sammeln. Ansätze für die neue Saison waren zu sehen. Trotzdem werden wir da mit den zuletzt abgelieferten Leistungen nicht bestehen können. Bremen wird mit Sicherheit nicht mehr mit einer derart löcherigen Abwehr antreten und der Sieg gegen Düsseldorf hat sich inzwischen ja auch relativiert.

Doch egal: Versöhnlicher Saisonanschluss, Platz 10 (vor Wolfsburg, hallo Dieter!), nochmal ein Heimsieg. Also lieber mal feiern, relaxen und dann abwarten, was noch an Verstärkungen kommt.

Weiner – zum weinä!

Auch die schönste Serie geht mal zu Ende. Nach dem achten Spiel ohne Niederlage verlor der Club im Frankenstadion gegen Werder Bremen und wieder einmal spielte ein Schiedsrichter eine entscheidende Rolle.

Was Michael Weiner zusammenpfiff, schubste den – heute allerdings auch nicht besonders gut spielenden – Club voll von der Rolle. Will sagen: Die Mannschaft spielte diesmal nicht so gut, aber der Schiri zog sie noch vollends runter.

Trainer Dieter Hecking hatte vor dem Spiel richtig analysiert, dass der Druck bei den Bremern liegt. Wenn die zurück liegen, dürften sie das Muffensausen bekommen und eventuell einbrechen. Aber so kam es nicht. Weiner unterstützte die allerdings bissig aufspielenden Bremer mit einem doch etwas zweifelhaften (wie man in der TV-Zeitlupe später sah) doch wohl berechtigten Elfmeter. Der Club reagierte richtig, lamentierte nicht, sondern kam zurück – durch ein kurioses Tor, ein Schuss von Gündogan, der von Mertesacker abgefälscht wurde.

Doch Weiner nervte weiter durch seltsame Entscheidungen. Die mangelnde Standfestigkeit eines Marko Marin deutete er beispielsweise jedesmal als Foulspiel des Gegners. Die Clubmannschaft spielte leider genauso unsouverän. Agierte mehr gegen den Schiedsrichter als gegen die Bremer. Wahrscheinlich dachte man, irgendwann muss der Weiner doch mal Gerechtigkeit walten lassen. Das tat er aber nicht. Er stellte Timothy Chandler wegen zweier völlig unbedeutender Fouls mit Gelb-Rot runter. Dann gab er einen zweiten Elfer, der nun eher keiner war…

Die Schieber-Rufe waren schließlich berechtigt. Gleich doppelt. Denn ein Stürmer wie Julian Schieber, der fehlte dem Club heute.

Andererseits: Das bringt uns nicht um. Wenn man 42 Punkte hat, dann steckt man auch einen Michael Weiner weg.