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Lokaljournalisten nach Indien ausgelagert

17. März 2009 von th

Der Einwegrasierer kommt aus dem chinesischen Shenzhen, der DVD-Spieler aus Korea und das T-Shirt aus Bangladesh. Die Globalisierung hat unsere Wirtschaft längst durchdrungen und erfasst selbst Branchen und Dienstleistungen, die man mal für unverrückbar hielt.
Zum Beispiel den Tageszeitungsjournalismus: In der derzeitigen Krise hat der kalifornische Verleger James Macpherson die Lokalredaktion der Online-Zeitung pasadenanow.com kurzerhand abgeschafft und lässt die Berichte über das Geschehen im Rathaus von Pasadena in Indien schreiben.
Nein, das ist kein Scherz. Da werden die Stadtratssitzungen einfach per Webcam und Internet nach Mumbai und Bangalore übertragen, wo Inder, die gut Englisch können, dann die Berichte verfassen.
Ob sie wirklich kompetent zum Beispiel über die Sicherheitsprobleme in bestimmten Stadtteilen Pasadenas oder die Renovierungsbedürftigkeit öffentlicher Gebäude schreiben können, wenn sie niemals in ihrem Leben vor Ort waren, sei dahingestellt. Macpherson hat die Redaktion natürlich vor allem deshalb nach Indien ausgelagert, weil dort die Löhne deutlich niedriger sind.
Die indische Firma Mindworks hat aus diesem Kostenvorteil schon ein erfolgreiches Geschäftsmodell gemacht. 22 angloamerikanische Tageszeitungen lassen ihr Layout von dem Unternehmen vor den Toren Neu-Delhis entwerfen. In New York unterhält die Firma zwar ein repräsentatives Büro am Broadway, die Arbeit aber erledigt eine Hundertschaft Inder auf dem Subkontinent.
Vielleicht schafft es ja ein findiger Geschäftsmann demnächst, auch die Leser auszulagern – am besten in Länder, in denen so viel Einkommen und Zeit vorhanden sind, um in Ruhe möglichst viele Zeitungen zu lesen. Der Beta-Blogger

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Veröffentlicht in Der Beta-Blogger, Unterm Strich | 3 Kommentare

3 Kommentare zu “Lokaljournalisten nach Indien ausgelagert”

  1. am 18. März 2009 um 10:29 am1noske

    Wer seine Lokalredaktion auslagert, der hat nichts begriffen. Denn eine Zeitung ist keine Einbahnstraße, sondern lebt von der Kommunikation mit dem Leser und vor allem, von der Identifikation. Die reine Nachricht ist bald nichts mehr wert, weil sie durch das Internet jederzeit verfügbar ist.
    Das Pfund, mit dem die Zeitungen wuchern können, ist die Kenntnis der Mentalität ihrer Leser, ihrer Vorlieben und Besonderheiten. Das ist mehr als ein normales Geschäft und lässt sich nicht beliebig um den Erdball transportieren.
    Das werden die amerikanischen Zeitungen noch merken, dann den Bach runtergehen und zum Schluss weiß wieder einmal niemand, woran es gelegen hat.
    Danke, lieber Beta-Blogger, für diese kuriose Meldung.

  2. am 19. März 2009 um 11:54 pm2Starker Tobak

    Wenn eine Lokalredaktion nichts anders macht, als ab und zu mal eine Sitzung zu besuchen und darüber zu berichten….. dann braucht man sie wirklich nicht.
    Ein bischen mehr Info muss schon sein. Warum wurde etwas entschieden? Welche Interessen gibt es? Bei wem? Und warum?
    Solche Hintergründe zu liefern und etwas zu hinterfragen, dass kann man nur, wenn man vorort ist. Das kann man nicht auslagern. Journalisten die glauben mit dem abschreiben von Presseinfos hätten sie eine sinnvolle Arbeit geleistet, dass kann es nicht sein. Die kann man gerne nach Rumänien auslagern. Aber wenn etwas kritisch hinterfragt wird, den Bürgern echte Information geliefert werden: Das ist unbezahlbar.
    In dem Sinne: Die NZ macht es __manchmal__ gut. Mein Tipp: Schaut euch doch mal die Leistungen des Referenten Baumann etwas genauer an.

  3. am 23. März 2009 um 10:45 pm3Calafata

    Welch ein Schrecken muss für einen Journalisten die Nachricht sein, dass auch seine Tätigkeit mittlerweile durch eine billige Arbeitskraft in Indien zu ersetzen ist!?
    Stellt sich in Zeiten, in denen sich das Internet immer mehr ausbreitet, nicht für uns alle die Frage nach Sinn und Unsinn bzw. Schaden und Nutzen des worldwidewebs?
    Genügt es mittlerweile, um am “Puls der Zeit zu sein”, die Geschehnisse via webcam zu betrachten? Meiner Meinung nach nicht! Wo bleiben denn da unsere anderen Sinne?
    Wenn ich mich in diesen Tagen mit den verschiedenen Berichten und Nachrichten auseinandersetze, in denen das Internet eine wegweisende Rolle spielt, dann frage ich mich schon, wohin uns dieser Weg führen wird.
    Erst kürzlich sah ich einen Bericht über eine Fernbeziehung eines Paares mit zwei Kindern. Er arbeitet in Deutschland, sie in China. Doch Papa hat ja täglich von Deutschland aus per webcam die Möglichkeit, seine Kinder in China quasi ins Bett zu verabschieden. Genügt das?
    Ich denke, eine Aufgabe der Menscheit wird es in den nächsten Jahren sein, zu entscheiden, wieviel Internet wir in den verschiedenen Lebenswelten zulassen wollen.
    Die Evolution geht weiter!
    Und auch ich als Zeitungsleser werde mir irgendwann noch lauter die Frage stellen, ob ich weiter auf das altbewährte Zeitungsabo zurückgreife, ob ich weiterhin allmorgendlich meine Zeitung aus dem Briefkasten hole, mich beim Frühstück mit meinem Partner um die interessantesten Teile streite und mal wieder darüber ärgere, dass das Frühstücksei auf der Zeitung landet. Vielleicht werde ich irgendwann einfach nur noch mein Notebook öffnen, die verschiedenen Artikel online lesen und mich dann und wann einfach an die “gute alte Zeit(ung)” erinnern.
    Irgendwie bin ich selbst gespannt, wohin mich das Internet noch führen wird. Jedenfalls möchte ich dort zu einem erheblichen Maß mitreden, wo ich den Einsatz des Internets als eher destruktiv erlebe. Das sollten auch betroffene Journalisten ihr Metier betreffend tun!

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