Was hat uns “Dornröschen” noch zu sagen?
13. Dezember 2009 von th
Tschaikowskis “Dornröschen” ist der Prototyp des klassischen Handlungsballetts. Es gibt eine museale Aufführungstradition, die reicht von Marius Petipas Petersburger Uraufführung über Nikolai Sergejews seit Jahrzehnten gepflegter Londoner Inszenierung bis in die Gegenwart. Es gibt aber auch kühne Neuentwürfe wie die von Mats Ek (1996 in Hamburg), der Dornröschen ins Drogenmilieu versetzt. Irgendwo dazwischen parkt nun Nürnbergs Ballettchef Goyo Montero seine – bereits in Valencia und beim Festival Maggio Danza Fiorentino in Florenz erfolgreich präsentierte – Version des getanzten Märchens: modern im Tempo und im zum Teil akrobatisch fordernden Tanz, stark in den Bildeinfällen, aber dann auch recht zahm im Happy-End, bei der sich lauter heterosexuelle Pärchen zum Kollektiv formieren. Kein Platz für Einzelgänger, Gescheiterte, andere Entwürfe. Reicht so ein Ansatz, damit uns “Dornröschen” heute noch was sagt? Oder berauscht man sich lieber an Tschaikowskis herrlicher Musik und an den schön anzuschauenden Tanz-Formationen? th

