Eine wichtige Lücke im Repertoire schließt derzeit das Stadttheater Fürth. Zusammen mit Bert Brecht/Kurt Weills “Die sieben Todsünden” bringt Regisseur Felix Eckerle Victor Ullmanns Oper “Der Kaiser von Atlantis” auf die Bühne. Diese Oper entstand in Theresienstadt, dem Vorzeige-KZ der Nazis. Unter abenteuerlichen Umständen schrieb der inhaftierte Ullmann die Parabel vom Tod, der dem mächtigen Kaiser “Overall” den Dienst versagt und damit die Herrschenden ihrer stärksten Waffe beraubt. Ein Stoff, der den Nazi-Schergen nicht gefallen konnte. Bereits die Generalprobe endete im Tumult, das Werk durfte nicht aufgeführt werden, fast alle Beteiligten wurden kurze Zeit später in Auschwitz umgebracht. Ironischerweise überlebte als einziger nur jener Häftling, der die Rolle des Todes übernommen hatte. Er rettete auch die Partitur für die Nachwelt. Die Fürther Inszenierung nun zeigt, dass Ullmanns Oper auch unabhängig von ihrer tragischen Entstehungsgeschichte ein großes Kunstwerk ist, das es zu entdecken lohnt. Der Beta-Blogger
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Das ist der Fluch der Provinz: Während “Los Romeros”, das berühmteste klassische Gitarrenquartett der Welt, schon im Weißen Haus, vor Prinz Charles, dem Papst auftraten und die Hollywood Bowl füllten, musste bei ihrem Auftritt in Nürnberg Konzertveranstalter Georg Hörtnagel das Publikum ermahnen nicht zu laut zu husten. Peinlich. Aber ein musikalischer Genuss waren Joaquin Rodrigos “Concierto de Aranjuez” und “Concierto Andaluz” trotzdem. Der Beta-Blogger
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Dass man in der Richard-Wagner- und Festspielstadt-Bayreuth gerne der Vergangenheit nachhängt, ist bekannt. “Parsifal”-Regisseur Christoph Schlingensief hat die Festspiele sogar als jährlich wiederkehrende Totenfeier bezeichnet. Diese Aura Bayreuths bleibt selbst bei Google, der mächtigsten Suchmaschine der Welt, erhalten. Gibt man dort nämlich die Begriffe “Bayreuth Hotel” ein, wird unter den an der Spitze der Seite stehenden einschlägigen Internetadressen auch die Adresse eines Geisterhotels angegeben. Das Accent-Hotel in der Kolpingstraße 5 hat seine Pforten schon Ende 2007 geschlossen. Zwar gibt es im selben Haus jetzt ein Nachfolgehotel, doch die alte Internetadresse des Accent-Hotels führt auf jeden Fall ins Leere. Der Beta-Blogger
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So spät am Abend wirkt ein schöner Liederzyklus am intensivsten. Besonders, wenn man schon ein wenig müde ist und die Musik so charmant zwischen Romantik und Moderne changiert wie bei Ernst Kreneks “Reisebuch aus den österreichischen Alpen”. Melanie Hirsch hat die aus dem Jahr 1929 stammenden Lieder neulich bei der Opera Late Night im Gluck-Saal des Opernhauses gesungen, Alexandra Ismer begleitete sie am Klavier.
Krenek hatte im Mai 1929 kurz nach seinem Durchbruch als Komponist mit der Jazz-Oper “Jonny spielt auf” drei Wochen lang die österreichischen Alpen bereist und war durch das Salzkammergut, die Steiermark und Kärnten gewandert. Er war frisch verheiratet mit der Schauspielerin Berta Hermann, auch seine Eltern waren mit dabei, doch keine dieser Personen kommt in seinen Liedtexten vor.
Nein, Krenek denkt über sich und die Berglandschaft nach, beobachtet den Einbruch der Moderne in das beschauliche und karge Leben der Gebirgler, er schildert Naturstimmungen und macht sich immer wieder auch mal über die modernen, städtisch geprägten Menschen und ihre Eitelkeiten lustig. Am besten gelingt ihm das in “Auf und Ab”, dem 10. Lied des Zyklus, wo er den Massentourismus aufs Korn nimmt. Der Text hat nichts von seiner Aktualität eingebüßt, im Gegenteil: In einer Zeit, in der immer mehr Menschen in ihrer Freizeit vom Aktivitätsvirus befallen sind und viele von uns Artgenossen natürlich in schönster spießig-kleinbürgerlicher Manier nach dem besten Platz, dem Tisch am Fenster und dem Zimmer mit dem schönsten Ausblick streben, gehen die folgenden Zeilen runter wie Öl und sollen deshalb der Öffentlichkeit nicht vorenthalten werden (die Hervorhebungen stammen von mir):
Auf und ab – wie die Narren rennen die Menschen den Sommer über auf und ab in diesen Alpen, als ob ein alter Fluch sie hetzte, als ob man Platzpatronen hinter ihnen anbrennte. Ungeduldig und beflissen nach den dürren Weisungen der Reisebücher, Alpenführer, Fahrpläne und Prospekte laufen sie herum, die einen hin, die andern her, mehr leidend als genießend und versichern: ,Ach wie schön! Ach, wie schön!’, photographieren sich und dahinter wohl einen Berg und sehen nichts, weil sie Ansichtskarten schreiben müssen. Ein Geist der Menschenfeindschaft wächst riesig unter ihnen auf, denn jeder, dem man begegnet, ist ein böser Konkurrent für Autoplätze, Gasthaustische, bess’res Essen, Aussichtspunkte, Nachtquartier und alles Übrige. Die Sinnlosigkeit der Mühe steht auf den verdrossenen Gesichtern, doch die weiß von Gott von welchem Dämon verhängte Pflicht wird stumpfsinnig erfüllt. Gelangweilt verhüllen die großen alten Berge ihre Häupter, wenn der Pöbel ihnen auf die Füße tritt.”
Der Beta-Blogger
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Uns Bloggern wirft man ja gerne vor, wir bloggen über jeden Scheiß. In diesem Fall kann man das sogar mal wörtlich nehmen, denn bei “Wetten dass” am letzten Samstag traten zwei Tierpfleger mit der Behauptung an, sie könnten den Kotgeruch verschiedener Tierarten erschnüffeln. Und taten das dann auch vor laufender Kamera.
Darüber sollte man sich eigentlich nicht aufregen, denn das Fernsehen schafft sich zunehmend seine eigene Parallelwelt – und wer sich in dieses mediale Dschungelcamp unbedingt hineinbegeben will, soll das meinetwegen tun. A propos Dschungelcamp: Es wird ja vermutet, das ZDF habe zu dieser anrüchigen Wette nur deshalb gegriffen, weil zeitgleich zur “Wetten dass”-Show auf RTL die entscheidende Folge des “Dschungelcamp” lief (was immer “entscheidend” in diesem Zusammenhang bedeuten mag).
Ich habe übrigens weder die Wette noch das “Dschungelcamp” in allen seinen bildungsbürgerlich erhebenden Einzelheiten gesehen, sondern auf Spiegel-Online jetzt den hübschen Artikel entdeckt, dass sich die CSU über die Tierkot-Wette im ZDF erregt und nun CSU-Politikerin Angelika Niebler an ZDF-Intendanten Markus Schächter einen Brief geschrieben hat. Darin wirft sie dem ZDF vor, die Wette sei eine “ekelerregende Entgleisung”. “TV Widerlich und eine derartige Kulturlosigkeit gehören nicht ins deutsche Fernsehen, und schon gar nicht ins Öffentlich-Rechtliche”, schreibt Niebler weiter. Trotz Quotenkampf dürfe sich das gebührenfinanzierte öffentlich-rechtliche Fernsehen nicht auf solch einen Niveauverlust einlassen.
Nun, gerade als kulturversierter Schreiber hat man in den letzten Jahren selber zur Genüge miterleben nüssen, wie das Schielen auf die Quote die Kultur in diversen Medien in die Sch… geritten hat. Die Frage ist nur, ab wann das Thema so anrüchig wird, dass sich sogar die CSU darüber aufregt. Am Ekel-TV des “Dschungelcamp” scheint sich Frau Niebler jedenfalls nicht zu stören. Und am Stadl-Unwesen der Pseudo-Volksmusik-Folklore auch nicht, obwohl da mindestens ebenso viel stinkender Mist produziert wird. Aber das ist nur ein Beispiel von vielen vielen anderen. In diesem Zusammenhang möchte ich das ZDF für diese Wette sogar loben, denn sie war im Sinne der Transparenz vorbildlich. Würde man den Scheiß im Fernsehen immer so leicht erkennen, es wäre uns allen geholfen. Der Beta-Blogger
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Auch der Spiegel twittert jetzt – und übermittelt die Neuigkeiten seines Online-Angebotes in Kurzmitteilungen von maximal 14o Zeichen Länge. Eine weitere Beschleunigungs-Rubrik bei Spiegel-Online heißt: “Das Wichtigste in Kürze – 24 Stunden in drei Minuten”. Da wird der eh schon quirlige und ständig aktualisierte Online-Auftritt des Nachrichtenmagazins in “zwölf wichtigsten Meldungen” zusammengefasst. Wobei es an einem Tag wie diesem Sonntag, 11. Januar, schon mal vorkommen kann, dass Meldung Nummer drei (”Medwedew setzt Gas-Abkommen mit Ukraine aus”) Meldung Nummer zwölf (”Ukraine unterzeichnet Abkommen über Gas-Kontrolleure”) wieder hinfällig macht.
So drängt alles immer mehr zur Kürze und zu noch mehr Tempo. Diese Atemlosigkeit verhindert das Denken und ist – meiner Meinung nach – zudem nur eine Ausrede. Denn meine These lautet: Hinter der Eile und dem Trend zur ständigen Verkürzung und Dauer-Aktualisierung von Inhalten steht eigentlich der Widerwille vieler überforderter und gehetzter Menschen, sich mit Themen, die den eigenen Ego-Horizont überschreiten, überhaupt noch auseinanderzusetzen und diese ernst zu nehmen. Bevor das Nachdenken einsetzt, flackert schon die nächste Meldung über den Bildschirm oder aufs Handy. Nach dem Motto: Kann nicht mehr nachdenken, muss doch twittern. So führt Dauer-Stress zu umfassender Ignoranz. Der Beta-Blogger
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Was für ein wilder Beethoven: Der 27-jährige Gustavo Dudamel aus Venezuela dirigierte mit der Staatskapelle Berlin eine derart wuchtige und aggressionsgeladene Neunte Sinfonie, dass man plötzlich verstand, weshalb in Anthony Burgess’ Roman “Clockwork Orange” Jugendliche sich mit dieser Musik in Stimmung für ihre Gewaltorgien bringen. Statt einer Friedensbotschaft zu Neujahr klang es in diesem fantastischen Konzert eher wie bei den Toten Hosen und ihrem “Clockwork-Orange”-Song: “Hey hier kommt Alex.”
Die bravere Variante eines Neujahrskonzerts boten dagegen die Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle. Das ZDF übertrug live, die Kanzlerin saß im Publikum – und es erklangen bunt zusammengemischte Werke amerikanischer Komponisten. So mitreißend wie Dudamel war das längst nicht. Der Beta-Blogger
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So kalt wie es an Silvester sein wird, besteht die Gefahr, sich auf zu glattes Eis zu begeben und womöglich das mit dem “Guten Rutsch” zu wörtlich zu nehmen. Ins Rutschen und Schleundern kommen wir im Krisenjahr 2009 wahrscheinlich noch zu genüge. Gegen tückisches Glatteis kann es helfen, die Schuhe auszuziehen. Auf Socken kommt man besser voran. Vor allem aber, weiß Florian Mangold, kann man die Schuhe dann wunderbar auf all das werfen, was im Neuen Jahr den Horizont verdüstern und die Laune verderben könnte.
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Was den Streik angeht, hat die Deutsche Orchestervereinigung die “Stille Nacht” und die Feiertage zur Weihnachtsfriedenszone erklärt. Also: Keine Streiks, wenn “Nussknacker” oder “Hänsel und Gretel” auf dem Spielplan stehen. Beide Werke werden in Nürnberg zwar nicht gezeigt, trotzdem herrscht auch am Opernhaus vorerst Streik-Stille, die Nürnberger Philharmoniker beließen es bislang bei der Drohung – die allerdings steht für die Zeit nach den Feiertagen immer noch im Raum… Mal schauen, was im neuen Jahr daraus wird. Der Beta-Blogger
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Entwarnung gab es erst nach der Pause, als die Musiker ihre Plätze im Orchestergraben eingenommen hatten und Chefdirigent Christof Prick den Auftakt zum 3. Akt von Mozarts “Entführung aus dem Serail” gab. “Gott sei Dank, sie sind doch gekommen”, sagte ein neben mir im Publikum sitzender Staatstheater-Dirigent. Woraus sich schließen lässt, dass es im Haus Anlass zu der Befürchtung gab, die Premiere der “Entführung” am Samstagabend im Opernhaus könnte kurzfristig doch noch bestreikt werden.
So aber lässt sich vermelden: Die Samstagsvorstellung blieb im Opernhaus streikfrei, die Philharmoniker setzten ihre seit Donnerstag im Raum stehende Drohung, am Wochenende in den Ausstand zu treten, noch nicht in die Tat um. Es lohnte sich: “Die Entführung aus dem Serail” wurde vom Publikum mit langem, heftigem Applaus aufgenommen; insbesondere sängerisch und musikalisch war die Aufführung gelungen.
Doch das Wochenende ist erst am Sonntag zu Ende. Und da steht abends “Silk Stockings” auf dem Spielplan… Der Beta-Blogger
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