“Chancentod” Kerner
25. Juni 2008 von mp
Es war knapp, richtig haarscharf. Beinahe hätte es Schiedsrichter Urs Meier geschafft, mal etwas Substanz in die ebenso banale wie plattitüdenreiche Plauderrunde mit Johannes Baptist Kerner und Jürgen Klopp zu bringen. Meier wies am Samstag daraufhin, dass Ballacks Tor zum 3:1 für die Deutschen gegen Portugal irregulär gewesen sei; und dass die Deutschen wohl monatelang lamentiert hätten, wenn ein solches Tor gegen sie gegeben worden wäre. Ein durchaus interessantes Argument, wenn man sich das Gejammere der Fernsehjournalisten bei Jogi Löws Verbannung in den Glaskasten vor Augen führt – wobei diese Strafe sportlich freilich wesentlich unbedeutender ist als ein solches regelwidriges Tor.
Aber auf Kerner ist eben Verlass: Kollege vip hat ihn ja neulich als “Chancentod” bezeichnet, und in der Tat vergab der Moderator auch diesmal zielsicher die Möglichkeit einer spannenden Diskussion. Er bügelte Meier mit dem Hinweis ab, dass ihm ein regelwidriger Treffer “für uns lieber ist als gegen uns” und erklärte trunken vor Deutschtümelei: “Ballack ist so ein überragender Fußballer, der kann sogar foulen.”
Dafür ist Kerner ein so schlechter Moderator, dass er nicht mal zuhören kann. Urs Meier brachte nach dem Viertelfinal-Aus der Holländer die These vor, dass es den Mannnschaften vielleicht sogar schade, wenn sie im bedeutungslosen letzten Gruppenspiel ihre B-Elf auflaufen lassen würden. Damit werde die Stammelf zwar geschont, aber auch aus dem Rhythmus gebracht. Siehe neben Holland auch Portugal und Kroatien. Kerner ging auf diesen Hinweis nicht ein, was Meier anscheinend schon gewohnt ist. Der Schweizer gab nicht auf und formulierte den Gedanken ein paar Minuten später noch einmal. Kerner: “Ach, jetzt versteh ich erst, wovon Du da überhaupt geredet hast.”
Und als Meier am Tag darauf richtig vorausahnt, dass die Partie zwischen Italien und Spanien eine “zähe Angelegenheit” werden könnte, antwortet Kerner sinngemäß: “Du freust Dich also auch auf ein tolles Spiel?” Bei solchen Dialogen aus der Hölle kann mich nur eines trösten: Früher hat der “Chancentod” Spiele auch kommentiert, da konnte der fußballgeneigte Zuschauer ihm kaum entkommen. Das Blabla auf der Seebühne dagegen muss man sich ja nicht antun.

Geschafft: Der Kerner ist ausgeschieden! Dass der aber noch Nelly Furtados “Why must all good things come to an end” bemüht und auch noch der Franz Beckenbauer Kerners Geschwalle lobt, das ist eine völlige Verkehrung der Tatsachen. Das kann man nur als Trösten von Verlierern interpretieren. “Habt gut gespielt, ihr Österreicher, hat halt nicht ganz gelangt. Beim nächsten Mal….”
BEIM NÄCHSTEN MAL??? Tut ihn weg mit seinen Pseudoexperten, bitte, bitte, bitte!!!