Smoke on the Water in Bielefeld
6. Februar 2010 von kiki
Relativ frohgemut starte ich Freitagabend in Richtung Nürnberg, um dort ein Konzert zu besuchen. Frohgemut deshalb, weil das Spiel Arminia Bielefeld gegen die Spielvereinigung zu diesem Zeitpunkt noch ein sicherer Sieg für die Kleeblätter zu werden scheint. Aber schon im Auto wird der Ausgleich für die Mannschaft aus Ostwestfalen vermeldet. Na gut, beruhige ich mich, das Spiel dauert ja noch ein bisschen, Fürth wird es bestimmt noch schaffen. Im Hubertussaal in Nürnberg angekommen, treffe ich – an der Abendkasse stehend – Freunde aus Fürth. Es ist inzwischen 19.45 Uhr, und das Fußballspiel müsste zu Ende sein. Wie ging es aus? Per SMS wird der Endstand erfragt und unsere Gesichter sind auf einmal gar nicht mehr so glücklich: Das Kleeblatt hat einen Sieg verspielt und völlig unnötig mit 1:2 verloren.
Kurz nach dem sportlichen Schock beginnt dann das Konzert ”RockyHorrorSwingShow” mit Budde Thiem und seinem Orchester. Die LittleBigBand spielt Klassiker der Rockgeschichte gegen den Strich arrangiert und schafft es, dass der Abend auch für uns Kleeblatt-Fans keine Horror-Show wird.
Wohlweislich hatte ich es vermieden, dem Fürther Jazz-Musiker und Arrangeur Budde Thiem die Pleite der SpVgg noch vor seinem Auftritt zu verraten – das hätte seiner mentalen Form womöglich Abbruch getan. Thiem, der sich selbst nicht nur als Musiker, sondern als ”Glücksspieler, Comiczeichner,Textdichter und Alt-Fußballer” charakterisiert, sollte zumindest beim zweiten Song des Abends nicht seine eigene Kleeblatt-Seele meinen: “I can get no satisfaction.” Auch im weiteren Programm zieht er immer wieder Paralleln zum Fußball, spricht von einer “8+1+1-Aufstellung” seiner Band und von der Sängerin Steffi Denk als “Frontfrau”.
Bekannte Songs ganz anders arrangiert, das klingt super. “Come together” von den Beatles in neuem Gewand oder “Die stolze Marie” alias “Proud Mary” machen den Abend zu einem Highlight. Die Musik mit Mambo-, Samba- und Rockrhythmen lässt selbst uns “Greuther-Weiber” vergessen, dass Stephan Loboué der Ball aus den Händen rutschte und er damit in Bielefeld nach Sami Allaguis tollem Tor und der starken Leistung der Mannschaft die Niederlage einleitete. Ähnlich wie bei “Smoke on the Water” von Deep Purple muss es für die Kleeblätter im Schüco-Stadion in Bielefeld gewesen sein: Man ist arglos, sieht zwar irgendwo weit entfernt Rauch aufsteigen, kann allerdings die Ursache dafür – ein Feuer – nicht einordnen.
Kurzum: Wir werden, wie es vor einiger Zeit in (männlichen) Fußball-Kommentatoren-Kreisen immer wieder hieß, nach der Pleite von Bielefeld den “Mund abwischen” und uns auf das DFB-Pokal-Viertelfinale am 10. Februar gegen den FC Bayern München konzentrieren. Wer Lust hat, direkt nach dem Spiel in der Allianz-Arena Infos und Eindrücke vom Spiel aus der Sicht eines Fürthers, der im Stadion war, zu erfahren, der sollte unbedingt am Mittwochabend unseren “Greuther-Weiber”-Blog der “NZ” anklicken: Fürther sind bekanntlich “Born to be Wild” – und das werden sie auch in München unter Beweis stellen.
2 Kommentare zu “Smoke on the Water in Bielefeld”

Hallo, ihr Greuther-Weiber,
wollte euch zu dem wunderbaren Artikel gratulieren, der die Höhen (Budde Thiem-Konzert) und Tiefen (Verlorenes Spiel der Fürther) dieses Abends witzig-ironisch verknüpft und auf den Punkt bringt und insofern auch ein wenig tröstet! Vielleicht sollten sich die Spieler der SpVgg mal die Budde-Version von “We are the champions” geben, bevor sie auf den Platz gehen, dann wird das Spiel mit Sicherheit “beswingt”!!
Hallo, liebes Greuther-Weib Kiki,
ich kann mich nur der Meinung von Frau Hirschmann anschließen:
Ihren Artikel über das Konzert um den Musiker Budde Thiem parallel
zum Spiel der SpVgg gegen Bielefeld fand ich herzerfrischend-obwohl
ich seine Musik nicht kenne. Offensichtlich gibt es einige Parallelen
zwischen Fußball und Rockklassikern !?