Polizei-Willkür gegen Kleeblatt-Fans?

Fürther und Wahl-Fürther zeichnet ihre Weltoffenheit und Souveränität aus. Das war schon immer so, und auch gestern Abend konnten wir das wieder unter Beweis stellen: Im DFB-Pokal traf die Spielvereinigung im Viertelfinale auf den FC Bayern München. In einer tollen ersten Halbzeit faszinierten die Kleeblätter mit frechem Auftreten vor 50 000 Zuschauern, mit ihrer Courage und ihrem spielerischen Können.

So weit, so gut. Das mit 2:6 verlorene Spiel haben Mannschaft und Fans heute abgehakt, alle denken schon weiter, an die nächste Begegnung am 14. Februar gegen 1860 München (!) im Playmobil-Stadion. Da erreicht uns heute Abend – per Pressemeldung der Spielvereinigung – die Nachricht, was sich gestern Abend vor den Toren der Allianz-Arena abgespielt hat.

Während und nach dem DFB-Pokal-Viertelfinalspiel beim FC Bayern München ist es am Mittwochabend zu Auseinandersetzungen zwischen den eingesetzten Ordnungskräften der Polizei und Fürther Anhängern gekommen.
Aufgrund der Witterungsverhältnisse mit starkem Schneefall und den damit verbundenen Verkehrsbehinderungen waren einige Omnibusse aus Fürth, aber auch viele privat anreisende Zuschauer – Anhänger beider Mannschaften – nicht rechtzeitig zum Anstoß im Stadion. Mitarbeiter der SpVgg hatten davon Kenntnis und nahmen Kontakt mit dem Verantwortlichen des DFB, des FC Bayern München und der Polizei vor Ort auf, um möglicherweise eine Verschiebung des Anstoßzeitpunktes zu besprechen. Mit dem Hinweis, dass aufgrund der massiven Verkehrsprobleme eine Verschiebung der Anstoßzeit um wenige Minuten keine Besserung der Verhältnisse bringe, wurde das Anliegen der SpVgg verworfen.

Im Verlauf der ersten Halbzeit kamen dann Busse am Stadionparkplatz an. Die Fürther Zuschauer, die nach Darstellung der Münchener Polizei „stark alkoholisierte und aggressive Ultra-Fans“ gewesen sein sollen, eilten dann in Richtung des Eingangs Nord der Münchener Arena. Wie die Polizei weiter mitteilt, sollen etwa 150 Fans ohne erkennbaren Grund die eingesetzten Polizeikräfte in diesem Bereich angegriffen haben. Verantwortliche der SpVgg waren ebenfalls vor Ort und berichten, dass eine große Gruppe Fürther Fans, die bereits eine Personenkontrolle hinter sich gebracht hatten, es eilig hatte, in die Zuschauerblöcke zu kommen. Es sollten aber nochmals Karten-Kontrollen durchgeführt werden, was eine weitere Verzögerung beim Besuch des Spiels nach sich gezogen hätte. Dabei kam es zu Handgreiflichkeiten, denen die Münchener Polizei teilweise mit unangemessener Härte und dem Einsatz von Schlagstöcken und Pfefferspray entgegnete. Auch im weiteren Verlauf der Begegnung und insbesondere nach Abpfiff des Spiels kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen. „Aus Sicht der SpVgg ist die Polizei in der Münchener Arena mit unverhältnismäßigen Mitteln gegen Fürther Zuschauer vorgegangen. Dabei haben die Beamten nach Aussage von Augenzeugen auch Gewalt gegen unbeteiligte Besucher, ältere Menschen und Familien mit Kindern angewendet. Das ist nicht in Ordnung und entspricht nicht unserem Verständnis von fairem Umgang miteinander“, so Holger Schwiewagner, Mitglied der Geschäftsleitung der SpVgg Greuther Fürth. Auch Vereinsvertreter wie der Sicherheitsbeauftragte und der Fan-Koordinator, die über mehrere Stunden hinweg versuchten, deeskalierend einzuwirken, wurden nach dem Spiel von Beamten des Münchener Unterstützungskommandos (USK) verbal und handgreiflich angegangen. Holger Schwiewagner weiter: „Auch die Polizei ist verpflichtet, mit dem nötigen Respekt und Fingerspitzengefühl mit Besuchern von Fußballspielen umzugehen. Wir wollen möglicherweise aggressives Verhalten von so genannten Fans nicht entschuldigen oder diese Personen in Schutz nehmen. Aber hier scheint eine Grenze überschritten worden zu sein. Bei den Heimspielen in Fürth pflegen wir einen sachlichen und professionellen Dialog zwischen Fans und der Polizei, was zu einem entspannten und friedlichen Umgang miteinander führt. Dies gilt nicht nur für den Stadionbereich sondern beispielsweise auch für die Verkehrssicherung auf den Zufahrtswegen.“
Der überharte Einsatz der Polizei beim Spiel in der Münchener Arena machte auch die ärztliche Versorgung zahlreicher Fürther Zuschauer erforderlich. Die SpVgg Greuther Fürth wird zudem versuchen, im Austausch mit der Einsatzleitung der Münchener Polizei sowie dem FC Bayern München eine Einschätzung zu bekommen, wie es zu der Eskalation kommen konnte.

Um Himmels Willen, was ist da passiert? Von unserem Freund, der uns per Telefon in der Halbzeitpause und nach dem Abpfiff Eindrücke vom Spiel und von Begebenheiten drumherum berichtet hat, hatten wir schon erfahren, dass es aufgrund des Schneefalls und des schlechten Wetters zu kilometerlangen Staus vor dem Stadion in Fröttmaning kam. Er selbst erreichte erst zehn Minuten nach Spielbeginn das Stadion – da waren schon die ersten beiden Tore gefallen. Und auch der Fürther OB Thomas Jung – so war heute zu lesen – verpasste wegen der Verkehrssituation den Anfang des Pokalspiels.

Was tatsächlich vorgefallen ist, wird sich – hoffentlich – in den nächsten Tagen aufklären. Verein und Verantwortliche des Weltvereins Bayern München sind immer stolz auf ihre „Mir san mir“-Philosophie. Vielleicht sollte man versuchen, auch Besucher aus Fürth bei einem Pokalspiel als Gäste der Allianz-Arena zu behandeln? Sonst bleibt nach dem Spiel bei vielen ein ganz übler Nachgeschmack.

6 Kommentare in “Polizei-Willkür gegen Kleeblatt-Fans?

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  4. Na so schlimm wirds ja wohl nicht gewesen sein. Wir leben schließlich in einem Rechtsstaat. Und wenn die Polizei eingreifen mußte, dann hattte das schon seinen Grund.

  5. Also, wie die Bayern die Färdder behandeln – eine Frechheit. Da fällt mir sogar als glubberer nix mehr dazu ein. Das ist eine Kriegserklärung an alle Mittelfranken. Darf ich dran erinnern, wie die Bayern-Fans an einer Autobahn-Raststätte FCN-Fans verdrimmt haben. Die meinen scheints sie können sich alles erlauben.

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