„Champignons der Herzen“

Bei „Self-fulfilling prophecy“ (selbsterfüllende Prophezeiung) handelt es sich um einen soziologischen Begriff: Gemeint ist eine Vorhersage, die sich deshalb erfüllt, weil sich der Vorhersagende – meist unbewusst – so verhält, dass sie sich erfüllen muss. Klingt komplizierter als es ist.

Ich will ein Beispiel geben: So mancher Kleeblattfan träumt davon, dass die Spielvereinigung eines fernen Tages in der Champions League mitmischt. Da wird man dann gegen Teams wie Manchester United oder Inter Mailand antreten, man sitzt mit berühmten Fußballern nach dem Spiel im Ronhof  bei Schäufele und Weizenbier zusammen. Und der Verein schneidet sich mal ein richtig dickes Stück vom großen (Geld-)Kuchen ab. Dass dieser Traum nicht bloß eine Fata Morgana ist, darüber habe ich in den „Greuther-Weibern“ schon im November geschrieben, als die Fürther infra ein Anzeigenmotiv so titelte: „Fürth spielt ab 2012 endlich international.“

20100214_spvgg_1860_0816Auch in den vergangenen Tagen spukte das Wort Champions League wieder in den Köpfen der Fürther herum. Grund dafür sind die letzten Spiele des Kleeblatts, die sie – abgesehen von einem  Treffer – mit 0:0  „gewannen“.

Unfreundliche Reaktionen beim Spiel gegen Union Berlin am vergangenen Freitag im Playmobil-Stadion – Schmährufe, Beschimpfungen und Pfiffe von den Rängen – bereiten den Verantwortlichen bei der Spielvereinigung Kopfzerbrechen. Aber Kleeblatt-Manager Rachid Azzouzi nimmt sein Team in Schutz. Man sei ja immerhin die drittbeste Mannschaft der Rückrunde, außerdem würden die Kleeblätter motiviert spielen und fighten.

Allerdings ärgert sich Azzouzi offensichtlich über die seiner Meinung nach zu hohe Erwartungshaltung der Fans. Er spricht von total überzogenen „Champions-League-Ansprüchen“, aber – so Azzouzi – das Fürther Kleeblatt sei eben nicht Bayern München.
Wir wollen an dieser Stelle die Diskussion nicht weiter auf die Spitze treiben. Hauptsache, das Kleeblatt zeigt sich in den kommenden Spielen von seiner besten Seite und vergisst nicht, das eine oder andere Tor zu schießen. (Denn es gibt in der Soziologie im Gegensatz zur selbsterfüllenden Prophezeiung auch die selbstzerstörende Prophezeiung  – Self-defeating prophecy bzw. Self-destroying prophecy – bei der der Betreffende sich so verhält, dass die Prophezeiung gerade nicht in Erfüllung geht). Und auch das Thema „Champions League“ legen wir vorerst ad acta. Und hier möchte ich unsere Blog-Kommentatorin Mandy Wagenknecht zitieren, die im November schrieb:

„Und wenn’s ned aufsteign dann sans eben die Champignons der Herzn! Aba des schaffn die scho! Des waas I ganz gwiss!“

2 Kommentare in “„Champignons der Herzen“

  1. Also ich frage mich häufiger wo den immmer diese Beschimpfungen und Pfiffe passiert sein sollen. War als DK-Inhaber wie immer im Ronhof und hab davon nichts mitbekommen. Aber die Nürnberger Medien greifen auch jeden Furz auf, um Stimmung gegen die SpVgg und ihre Fans zu machen. Vielleicht sollte man auch in Fürth auf einer Kugelstoßwiese spielen, dann bekommt man wenigstens überhaupt nichts aus der Kurve mit.

  2. Wo liegt das Problem? Wenn die Greuther mal in der Champions League spielen, dann kriegen die einige Mal voll eins auf die Mütze und dann ist der Spuk schnell wieder vorbei.

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