Wie kann man so viele Chancen vergeigen?

Hannover 96 - SpVgg Greuther FürthWas kann man am Spiel des Kleeblatts vor allem kritisieren? Dass es einfach keine Chancen verwerten kann. Das war schon in den vergangenen Spielzeiten so – und es ändert sich (das ist zu befürchten) offenbar auch in der Saison 2016/17 nicht. So war es heute wieder: Der „Angstgegner“ Hannover 96 startete engagiert ins Spiel, und nach 23 Minuten traf der Norweger Iver Fossum ins Tor des Fürther Keepers Balasz Megyeri. Ob der Tormann einen Fehler gemacht hat, will ich hier nicht diskutieren. Das Kleeblatt hatte sich bis zu diesem Moment voll und ganz aufs Verteidigen konzentriert und war kaum im Strafraum der Hannoveraner aufgetaucht.

Anders dann nach der Halbzeitpause. Hatte Trainer Stefan Ruthenbeck seinen Jungs in der Kabine kräftig eingeheizt? Mag sein. Das Ergebnis waren auf jeden Fall bessere Aktionen bei der SpVgg. Veton Berisha setzte einen guten Schuss an den Pfosten (50. Minute), der eingewechselte Serdar Dursun hatte auch kein Glück (52.). Und ein Tor von Robert Zulj (54.) wurde wegen Abseitsposition nicht gegeben. Vermeintlich sichere Möglichkeiten für die Fürther en masse, aber es fehlen Können, Draufgängertum und auch das berühmte Quäntchen Glück, um zum Abschluss zu kommen. So näherte sich das Kleeblatt z.B. in der 70. Minute über rechts und brachte Robert Zulj im Zentrum in Position. Dieser scheiterte aus vier Metern Distanz freistehend am toll reagierenden Hannover-Keeper Philipp Tschauner.

Eine halbe Stunde mit sehr guten Torchancen – ohne den Ausgleich zu machen? Das musste bestraft werden. Und so kam es auch. Die Kombination der beiden Ex-Kleeblätter Felix Klaus und Niclas Füllkrug brachte die SpVgg in die Bredouille. Nach einer Vorgabe von Füllkrug macht in der 74. Minute Sebastian Maier das 2:0, der wiederum zehn Minuten später einen hervorragenden Pass auf Harnik gibt, der – ohne lange zu überlegen – aus etwa zwölf Metern zum 3:0 einschießt.

Der verdiente Ehrentreffer für das Kleeblatt ereignete sich in der 90. Minute: Robert Zulj gab den Ball von links in den Lauf von Berisha, der nur noch Tschauner vor sich hatte und ihn glücklich überwinden konnte.

Fazit: Nach einer reinen Defensivhalbzeit hatte die SpVgg eine halbe Stunde lang Chancen pur – die es einfach nicht verwandeln konnte. Fehlt die dominierende Stürmerfigur? Oder die Exaktheit? Stattdessen werden Bälle im Strafraum nur orientierungslos verballert. An der 1:3-Auswärtsniederlage wird das Kleeblatt zu knabbern haben. Unterm Strich ist das Zustandekommen des Ergebnisses symptomatisch, und ein fader Beigeschmack bei vielen Kleeblattfans ist schon nach dem zweiten Spiel dieser Saison spürbar.