Die „hilfsbereiten Geister“ vom Fürther Ronhof

Früher wäre es für behinderte Fußballfans mehr als schwierig gewesen, ein Spiel live im Stadion mitzuerleben. Wie kommt man hin? Wo kann man sitzen? Macht es für einen Blinden überhaupt Sinn, das Geschehen auf dem grünen Rasen nur zu hören?
All das stellt im Fürther Ronhof keine Probleme dar, die man nicht lösen könnte. Es gibt nämlich „gute Geister“, die Hilfestellung leisten. Mit zweien habe ich mich zu einem spannenden und informativen Gespräch in der Rodelbahn am Fürther Stadtpark (nur wenige Hundert Meter Luftlinie vom Stadion entfernt) getroffen: Die Behindertenbeauftragte der Spielvereinigung – Tanja Faltin – und Sebastian Weiß (Foto: KH). Die beiden engagieren sich mit Herzblut und viel Engagement. Tanja ist seit 12 Jahren, Sebastian seit fünf Jahren dabei, wenn es darum geht, gehandicapten Menschen einen entspannten Nachmittag im Ronhof zu ermöglichen.Mit dem Projekt „Hören, was andere sehen“ bietet der Verein einen besonderen Service für sehbehinderte Kleeblatt-Fans und Gästefans: Alle Heimspiele im Sportpark Ronhof werden von „Blindenreportern“ des Kleeblatts live kommentiert und können so per Kopfhörer von den Sehbehinderten gehört werden. Eine Supersache, meint Tanja Faltin. Die Kommentoren machen einen tollen Job, versuchen neutral zu sein, haben Sachverstand und ein hohes Niveau. Für 16 sehbehinderte Personen steht Equipment zur Verfügung (Bodypack und Kopfhörer), um auf allen Plätzen im Stadion sitzen und überall den Kommentar optimal hören zu können.
Auch gehbehinderte Fußballfans werden nicht ausgeschlossen: Seit Beginn der Saison 2009/10 haben Rollstuhlfahrer im Fürther Ronhof eine neue Heimat gefunden: Auf einer besonderen Tribüne, die für 25 Rollstuhlfahrer Platz bietet. Hier haben die Kleeblatt-Rollifans tolle Sicht und sind hautnah am Geschehen dran. Die Begleitpersonen sitzen hinter ihnen und sind so jederzeit greif- und erreichbar. Natürlich wird der Service auch Gastfans angeboten. Die sehbehinderten Fans können sich ihre Plätze frei im Stadion aussuchen. Besonders freut es Basti und Tanja, dass es inzwischen bei allen Vereinen in der Bundesliga und Zweiten Liga Behindertenbeauftragte gibt. Und auch die Nürnberger Ice Tigers haben mittlerweile als erster Einhockeyverein in Deutschand ideale Möglichkeiten für behinderte Fans geschaffen.

Was sich Tanja wünscht? Dass noch viel mehr Sehbehinderte und Rollifahrer den Service nutzen. Ziel ist es, Menschen mit Beeinträchtigungen besser in die Fußballvereine zu integrieren. „Deshalb: Einfach bei mir anrufen, jemand holt Euch auch ab oder bringt Euch wieder heim, wenn Ihr keine Begleitperson habt. Auch die Mitglieder der Fanclubs helfen und machen den Nachmittag für Euch zum echten Event“. „Wer Bock auf Fußball hat“, so Basti, meldet sich einfach telefonisch oder per E-Mail. Die Tickets für die Spiele sind natürlich günstiger: Rollifahrer und eine Begleitperson zahlen je 9 EUR, eine sehbehindete Person hat freie Platzwahl und ist mit 15 Euro dabei.
Wer das Service-Angebot der Spielvereinigung in der neuen Saison nutzen und das Kleeblatt live erleben möchte: Hier könnt Ihr Tanja Faltin erreichen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Um zu überprüfen, dass Sie eine reale Person und kein Spam-Roboter sind, lösen Sie bitte vor dem EINTRAGEN die nachfolgende kleine Rechenaufgabe, das sogenannte CAPTCHA *