Verlustreiches Unentschieden im Ronhof

Marco Caligiuris Jubel nach seinem dritten Saisontreffer (Foto: Sportfoto Zink)

Die Greuther-Weiber mussten letzte Woche zwangsweise eine kleine Pause einlegen – das Spiel gegen den VfL Bochum konnten wir nicht sehen. Aber jetzt ist die Blogwelt (für uns) wieder in Ordnung.

Kurios war das heutige Heimspiel gegen den Aufstiegsaspiranten 1. FC Union Berlin. Und vor allem in der ersten Halbzeit eine Aneinanderreihung von Fouls, Verletzungen und Ausrastern. Schon in der zweiten Minute grätscht Sebastian Polter unnötig brutal in den gerade wieder fitten Maxi Wittek, der liegt am Boden, man musste bangen, ob er sich Schlimmeres getan hat. Gott sei Dank nicht. Dann kurz darauf eine tolle Chance fürs Kleeblatt: Daniel Keita-Ruel verlängert einen weiten Einwurf, Julian Green steht frei vor dem Berliner Tor und schießt den Ball volley dem Keeper der Eisernen, Rafal Gikiewicz, aus drei Metern Entfernung voll ins Gesicht. Der ist benommen, kann aber weiter spielen.

Im weiteren Verlauf gelingen der Spielvereinigung gute Aktionen, aber unnötige Fouls der Berliner lassen keinen echten Spielfluss aufkommen. Dann in der 35. Minute das (unverdiente) Tor für Union: Mehrere Fehler in der Fürther Abwehr nutzt Joshua Mees gnadenlos aus, Union Berlin geht damit in Führung. Die Stimmung bei den Weiß-Grünen war aufgeheizt, die Folge eine Tätlichkeit von Daniel Keita-Ruel: Nach einem harten Foulspiel von Felix Kroos an David Atanga stürmt Keita-Ruel auf ihn zu und stößt ihn mit beiden Händen um. Mit einer Hand trifft er ihn am Hals. Rudelbildung vor den Trainerbänken. Und Schiedsrichter Dr. Martin Thomsen zeigt Keita-Ruel die Rote Karte. Ein herber Verlust, nicht nur im heutigen Spiel, sondern auch (aufgrund der Sperre) für die nächsten Begegnungen.

Wer befürchtet hatte, dass die Kleeblätter in Unterzahl schwächeln, der irrte gewaltig! Mit viel Schwung und Angriffslust kommen sie aus der Pause auf den Rasen. Viele Szenen spielen sich im Berliner Stafraum ab. Und der Einsatz wird belohnt: Kapitän Marco Caligiuri läuft bei einer punktgenauen Ecke von Julian Green mit vollem Tempo auf das Tor zu und köpft den Ball in die Maschen. Ausgleich im Ronhof.
Turbulent geht’s weiter. Nicolai Rapp säbelt Green an der Strafraumkante rücksichtslos um – und sieht auch die Rote Karte. Damit haben beide Teams nur noch zehn Mann auf dem Feld. Die letzte Viertelstunde verläuft wild und bleibt für die 9650 Zuschauer (davon rund 1000 Gäste aus Berlin) spannend. Fabian Reese – heute (neben Green) sicherlich eines der besten Kleeblätter – ackert und hat gute Möglichkeiten, die aber leider nicht zum Siegtor führen. Reese ist inzwischen deutlich entschlossener und hat sich bei den Kleeblattfans zur beliebten Figur entwickelt.

Das Spiel gegen Union Berlin endet unentschieden mit 1:1. Es war kurzweilig, wie auch schon beim Hinspiel im November (die SpVgg verlor in Berlin mit 0:4) teilweise äußerst ruppig und verlustreich (Rote Karte an Keita-Ruel, die jedoch berechtigt gegeben wurde). Das Kleeblatt steht mit 38 Punkten aktuell auf dem 11. Rang. Es folgen noch vier Spiele, dann ist die Spielzeit 2018/19 in der Zweiten Liga Geschichte.

Endlich wieder ein Heimsieg!

Paul Seguin erzielt per Elfmeter das 1:0 fürs Kleeblatt (Foto: Sportfoto Zink)

Endlich wieder ein Heimsieg für die Spielvereinigung! Nach zwei Unentschieden in der Englischen Woche – gegen Arminia Bielefeld und beim Nachholspiel gegen Dynamo Dresden – konnten die Kleeblattfans heute ein 2:1 feiern. Gegner war der SV Darmstadt 98.
Fürths Trainer Stefan Leitl hatte heute personell große Sorgen: Maximilian Wittek und Tobias Mohr sind verletzt und nicht einsatzfähig, genauso wenig wie Julian Green. Noch dazu hatte sich Daniel Keita-Ruel beim Aufwärmen vor dem Spiel am linken Sprunggelenk verletzt und musste in der 43. Spielminute ausgewechselt werden. Drei Ex-Kleeblätter standen für die Darmstädter auf dem grünen Rasen: Serdar Dursun, Marcel Franke und Johannes Wurtz.

In der ersten Halbzeit war die Partie für die Zuschauer unspannend und eher mittelmäßig. Noch dazu war Schiedsrichter René Rohde aus Rostock mit Gelben Karten nicht geizig. Nach der Halbzeitpause machten die Kleeblätter dann deutlich mehr Druck. David Atanga versuchte (für Keita-Ruel) immer wieder, vor das Tor der Lilien zu kommen, allerdings waren seine Abspielmöglichkeiten eher suboptimal. Das erste Tor für die SpVgg fiel dann aufgrund einer – meiner Ansicht nach – ungerechten Entscheidung des Referées. Er hatte bei Franke ein Handspiel gesehen und zeigte auf den Elfmeterpunkt. Die undankbare Aufgabe des Schützen übernahm Paul Seguin, der trocken und souverän ins Tor von Daniel Heuer Fernandes traf. 1:0 im Ronhof – endlich mal die Heimführung!
Fabian Reese war heute in der Startelf und rackerte, was das Zeug hielt. Er hatte ja im Testspiel gegen Ingolstadt sein Potenzial gezeigt und einen Hattrick gelandet. Und endlich wurde sein Engagement in der Zweiten Liga belohnt: In der 83. Minute war er mit dem Ball bis zur Strafraumgrenze vorgestoßen, zögerte – wie so oft – lange, fasste sich ein Herz und schoss dann doch mit dem rechten Fuß. Der Ball war eher harmlos, aber Heuer Fernandes konnte auch diesen Teffer nicht parieren: 2:0!
Vier Minuten Nachspielzeit waren dann auch wieder ein Tick zu viel. Die Kleeblätter – erschöpft und ausgepumpt – hofften auf den erlösenden Schlusspfiff. Doch mit einem Standard verkürzten die Darmstädter noch zum 2:1.

Nach diesem Heimsieg gegen den SV Darmstadt hat die Spielvereinigung mit einem drohenden Abstieg nichts mehr zu tun. Am 29. Spieltag fährt das Kleeblatt am kommenden Sonntag, 14. April, zum VfL Bochum. Der liegt mit nur einem Punkt weniger direkt hinter der SpVgg auf Tabellenplatz elf.

Kapitän Caligiuri im Pech

Einmal mehr der beste im Team: Marco Caligiuri.   (Foto: Sportfoto Zink)

3:1 hatte ich getippt – das Nachhol-Spiel gegen Dynamo Dresden erschien mir machbar. Viele Faktoren sprachen auch für einen Kleeblattsieg: Es war ein Heimspiel, das Wetter war angenehm und die Sachsen hatten erst drei Tage vorher beim Derbyrivalen Erzgebirge Aue eine kräftezehrende Aufholjagd hingelegt. Sie machten dort aus einem 0:1-Rückstand noch einen 3:1-Sieg.

Trotzdem gab es gestern Abend im Ronhof nur eine Nullnummer. Die Fans auf beiden Seiten waren hochmotiviert. Immerhin 12.590 Zuschauer waren im Stadion, rund 1700 SGD-Fans hatten zum zweiten Mal die Reise nach Fürth angetreten (knapp 650 Kilometer Hin- und Rückweg), um beim Nachholspiel des 25. Spieltages dabei zu sein. Vor dem Spiel verteilte die SGD am Gästeblock gelbe T-Shirts mit der Aufschrift „Überall und nirgendwo – immer wieder Dynamo“.

Das Spiel war geprägt vom Pressing der Sachsen, die viele Konter starteten, aber nicht erfolgreich waren. Das Spiel der Dresdner wurde gen Ende der Begegnung zunehmend ruppiger: Caligiuri bekam einen Schlag auf die Wange (trotz Maske), Julian Green war nach mehreren Fouls und einem Zusammenprall mit Atik eine Zeitlang benommen und musste später vom Platz.

Die Spielvereinigung vermittelte den Eindruck, dass sie strukturiert und konzentriert, jedoch zeitweise ein wenig lauflahm war. Sie hatte dennoch weitaus mehr Torschüsse, die Hausherren verbuchten über 60 Prozent des Ballbesitzes für sich. Die beste Chance gab es auf der Kleeblattseite: Nach einer Dynamo-Ecke schaltet Julian Green blitzschnell um, Daniel Keita-Ruel gibt auf David Atanga, und der nimmt Sebastian Ernst in der Mitte mit. Ernst hat Platz, wird beim Schuss aber geblockt. Doch Kapitän Marco Caligiuri bekommt den Ball und schießt ihn volley auf das Tor des Gästekeepers Markus Schubert. Leider prallt der Ball vom Alupfosten zurück.

Ganz deutlich war während des gesamten Spiels zu spüren, dass Maximilian Wittek (wegen seines Handbruches) fehlte. Er ist der Motor der Mannschaft, und seine Freistöße sind einfach die besten.

Mit einem Punkt aus dem 0:0-Endstand rangiert die SpVgg aktuell (mit zehn Punkten Abstand zum Relegationsplatz) auf dem 11. Tabellenplatz. In der Englischen Woche empfängt das Kleeblatt am Sonntag, 7. April, um 13.30 Uhr den SV Darmstadt 98 im Ronhof. Hoffen wir auf einen Heimsieg. Der war ja eigentlich gegen Dresden schon angesagt!

2:0-Führung doch noch verspielt

Jubel nach dem Torschuss zum 1:0 durch Julian Green (Foto: Sportfoto Zink)

Superwetter in Fürth – Frühlingsfest – Heimspiel im Ronhof. Ideale Rahmenbedingungen für Kleeblattfans, die (für hiesige Verhältnisse) zahlreich im Ronhof vertreten waren (9440 Zuschauer). Arminia Bielefeld hieß der Gegner der Spielvereinigung – ein Verein, der für Fürth in der Vergangenheit immer wieder interessant war. Wolfgang Hesl wechselte 2015 zu den Ost-Westfalen. Und das letzte Spiel in dieser Spielzeit konnte das Kleeblatt nach einem 2:0-Rückstand noch zum 2:3-Auswärtssieg herumreißen.

Heute hatte Arminia die erste gute Chance im Spiel, aber das Kleeblatt ging nach zehn Minuten durch ein ungewöhliches Tor in Führung: Julian Green schoss einen starken Schuss (nach Pass von Atanga) an den rechten Innenpfosten, von dort prallte der Ball an den Rücken des Bielefelder Keepers Stefan Ortega und ins Tor. Das erinnerte mich fatal an die unglückliche Niederlage der Spielvereinigung im Halbfinale des DFB-Pokals im März 2012 gegen Borussia Dortmund, als der gerade von Mike Büskens eingewechselte Tormann Jasmin Fejzic ganz ähnlich eine Art Eigentor verursachte.

Heute also die schnelle Führung der Spielvereinigung. Und dabei sollte es nicht bleiben. Kapitän Marco Caligiuri leitete einen Konter ein, spielte auf Fabian Reese ab. Der gab an den freistehenden Daniel Keita-Ruel, und der erzielte souverän das 2:0 (23. Spielminute) – sein zehntes Saisontor. Ein hoffnungsvoller Start!

Warum Fürths Trainer Stefan Leitl nach der Pause auf die Tribüne verbannt wurde, war dem Stadionzuschauer nicht ganz klar. Offenbar hatte er sich in der Halbzeitpause ein verbales Duell mit dem Schiedsrichter Alexander Sather geliefert. Kaum hatte Leitl auf der Tribüne Platz genommen, gelang Arminia Bielefeld mit einem Kopfballtor von Fabian Klos in der 47. Minute der Anschlusstreffer. Trotz bester Stimmung im Stadion – beide Fankurven feuerten ihre Teams engagiert und lautstark an – war beim Kleeblatt etwas die Luft raus. Nicht ohne Folgen: Torschütze Klos köpfte eine Freistoßflanke zum (leider) verdienten 2:2 ein (65.).

Marco Caligiuri versuchte mit sehenswerten Aktionen doch noch einen Sieg zu erlangen. Nach einer Verletzung von Maxi Wittek waren die Kleeblätter noch dazu in Unterzahl. Trotz Kampfeswille blieb es beim 2:2-Endstand.

Die Spielvereinigung bestreitet gerade eine kräftezehrende Englische Woche: Am Donnerstag, 4. April, kommt Dynamo Dresden für das Nachholspiel in den Ronhof. Die Sachsen sind zu bedauern, weil sie morgen noch gegen Erzgebirge Aue spielen müssen. Und am nächsten Sonntag empfängt das Kleeblatt – ebenfalls zu Hause – den SV Darmstadt 98.

Knoten bei Reese endlich geplatzt?

Fabian Reese in Aktion (Foto: Sportfoto Zink)

Die Spielvereinigung hat die Länderspielpause überbrückt und ein nicht-öffentliches Testspiel gegen den Tabellenletzten der Zweiten Liga, den FC Ingolstadt, absolviert. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: ein deutlicher 4:0-Erfolg.

Die größte Überraschung bei diesem eigentlich unwichtigen Spiel war Fabian Reese: Er erzielte einen lupenreinen Hattrick. Innerhalb von nur zehn Minuten (53., 57. und 62. Spielminute) traf Reese drei Mal in den Ingolstädter Kasten. Vielleicht wäre noch mehr möglich gewesen, aber für Reese wurde dann in der 65. Minute Kenny Prince Redondo eingewechselt.

Ich finde die drei Tore von Fabian Reese bemerkenswert. Der ursprünglich aus Kiel stammmende Stürmer steht ja als Leihgabe des FC Schalke 04 bei der SpVgg unter Vertrag. Im Januar 2018 wurde er zunächst bis zum Saisonende an Fürth verliehen. Er etablierte sich von Beginn an als Stammspieler. Seine erste Begegnung für die Kleeblätter absolvierte er nach der Winterpause 2018 am 19. Spieltag bei Arminia Bielefeld. Am 27. Juni 2018 wurde sein Vertrag beim FC Schalke bis zum 30. Juni 2020 verlängert, sein Leihvertrag mit Fürth um eine weitere Saison. Am 20. Oktober 2018, dem 10. Spieltag der Saison 2018/19, erzielte er beim 3:2-Auswärtssieg gegen Arminia Bielefeld nach 23 Einsätzen für Fürth sein erstes Profitor. Seitdem ist Reese zwar engagiert und kommt oftmals bis in den gegnerischen Strafraum, aber die echten Chancen konnte er bisher einfach (noch) nicht verwerten. Die Konsequenz bei ihm sind oft Enttäuschung oder wutentbrannte Reaktionen.

Deshalb freut es mich umso mehr, dass jetzt bei ihm der Knoten geplatzt sein könnte. Wenn sich Fabian Reese zukünftig zum Torjäger entwickelt, dann sieht es fürs Kleeblatt gut aus. Auf jeden Fall war der Hattrick ein gutes Omen, denn am kommenden Sonntag, 31. März, heißt der Gegner des Kleeblatts im Fürther Ronhof wie? Arminia Bielefeld!

Gerechtigkeit mit Videobeweis?

Schiedsrichter Christian Dingert zeigt Julian Green die gelb-rote Karte

Jeder von uns kennt die Bilder aus dem Endspiel bei der Fußball-WM 1966 im Wembley-Stadion: War der Ball in der 101. Spielminute über der Linie des deutschen Tores von Keeper Hans Tilkowski gegangen? Oder doch nicht? Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst entschied nach Rücksprache mit Linienrichter Tofiq Bəhramov auf Tor. So wurde England Weltmeister und den Deutschen der zweite Titel nach 1954 verwehrt. Das wäre vielleicht ganz anders gelaufen, hätte es da schon den Videoassistenten gegeben.

Der Videobeweis ist die Nutzung einer Videoaufnahme zur Tatsachenentscheidung eines Schiedsrichters. Zur Saison 2017/18 wurde er in der deutschen Bundesliga eingeführt, in Russland 2018 kam der Videobeweis bei einer Fußball-WM zum ersten Mal Einsatz. Ab der kommenden Spielzeit wird nun also auch die 2. Liga folgen. Strittige Szenen werden dann im „Kölner Keller“ (Video-Assist-Center, VAC) überprüft. Die Torlinien-Technik wird es in der zweiten Liga aber weiterhin nicht geben.

Auch beim Kleeblatt waren (falsche) Schiedsrichterentscheidungen in dieser Saison ein Aufreger. Ich erinnere an Gegentore aus dem Abseits beim 1. FC Köln und Union Berlin und den fragwürdigen Platzverweis für Julian Green im Spiel gegen den Hamburger SV (Foto: Sportfoto Zink).
Die Spielvereinigung muss für die Einführung des Videobeweises tief in die Vereinskasse greifen. Die Zweitligaklubs nehmen mindestens 180.000 Euro Mehrkosten pro Saison auf sich und müssen außerdem in Glasfaserkabel investieren. In den wenigsten Arenen der 2. Liga ist die Technik vorhanden, die für eine reibungslose Übertragung der Bilder nach Köln ohne zeitliche Verzögerung sorgen kann.

Von Fußballfunktionären und Fans wird der Videobeweis allerdings durchaus kritisch beurteilt. Es kam vor, dass er in das Geschehen eingriff, ohne dass eine klare Fehlentscheidung des Schiedsrichters vorgelegen hatte. Auch die zum Teil lange Dauer, bis eine Spielsituation abschließend bewertet wurde, ist Gegenstand der Kritik. Wird man bei Toren in Zukunft erst dann enthusiastisch jubeln dürfen, wenn der Videobeweis für Anerkennung eines Treffers gesorgt hat? Und wird dann spontane Begeisterung bald nicht mehr in den Stadien zu beobachten sein?

„Maskenmann“ Caligiuri kann’s noch!

Jubel nach dem Führungstreffer durch „Maskenmann“ Marco Caligiuri (F.: Sportfoto Zink)

Großes Aufatmen bei den Fans und der Spielvereinigung! Das Kleeblatt hat das gefürchtete Zweitligaspiel gegen Jahn Regensburg mit 2:0 gewonnen. Zum ersten Mal nach 1976 ist es dem Team aus Fürth gelungen, die Oberpfälzer Mannschaft in deren Stadion zu besiegen.
Dabei startete das Spiel mit deutlichen Vorteilen für die Regensburger, beim Kleeblatt fehlte ein wahrnehmbares Konzept. Die Partie war mit Fehlpässen, Fouls und – als Konsequenz – Gelben Karten gespickt. Nach der Halbzeitpause in der 53. Minute endlich eine Riesenchance für die SpVgg: Redondo spielt im Fallen einen Pass auf Sebastian Ernst, der ist frei vor dem Regensburger Keeper Pentke und schießt viel zu hoch übers Tor. War wohl nix!

Dann in der 64. Minute ein Quäntchen weiß-grünes Glück: Schiedsrichter Tobias Stieler legt einen Kontakt im Laufduell zwischen Markus Palionis und Daniel Keita-Ruel als taktisches Foul aus, daraus folgt die zweite Verwarnung für den Regensburger Innenverteidiger. Was Gelb-Rot zur Folge hat, ab jetzt sind nur noch zehn Jahn-Spieler auf dem heimischen Platz.

Die große Stunde des Fürther Kapitäns Marco Caligiuri, der aufgrund des Nasenbeinbruchs im Spiel gegen den Hamburger SV mit einer Maske spielt, schlägt kurz darauf: Eine Ecke von Maxi Wittek von der linken Seite verlängert Paul Seguin auf das lange Eck. Dort kommt Caligiuri angelaufen und vollendet aus spitzem Winkel: 1:0 fürs Kleeblatt (71. Minute)! Doch das Leben ist oft hart. Gerade noch als Torschütze von den angereisten Kleeblattfans lautstark gefeiert, ist der Fürther Capitano kurz darauf Schuld an einem Elfmeter: Eine harmlose Flanke von der rechten Seite bekommt Caligiuri unglücklich an die Hand. Stieler zeigt gnadenlos auf den Elfmeterpunkt. Doch dann wird Sascha Burchert zum „man of the match“. Er pariert den schwach getretenen Handelfmeter von Andreas Geipl und kann den unplatzierten Schuss im Nachfassen sogar noch festhalten.

Vier Minuten Nachspielzeit. Der in der 91. Minute eingewechselte Joker David Raum macht den Sack endgültig zu. Alle warten auf den Schlusspfiff, als David Atanga die Unaufmerksamkeit der Regensburger ausnutzt und den Ball an Raum abgibt, der nur noch einschieben muss. 2:0 lautet der Endstand. Vielleicht sind das am Ende der Saison drei big points? Nach der Länderspielpause empfängt die SpVgg am Sonntag, 31. März, Arminia Bielefeld. Der Beginn einer harten Woche, denn am 4. April steht das Nachholspiel gegen Dynamo Dresden an und am 7. April die Partie gegen Darmstadt. Vorteil: Alle drei Spiele finden im Ronhof statt.

 

Frauenfußball hat’s immer noch schwer

Freundschaftsspiel Deutschland – Brasilien 2015 im Fürther Ronhof (Foto: Sportfoto Zink)

Wir Greuther-Weiber denken gerne an das Spiel im Fürther Ronhof im April 2015 zurück, als die deutsche Frauen-Nationalmannschaft die Cracks aus Brasilien souverän mit 4:0 besiegte. Das Stadion war mit 15.000 Zuschauern toll besucht – eine Super-Kulisse.

Aber: Frauen und Fußball – das ist immer noch ein Thema, über das sich trefflich und hitzig diskutieren lässt. Frauen spielen in den gleichen Ligen wie ihre männlichen Kollegen und nach den gleichen Regeln. Trotzdem galt Frauenfußball lange Zeit als moralisch verwerflich, man sprach darüber voller Vorurteile, nach wie vor kämpft er in vielen Ländern um gesellschaftliche Anerkennung. Frauen, die Fußball spielen – das wurde nicht gerne gesehen. Man erachtete den Sport als „gefährlich für die Gesundheit der Frauen“. Fußball wurde verdächtigt, die „Maskulinisierung“ und Emanzipation dieser Damen zu fördern.

Die Frauen-Bundesliga wurde 1989 in Deutschland eingeführt. Seitdem wachsen Akzeptanz und Zuschauerzahlen stetig. 1989 gewann die deutsche Nationalmannschaft die Europameisterschaft – als Siegprämie erhielt jede Nationalspielerin ein Kaffeeservice! 2003 wurde das deutsche Frauen-Nationalteam in den USA Weltmeister und erstmals in Deutschland zur „Mannschaft des Jahres“ gewählt. 2007 konnte sie den WM-Titel unter der Trainerin Silvia Neid in China verteidigen. Für den Weltmeistertitel gab es pro Spielerin immerhin eine Prämie von 50.000 Euro. Seit ihrer Teilnahme an der Europameisterschaft 1989 errang die deutsche Frauennationalmannschaft (bis auf 1993 und 2017) durchgehend den Titel des Europameisters.

Klar, die Profispielerinnen verdienen nur einen Bruchteil ihrer männlichen Kollegen. Woran liegt das? Die Kickerinnen erhalten wesentlich weniger Aufmerksamkeit als ihre männlichen Kollegen. Fernsehgelder, Sponsoring-Verträge und Kartenverkäufe – bei keiner dieser Einnahmequellen kann der Frauenfußball mit dem Herrensport mithalten. Als Spitzenverdienerin gilt z.B. Dzsenifer Marozsán (2016 bis Anfang 2019 Spielführerin der Nationalmannschaft): Bei ihrem französischen Club Olympique Lyon soll sie mehr als 10.000 Euro im Monat verdienen. Ein gutes Stück unterhalb dessen, was männliche Drittligaspieler in Deutschland bekommen. Im Schnitt verdienen Bundesliga-Spielerinnen in Deutschland auch heute noch weniger als 1000 Euro im Monat. Deshalb arbeiten viele Spitzenspielerinnen neben ihrer Fußballkarriere, einige sogar in Vollzeit. Weil man sich mit Frauenfußball eben keine Existenz sichern kann. Und so besteht ihr Leben neben dem täglichen Training aus Ausbildung, Studium und Arbeit.

Insgesamt muss man sagen, der Frauenfußball erhält noch lange nicht die Anerkennung, die ihm gebührt, trotz spannender und qualitativ anspruchsvoller Begegnungen. Und trotz weiblicher Schiedsrichterinnen wie Bibiana Steinhaus, die inzwischen Bundesliga- und DFB-Pokalspiele der Herren leitet. Bewundernswert ist auf jeden Fall der Enthusiamus der Spielerinnen.
Vom 7. Juni bis 7. Juli 2019 findet die FIFA Frauen-Fußball-Weltmeisterschaft in Frankreich statt. Mit der neuen Trainerin Martina Voss-Tecklenburg wird es der deutschen Nationalmannschaft bestimmt gelingen, erfolgreicher als ihre männlichen Kollegen bei der WM in Russland zu sein. Und dann ist Frauen-Fußball auch in Deutschland wieder Tagesgespräch. Wir drücken die Daumen!

 

Noch eine Rechnung offen

Pierre-Michel Lasogga und Sascha Burchert beim Smalltalk (Foto: Sportfoto Zink)

Der Hamburger SV ist seit dem ersten Abstieg in seiner Vereinsgeschichte natürlich vollkommen darauf fixiert, in der Spielzeit 2019/20 wieder erstklassig zu sein. Das ließ sich anfangs auch gut an. Zu behaupten, dass der Hamburger Traditionsclub aktuell sportlich ein wenig in der „Krise“ist, wäre Jammern auf hohem Niveau. Der Mitabsteiger – der 1. FC Köln – rangiert an der Tabellenspitze, mit nur einem Punkt Rückstand folgen Union Berlin und der HSV. Der Lokalrivale FC St. Pauli ist allen mit nur einem Punkt Abstand dicht auf den Fersen.

Das Kleeblatt geht heute Abend mit einer gewissen Anspannung auf das Spielfeld. Immerhin: Es ist seit dem Wechsel zu Trainer Stefan Leitl noch ungeschlagen (1 Sieg, 2 Unentschieden) und holte fünf von neun möglichen Punkten. Das erste Aufeinandertreffen der SpVgg mit dem HSV in der Zweiten Liga im September vergangenen Jahres endete unentschieden mit 0:0.

Unvergessen ist natürlich das mit 0:1 unglücklich verlorene Spiel im September 2013, als Hamburgs Stürmer Pierre-Michel Lasogga das Kleeblatt aus dem DFB-Pokal kickte. Ihm war auch das 1:1 im Mai 2014 zu „verdanken“, als die SpVgg die Relegation gegen den HSV nicht gewinnen konnte und damit den Wiederaufstieg in die Bundesliga verpasste.
Lasogga wird auch heute Abend auf dem Platz stehen. Vielleicht schafft es das Kleeblatt, sich endlich für vermasselte Chancen zu revanchieren? Es wird also spannend. Um 20.30 Uhr ist Anpfiff im Hamburger Volksparkstadion.

Pech in der Nachspielzeit

Multitasking im Winterurlaub: Kleeblatt-Spiel und Ski-WM (Foto: KH)

Mit fast dreißig Minuten Verspätung und einem Weißgespritzten intus loggten wir uns ins Spiel zwischen Holstein Kiel und der Spielvereinigung ein. Gut, es stand 0:0, wir hatten offenbar wenig versäumt. Und so blieb es auch bis zum Anpfiff der zweiten Halbzeit – die zeitgleich mit dem zweiten Durchgang im Slalom der Herren bei der Ski-WM in Aare startete. Unsere Aufmerksamkeit war hier wie dort (siehe Foto).

Dann kam es in der 50. Minute zum Elfmeter fürs Kleeblatt, den Julian Green verwandeln konnte. 1:0 für die Spielvereinigung, damit endete eine unrühmliche Serie von sechs Auswärtsspielen ohne Tor. Für die Kieler Störche war das eine unerwartete Situation. Sie schielen ja eher zur Tabellenspitze, als dass sie mit einer Niederlage gegen die SpVgg Greuther Fürth rechnen. Doch Hauke Wahl verlängerte einen Freistoß in den Fürther Strafraum per Kopf, und Atakan Karazor gelang aus kurzer Distanz der 1:1-Ausgleich (76. Minute).

Gerade als Felix Neureuther seinen Lauf den schwedischen Slalomhang in Aare runterbringen will, passiert im Kieler Strafraum Kurioses: Kiels Keeper Kenneth Kronholm läuft gefährlich weit aus seinem Tor, lässt sich an der Seitenlinie in einen Zweikampf mit Marco Caligiuri ein, der den Ball bekommt und mit einem eleganten Schuss aus spitzem Winkel zum 2:1 ins leere Tor der Störche trifft.

Beste Stimmung bei uns. Vielleicht wird Neureuther hinter dem Favoriten Marcel Hirscher Zweiter, und Fürth gewinnt mit 2:1 in Kiel? Aber wie das Leben so spielt: In den letzten Sekunden der vierminütigen Nachspielzeit beschwert sich Maxi Wittek nach einem Foulspiel beim Linienrichter und sieht die Gelbe Karte. Obendrein erhält Kiel einen Freistoß in guter Position. Lazlo Benes schießt den Ball vor Sascha Burcherts Kasten, und Hauke Wahl trifft per Kopfball aus kurzer Distanz zum 2:2.

Der vermeintlich erfolgreiche Sport-Nachmittag geht also doch anders aus als zwischenzeitlich erhofft: Das Kleeblatt erkämpft sich nur einen Punkt bei Holstein Kiel, drei Österreicher stehen auf dem Siegerpodium im Slalom der Herren der Ski-WM. Und Felix Neureuther wird wegen eines Einfädlers disqualifiziert. Life is life!