Der Abstieg ist fürs Kleeblatt verdammt nah!

1. FC Heidenheim - SpVgg Greuther Fürth„Was vom Tage übrig blieb“ ist ein Roman des britischen Schriftstellers Kazuo Ishiguro aus dem Jahre 1989, Mitte der 90er Jahre von James Ivory mit Emma Thompson und Anthony Hopkins verfilmt. Was für Kleeblattfans zu Hause und 1500 angereiste Anhänger heute vom Tage übrig bleibt, ist die bittere Erkenntnis, dass die Spielvereinigung nach der verdienten 0:3-Niederlage gegen den FC Heidenheim am tiefen Abgrund des Abstiegs in die Dritte Liga steht.

Nach dem 3:0-Sieg in der letzten Woche gegen Fortuna Düsseldorf waren so etwas wie optimistische Impulse durch die Mannschaft und die Anhänger der SpVgg gegangen. Das Kleeblatt kann es noch: Fußball spielen, Tore schießen und siegen. Aber heute war alles wieder wie in den vergangenen Monaten. Nach einer einigermaßen guten ersten halben Stunde gelang den Heidenheimern aus dem Nichts das 0:1: Eine ziemlich konfuse Szene vor Wolfgang Hesls Tor, Robert Zulj klärte noch auf der Linie, aber Tim Göhlert machte dann doch den Treffer. Und drei Minuten vor der Halbzeitpause erhöhten die Zweitliga-Aufsteiger zum 2:0! Drei Fürther Spieler bekamen den Heidenheimer Kapitän Schnatterer in der Mitte nicht unter Kontrolle, der spielte den Pass auf den mitgelaufenen Heise. Und der Verteidiger machte den Treffer.

Wie so oft in dieser Saison ging die SpVgg mit einem Rückstand in die Pause. Aber es sollte noch dicker kommen: In der 48. Minute zog Robert Zulj die Notbremse und wurde postwendend mit der Roten Karte bestraft. Schlimmer noch: Die Heidenheimer verwandelten den verhängten Foulelfmeter. So lag das Kleeblatt innerhalb von knapp 50 Minuten mit 0:3 zurück. Auch Trainer Mike Büskens (Foto) muss sich jetzt ernsthaft Sorgen machen.
Bis zum Schlusspfiff fiel den Kleebläattern dann nicht mehr viel ein. Zu harmlos, zu schlapp und ohne Kampfkraft spulten sie die Minuten runter. Stephan Fürstner, der bekanntlich in der nächsten Spielzeit zu Union Berlin wechseln wird, bäumte sich als einer der wenigen verzweifelt gegen einen weitere Niederlage auf. Und Torwart Wolfgang Hesl war es letztlich zu verdanken, dass die Niederlage nicht noch höher ausfiel.

Ohne schwarz malen zu wollen: Die SpVgg hat es im letzten Heimspiel am Sonntag, 17. Mai, mit dem Aufsteiger SV Darmstadt zu tun. Die wollen unbedingt in die Erste Bundesliga aufsteigen, sei es direkt oder zumindest über den Relegationsplatz. Das heißt: Sie werden dem Kleeblatt nichts schenken! Und das letzte Auswärtsspiel bei RB Leipzig wird mit Sicherheit auch kein Zuckerschlecken. Wie gesagt: Ich male nicht gerne schwarz. Aber das Kleeblatt war dem Abstieg schon lange nicht mehr so nahe wie heute.
Und noch eine Hiobsbotschaft. Das Tierorakel Daisy lag heute nach zwei richtigen Tipps auch voll daneben!

0:3 – Das Kleeblatt im Abstiegskampf

Hesl_1860Ich war mir heute absolut sicher, dass das Kleeblatt gewinnt und sich für den verpatzten Wiederaufstieg am Ende der letzten Saison bei 1860 München revanchiert. Und die Mannschaft fing auch vielversprechend an: Ruhig und konzentriert, mit Zug nach vorne und einigen guten Chancen in den ersten zehn Minuten. Eine Viertelstunde nach Anpfiff sah es nicht nur für mich, sondern auch für viele Kleeblattfans im Stadion so aus, als ob es mit der Spielvereinigung endlich wieder aufwärtsgehen würde. Alle waren sich sicher, diese Partie zu gewinnen.
Doch wie so oft im Leben kam es ganz anders: Die Fürther verloren das bayerische Derby vernichtend mit 0:3, und damit ist der Abstiegskampf in die Dritte Liga leider eingeläutet.
Ans Herz war der Einlauf der Mannschaften gegangen: Die Kleeblattspieler hatten Kinder mit Handicap an der Hand, so lebt der Verein das Thema „Inklusion“. Seit dem 24. Oktober 2014 sind die Kleeblätter ohne Heimsieg. Heute waren sie oft in Ballbesitz, kamen allerdings einfach nicht zu einem erfolgreichen Abschluss. Das erste Tor der Löwen fiel dann überraschend durch Krisztian Simon in der 34. Minute. Wieder mal war der Fürther Keeper Wolfgang Hesl zu weit aus dem Torraum gelaufen (ähnlich wie im letzten Spiel gegen 1860 im September 2014) , so dass der Löwe eiskalt seinen Angriffsschuss verwandeln konnte.

13 370 Zuschauer mussten dann nach der Pause die Demontage der SpVgg mit anschauen. Obwohl das Team aktiv spielte, fand es keine Lösung, die Münchner in ihre Schranken zu weisen. Benedikt Röcker kam im Laufduell Korbinian Vollmann nicht hinterher und musste völlig konsterniert zusehen, wie der den Ball eiskalt im Tor versenkte – 0:2 in der 65. Minute.
Doch damit nicht genug. Ausgerechnet der Ex-Fürther Daniel Adlung wurde sechs Minuten später vor dem Strafraum nicht attackiert, so schoss er bombensicher von halblinks oben rechts ins Tor – Hesl war machtlos.
Die Spielvereinigung hofft weiterhin auf einen Heimtreffer. Mike Büskens kann einem wirklich leidtun. Er versucht, Gelassenheit und Souveränität in die Mannschaft zu bringen. Und gute Ansätze sind auch da. Aber der Fürther Sturm ist einfach zu schwach und ohne Durchschlagskraft. Mit 28 Punkten kommt man nicht aus dem unteren Mittelfeld der Zweitliga-Tabelle (aktuell Platz 14!) heraus. Im Gegenteil: 1860 München rückt nach dem heutigen Sieg bedrohlich näher.
Die Spielvereinigung ist am Sonntag, 22.März, bei Erzgebirge Aue zu Gast. Die liegen momentan auf dem 16. Tabellenplatz. Also: Für das Kleeblatt geht es um die Wurst!

Klare Worte und eine Portion Motivation

Fanstammtisch_2015Zu selten finden sie statt, die Fan-Stammtische, zur denen die Spielvereinigung in ihre Räume am Laubenweg einlädt. Gerade jetzt, wo das Kleeblatt nicht sehr erfolgreich spielt und auf einem schlechten Rang im unteren Teil der Zweitliga-Tabelle steht, ist es wichtig, dass sich Verantwortliche des Vereins Fragen der Fans stellen.

Leider kamen am Dienstagabend nur circa 50 Leute zum ersten Fan-Stammtisch 2015. Man kann rätseln, woran das wohl lag: Schlechtes Wetter, Verkehr, spannendes Fernsehprogramm? Alles keine Gründe dafür, dass im Gegensatz zu Fan-Stammtischen der vergangenen Jahre erstaunlich wenige interessierte SpVgg-Anhänger da waren. Immerhin zwei Stunden dauerte dann die Fragerunde, die wie immer um 19.03 Uhr startete.

Auf dem Podium saßen der neue Direktor Profifußball, Michael Mutzel, und Trainer Mike Büskens. Moderiert wurde das Gespräch von Immanuel Kästlen, dem Leiter Medien und Kommunikation. Mutzel ist seit drei Monaten in Fürth, hat Erfahrung in Hoffenheim gesammelt und ist für die Kaderplanung zuständig. An ihn gingen einige Fragen. Im Fokus des Interesses standen vielmehr Mike Büskens und die Perspektiven der Mannschaft in dieser Saison. Ob man sich gedanklich schon mit dem Abstieg in die Dritte Liga beschäftigt habe? Büskens beantwortete das in seiner ihm eigenen Art ruhig und mit klaren Worten. Man müsse „wachsam, aber nicht ängstlich“ sein. Für Frank Kramer sei es schwierig gewesen, mit so vielen neuen, jungen Spielern ein schlagkräftiges Team aufzubauen. Kritische Fragen zu Ein- und Verkäufen von Spielern kommentierte der Coach pragmatisch. Manchmal „hat man Glück, manchmal fasst man in die Sch…“. Wichtig – und da gab Büskens den Fans Recht: Große Fluktuation bei der Spielern schafft keine Konstanz.
Fazit der Fans, die engagiert mitdiskutierten und auch unbequeme Fragen stellten: Motiviertsein muss man leben. „Jetzt sind wir einfach die Unabsteigbaren“, schlug ein SpVgg-Anhänger vor. Denn dass das Fürther Kleeblatt am Ende des letzten Spieltages im Mai den Klassenerhalt geschafft hat, daran zweifeln die Wenigsten.