Alle im Relegationsfieber: Henry versus Helmut?

Der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger ist bekanntlich der prominenteste Fan der Spielvereinigung. Er ist gebürtiger Fürther und lässt keine Gelegenheit aus, sich im Ronhof ein Spiel seiner Kleeblätter anzusehen. Kissinger informiert sich auch in den USA regelmäßig über die Ergebnisse der SpVgg und hat zu seinem 90. Geburtstag sogar eine Dauerkarte auf Lebenszeit vom  Verein geschenkt bekommen.
Vor eineinhalb Jahre hat ihm Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz einen HSV-Schal geschenkt, den sich Kissinger mit der Bemerkung um den Hals legte: „Wenn die Fotos öffentlich werden, darf ich mich in Fürth nicht mehr blicken lassen“.

Und in diesen Tagen würde Henry Kissinger das mit Sicherheit gleich gar nicht tun. Denn wenn heute Nachmittag um 17 Uhr die SpVgg im Ronhof gegen den Hamburer SV im zweiten und entscheidenden Relegationsspiel antritt, muss man sich ganz offen zu einem der beiden Vereine bekennen.

Es kommt heute aber nicht zur zum sportlichen Schlagabtausch, sondern auch zum Polit-Duell zweier Freunde: Helmut Schmidt versus Henry Kissinger. Der 95 Jahre alte Ex-Bundeskanzler (1974 bis 1982) und der fünf Jahre jüngere Ex-Außenminister der USA kennen sich bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert. Der Hamburger Schmidt gilt zwar nicht als ausgemachter Fan des Hamburger SV. Aber er sagte bereits vor einiger Zeit, dass er einen Abstieg des HSV in die Zweite Liga nur ungern sehen würde.
Also: Ich bin gespannt, welcher der beiden Grandseigneur sich heute Abend freuen darf!

Henry im Stadion, aber trotzdem verloren!

Ausverkauft war die Tolli ARENA wieder – wahrscheinlich wollten die 18 000 Zuschauer mal einen ehemaligen amerikansichen Außenminister live erleben. Henry Kissinger hatte sein Versprechen wahr gemacht und sah sich die zweite Bundesliga-Partie seines Heimatvereins gegen den FC Schalke 04 an.

Die erste Halbzeit begann nicht gerade spektakulär, und auch das Fürther Publikum brauchte ein bisschen, bis es auf Touren kam. Kleeblatt-Fans kommen eben manchmal langsam, aber gewaltig. Sportlich hatten die Schalker in der ersten Halbzeit die besseren Chancen. Aber das Kleeblatt agierte auf Augenhöhe und hatte ganz gute Möglichkeiten, die es leider nicht verwerten konnte. Der Schuss vor den Fürther Bug – genauer gesagt ins Tor – gelang den Königsblauen kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit durch Julian Draxler. Keeper Max Grün hatte praktisch keine Abwehrchance. Das Kleeblatt war erst mal geschockt, aber alles blieb soweit noch im grünen Bereich.
Dann: Ex-Schalker Gerald Asamoah wird in Minute 77 von Coach Mike Büskens eingewechselt. So mancher Fan im Stadion fragte sich, ob der Wunsch von Asa in Erfüllung gehen könnte: zehn Minuten vor Spielende eingewechselt zu werden und dann kurz vor dem Abpfiff sein Tor zu machen.

Aber so sollte es nicht kommen. Der Spielvereinigung lief zusehends die Zeit davon. In der 85. Minute kam Baretta für den Torschützen Draxler. Und ausgerechnet der gab dann mit einem Linksschuss die Vorlage für das zweite Tor der Königsblauen: U21-Natonalspieler Lewis Holtby ließ sich nicht lange bitten und nahm den Kleeblättern jede Hoffnung, das Spiel zumindest noch mit einem Punkt abzuschließen.

Schade, Henry Kissinger fieberte mit seiner Spielvereinigung mit. Die Fans zeigten sich (mal wieder) von ihrer besten Seite. Aber der hochkarätige FC Schalke 04, das war eben der Favorit. Und dem wurde er – trotz Schwächelns in der ersten Halbzeit – dann auch gerecht.

Ich bin ein Färdder!

20100504 Kissinger unterschreibt auf TrikotEr ist zwar schon 86 und lebt bereits seit 1938 in den USA. Doch auch wenn seine Familie wegen der Nazis emigrierte, hat der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger seine Heimatstadt Fürth nach wie vor in guter Erinnerung – in noch besserer „seinen“ Fußballverein: die Spielvereinigung, die zu seiner Zeit noch nicht den – Achtung, jetzt schreibe ich wieder das bei einigen Fans so verhasste „G-Wort“!!! – Zusatz „Greuther“ im Namen trug.

Als Kissinger heute Fürth wieder mal einen Besuch abstattete, ließ er sich natürlich die Gelegenheit zu einer Stippvisite im Ronhof nicht entgehen. Er schlenderte mit Vereinspräsident Helmut Hack und Oberbürgermeister Thomas Jung über den Rasen und durch den Fan-Shop mit dem berühmten Kräutertee – was sich aus dem Mund des Fürther Ehrenbürgers immer noch fränggisch wie „Greuderdee“ anhört. Ich hätte ihn zu gern mal das Wort „Greuder-Weiber“ sagen hören! Kissinger begutachtete auch fachmännisch die neueste modische Trikot-Kollektion.

Nach wie vor ist er genau im Bilde, wie das Kleeblatt derzeit spielerisch so dasteht. Da hat der prominente Fan bei früheren Besuchen allerdings schon Erfreulicheres vorgefunden als den derzeitigen 12. Platz in der Tabelle. Kissinger hofft, so beteuert er, weiterhin auf den Aufstieg „seiner“ Elf in die erste Bundesliga, wie wir Greuther-Weiber und anderen Fans eben auch.

Und jetzt sollten die Hardliner unter den Fürth-Fans lieber nicht weiterlesen. Kissinger hat nämlich einen Satz gesagt, den sie gar nicht gern hören werden: Er wünscht dem Club den Klassenerhalt in Liga eins. Naja, er ist und bleibt halt ein Diplomat, wie er es als Außenminister sein musste, und da hat er ja für Aussöhnung ganz anderer verfeindeter Parteien als zwischen SpVgg und Club gesorgt.