Sensation im Erzgebirge

Das waren noch Zeiten, als die Spielvereinigung im DFB-Pokal ins Halbfinale kam. Damals – im März 2012 – hat das Kleeblatt unglücklich gegen Borussia Dortmund verloren. Heute sah es gegen die gerade in die Dritte Liga abgestiegenen Erzgebirgler aus Aue in der ersten Halbzeit gar nicht so schlecht aus. Bei tropischer Hitze machten die Veilchen dann in der 68. Minute mit einem Kopfballtor von Simon Skarlatidis das 1:0 – und damit sind die Kleeblätter schon in der ersten Runde aus dem Pokal geflogen.

Dabei sprach vor dem Spiel vieles für Fürth. Nach dem vielversprechenden 2:2-Unentschieden am letzten Montag gegen den Favoriten RB Leipzig wurde das Kleeblatt schon wieder als Aufstiegskandidat gehandelt. Völliger Unsinn, konterte Coach Stefan Ruthenbeck. Und die heutige Leistung holt sogar den größten Optimisten zurück auf den Boden der Tatsachen. In den letzten zehn Jahren hatte die SpVgg in zehn Begegnungen nur ein Mal gegen Erzgebirge Aue verloren. Heute ging nach der Halbzeitpause praktisch nichts mehr zusammen. Die Veilchen spielten energisch und mutig auf, sie wirkten nach ihrer Führung wie aufgedreht. Dem Fürther Team gelang dann bis zehn Minuten vor dem Schlusspfiff wenig. Veton Berisha hatte einige gute Chancen, die er kreativ anging, aber nicht umsetzen konnte. Und die gute Abwehrparade von Aues Keeper Martin Männel machte einen Freist0ß von Niko Gießelmann zunichte. Nach dem Spiel war die Enttäuschung bei Trainer und Mannschaft groß. Da half auch eine Dusche zur Abkühlung nichts.
Schade, das Kleeblatt ist raus aus dem DFB-Pokal, die Sensation in Aue perfekt. Die Spielvereinigung muss jetzt ihre Wunden lecken und sich bis zur nächsten Zweitliga-Begegnung am 16. August gegen St. Pauli wieder fangen.

Gegen die Roten Bullen wäre mehr drin gewesen

SpVgg_RBLeipzig_8_2015Haushoch hätte die Spielvereinigung heute beim haushohen Favoriten RB Leipzig gewinnen können. Und das sage ich nicht, weil ich das Kleeblatt völlig unkritisch nur mit den Augen der Liebe sehe. Aber der 2:2-Endstand beim ersten Auswärtsspiel ist schade, es wäre heute viel mehr drin gewesen.

Von Anfang an überraschte die SpVgg mit gut organisierten und strukturierten Aktionen. Das kennt man aus der letzten Saison schon gar nicht mehr. Offenbar versteht es der neue Coach Stefan Ruthenbeck, die etablierten Fürther Spieler mit den Neuzugängen zu einem harmonischen und effektiven Team zu zusammenzuschweißen. So kam es folgerichtig schon nach 12 Minuten zum ersten Tor des Kleeblatts: Nach einer Ecke landete der Ball bei Robert Zulj, der von links an die Fünfmetergrenze flankte, wo der ungedeckte Sebastian Freis beherzt aufs Tor köpfte. Der Leipziger Torwart Fabio Coltorti war zwar mit dem Fuß dran, doch das Tor war nicht zu verhindern. Riesenfreude bei den angereisten Kleeblattfans. Doch die Leipziger Antwort kam postwendend: Klostermann nutzte eine kurze Irritation in der Fürther Mannschaft und gab die Kugel an Selke in den Sechzehnmeterraum. Der Stürmer ließ sich nicht zwei Mal bitten und traf nur 81 Sekunden nach dem Führungstor am schlecht aussehenden Fürther Keeper Sebastian Mielitz vorbei zum 1:1. Fünf Minuten vor dem Halbzeitpfiff gelang Veton Berisha, der eine hervorragende Vorstellung abgab, dann souverän das 2:1 für die SpVgg.

Nach der Pause hatte das Kleeblatt dann Chancen über Chancen: Freis, Berisha, Zulj – jeder hätte ein weiteres Tor machen können, machen müssen. Aber die tollen Chancen konnte keiner von ihnen verwerten. Im Gegenteil: Der gerade eingewechselte Nils Quaschner bediente den Schweden Forsberg mit der Hacke, der es sich nicht nehmen ließ, aus zehn Metern zum 2:2 ins Kleeblatt-Tor zu schießen. Gegen Ende der Partie wäre die SpVgg beinahe doch noch als Sieger vom Platz gegangen: Joker Tom Weilandt flankte in der Nachspielzeit flach vors Tor, wo Berisha den Ball denkbar knapp neben den linken Pfosten setzte (90.+3). So sollte es bei einem für RB Leipzig schmeichelhaften 2:2 bleiben. Beide Mannschaften liegen nach dem zweiten Spieltagen mit jeweils vier Punkten und gleichem Torverhältnis auf dem vierten Platz der Zweiten Liga.

Fazit: Trainer Stefan Ruthenbeck gelingt vielleicht das, was weder Frank Kramer noch Mike Büskens in der verkorksten Spielzeit 2014/15 schafften: Den Kleeblättern Selbstvertrauen zu geben, sie in geordnete Strukturen zu bringen. Außerdem hat er mit dem Neuzugang Veton Berisha aus Norwegen einen wirklich talentierten mutigen Stürmer. Und das ist doch eine vielversprechede Perspektive für die nächsten 32 Begegnungen.

Bullen jagen in Leipzig

Am nächsten Montag, 3. August, findet das erste Auswärtsspiel der Spielvereinigung in der Saison 2015/16 statt. Die Kleeblätter fahren mit hohen Erwartungen zum Topspiel nach Leipzig zu den „Roten Bullen“. Das ist eine schnelle Neuauflage nach der Begegnung am letzten Spieltag im Mai. Da haben die Leipziger einen 2:0-Sieg verbuchen können. Die Reaktion der angereisten Kleebltattanhänger war damals dementsprechend (Foto): Buhrufe und Stinkefinger für eine enttäuschende Leistung des Fürther Teams.

Der sächsische Verein ist bei vielen Fußballfans der Zweiten Liga mit Abstand der unbeliebteste. RasenBallsport Leipzig, ein Verein, der nicht aus Herzblut und Enthusiasmus gewachsen ist. Nein, das Ziel der wenigen stimmberechtigten Vereinsmitglieder ist eindeutig die Maximierung des Profits. Traditionsbewussten Fans anderer Bundes- und Zweitliga-Clubs stößt das sauer auf. Wo RB Leipzig in der 2. Bundesliga zu Gast ist, schlagen der Mannschaft von den Tribünen Abneigung und Hass entgegen. Mit Spruchbändern und Sprechchören machen Fans deutschlandweit ihrem Unmut über das Red-Bull-Projekt Luft. Heimspiele der Leipziger werden von vielen Auswärtsfans boykottiert.

Der 71-jährige österreichische Milliardär Dietrich Mateschitz (er hält 49 Prozent der Anteile am Energy-Drink-Hersteller Red Bull GmbH) hat 2009 sein Projekt „Marketing mit Fußballclubs“ gestartet und will sein RB-Imperium expandieren lassen. Er hat den Schwerpunkt der Konzentration seines Konzerns im Fußball-Geschäft nach RB Salzburg inzwischen auf RB Leipzig gelegt. Sein wichtigstes Ziel: der Aufstieg von RB Leipzig in die Bundesliga – je eher desto besser. Die mit knapp 23 Millionen Euro getunte Mannschaft muss den hohen Erwartungen als Aufstiegsfavorit Nummer eins mit allen Mitteln gerecht werden. Viele Millionen Euro hat RB Leipzig für seine Neuzugänge ausgegeben. Dazu kommen fünf Spieler vom Red-Bull-Stammklub aus Salzburg, für die der Verein vor dieser Spielzeit keine Ablöse zahlen musste. Der Marktwert des gesamten Kaders liegt bei knapp 40 Millionen. Im Vergleich dazu: Der Marktwert des Bundesliga-Absteigers SC Freiburg beträgt rund 10 Millionen weniger, der Marktwert der Spielvereinigung wird auf ca. 15,5 Millionen Euro beziffert.

Dass es den Roten Bullen mit dem geplanten Aufstieg ernst ist und sie sportlich was drauf haben, beweist das Resultat des gestrigen Testspiels gegen den Bundesliga-Neuling FC Ingolstadt. Das Spiel haben die Sachsen mit 2:0 gewonnen.

Am Montagabend ist also das Kleeblatt dran: Um 20.15 Uhr ist Anstoß in der Red Bull Arena. Ein Tipp für Fans, die beim Spiel dabei sein wollen: Aufgrund einer Demonstration im Innenstadtbereich von Leipzig wird es zu Verkehrsbehinderungen kommen. Deshalb wird dringend empfohlen, frühzeitig und mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen!
Wer nicht nach Leipzig fahren kann oder will: Sport 1 überträgt die Begegnung live.

Mehr Glück als Verstand: Kleeblatt bleibt in der Zweiten Liga!

RB Leipzig - SpVgg Greuther FürthMeine aktuellen Gefühle zu beschreiben ist nicht schwer: Es ist vor allem Erleichterung über den Verbleib der Spielvereinigung in der Zweiten Liga. Das letzte Spiel einer nicht besonders erfolgreichen Saison 2014/15 endete heute mit einer verdienten 0:2-Auswärtsniederlage gegen RB Leipzig. Das Spiel war ein Abziehbild der meisten Begegnungen und symptomatisch für die sportliche Klasse des Kleeblatts und seine Form in dieser Spielzeit: Fehlpässe en masse, ein engagierter Stephan Schröck, dem im entscheidenden Moment ein Teamkollege zum Abspielen fehlt. Eine immer wieder ratlos wirkende Mannschaft, für die Pressing ein Fremdwort zu sein scheint: Man harrt der Dinge, die da kommen, und wirkt in manchen Szenen so, als ob man mit dem Geschehen auf dem Platz rein gar nichts zu tun hätte. Und: ein überragender Torwart Wolfgang Hesl. Ohne dessen Leistung die Spielvereinigung viel mehr Gegentore bekommen hätte. Und jetzt nicht auf dem schmeichelhaften 14. Tabellenplatz, sondern noch weiter unten stünde.
RB Leipzig war heute einfach die bessere Mannschaft und spielte den effektiveren Fußball. Als gegen Ende der zweiten Halbzeit klar war, dass das Kleeblatt nicht mehr siegen würde, richtete sich die Konzentration der angereisten 2000 Fürther Fans im RB-Stadion und der Kleeblattfans zu Hause vor den Fernsehern auf die Ergebnisse der anderen potentiellen Abstiegskandidaten in der Zweiten Liga. Denn nur dank der Resultate der Konkurrenz startet die SpVgg auch in der Saison 2015/16 in der Zweiten Liga. Zu meiner großen Freude schafft der SV Darmstadt außer dem FC Ingolstadt den direkten Aufstieg in die Bundesliga, der Karlsruher SC geht in die Relegation gegen den Hamburger SV. Und die Absteiger in der Zweiten Liga heißen VfR Aalen und Erzgebirge Aue. 1860 München, mit denen man als Kleeblattanhänger so manche Rechnung offen hat, muss ebenfalls in die Releagtion – gegen Holstein Kiel. Ich persönlich hätte nichts  gegen den Erfolg des norddeutschen Vereins.

Also: Eine Saison mit vielen Tiefschlägen geht für die Spielvereinigung zu Ende. Der Verein ist letzten Endes mit einem blauen Auge davon gekommen. Jetzt sollte man diese Spielzeit ganz schnell abhaken, sich erholen. Und bis zum Anpfiff der Spielzeit 2015/16 Ende Juli werden die Karten neu gemischt. Wie wäre es zum Beispiel mit dem Engagement eines guten Stürmers?

In den letzten beiden Spielen alles geben!

Klassenerhalt_2015Jetzt auf „Endzeit-Stimmung“ zu machen – das hat gar keinen Sinn. Die Spielvereinigung steht aktuell auf dem 14. Tabellenplatz der Zweiten Liga und hat nur noch zwei Spiele vor sich. Problematisch ist nicht der 14. Platz (man wird ja bescheiden mit der Zeit!), sondern die Anzahl der Punkte der letzten fünf Mannschaften. Mit dem Kleeblatt haben noch St. Pauli und Erzgebirge Aue 34 Punkte, der Tabellenvorletzte, 1860 München, 33 Punkte. Und das Schlusslicht – der VfR Aalen – verfügt über 31 Punkte. Mit anderen Worten: Nachdem schon die letzten Spieltage für Überraschungen gesorgt haben, weil vermeintlich schlechte Mannschsften Spiele gewannen und damit der SpVgg immer näher kamen, geht es jetzt um jeden Punkt fürs Kleeblatt.
Die beiden letzten Gegner der Spielvereinigung sind am Sonntag, 17. Mai, zu Hause der SV Darmstadt, der im Moment auf dem zweiten Tabellenplatz, also einem direkten Aufstiegsplatz rangiert. Die „Lilien“ werden sich hüten, eine Schwäche zu zeigen, und ihren Aufstieg in die Bundesliga zu gefährden. Und der Gegner am letzten Spieltag heißt RB Leipzig. Dieses Auswärtsspiel wird bestimmt nicht leicht, denn der Verein hat schon das Hinspiel in Fürth mit 1:0 gewonnen.

Trotzdem: Jetzt sind alle gefordert, sich noch mal zu konzentrieren und vor allem zu motivieren. Der Klassenerhalt ist auf jeden Fall noch möglich. Deshalb: Liebe Kleeblattfans, engagiert Euch am Sonntag lautstark für das Kleeblatt, schüchtert die Lilien mit Euren Fangesängen ein. Und, liebe SpVgg-Profis: Realisiert endlich, um was es geht. Und reißt Euch am Sonntag am Riemen.

Noch ein Satz zum Foto oben: Wenn man in das schwarze Loch sieht, was ist da in der Tiefe? Schaut genau hin: Die Worte „Hoffnung auf den Klassenerhalt“. Na, also!

Das war ein Schuss in den Ofen!

Bitter, bitter: Die Spielvereinigung unterliegt unglücklich mit 0:1 zu Hause gegen RasenBallsport Leipzig. Ein wichtiger Sieg für die Aufsteiger aus Sachsen, die sich trotz massiver Personalprobleme mit drei wertvollen Punkten zurück in den oberen Bereich der Tabelle katapultierten.

Schon nachmittags waren die ersten Leipziger Fans in Fürth und zeigten vor allem großes Interesse für die hiesigen Weihnachtsmärkte. Auf dem Mittelaltermarkt und am Waagplatz konnten sie sich bei Glühwein schon mal vorwärmen – die Stimmung im Gästeblock im Stadion am Laubenweg war grandios.

SpVgg Greuther Fürth - RB LeipzigDie Partie verlief in der ersten Halbzeit – von beiden Seiten – für Zweitliga-Teams fast schon hochkarätig. Noch nie sind die Kleeblätter gegen die (umstrittenen) Aufsteiger aus Leipzig angetreten. Premiere! Die gelang, denn mit vielen guten Spielzügen und Aktionen in den ersten 45 Minuten ließ die Mannschaft erahnen, was in ihr steckt. Das Beinahe-Tor für Fürth  gelang dann in der 20. Minute: Goran Sukalo stieg nach einer Schröck-Ecke nach oben und traf mit einem wuchtigen Kopfball leider nur das Lattenkreuz. Pech. Beide Teams – vor allem aber die Kleeblätter – wirkten in der ersten Hälfte zielorientiert, das Spiel war intensiv und schnell. Wieder einmal war es Stephan Schröck, dem gute Attacken gelangen. In der 59. Minute landete ein Ball von ihm sogar im gegnerischen Tor. Abseits! In dieser Position fand sich der Publikumsliebling später noch einige Male – er roch die Leipziger Abseitsfallen einfach nicht und hatte das Nachsehen.
Kein Tor in der ersten Halbzeit – und  nach dem Anpfiff zur zweiten Hälfte war es dann mit der spielerischen Klasse dahin. Ein einziges Gebolze auf dem Fürther Rasen machten den zirka 10.000 Zuschauern wenig Freude. Es wurde immer öfter gefoult, und das Spiel kam kaum noch in Fluss. Auffallend gut spielte heute Marco Caligiuri (Foto). Er klärte mit viel Engagement so manch brenzlige Situaton und sorgte dafür, dass knifflige Momente fair gelöst wurden.

Doch dann passierte es in der 77. Minute nach einer Standardsituation doch noch: der „Rote Bulle“ Dominik Kaiser schoss eine Ecke flach in den Sechzehnmeterraum. Der Ball rutschte durch zu Compper, der aus kurzer Distanz am per Fußabwehr reagierenden Hesl scheiterte. Eine tolle Parade des Kleeblatt-Kapitäns. Aber gegen den Nachschuss des ebenfalls aufgerückten Niklas Hoheneder war der Keeper dann machtlos. Das war gleichzeitig das Endresultat: 1:0 für die Sachsen.
Damit liegt RB Leipzig heute Abend auf Tabellenplatz vier, die Spielvereinigung dümpelt weiter im Mittelfeld-Nirwana. Sieben Punkten auf den Aufstiegsplatz stehen sechs Punkte auf den Relegations-Abstiegsplatz gegenüber. Aber wir haben eine Englische Woche, d.h. am kommenden Dienstag empfängt das Kleeblatt um 17.30 Uhr den VfL Bochum im Ronhof . Und dann – vier Tage vor dem Heiligen Abend – geht’s ab zum Lokalderby nach Nürnberg. Es bleibt also eine spannende Adventszeit!