Was ist bloß mit dem Kleeblatt los?

Freitagabend haben wir es leider nicht pünktlich geschafft, uns das „Kellerduell“ zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und der Spielvereinigung anzusehen. Wir waren noch auf der Autobahn zwischen Erfurt und Fürth unterwegs. Der Kurzbesuch in der thüringischen Stadt war interessant. Dort ist – ähnlich wie hier – gerade auch Kärwa (die dort kurioserweise „Oktoberfest“ heißt). Das Auffallendste bei dieser Kirchweih auf dem Domplatz ist ein gigantisches Riesenrad. Es ist mit seiner Höhe von 55 Metern sage und schreibe 25 Meter höher als das in Fürth. Und: Es leuchtet im Greuther-Fürth-Look in Weiß-Grün (siehe Foto)! Der Blick aus einer der Gondeln über die beleuchtete Stadt ist gigantisch.

Zurück zum Wesentlichen: Kurz vor Ende des Spiels kommen wir in Fürth an und loggen uns in der 80. Minute ein: Torjubel, Freude im Fritz-Walter-Stadion. Ein Tor fürs Kleeblatt? Nein, zu unserem großen Entsetzen sehen wir den aktuellen Torstand: 3:0 für die „Roten Teufel“ vom Betzenberg, die (bis dato) Tabellenletzten. Um uns schnell upzudaten, machen wir uns dann online schlau. Und müssen lesen: Im Gegensatz zu den ersten Partien dieser Saison und dem Siegerspiel gegen Fortuna Düsseldorf ist das Kleeblatt diemal offenbar richtig schlecht. Auch Kapitän und Torwart Balazs Megyeri macht Fehler und ist nicht mehr der „Fels in der Brandung“. Dafür zeigt der FCK mit seinem neuen Trainer Jeff Strasser viel Courage und offensive Aktionen. Der Neueinkauf aus Schweden – Sebastian Andersson – landet mit seinem Hattrick innerhalb von neun Minuten (71., 74. und 80.) einen Einstand nach Maß. Das Kleeblatt reagiert wie im Schockzustand. Die Roten Teufel feiern im neunten Spiel ihren ersten Saisonsieg. Und das Kleeblatt rutscht nochmal ab und steht nun mit vier Punkten am Tabellenende. Vielleicht kann das Statement von Defensivspieler Richard Magyar (auf der Vereinswebsite) die enttäuschten Kleeblattfans aufbauen:

„Ich habe viel Erfahrung mit solchen Situationen. In Schweden habe ich drei Jahre ums Überleben gespielt und war da mit 19 Jahren Kapitän. Aus dieser Situation habe ich viel gelernt. Ich bin nicht besorgt. Ich sehe in der Mannschaft viel Potenzial. Gegen Düsseldorf haben wir gezeigt, was wir können und ich bin hungrig auf eine Revanche. Wir sind nicht so schlecht, wie die Tabelle sagt … in solchen Situationen wächst man als Persönlichkeit, wir müssen jetzt zusammen kämpfen und zusammenhalten und ich bin mir sicher, wir schaffen das.“

Mund abwischen und weiter kämpfen!

Serien sind dafür da, irgendwann auch mal durchbrochen zu werden. So passierte es beim Auswärtsspiel des Fürther Kleeblatts gegen den 1. FC Kaiserslautern. Die Spielvereinigung verlor nach neun Partien ohne Niederlage, Lautern gewann nach sechs Spielen ohne Sieg. 2:0 war der Endstand für die Gastgeber. Eine Serie hat jedoch weiter Bestand: Seit über acht Jahren holte die Spielvereinigung keinen einzigen Punkt auf dem Betzenberg.

Die beiden Tore für die Roten Teufel waren schon (in der 20. und 39. Minute) gefallen, als David Raum (Foto) zu Beginn der zweiten Halbzeit für Johannes van den Bergh auf den Platz kam. Der 18-jährige Mittelfeldspieler ist ein vielversprechendes Talent aus dem eigenen Nachwuchs und bestritt sein zweites Zweitligaspiel. Coach Janos Radoki hatte bereits kurz vor der Pause taktisch auf das bewährte 3-4-1-2-System umgeswitcht und hoffte nun, mit Einwechslungen ein wenig mehr Power und Durchschlagskraft ins Team zu bringen. Nach Raum kam dann Sercan Sararer (54.) für Veton Berisha. Aber die heutige Krux des Kleeblatts – geringe Präzision im Zuspiel und zu wenig Biss – konnte auch mit den frischen Spielern nicht therapiert werden. Wie es eben manchmal ist, wenn man drei Spiele in sieben Tagen hat: Diese Englischen Wochen zehren an den Kräften und haben es definitiv in sich.
Erst in der Schlussphase kam die Spielvereinigung zu einer (ersten) erwähnenswerten Torchance: Khaled Narey gelang aus 14 Metern in zentraler Position ein Abschluss, er zielte aber exakt auf den Lauterer Keeper Julian Pollersbeck. Deshalb blieb es vor 21 812 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion beim 2:0 für die Roten Teufel.
Das Kleeblatt rangiert weiterhin mit 40 Punkten auf dem sechsten Tabellenplatz der Zweiten Liga. Am Ostersonntag, 16. April, tritt die SpVgg um 13.30 Uhr erneut auswärts an, sie spielt gegen den (aktuell) Tabellenzehnten VfL Bochum.

Die Roten Teufel holten sich die Punkte

FC Kaiserslautern - SpVgg Greuther FürthAuch wenn der berechtigte Elfmeter in der 84. Minute der Spielvereinigung gegeben worden wäre – ich befürchte, das Kleeblatt hätte das Ruder nicht mehr herumreißen können.
In einer kurzweiligen Partie verlor die SpVgg im Fritz-Walter-Stadion beim 1. FC Kaiserslautern mit 1:3. Offen gesagt: nicht gerade unverdient.
Das vorletzte Spiel in der Saison 2015/16 startete für die SpVgg eigentlich ganz vielversprechend. Bereits in Minute 12 gab es den ersten schönen Angriff: Das Kleeblatt griff von der rechten Seite aus an, Robert Zulj gab an Veton Berisha ab, der mit einem trockenen Flachschuss aus 15 Metern Entfernung ins Tor der Roten Teufel traf. Die angereisten Fürther Fans feierten das siebte Saisontor des Norwegers, sie standen in der prallen Sonne (Foto), viele männliche Fans oben ohne im Anfeuerungsrausch. Aber wie so oft in den vergangenen Begegnungen, musste auch heute Sebastian Mielitz nicht lange warten, bis er hinter sich greifen sollte. Nachdem FCK-Kapitän Daniel Halfar zwei Kleeblätter an der Grundlinie stehen gelassen hatte, passte er akkurat auf Jenssen, der den Ball in die untere rechte Ecke zum 1:1 in der 18. Minute einlochte.

Dem Kleeblatt gelangen in der Folge einige recht gute Spielzüge, es war aber in keiner Phase wirklich druckvoll, geschweige denn das dominierende Team. Vielleicht ließen sich die Spieler auch von der tollen Stimmung bei den Anhängern der Roten Teufel beeindrucken. Das Fritz-Walter-Stadion fasst eigentlich 50 000 Zuschauer, heute war es mit 25 000 Besuchern also „nur“ halb voll. Aber das Meer an rot-schwarzen Fußballanhängern hinter dem heimischen Tor kaufte den Fürthern in der zweiten Halbzeit den Schneid ab. Und so musste man nur bis zur 72. Minute warten, bis den Roten Teufeln das dritte Tor gelang.

Ein chaotische Situaton spielte sich dann sechs Minuten vor Spielende vor dem Tor der Gastgeber ab: Veton Berisha war am Ball, schoss, aber Torwart Müller faustete den Ball aus der Gefahrenzone. Gleichzeitig hatte jedoch André Fomitschow Ante Vukusic umgestoßen, der – zum Schuss bereit – wunderschön direkt vor dem FCK-Tor gestanden hatte. Schiedsrichter Sören Storcks entschied falsch und  gab keinen Strafstoß. Vielleicht hätte sich das Kleeblatt bei einem verwandelten Elfmeter, einem 3:2 aufrappeln und zumindest noch ein Unentschieden erzielen können. Aber wie sagte unser früherer Bundesfinanzminister Peer Steinbrück so treffend: „Hätte, hätte, Fahrradkette“.

Das Spiel endete also 3:1 für den FC Kaiserslautern. Der Mannschaft und den Fans ist es zu gönnen, denn die Roten Teufel hatten keine gute Saison. Aber aus weiß-grüner Sicht war das heutige Spiel so wie die beiden letzten: Das Kleeblatt macht Fehler, verteidigt lustlos. Und hat drei Niederlagen in Folge eingesteckt. Am Pfingstsonntag findet das letzte Spiel 2015/16 im Sportpark Ronhof statt. Gegner ist der SV Sandhausen. Es geht um nichts mehr, das Ergebnis ist unwichtig. Denn die Spielvereiniung wird diese Saison mit einem Platz im Mittelfeld abschließen. Trotzdem: Bitte zahlreich erscheinen!

1:2 – Büskens‘ mittelprächtiger Einstand

Erst ganz kurz vor dem Anpfiff kam er aus den Katakomben: Der „neue alte“ Trainer des Kleeblatts, Mike Büskens.  Im Theater nennt man so etwas einen inszenierten, großen Auftritt. Ja, das hatte was. Aber im Spiel war dann der „Büskens-Effekt“, den sich alle gewünscht hatten (nachdem er seit Montag die trainerische Verantwortung für die Spielvereinigung von Frank Kramer übernommen hatte), zwar erkennbar, aber nicht nachhaltig. Mit 1:2 unterlag das Kleeblatt beim Auftiegsaspiranten, dem 1.FC Kaiserslautern, im Fritz-Walter-Stadion. Schade.

Vielleicht habe ich es nur in die Mannschaft hineininterpretiert, sie kam mir heute konzentrierter und vom Abspiel her genauer vor als in den letzten Wochen. Trotzdem schoss das erste Tor ein Roter Teufel. Der FCK hatte nach Balleroberungen auf schnelle Gegenstöße gesetzt. In der 37. Minute wurde Jean Zimmer auf der linken Seite von der Fürther Defensive sträflich alleine gelassen und knallte den Ball aus 20 Metern ins Tor. Die Kleeblatt-Abwehr hatte schlecht ausgesehen, war praktisch nicht vorhanden. Und auch Keeper Wolfgang Hesl schätzte die Situation falsch ein und griff daneben.

Genauso überraschend kam dann das zweite FCK-Tor kurz nach Anpfiff der 2. Halbzeit. Der Fürther Neuzugang Ronny Philp tangierte den Roten Teufel Zoller am Knie, der Schiedsrichter entschied auf Elfmeter, den Chris Löwe sicher verwandelte. Für das Kleeblatt-Team und vor allem wohl für Mike Büskens ein Schlag in die Magengrube. Aber – und da spürte ich beim Kleeblatt den früheren Kampfgeist – die Mannschaft versuchte jetzt aktiver zu spielen und brachte etwas mehr Feuer in ihr Spiel. Belohnt wurde das Aufbäumen mit einem traumhaften, genauen Freistoß von Niko Gießelmann, der damit in der 85. Minute den Anschlusstreffer schaffte. Richtig spannend waren die letzten Spielminuten. Kapitän Hesl kam mit in den gegnerischen Strafraum und versuchte, einen Fürther Eckstoß doch noch im Tor zu versenken. Aber heute hatten die Kleeblätter kein Glück.

Sicher, gegen die heimstarken Lauterer zu spielen, die seit mittlerweile 18 Spielen im eigenen Stadion nicht verloren haben, ist schwer. Vor knapp 24 000 Zuschauern auf dem Betzenberg wachte die Spielvereinigung erst in den letzten zehn Minuten richtig auf und ließ erahnen, welches spielerische Potenzial sie haben könnte. Der Einstand von Mike Büskens ist – ich sag‘ mal: mittel gelungen. Er vermittelt am Spielfeldrand den Eindruck, mehr Drive zu haben und ist eine dominante Persönlichkeit. Ich denke, ein Anfang ist gemacht. Der FC Kaiserslautern war ein Gegner, an dem man sich die Zähne ausbeißen musste, noch dazu vor heimischer Kulisse. Der FCK schob sich in der Tabelle einen Platz nach oben – gut, dass auch der SV Darmstadt heute gewonnen hat, und die Teufel dadurch nicht an sich vorbei ließ.
Am kommenden Samstag, 7. März, tritt die SpVgg ab 13 Uhr beim VfR Aalen an. Aalen ist im Moment Tabellenvorletzter – aber diese Gegner sind bekanntlich oft die schwierigsten!