Last-Second-Tor für die Lilien

Wie kann das sein? Die Kleeblattfans wähnten sich mit einem 1:0-Sieg gegen den SV Darmstadt 98 schon auf dem Relegationsplatz in der Winterpause, da passiert es: Drei Minuten Nachspielzeit, Schiedsrichter Tobias Reichel lässt einfach noch weiter spielen (3:15, 3:20), er pfeift und pfeift nicht ab. Da gelingt Hamit Altintop aus 25 Metern eine wunderschöne Flanke, die der Fürther Keeper Sascha Burchert nicht halten kann. Der Ball schlägt ins Fürther Tor! Da ist der Ausgleich zum 1:1, Spieler, Trainer und Fans sind wie gelähmt. Aber das Leben ist kein Ponyhof, und eine Partie läuft eben leider so lange, wie der Schiedsrichter es möchte.

Das Spiel vor rund 9000 Zuschauern war von Beginn an qualitativ eher mittelprächtig. Dass die Kleeblattfans vor dem Pausenpfiff doch einen Grund zum Jubeln hatten, konnten sie Maximilian Wittek verdanken. Er verwandelte in der 45. Minute einen direkten Freistoß mit einem Linksschuss zur 1:0-Führung fürs Kleeblatt. Wittek ließ sich zu Recht von den begeisterten Zuschauern feiern (Foto: Sportfoto Zink).

Nach der Pause verbesserte sich das Niveau der Partie deutlich, beide Seiten hatten gute Torchancen, die allerdings weder die Kleeblätter noch die Lilien in Tore umsetzen konnten. Der Mann des Tages im Fürther Team (zumindest bis zur Nachspielzeit) war eindeutig Torwart Burchert, der seinen Kasten mit souveränen Paraden sauber hielt. Vielversprechende Konterchancen versemmelten sowohl Fürths Kapitän Marco Caligiuri (82. Minute ) als auch der kurz vorher eingewechselte Daniel Steininger (85. Minute). Eine fatale Nachlässigkeit, die die Fürther am Ende teuer bezahlen mussten.

Die Spielvereinigung muss durch diesen Last-Minute-Ausgleich auf einem direkten Abstiegsplatz (17. Rang) überwintern. Sie hat 18 Punkte nach 18 Spielen und muss sich an Silvester für das Jahr 2018 mehr Erfolg wünschen. Zur Winterpause sieht es jedenfalls zappenduster aus. Im neuen Jahr spielt das Kleeblatt am Mittwoch, 24. Januar, in Bielefeld. Neues Jahr, neues Glück? Das kann man nur hoffen.

Saison-Ende: Kleeblatt rutscht unglücklich auf achten Tabellenplatz

Die Saison ist Geschichte. Das Kleeblatt beendet die Spielzeit 2016/17 mit 45 Punkten auf dem achten Tabellenrang. Und liegt zum ersten Mal seit 1953 (!) in einer Schlusstabelle vor dem Lokalrivalen, dem 1. FC Nürnberg.

Spektakulär war es nicht, das heutige Spiel gegen Union Berlin im mit gut 13 000 Zuschauern besetzten Fürther Ronhof. Trainer Janos Radoki hatte nach dem 1:1 gegen St. Pauli an fünf Positionen umgestellt. Serdar Dursun – mit neuer Frisur (Foto) – war in der Startelf. Der größte „Ackerer“ war heute mit Sicherheit Khaled Narey, der überall zu sein schien: vorne, hinten, in der Verteidigung oder im Angriff. Er wurde wiederholt von Robert Zulj angespielt, musste dann improvisieren, was er alleine so knapp vor dem Berliner Tor machen sollte. Und da war er im Abschluss einfach überfordert. Robert Zulj enttäuschte heute mit wenig Engagement und halbherzigen Aktionen. Vielleicht hat er sich geistig schon von der Spielvereinigung und Franken verabschiedet? Wer weiß?

Kurz vor der Halbzeitpause machte Kenny Prince Redondo dann das Tor für die Eisernen, sehr zur Freude der angereisten 3000 Unionfans. Sie hofften, dass es mit einem Sieg zur Verbesserung der miesen Bilanz zwischen dem Kleeblatt und der Union kommen könnte: Nur ein Sieg in 19 Spielen, jämmerlich.

In Minute 66 kam dann der Moment für Serdar Dursun, der nach einem Eckball den Ausgleich machte. Ein verdientes Tor, da sich die Zerfahrenheit und ungenauen Pässe der Fürther nach der Pause zum Besseren gewendet hatten. Ein paar Minuten später musste dann Schiedsrichter Thorben Siewer das Spiel unterbrechen: Im Gästeblock war gezündelt worden und dichter Rauch stieg aus der Unionecke auf. Rote Schwaden über dem Platz, unschön. Vielleicht war die Spielvereinigung daraufhin unkonzentriert? Lukas Gugganig foult Sebastian Polter bei der Ballannahme im Strafraum, und die Referee-Entscheidung ist eindeutig: Elfmeter. Den versenkte Polter im Tor von Sascha Burchert, der heute Balazs Megyeri ersetzte. Das Tor wurde nicht gegeben, aber auch bei der Wiederholung hatte Burchert, der sich in die falsche Ecke warf, keine Chance. 2:1 zu diesem Zeitpunkt. Kleeblattfans schielten immer wieder nervös auf ihre Handys, um zu sehen, wie sich die anderen Mannschaften der Zweiten Liga, die ja alle gleichzeitig spielen, schlugen. Trainer Radoki versuchte mit Spielerwechseln das Kleeblatt offensiver zu machen, aber man kam gegen die hochmotivierten Eisernen von der Berliner Union nicht an.

Abpfiff, 2:1 für die Gäste. Siebter Rang fürs Kleeblatt. Sollte man meinen. Aber da hatte man sich leider verrechnet. In der vierten Minute der Nachspielzeit trifft der FC Heidenheim zum 2:1 ins Tor von 1860 München. Damit schiebt sich Heidenheim in allerletzter Sekunde mit einem Punkt Vorsprung vor den FC St. Pauli und die Spielvereingung auf den sechsten Tabellenplatz. Und schwupps – das Kleeblatt ist nur Achter. Schade um die TV-Gelder!!!! Und: 1860 München ist auf dem Relegationsplatz.

Der einzige Trost für Kleeblattfans hat heute ein wenig mit Schadenfreude zu tun. Der 1. FC Nürnberg verliert gegen Kaiserslautern mit 0:1 und rangiert zu Saisonende auf dem 12. Rang. Zum ersten Mal nach 64 Jahren ist der vermeintliche Underdog aus Fürth in der Schlusstabelle der Zweiten Liga vor dem Club. Immerhin!