Weißgekleidete Fans und ein Last-Minute-Erfolgserlebnis

113870954Kurz vor Schluss war es, als es schon schien, dass alle Fangesänge, Anfeuerungen und Stoßgebete im Spiel gegen den KSC nicht von Erfolg gekrönt sein sollten, als Marco Stiepermann mit seinem Tor doch noch für den erlösenden ersten Heimsieg zum Saisonstart sorgte. Man konnte förmlich hören, wie im Ronhof Tausenden von Fans tonnenschwere Steine von den Herzen plumpsten.

Mit weißem T-Shirt oder sogar komplett weiß angezogen waren viele gekommen und griffen damit die Idee einer Fürther Fangruppe auf. Alles auf Anfang und mit vollen Elan in die neue Saison, sollte das bedeuten, aber wohl auch: Schwamm drüber über die nervenzehrende Vergangenheit.

Wenn auch die sprichwörtliche „weiße Weste“ gemeint war, war die Idee geradezu prophetisch: Kein Tor gefangen, selber eins geschossen, drei Punkte geholt – so wünscht man sich einen gelungenen Saisonstart. Auch wenn man merkte, dass noch nicht alles 100-prozentig rund läuft, so war im Spiel doch schon gut zu erkennen, dass da eine hungrige und kämpferische Mannschaft auf dem Platz steht, die rennt und ackert und es notfalls auch mal mit der Brechstange probiert.

Zumindest der KSC war an diesem ersten Spieltag keine wahnsinnig hohe Hürde: Der Beinahe-Aufsteiger der vergangenen Saison hatte vor allem in der 2. Halbzeit gar nichts mehr zu bieten und ließ sich immer wieder regelrecht einschnüren. Bloß das mit dem Abschluss sollte noch nicht so recht funktionieren – bis zu dieser magischen 89. Minute.

Hoffentlich bleibt die Fürther Weste jetzt möglichst lange weiß – die nächsten Aufgaben in Liga und Pokal sind schließlich nicht ohne.

Kärwa-Highlight: Die Spielvereinigung im Erntedank-Festzug

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Die Fürther Michaelis-Kirchweih steht heuer in vielerlei Hinsicht unter einem guten Stern: Bis zum heutigen Bauernsonntag verlief sie ruhig und friedlich. Und vor allem das Wetter meint es supergut mit der schönsten Jahreszeit Fürths. Der festliche Höhepunkt in jedem Jahr ist der Erntedank-Festzug, bei dem heute über 80 Festwagen und Kapellen durch die Straßen bis zum Fürther Rathaus zogen.

Das absolute Highlight – nicht nur für ausgesprochene Kleeblattfans – ist dort immer der Auftritt der Spielvereinigung Greuther Fürth. In diesem Jahr wurde der Kleeblatt-Festwagen von Makottchen Eddy angeführt, dahinter liefen Kinder aus dem Verein. Auf einem kleinen Leiterwagen thronte sie dann: die 100 Jahre alte Viktoria – die von der Spielvereinigung in Auftrag gegebene Kopie des damaligen Pokals zur ersten Deutschen Meisterschaft der SpVgg Fürth im Jahr 1914. An dieses Jubiläum erinnerte auch die Bus-Aufschrift: „100 Jahre Deutsche Meisterschaft 31.Mai 2014“.

Als krönender Abschluss der Kleeblatt-Präsentation fuhr dahinter ein roter Londoner Oldtimer-Doppeldeckerbus (schade, es gibt wohl keinen weiß-grünen). Vom Oberdeck aus winkten einige Spieler und Mitglieder der Jugendmannschaften aus dem Fenster. Auf meiner Seite entdeckte ich die Profis Benedikt Röcker, Marco Caligiuri und Stephan Fürstner. Und am hinteren Fenster war Trainer Frank Kramer auszumachen. Viele Menschen am Straßenrand applaudierten und jubelten ihrer Fußballmannschaft zu. Vielleicht steht ja auf dem Bus beim nächsten Kärwa-Umzug im Oktober 2015: „Zweiter Aufstieg der SpVgg in die Bundesliga am 24. Mai 2015“. Das hätte doch was!

Kleeblattfans: Heute Abend schon was vor?

Hier ein kleiner Tipp von den Greutherweibern: Heute Abend, 5. November, findet wieder eine Veranstaltung zum 110-jährigen Jubiläum der Spielvereinigung im Jüdischen Museum in der Königstraße 89 in Fürth statt. Der bekannte Sportbuch-Autor Werner Skrentny kommt und liest ab 19.03 Uhr aus seiner im vergangenen Jahr erschienenen Biographie „Julius Hirsch. Nationalspieler. Ermordet“.
Julius „Juller“ Hirsch ist für eingefleischte Fußballfans in Franken ein Begriff, weil er während der Meistermannschaft der Spielvereinigung im Jahr 1914 Kapitän war.
Skrentny zeichnet in seinem Buch die spannende Lebensgeschichte des gebürtigen Karlsruhers nach, der mit dem Karlsruher FV bereits 1910 Deutscher Meister war. Mit der SpVgg Fürth wurde er 1914 durch einen 3:2-Sieg nach Verlängerung gegen den VfB Leipzig erneut Deutscher Meister. Hirsch machte auch in der Deutschen Nationalmannschaft Furore: Zwischen 1911 und 1913 spielte er sieben Mal für die deutsche Nationalmannschaft. Bei seinem zweiten Einsatz, dem 5:5 am 24. März 1912 in Zwolle gegen die Niederlande, schoss er als erster deutscher Nationalspieler vier Tore in einem Spiel.
Als Jude wurde er im März 1943 von den Nationalsozialisten wahrscheinlich nach Auschwitz-Birkenau deportiert und ermordet. Sein Todesdatum ist unbekannt, er wurde 1950 zum 8. Mai 1945 für tot erklärt. Das Buch von Werner Skrentny (Foto: Website SpVgg Greuther Fürth) über das erschütternde Schicksal Hirschs, dessen Namen die Nazis aus der Liste der Nationalspieler zu tilgen versuchten, wurde bereits von zahlreichen Kleeblatt-Anhängern gelesen.

Übrigens: Der Eintrittspreis von fünf Euro geht im vollen Umfang an das Jüdische Museum. Da die Plätze begrenzt sind und die Nachfrage hoch ist, wird um Kartenreservierung gebeten. Unter der Nummer 0911/977 48 53 ist der Kartenservice des Museums noch heute Nachmittag bis 17 Uhr erreichbar.