Mehr Glück als Verstand!

Felix Wiedwald hält den zweiten Elfmeter von Daniel Keita-Ruel (Foto: Sportfoto Zink)

Eigentlich reicht die Überschrift schon für ein Fazit dieses Spiels: Mehr Glück als Verstand, viel mehr gibt es dazu kaum zu sagen. Dass die Spielvereinigung die heutige Partie gegen den MSV Duisburg mit 1:0 gewonnen hat, ist einerseits schmeichelhaft, denn beide Teams waren ungefähr gleich harmlos. Andererseits ist es blamabel, denn es hätte am Ende 2:0 heißen müssen. Doch Daniel Keita-Ruel schoss beim zweiten Elfmeter (1. Minute der Nachspielzeit, siehe Foto) den Ball haargenau in die Hände des Duisburger Keepers Felix Wiedwald – und das, nachdem er fünf Minuten vorher bereits einen Foulelfmeter erst durch Nachschuss im Kasten der Gäste versenken konnte (86.). Ein äußerst schwaches Bild, das der Fürther Stürmer da abgab!

Mal ganz abgesehen davon, war schon Elfmeter Nummer eins ein sehr großzügiges Geschenk von Schiedsrichter Harm Osmers an das Kleeblatt. Denn im Zweikampf mit Duisburgs Hajri fiel Julian Green einen Tick zu früh hin, als es mit rechten Dingen hätte zugehen können. Doch der Unparteiische ließ sich weder von einigen protestierenden Duisburger Spielern in seiner Entscheidung beeinflussen noch von ihrem Trainer Lieberknecht, der deshalb schimpfte wie ein Rohrspatz.

Und sonst? Für den neuen Kleeblatt-Trainer Stefan Leitl war es ein glücklicher Einstand. Für ihn zählt nicht, wie dieses Ergebnis zustandegekommen ist – sondern nur, dass es 1:0 lautet und die Spielvereinigung damit den Abstand zum Tabellenende um drei Punkte vergrößern konnte. Ob der „neue Besen“ Leitl wirklich gut kehrt, wird sich beim nächsten Spiel am Sonntag, 17. Februar, gegen Holstein Kiel zeigen. Und für Duisburg? Für die Zebras war es eine bittere Pille, die sie im Ronhof schlucken mussten. Ein 0:0-Unentschieden wäre dem Spiel ehrlicherweise eher gerecht geworden. Aber was heißt im Fußball schon gerecht? Und Glück muss nicht nur der Mensch, sondern auch der Fußballer haben. So gesehen, geht das heute alles in Ordnung.

Wenn eine Mannschaft einfach zerbröckelt

Am beeindruckendsten an dieser Partie heute gegen den SC Paderborn war aus Fürther Sicht wohl die Choreo vor dem Spiel: Die Paderborn-Fans haben dem ehemaligen Vereinspräsidenten Wilfried Finke, der kürzlich verstarb, eine würdige Abschiedsvorstellung gewidmet (Foto: Sportfoto Zink).
Was das Kleeblatt dagegen heute geboten hat, kann man höchstens als Trauerspiel beschreiben. Dabei war die 0:6-Klatsche von A bis Z verdient. Zwar kann man das 0:1 noch als ein wenig unglücklich bezeichnen, da die dem Tor vorausgehende Situation ohne Videobeweis nicht ganz zu klären war; man hätte auch eine Schwalbe auf der Seite des SC Paderborn sehen können. Doch letztlich entscheidet der Schiedsrichter, und der sah die Sache eben als Elfmeter gegen die Spielvereinigung und Gelb gegen Sascha Burchert. Den Strafstoß verwandelte Philipp Klement souverän zum Führungstreffer. Und von da an ging´s nur noch bergab für die Spielvereinigung.

Auf den Spielverlauf möchte ich deshalb gar nicht groß eingehen. Man wollte gar nicht mehr hinschauen, die Mannschaft zerbröckelte nach und nach und löste sich in ihre Einzelteile auf. Trainer Damir Buric war – wohl wegen der Sperre, die er sich zuletzt wegen Übereifers am Spielfeldrand eingehandelt hatte – heute in die zweite Reihe auf der Bank verwiesen worden. Seine Geste beim 0:1 (Foto: Sportfoto Zink) spricht Bände! Hat er da womöglich schon das nahende Debakel kommen sehen? Ein Debakel, das schließlich auch für ihn persönlich Folgen haben könnte. Denn dass die Vereinsspitze die schlechten Leistungen von Spiel zu Spiel weiterhin kommentarlos einfach so hinnimmt wie bisher, kann man sich kaum vorstellen. Den Vertrag von Buric hat man leichtsinnigerweise bis in eine gefühlte Ewigkeit verlängert. Doch mit dem Engagement von Benno Möhlmann als Berater wurde – wenn man so will –  eine Art Ersatztrainer für den Notfall beschafft. So wird jedenfalls in Fürth gemunkelt, und nun könnte diese Lesart der Realität langsam näher kommen.

Fürther Spaßvogel mit an der Vereinsspitze

Heute wurde die Katze aus dem Sack gelassen: Volker Heißmann ist neuer Vizepräsident bei der SpVgg Greuther Fürth (das Foto von Sportfoto Zink zeigt ihn mit dem Präsidenten der Spielvereinigung, Fred Höfler, und Oberbürgermeister Thomas Jung). Ehrlich gesagt, hat mich diese Nachricht heute Mittag durchaus etwas überrascht. Aber schon nach wenigen Minuten dachte ich mir: Klasse! Der Mann hat jede Menge Humor. So einen kann die Spielvereinigung in jedem Fall gut gebrauchen! Er wird nicht alles nur bierernst nehmen wie manch anderer in dieser Position bei bestimmten Vereinen 😉 Und: Heißmann ist ein waschechter Fürther, dessen weiß-grünes Herz schon immer für unsere Spielvereinigung schlägt. Er ist auch viel mehr als ein Komödiant. Das hat er in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder bewiesen, indem er in seiner Heimatstadt verschiedene soziale Projekte unterstützte. Nun kann er – als Nachfolger von Holger Schwiewagner – mit dem Kleeblatt so etwas wie ein sportliches Projekt fördern.

Nachdem die Mannschaft 2012 den Sprung in die Erste Liga geschafft hatte, schmetterte Heißmann bei der Aufstiegsfeier unsere Ronhof-Hymne vom Rathausbalkon: „Dass wir vom Ronhof sind – hallihallo -, das weiß ein jedes Kind!“. Tausende auf den Straßen darunter bejubelten den Auftritt. Als einer der Väter der „Comödie“ Fürth holte Heißmann damals die Fernsehsendung „Blickpunkt Sport“ in das ehemalige Berolzheimeranium. Ein Coup, über den man beim Verein in der östlichen Vorstadt ganz und gar nicht „amused“ war. Heißmann zeigte sich großzügig und lud Vertreter des Erzrivalen ein, in der Sendung aus der „Comödie“ auch aufzutreten. Und die Glubberer? Sie schafften es nicht, ausnahmsweise mal über ihren eigenen Schatten zu springen. Naja, Souveränität war ja noch niemals ihre Stärke!  Volker Heißmann ließ sich jedenfalls auch da nicht die gute Laune verderben.

Wir Greuther-Weiber freuen uns jedenfalls auf die neue Rolle von Volker Heißmann und wünschen uns, dass er ab und zu auch für Riesenstimmung im Ronhof sorgt. So wie früher mal. Dass er nicht nur Vize-, sondern sogar „President“ kann, hat er ja vergangenes Jahr schon bewiesen – wenn auch nur in einer Film-Satire.

Nach dieser guten Nachricht von heute wird das Kleeblatt am Abend gegen den 1. FC Magdeburg bestimmt noch besser gelaunt auftreten als sonst bei Heimspielen.

P.S.: Ob die Laune im Ronhof ein paar Stunden später wirklich gut war, sei mal dahingestellt. Schließlich sah es ja eine Zeitlang so aus, als könnte die Elf aus Sachsen-Anhalt die Partie für sich entscheiden. Aber die Spielvereinigung hat nicht aufgegeben und alles ins Zeug geworfen, was sie aufzubieten hatte. Kurz vor dem Ende der regulären Spielzeit sah es noch nach einem 2:2-Remis aus. Die Schlussminuten zeichneten sich dann durch eine gewisse Dramatik aus: Das 3:2 lag spürbar in der Luft. Zum Glück ließ der Unparteiische drei Minuten nachspielen. Und das Kleeblatt machte es bis zur allerletzten Minute spannend. Ganz nach früherer FC Bayern-München-Art (die hatten bekanntlich in der vergangenen Saison dauernd einen solchen Dusel!) fiel in der 93. Minute das heiß ersehnte Siegestor. Jubel auf dem Spielfeld und im Stadion!

Volker Heißmann hat sich also gleich als Glücksbringer für die Fürther erwiesen – vielleicht ist er ja so etwas wie das 4. Blatt im eigentlich dreiblättrigen Kleeblatt.

Sascha Burchert als Unglücksrabe Hans Huckebein

Er war schon in der letzten Saison oft der Retter fürs Kleeblatt – hatte auch großen Anteil daran, dass Fürth der Abstieg erspart blieb -, und auch in der jetzigen Spielzeit zeigte er eine ganze Reihe von Glanzparaden: Keeper Sascha Burchert. Heute, in der Partie gegen Darmstadt 98, leistete er sich einen Lapsus, der ihn selbst wohl am allermeisten gewurmt hat. Aus unerfindlichen Gründen ließ er einen ziemlichen schwachen Schuss von Tobias Kempe erst unter seinen Armen, dann unter den Beinen durchlaufen, direkt in seinen Kasten hinein. Burchert war völlig perplex und sichtlich mehr als verärgert über dieses unnötige Gegentor (Foto: Sportfoto Zink). Ob dieser Moment der Unkonzentriertheit eine Folge davon war, dass Burchert ein paar Minuten vorher zu Boden gegangen war, nachdem Richard Magyar bei einer Abwehraktion regelrecht in den Keeper hineingeflogen war und ihn kurz außer Gefecht gesetzt hatte?

Vielleicht, vielleicht auch nicht. Jedenfalls gingen die Lilien mit 1:0 in Führung (23.), was zu diesem Zeitpunkt aber insgesamt in Ordung ging. Die Spielvereinigung hatte sich bis dahin keine wirklich gute Chance herausgespielt. Weder Daniel Keita-Ruel noch Tobias Mohr, die bislang erfolgreichsten Kleeblatt Torschützen in der Spielzeit 2018/19, sorgten für einen wirklich gefährlichen Torabschluss. weiter lesen

Serdar Dursun: „Lilienfans sind überragend“

Vor gut zwei Wochen haben wir in unserem Greuther-Weiber-Blog darüber geschrieben, dass Khaled Narey nach dem Wechsel zum Bundesliga-Absteiger Hamburger SV zum erfolgreichen Torschützen avancierte. Heute nun möchte ich einen weiteren Ex-Kleeblatt-Spieler in den Blickpunkt rücken, der sich nach dem Weggang aus Fürth Ende Juli 2018 zum Tormacher entwickelt: Serdar Dursun.
Der SV Darmstadt 98 hat mit sechs Punkten nach drei Spielen einen guten Zweitliga-Start hingelegt. Einen gehörigen Anteil daran hat zweifelsohne Serdar Dursun. Der neue Angreifer der Lilien sorgte im Alleingang für den 1:0-Auftaktsieg gegen Paderborn. Beim letzten Zweitligaspiel am vergangenen Freitag erzielte Dursun für seinen neuen Verein einen weiteren Treffer. Nach einem Assist für seinen Teamkollegen Marcel Heller gelang Serdar Dursun in der 74. Spielminute sein eigenes Tor: Er drückte eine abgefälschte Flanke von Heller mit dem Bauch zum 2:0 in den Kasten von MSV Duisburg. Die Partie endete für die Lilien mit 3:0 – sie stehen damit aktuell auf dem vierten Tabellenplatz (die Spielvereinigung auf Platz acht).

Ich gönne es Serdar Dursun natürlich, dass er sich in Darmstadt wohlfühlt (ein mögliches Engagement bei Erzgebirge Aue hatte er ja nach einem Stadtspaziergang mit seiner Frau ausgeschlossen), sich dort nach wenigen Wochen offenbar gut eingelebt hat und vom Comeback des Vereins in die Bundesliga träumt. Nicht ganz kann ich seine Bemerkungen über die Darmstädter Zuschauer nachvollziehen: „Die Lilienfans sind echt überragend“, sagte Dursun über das Publikum (so im kicker zu lesen), „besonders nach dem 1:0 sind sie noch mal explodiert, das hat uns noch mal richtig gepusht. Da gehen die Sprints direkt leichter.“ Die sehr lautstarken und engagierten Kleeblattfans waren Dursun offenbar nicht Motivation genug? Auf dem Foto (Sportfoto Zink) vom Januar 2018 klatscht Dursun nach dem Spiel gegen Holstein Kiel mit Fürther Fans ab. Immerhin gelangen Dursun in 59 Spielen für die SpVgg 13 Tore, im März 2017 war sein Vertrag verlängert worden, zu diesem Zeitpunkt war er mit acht Ligatreffern der beste Torschütze der Mannschaft. Warum hat Dursun sich in den letzten Monaten in Fürth nicht mehr wirklich „reingehängt“? An mangelnder Unterstützung der Fans kann es wohl kaum gelegen haben, oder?
Ein Video-Statement von Serdar Dursun  – auch zur Atmosphäre im Stadion am Böllenfalltor – in der Hessenschau findet Ihr hier.

Die „hilfsbereiten Geister“ vom Fürther Ronhof

Früher wäre es für behinderte Fußballfans mehr als schwierig gewesen, ein Spiel live im Stadion mitzuerleben. Wie kommt man hin? Wo kann man sitzen? Macht es für einen Blinden überhaupt Sinn, das Geschehen auf dem grünen Rasen nur zu hören?
All das stellt im Fürther Ronhof keine Probleme dar, die man nicht lösen könnte. Es gibt nämlich „gute Geister“, die Hilfestellung leisten. Mit zweien habe ich mich zu einem spannenden und informativen Gespräch in der Rodelbahn am Fürther Stadtpark (nur wenige Hundert Meter Luftlinie vom Stadion entfernt) getroffen: Die Behindertenbeauftragte der Spielvereinigung – Tanja Faltin – und Sebastian Weiß (Foto: KH). Die beiden engagieren sich mit Herzblut und viel Engagement. Tanja ist seit 12 Jahren, Sebastian seit fünf Jahren dabei, wenn es darum geht, gehandicapten Menschen einen entspannten Nachmittag im Ronhof zu ermöglichen. weiter lesen

Die Fortuna wieder als Glücksbringer

Vor Spielbeginn heute haben wir uns gern an die Hinrunde erinnert, als das Kleeblatt im Ronhof Fortuna Düsseldorf mit 3:1 besiegte. Ein echter Überraschungsschlag des damaligen Tabellenletzten gegen den Tabellenersten. Heute trat mit der Fortuna die beste Heimmannschaft gegen die schwächste Auswärtself an. Nicht die besten Voraussetzungen also. Und doch: Das „Glück“, das die Düsseldorfer im Namen führen, war auch heute lange Zeit dem Kleeblatt hold. Denn 75 Minuten lang führten die Fürther in der Esprit-Arena nach einem frühen Tor durch Maxi Wittek (10. Minute). Der hatte einen direkten Freistoß aus dem spitzen Winkel mit voller Wucht ins gegnerische Tor geknallt. Schockstarre in Düsseldorf.

Im Anschluss war die Partie aber aus Fürther Sicht leider überhaupt keine Glanzleistung. Denn das Spiel bestand eigentlich nur aus Angriffen der Fortuna, die von der Verteidigung des Kleeblatts geblockt wurden. Düsseldorf machte das Spiel, Fürth wehrte ab und zeigte kaum einmal einen ernsthaften Angriff. Doch das Glück blieb dem Kleeblatt bis zur Pause und weit darüber hinaus treu. Der Fortuna gelang – zugegeben: unverdienterweise – einfach nicht der Ausgleichstreffer. In der 64. Minute landete der Ball schließlich doch im Fürther Kasten – aber wieder kein Tor für Düsseldorf, denn Hoffmann hatte im Abseits gestanden. Die Spielqualität stieg nun zusehends, trotz der katastrophalen Platzverhältnisse (der Rasen glich mehr einem Acker) war es plötzlich ein ziemlich unterhaltsames Fußballspiel. Doch auch der Druck, den die Fortuna machte, nahm zu. Und so schaffte der in der 60. Minute eingewechselte Usami schließlich in der 76. Minute das 1:1. Am Ende wurde es dann wieder einmal eine echte Zitterpartie, vor allem, als die drei Minuten Nachspielzeit einfach nicht enden wollten und in der 4. Minute der Verlängerung noch eine Ecke der Gastgeber bis zum letzten Zug ausgespielt werden durfte.
Insgesamt geht das 1:1 fürs Kleeblatt (Foto: Sportfoto Zink) heute in Ordnung. Bleibt zu hoffen, dass Darmstadt 98 das Nachholspiel am Mittwoch, 21. Februar, gegen den 1. FC Kaiserslautern nicht gewinnt. Sonst liegt die SpVgg wieder auf einem Abstiegsplatz…

Brandbrief ans Kleeblatt

Liebes Kleeblatt!

Fans müssen zusammen mit ihrer Mannschaft durch dick und dünn – schon klar. Fans können auch nicht erwarten, dass immer alles nach Wunsch läuft. Aber was Ihr uns da zurzeit zumutet, das ist wirklich viel verlangt – manchmal zu viel.

Nach dem grottenschlechten Auftritt, den Ihr in Bielefeld geboten habt, war nach unten ja schon nicht mehr viel Spielraum. Doch wir haben uns trotzdem erhofft, dass Ihr heute im Ronhof zur gewohnten Stärke vor heimischem Publikum zurückfindet. Natürlich war Holstein Kiel kein einfacher Gegner, das wissen wir alle. Aber wenn man an der Tabelle da steht, wo Ihr Euch gerade befindet, darf das keine Ausrede sein. Da darf man vollen Einsatz erwarten, und das nicht nur in der Verteidigung. Dort war die Leistung heute ja durchaus passabel, vor allem dank Marco Caligiuri (Foto: Sportfoto Zink). Doch als Fan will man auch mal was im Angriff sehen, wenigstens ab und zu mal eine gelungene Kombination oder zwei, drei Pässe hintereinander, die tatsächlich dort ankommen, wo sie sollen.

Und vor allem will man nicht 80 Minuten warten, bis Ihr endlich mal aufwacht. Dann ist es nämlich in der Regel zu spät, wie man auch vorhin leider deutlich sehen konnte. Abgesehen von Fabian Reese hat vorher keiner von Euch mal richtig Elan gezeigt, den echten Willen, wenigstens aufs Tor schießen zu wollen, auch wenn es dann mal danebengeht. Habt Ihr eigentlich Angst vor dem Ball, oder was?

Wir sind geduldig. Aber irgendwann reißt auch uns mal der Geduldsfaden. Fußball muss doch mehr sein, als immer nur hinten zuzumachen und den Gegner am Spielen zu hindern. Da muss doch auch mal Initiative nach vorn kommen. Wo ist die bei Euch nur abgeblieben? Die Spielfreude, die Ihr früher mal hattet und die sich dann auf die Fans übertragen hat? Lasst uns doch wenigstens ein bisschen davon wiedersehen beim nächsten Spiel! Denn noch so eine Nullnummer – das vergrault die treuesten Anhänger, das könnt Ihr uns glauben! Bitte tut das nicht!

Eure Greuther-Weiber

P.S. Dass Ihr Euch mit dem einen Punkt gegen Kiel heute ein bisschen Luft im Abstiegskampf verschafft habt, kann uns nicht wirklich trösten!

4:0 – Fußball-Fest im Ronhof!

Wahrscheinlich war es besser, dass sie sich nicht fotografieren ließen, die St. Pauli-Fans, mit denen ich mich heute Mittag unterhalten habe, als sie zum Ronhof gingen. Zuerst wollten sie, dann haben sie doch einen Rückzieher gemacht. Da konnten sie ja noch nicht wissen, wie schlecht ihre Mannschaft heute aussehen würde gegen unser Kleeblatt. Sie tippten auf einen 2:0-Sieg. 2:0 – das war dann allerdings der Pausenstand. Aber nicht für St. Pauli, sondern für Fürth! Und im zweiten Durchgang haben unsere Jungs diesen Spielstand sogar noch verdoppelt. 4:0 gegen St. Pauli, beinahe wäre die Partie sogar noch 5:0 ausgegangen. Partystimmung im Ronhof!

Es hat einfach alles gepasst heute. Zwar dauerte es ein bisschen, bis Drive ins Spiel kam. Man beschnupperte sich erst mal gegenseitig und schaute, was die andere Mannschaft so macht. Doch nach 20 Minuten ist das dem Kleeblatt nicht mehr genug. Khaled Narey hat seine erste gute Chance, die nächste folgt auf dem Fuß. Dann ist es jedoch Maxi Wittek, dem mit dem 1:0 (33. Minute) sein zweiter Saisontreffer gelingt. Schon danach lässt St. Pauli den Kopf hängen und Fürth viel zu aktiv agieren. David Raum wittert seine Chance und hebt den Ball zunächst übers Tor, kurz danach aber trifft er ins linke Eck: 2:0 – eine komfortable Situation zur Pause. Wenn man sich nicht so dumm anstellt wie der 1. FCN letzte Woche gegen Kiel, ist das schon die halbe Miete. Aber Fürth ist ja Gott sei Dank nicht der Club und folglich auch kein Depp.

Rechtzeitig zum Beginn der zweiten Halbzeit scheint die Sonne über dem Laubenweg – ein gutes Omen. Fürth spielt sofort nach dem Anpfiff aggressiver als die Gäste. Und dann macht Khaled Narey aus dem Fast-Tor im ersten Durchgang ein tatsächliches – 3:0 (72.). Julian Green, in der letzten Zeit leider immer wieder verletzt oder erkältet, kommt heute endlich zurück und wird von Minute zu Minute besser. Mit dem 4:0 belohnt sich der zierliche Stürmer selbst (79.)

Der Hamburger Kiezverein lässt sich dagegen in der zweite Runde immer mehr hängen, gibt sich zu schnell auf. Da wäre ein wenig mehr Selbstbewusstsein, wie es die rund 2000 Fans aus Hamburg (Wahnsinn, Hut ab!) mitbrachten, nötig gewesen, um eine Blamage zu vermeiden. Endlich war heute auch unser Stadion wieder einmal besser besetzt als in den vergangenen Wochen – 10.810 Besucher, das ist bei der windigen Kälte ganz anständig. Die Fanbusse (siehe mein Foto oben) waren unermüdlich im Einsatz, und das für die Anhänger beider Teams.

Schade ist nur eins: Das Kleeblatt bleibt trotz dieser Super-Leistung vorläufig auf dem vorletzten Tabellenplatz hängen. Mal sehen, ob sich da morgen noch was ändert. Könnte durchaus sein, denn Dresden, das jetzt einen Platz vor Fürth rangiert, muss morgen gegen Fortuna Düsseldorf ran. Und die will sicher zurück an die Tabellenspitze.

Kleeblatt trotzt Bochum einen Punkt ab

Knapp zwei Stunden nach dem Schlusspfiff bei der heutigen Auswärtsbegegnung zwischen der Spielvereinigung und dem VfL Bochum saß ich mit Tierorakel Daisy im Auto und stand bei der Ampel der A73-Ausfahrt Poppenreuth an der roten Ampel. „Heute haben beide fränkischen Vereine leider nur unentschieden gespielt“, lauteten die Sport-News auf Bayern 3. Dem 1. FC Nürnberg habe ein 2:o-Vorsprung gegen Holstein Kiel nichts geholfen, die Clubberer beendeten das Spiel mit 2:2. Und die Spielvereinigung Greuther Fürth kam leider auch nicht über ein Remis hinaus. Wobei – so der vermeintlich fachmännische Kommentator im Radio – „nach einem frühen Treffer des Kleeblattspielers Daniel Caligiuri“ alles drin gewesen wäre. Tja, dachte ich mir, ein böser Schnitzer! Da müsste man eben wissen, dass der Mittelfeldspieler Daniel Caligiuri beim FC Schalke 04 unter Vertrag steht. Und dass Daniel Caligiuri der jüngere Bruder von Marco Caligiuri ist, der für die SpVgg kickt.

Der heutige 14. Spieltag war fürs Kleeblatt zumindest kein sportliches Fiasko. Trainer Damir Buric hatte sich dafür entschieden, den „Spielmacher“ Jurgen Gjasula nach der 2:3-Niederlage bei Jahn Regensburg erst mal auf der Bank zu belassen. Auch Manuel Torres schaffte es nicht in die Startformation. Dafür konnte Maximilian Wittek nach seiner Gelbsperre wieder antreten.

Der Ruhrpott-Verein Bochum rangiert nur wenige Plätze vor der SpVgg in der Tabelle – und kassierte heute mit der ersten Standardsituation nach acht Minuten ein schnelles 0:1! An Witteks Freistoßflanke aus dem rechten Halbfeld kam Serdar Dursun nicht ran, aber Caligiuri fackelte nicht lange und schob den Ball aus wenigen Metern flach ins Bochumer Netz. Sein drittes Saisontor! Nur zehn Minuten später glich der VfL dann aber aus – ebenfalls nach einer Standardsituation. In dem Stil hätte es für die Zuschauer und angereisten Kleeblattfans weitergehen können: Viele Tore erfreuen jeden Fußballfan. Aber leider war die zweite Halbzeit von taktischem Spiel geprägt. Das Kleeblatt machte seine Sache recht gut, es stand in der Defensive kontrolliert und setzte auf schnelles Umschaltspiel. Spannend wurde es noch mal ganz am Schluss, als Khaled Narey in der 90. Minute in Richtung Tor abzog, nachdem ein Bochumer Abwehrspieler ausgerutscht war. Leider wurde Narey im letzten Moment noch beim Schuss geblockt. So blieb es beim 1:1.

Unsere Bilanz: Auch im 18. Spiel in Folge hat die Spielvereinigung heute kein Gegentor vermeiden können und damit den Vereins-Negativrekord eingestellt. Trotz 13 Schüssen aufs Bochumer Tor und mit einem Ballbesitz von nur 38 Prozent war das heute das zweite Unentschieden des Kleeblatts in dieser Saison. Mit elf Punkten liegt die Mannschaft immer noch auf dem vorletzten Tabellenplatz. Der Abstand zum Relegationsplatz sind drei Punkte. Am nächsten Sonntag, 26. November, empfangen die Fürther zu Hause den FC St. Pauli. Zwar ein Gegner, dem man emotional positiv gegenübersteht. Aber das Aufeinandertreffen wird dennoch kein leichtes sein. Wie wäre es deshalb mal mit vielen Zuschauern im Ronhof? Damit das Kleeblatt die kraftvolle Unterstützung bekommt, die es dringendst braucht!