2016: Bundestrainerin Silvia Neid geht – Steffi Jones kommt

Silvia NeidBundestrainerin Silvia Neid wird ihren Job als Trainerin der deutschen Frauen-Nationalmannschaft im kommenden Jahr räumen. Das hat die 50-jährige heute – 68 Tage vor Beginn der WM-Endrunde in Kanada (6. Juni bis 5. Juli) – offiziell bekannt gegeben. Neid wird ab September 2016 Leiterin der neuen Scoutingabteilung Frauen- und Mädchenfußball im DFB.
Neids Nachfolgerin soll die bisherige DFB-Direktorin Steffi Jones werden, die ja in der vorletzten Woche noch im Fürther Rathaus zu Besuch war. Sie hatte dort die Werbetrommel für das Spiel Deutschland-Brasilien am 8. April gerührt. Das Interesse an der mit „Samba in Fürth“ beworbenen Partie sei ja „schon mal richtig gut“, meinte Jones. Der bislang letzte Auftritt der deutschen Fußballerinnen in Fürth liegt bereits zehn Jahre zurück. Beim Auftritt der Frauen-Nationalmannschaft im Ronhof steht Silvia Neid demnach noch am Spielfeldrand und coacht ihre Mädels.

Silvia Neid betreute die zweimaligen Frauen-Welt- und achtmaligen Europameister seit 2005 als Hauptverantwortliche. Unter der zweimaligen Welttrainerin des Jahres gewannen die Deutschen Fußballerinnen einmal den WM-Titel (2007) und triumphierten zweimal bei der EM (2009 und 2013). Außerdem holte das Team die Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2008. Als einzige Bundestrainerin schaffte die 111-malige Nationalspielerin, die an allen bisherigen Titelgewinnen für Deutschland als Spielerin, Co- oder Cheftrainerin beteiligt war, über 100 Siege mit der deutschen Auswahl.

Bei Wikipedia habe ich Interessantes über Silvia Neid gefunden: Nach dem Realschulabschluss erlernte sie den Beruf der Fleischereifachverkäuferin. In Siegen arbeitete sie eine Weile als Auslieferungsfahrerin im Blumenhandel ihres langjährigen Vereinstrainers nachdem sie eine Ausbildung zur Großhandelskauffrau absolviert hatte. Die damalige Spielerin hat vor der WM 1995 ein Angebot des Herrenmagazins Playboy zu Nacktaufnahmen für einen fünfstelligen DM-Betrag abgelehnt. Zusammen mit der Nationalspielerin Birgit Prinz wurde Neid im Februar 2011 eine Barbie-Puppe des Spielzeug-Herstellers Mattel gewidmet.

Der DFB hat vor der Frauen-WM in Kanada also die personellen Weichen für die Zukunft im Frauen- und Mädchenfußball gestellt. Bundestrainerin Silvia Neid erläutert ihre Entscheidung so:

„Mein Entschluss, mit dem Auslaufen meines Vertrages als Bundestrainerin 2016 eine neue Herausforderung zu suchen, steht seit Längerem fest. In den Gesprächen mit dem DFB über die Gestaltung meiner Zukunft habe ich immer eine große Wertschätzung gespürt und freue mich nun sehr auf die neue Aufgabe. Steffi hat unsere volle Unterstützung. Es ist gut, dass die Zukunft geregelt ist – so können wir uns auf die Vorbereitung für die WM in Kanada konzentrieren. Ich bin voller Motivation und Vorfreude darauf, denn wir haben große Ziele.“


Hin und Her: Doch noch Trainerin im Profi-Männer-Fußball

Das war ein einziges Durcheinander in den letzten Tagen. Und es hat dem Image von Frauen in der vermeintlichen Männerdomäne „Fußball“ nicht gerade gut getan. Im französischen Männer-Fußball wird in der kommenden Saison nun doch erstmals eine Frau eine Profi-Mannschaft trainieren. Nachdem die gerade gekürte Trainerin Helena Costa  – hier hatten wir im Greuther-Weiber-Blog darüber geschrieben – überraschend ihren Rückzug als Trainerin des französischen Vereins Clermont Foot publik gemacht hatte, kommt jetzt doch eine Frau zum Zuge: Die Fußballer vom französischen Zweitligisten werden künftig von der früheren Nationalspielerin Corinne Diacre trainiert.

Clermont_WebsiteZweitligist Clermont Foot 63 gab am Samstag die Verpflichtung der früheren französischen Nationalspielerin Diacre bekannt. Die 39-Jährige, die schon Co-Trainerin der weiblichen Landesauswahl war, habe einen Zweijahresvertrag unterschrieben, hieß es. Auf der Website des französischen Vereins (screenshot) ist ein Videoclip mit der Vorstellung Diaces zu finden. Clermont Foot hatte ursprünglich unter viel Medienrummel die Portugiesin Helena Costa als Coach verpflichtet. Die 36-Jährige hatte allerdings am Dienstag rund eineinhalb Monate nach der Unterzeichnung ihres Vertrags abgesagt.
Diacre sagte in einer ersten Reaktion, sie sei «extrem begeistert». Clubpräsident Claude Michy erklärte, er habe unbedingt einer Frau eine Chance geben wollen. «Die Welt verändert sich, und Sachen anders zu machen, macht das Alltägliche interessanter. Es ist ein Luxus, solche Entscheidungen treffen zu können», sagte er dem Radiosender Europe1. Diacre nimmt ihre Arbeit den Angaben zufolge zu Beginn dieser Woche auf. Sie soll den Verein aus der Auvergne im Zentrum Frankreichs als Nachfolgerin von Régis Brouard erstmals ins französische Oberhaus führen. Die vergangene Saison hatte der Club in der unteren Tabellenhälfte auf Rang 14 beendet.

Costa, die in Anlehnung an ihren berühmten Landmann «(José) Mourinho in Rock» genannt wird, hatte zunächst auf einer Pressekonferenz im Stadion des Vereins in Clermont-Ferrand nur «persönliche Gründe» für ihre unerwartete Absage angeführt. Später sagte sie, der Club habe ohne Absprache mit ihr mehrere Spieler verpflichtet. Clubboss Michy kritisierte Costas Rückzieher als «verwunderlich, irrational, unverständlich».

Frauenpower im französischen Männerfußball

Gestern hat die Fußball-WM in Brasilien begonnen – die Augen aller Fußballfans richten sich in den nächsten vier Wochen auf Südamerika. Obwohl es doch auch aus Europa Interessantes zu berichten gibt: In Frankreich wird ab der nächsten Saison ein Männer-Profiteam von einer Frau gecoacht.

France Soccer Helena CostaHelena Margarida dos Santos Costa kann mit dem wenig schmeichelhaften Spitznamen „Mourinho in Röcken” ganz gut leben. Die 36-jährige Portugiesin leidet nicht unter mangelndem Selbstvertrauen und stellt sich cool der großen Herausforderung. Beim französischen Zweitligisten Clermont-Ferrand trägt sie künftig als Cheftrainerin die Verantwortung. Ihren Spitznamen hat Helena Costa nach einem Fortbildungsaufenthalt beim FC Chelsea erhalten, wo sie sich mit Portugals Star-Trainer José Mourinho anfreundete. Der war ja auch schon mal bei einem Kleeblattspiel in der Trolli ARENA.

Costa hat eine erstaunliche und bewegte Geschichte hinter sich. Sie hat schon in Lissabon eine Männermannschaft unter ihren Fittichen gehabt, auch wenn das Amateure waren und keine Profis. Für die toughe Frau ist es egal, ob sie Frauen oder Männer trainiert: „Der Fußball ist der gleiche – es spielen elf gegen elf. Es gibt keinen Unterschied.”

Die ehemalige portugiesische Fußballspielerin Costa verfügt über eine Lizenz in Sportwissenschaft. Sie begann bei Benfica Lissabon, zunächst als Trainer der Bambini-Mannschaften, dann ab 2005 als Assistentin des Trainers der männlichen U17, die wurden Vizemeister. Dann übernahm sie eine Amateurmannschaft in der Großregion Lissabon. Parallel dazu wurde sie Talentspäherin für Celtic Glasgow. 2010 wechselt sie nach Katar, um dort den Frauenfußball zu entwickeln. 2012 avacierte sie zur Nationaltrainerin der Frauenmannschaft des Iran, den sie 2013 aus „persönlichen Gründen” wieder verließ und nach Portugal zurückkehrte. Seit Mai 2014 ist sie jetzt beim „Clermont Foot Auvergne 63“, einem französischen Fußballverein aus Clermont-Ferrand, der Hauptstadt des französischen Départements Puy-de-Dôme in der Auvergne. Hier geht’s direkt zur Vereinswebsite und einem Videoclip der Pressekonferenz bei Costas Präsentation als künftige Trainerin.

Fifa-Präsident Joseph Blatter sieht die Verpflichtung von Helena Costa übrigens positiv. Und die französische Ministerin für Jugend und Sport, Najat Vallaud-Belkacem, betont, dass es der Fußballverein „Clermont Foot“ als erster verstanden hat, dass die Zukunft des Profifußballs darin liegt, den Frauen ihren Platz zu geben.

Damit ist Costa die erste Frau in der Geschichte des französischen Profifußballs und nach der Italienerin Carolina Morace und der Bolivianerin Nelfi Ibañez Guerra (in Peru bei Hijos de Acosvinchos) die dritte Frau, die ein Männer-Profi-Fußballteam coacht. Carolina Morace hatte 1999 die Profis von A.S. Viterbese Calcio in der Serie C1 trainiert. Sie musste jedoch nach nur zwei Spielen aufgrund des starken Mediendrucks zurücktreten. Na, da bin ich mal gespannt, wie lange Helena Costa in Clermont Ferrand auf ihrem Trainerstuhl sitzen wird.