Heimsieg in allerletzter Minute

tripic_radokiIn der allerletzten Spielminute traf der eingewechselte Joker Zlatko Tripic ins Bielefelder Tor und machte den Einstand des neuen Fürther Trainers Janos Radoki zum Erfolg.
„Schau´mer uns des Drama an“, brummelte mein Nachbar im Ronhof kurz vor dem Anpfiff und brachte das auf den Punkt, was sich viele Kleeblattfans insgeheim dachten: Was wird die Entlassung von Stefan Ruthenbeck nützen, den Janos  Radoki beerbt hat? Wird die Mannschaft aufgerüttelt, und begreift sie endlich, worum es geht? Nur 7305 Zuschauer waren im Stadion, wobei es keine Ausreden wegen starker Kälte oder schlechten Wetters gab. Ich hätte mehr erwartet, denn man durfte gespannt sein, was Radoki in nur vier Tagen auf die Beine gestellt hatte, und ob das, was er angekündigt hatte – mehr Aggressivität und Pressing -, so schnell umgesetzt werden konnte.
Kurz gesagt: nein. Und das kann man nach vier Tagen auch nicht erwarten. Aber immerhin gelang es der Spielvereinigung nach einer halben Stunde, das Führungstor zu machen. Nach der Hereingabe von Djokovic landet ein abgefälschter Franke-Kopfball am Bielefelder Pfosten, der Fürther Innenverteidiger kommt nochmal an den Ball und gibt ihn an Nicolai Rapp, der mit Schmackes  ins Tor von Ex-Kleeblatt Wolfgang Hesl schießt. Ein erster Treffer, der auf mehr hoffen lässt.

Nach der Halbzeitpause – und damit früher, als es Ruthenbecks Konzept war – nahm der neue Trainer einen Spielerwechsel vor: Serdar Dursun kam für Ante Vukusic. Oft geht ja ein Ruck durch das Team, wenn Dursun auf den Platz kommt. Aber diesmal wirkte das Kleeblatt weiter eher gedämpft und passiv. Echte Torchancen gab es wenige. Und Arminias Keeper Hesl war – wie auch zu seinen Fürther Zeiten – oft vorne im 16-Meter-Raum, weit entfernt vom Tor und harrte der Dinge, die noch kommen sollten. Was da kam, hatte dann allerdings eher mit dem Schlussmann des Kleeblatts zu tun: Unglücklich spitzelt des 1:0-Tores Nicolai Rapp den Ball in der 77. Minute, nach der Hereingabe von Görlitz, mit dem linken Fuß zum 1:1-Ausgleich ins eigene Tor – Balasz Megyeri chancenlos!

Dann ging es weiter wie so oft in letzter Zeit. Die Zuschauer ärgern sich, dass die Ausbeute für die Spielvereinigung wohl wieder nicht mehr als einen Punkt betragen wird. Diesmal mussten die Fürther gegen den Tabellenfünfzehnten zittern, und die Ostwestfalen drohten sogar noch in Führung zu gehen. „Krieg´n die den Ball amal wech, der Hühnerhauf´n?“, echauffierte sich mein Nachbar erneut und sprach bestimmt manchen Kleeblattanhängern aus der Seele. Die Minuten verrinnen, das Spielende naht. Da gewinnt Serdar Dursun wie aus heiterem Himmel im Mittelfeld zwei Kopfballduelle und legt den Ball Joker Tripic in den Lauf. Der fackelt nicht lange und schlenzt die Kugel Wolfgang Hesl durch die Beine ins Tor. 2:1 in der allerletzten Spielminute, das Kleeblatt im Glück.

Das Ergebnis ist ein guter Start für den neuen Coach Janos Radoki. Er muss sich jedoch jetzt ganz schnell etwas einfallen lassen, um seine Mannschaft konditionell und mental zu puschen. Nach der Devise: Schneller an den Gegner rangehen, sich mehr trauen, konsequenter agieren! Das müssen die Kleeblätter in den kommenden Wochen und Monaten beherzigen. Und dann klappt es auch mit einem guten Tabellenplatz in der Zweiten Liga!

4:1 – der klare Favorit gewinnt

Eintracht Norderstedt - SpVgg Greuther FürthDFB-Pokalspiele gegen Viertligisten haben so ihre Tücken! Da haben viele Erst-und Zweitliga-Teams schon bittere Erfahrungen gemacht. In der ersten Begegnung im diesjährigen DFB-Pokal traf heute die Spielvereinigung auf Eintracht Norderstedt. Und hat die Partie mit 4:1 gewonnen. Wobei: Ganz so eindeutig, wie das Ergbnis jetzt aussieht, war der Verlauf nicht.

Das Spiel vor 3000 Zuschauern – ca. 200 davon waren angereiste Kleeblattfans – startete aus Fürther Sicht etwas konfus. Das Kleeblatt machte überhaupt nicht den Eindruck eines souveränen Zweitligisten. Im Gegenteil: Die Amateure aus der Stadt nördlich von Hamburg ärgerten die Profis, wo sie nur konnten. Wie so oft agierte Veton Berisha übereilt und ohne Konzept. Die Präsizion bei der SpVgg wies insgesamt gravierende Schwächen auf.
Doch dann gelang (mal wieder) Robert Zulj nach einem Doppelpass von Serdar Dursun (der heute von Anfang an im Sturm stand) in der 42. Minute das ersehnte Tor. Endlich! Die zweite Halbzeit begann unspektakulär. Dann: Drei Minuten, bevor er gegen Ante Vukusic ausgetauscht werden sollte, flankte Berisha gut nach innen auf Serdar Dursun. Der war einen Tick schneller als der Norderstedter Mandic und nickte locker-flockig ins norddeutsche Tor (Foto: Jubel nach seinem Tor). Der vermeintliche 2:0-Sieg war dann in der 81. Minute in Gefahr, als Felix Drinkuth bei einem Freistoß den Ball um die schlecht postierte Mauer herumschoss und ins Fürther Tor traf. Kleeblatt-Keeper Sascha Burchert, der heute sein erstes Pflichtspiel absolvierte, machte in dieser Szene eine ziemlich unglückliche Figur.
Aber das Kleebatt ist dann auch wieder für positive Überraschungen gut: Der wenige Minuten vorher eingewechselte Zlatko Tripic traf in der 89. Minute aus 15 Metern Entfernung wie beiläufig zum 3:1 ins rechte Eck. Und in der Nachspielzeit gab Tripic im Strafraum einen Pass nach hinten – und der freistehende Benedikt Kirsch machte mit dem vierten Kleeblatt-Tor den Sack endgültig zu.

Die Spielvereingiung hat die erste Hürde im DFB-Pokal erwartungsgemäß genommen. Das nächste Zweitligaspiel findet am kommenden Samstag, 27. August, um 13.00 Uhr zu Hause gegen den FC Erzgebirge Aue statt.

Tripic nach Disco-Sturz schwer verletzt

Die Hiobsbotschaften bei der Spielvereinigung reißen nicht ab. Gestern gab der Verein in einer kurzen Mitteilung bekannt, dass der Kleeblattspieler Zlatko Tripic für längere Zeit ausfallen wird. Der Grund ist ein Sturz in einem Nürnberger Nachtclub, bei dem sich Tripic schwer verletzt hat.
Der Vorfall ereignete sich bereits in der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag. Aus bisher ungeklärten Gründen ist der 23-Jährige von einer Empore in der Diskothek „Indabahn“ am Nürnberger Hauptbahnhof mehrere Meter in die Tiefe gestürzt. Der Fürther Stürmer zog sich dabei schwere Verletzungen im Kopf- und Wirbelsäulenbereich zu.
Inzwischen gibt es Informationen, wie der Unfall passierte: Laut Bundespolizei war es in der Diskothek gegen 2.30 Uhr zu einer Schlägerei zwischen mehreren Männern gekommen, an der Tripic allerdings nicht beteiligt war. Der 23-Jährige habe sich laut Zeugenaussagen von der Schlägerei entfernt und wollte sich auf einem Sofa in Sicherheit bringen. Als ein Tisch gegen das Sofa krachte, habe er das Gleichgewicht verloren und sei drei oder vier Meter in die Tiefe gestürzt. Mit einem Krankenwagen war Tripic dann sofort in ein Nürnberger Krankenhaus gebracht worden.

Zlatko Tripić wurde 1992 in Rijeka, Kroatien geboren, wuchs jedoch im norwegischen Lyngdal auf. Er besitzt neben der norwegischen auch die bosnisch-herzegowinische Staatsbürgerschaft. Er steht seit Januar 2015 bei der Spielvereinigung unter Vertrag und kam in dieser Saison bisher 14 mal zum Einsatz.

In der Vergangenheit hatten ja bereits Ilir Azemi und Stefan Thesker (der aktuell an Twente Enschede ausgeliehen ist) mit Disco-Besuchen für reichlich Schlagzeilen gesorgt. Azemi war im August 2014 nach dem Feiern in einem Club schwer mit seinem Auto in Fürth verunglückt. Stefan Thesker hatte sich Mitte Dezember vergangenen Jahres in der Nürnberger Diskothek „Mach 1“ daneben benommen: Erst soll er dort nach dem 1:2 seines Teams gegen RB Leipzig (Thesker saß 90 Minuten auf der Bank) mit einer Frau gestritten haben. Dann wurde er vom Sicherheitspersonal nach draußen komplimentiert. Auf der Straße pöbelte Thesker den Türsteher an: „Was willst du? Verdienst 2000 Euro im Monat, du Wichser.“ Anschließend zückte er sein Portemonnaie, holte einen Packen Geldnoten heraus und schmiss mit 20-Euro-Scheinen um sich.

Warum Kleeblatt-Profis gerade in Nürnberger Discos so ausgelassen abfeiern, bleibt den Fürther Fans ein Rätsel.