Von Schafkopf und Fußball

Diese Saison ist für die SpVgg Greuther Fürth aus unserer Sicht so spannend wie keine in den letzten Jahren. Der Aufstiegskampf, der DFB-Pokal – man kommt aus dem Mitfiebern mit unserem Kleeblatt überhaupt nicht mehr heraus.

Fußball ist die eine Sache, die uns Greuther-Weibern in diesen Wochen Spaß macht wie selten zuvor. Aber es gibt noch andere, mindestens genauso vergnügliche Freizeitbeschäftigungen. Lesen zum Beispiel. Geradezu ideal ist es, wenn man Fußball und Schmökern miteinander verbinden kann – wie in einem Krimi, den ich heute vorstellen will. „Schafkopf“ heißt er, geschrieben von Tommie Goerz, erschienen bei Ars Vivendi (ISBN 978-3-86913-041-5, Preis: 14,90 Euro).

Das Buch spielt in Nürnberg, Fürth, Erlangen und Umgebung. Es ist eine wahre Freude, die Figuren zum freitagabendlichen Schafkopfen in die Wirtschaft zu begleiten, ihre fränkischen Dialoge – die naturgemäß fast ohne Worte auskommen – zu verfolgen. Und wenn Kommissar Friedo Behütuns zwischen Kalchreuther Felsenkeller und Oberndorfer Weiher ermittelt, dann hat jeder bei der Lektüre bestimmte Bilder aus eigenem Erleben vor Augen.

Was den Krimi für uns Greuther-Weiber aber ganz besonders lesenswert macht, ist die fränkische Fußball-Welt, die eine nicht unbedeutende Rolle in dem Buch spielt: Die beiden verfeindeten Lager von Anhängern des 1. FC Nürnberg auf der einen Seite und Kleeblatt-Fans auf der anderen werden aufs Trefflichste charakterisiert.

Goerz geht zum Beispiel der Frage nach: Wie wird man im Nürnberger Land zu einem Fürth-Fan? Und kommt zum Ergebnis: „Das geht eigentlich nicht. Außer, wenn man anders ist.“ Und er sinniert über die Berg-und-Tal-Fahrten des Clubs, die die Gemütszustände von dessen Anhängern von einem Extrem ins andere treiben. „Der Club-Fan will leiden“, „Leiden bestimmt seinen Alltag“, heißt es da. Jawohl! Das können wir nur bestätigen.

Die Fürther Fans dagegen: „gemütlich, erdig, brav“. Sie nehmen alles leichter. Laut Goerz „sondern sie Hingebung ab – Hingebung an die Niederlage und das Tragen des Schicksals mit Stil“. Und sie haben sich an die Tatsache gewöhnt, dass immer der Club auf Seite 1 im Sportteil steht, auch wenn seine Spiele „stümperhaft oder pomadig“ waren. Währenddessen die Fürther sich mit der dritten Seite begnügen müssen, auch wenn sie oft in derselben Liga spielen.

Neben solchen amüsant-fußballphilosophischen Erkenntnissen liefert Goerz eine spannende Story um rätselhafte, grausige Morde, bei denen jeweils ein Club-Trikot eine Rolle spielt. Mehr wird nicht verraten – den Rest müsst Ihr/müssen Sie selber lesen!