Fürth ist einfach überall

Ich bin zurück in Fürth, gehe wieder meiner (geregelten) Arbeit nach und freue mich auf den Saisonbeginn der Spielvereinigung am kommenden Samstag, 2. August, um 15.30 Uhr gegen den VfL Bochum.

Fuerth_Rathaus_BolsenaAls kleinen Rückblick auf die beiden Urlaubswochen im italienischen Bolsena hier noch eine kleine story. Es geht um das Foto auf einer Einkaufstüte in einem kleinen Laden: Ich habe mir ein T-Shirt gekauft, man hat es mir einpackt. Und da ich war doch sehr erfreut über die Abbildung auf der Tüte. Hat doch die Kirche an der Piazza Santa Cristina eine unverkennbare Ähnlichkeit mit dem Fürther Rathaus. Fürth is always and everywhere.Rathaus_Fuerth

So, jetzt gilt es, die letzten spielfreien Tage zu genießen und sich mit allen Veränderungen in der Mannschaft der SpVgg vertraut zu machen. Was wird die Spielzeit 2014/15 dem Kleeblatt wohl bringen? Hoffentlich einige sportliche Erfolge, viele gute Spiele und dann kann doch eigentlich nichts schief gehen, oder?

Blick aus der Ferne auf ein „Greuther“-Namensproblem

Die Welt des Fußballs ist derzeit unspektakulär: Deutschland wurde Weltmeister (das ist auch schon wieder über eine Woche her). Die Spielvereinigung rüstet sich im oberösterreichischen Trainingslager für die nächste Zweitliga-Saison. Gestern hat das Kleeblatt sein zweites Freundschaftsspiel bestritten und gegen den russischen Pokalsieger FK Rostow mit 2:1 gewonnen. Heute Abend steht die Begegnung mit Lokomotive Moskau auf den Programm.

Bolsena_CinquecentoIch genieße nach wie vor meine Urlaubstage im italienischen Bolsena. Am Wochenende wurden in dem Ort nostalgische Vespa-Roller, Fahrräder, die in den vergangenen Jahrzehnten beim Radrennen „La Carrareccia“ in Bolsena mitgemacht haben, und liebevoll restaurierte Cinquecentos ausgestellt (Foto). Da geht mir natürlich das Herz auf, denn wer mich kennt, weiß, wie gerne ich so einen Roller oder Kult-Auto hätte. Aber man kann und soll sich im Leben ja nicht alle Träume erfüllen.

Aus 1000 Kilometern Entfernung ist auch die Sicht auf sensible Themen rund ums „Kleeblatt“ eine distanziertere. So ist ja vor kurzem beim Testspiel zum 40. Geburtstags des TSV Vestenbergsgreuth wieder die permanent schwelende  Wut über das Wort „Greuther“ im Vereinsnamen „Spielvereinigung Greuther Fürth“ aufgeflammt. Schon seit der Fusion mit Vestenbergsgreuth im Jahr 1996 ist eingefleischten Kleeblattfans dieser Namenszusatz ein Dorn im Auge. Vor allem die Fangruppe Horidos reagiert darauf nach wie vor allergisch.
Greuther-Weiber-TitelHautnah haben wir „Greuther-Weiber“ das vor fünf Jahren auch bei der Namensgebung unseres „NZ“-Blogs erleben müssen. Man hatte sich damals das Wortspiel Kräuter-Weiber und Greuther-Weiber ausgedacht und fand diese Bezeichnung originell. Postwendend kam von Kleeblattanhängern und auch von seiten der SpVgg der Vorschlag, ob man sich nicht anders nennen wolle, um die Fangemeinde nicht zu brüskieren. Aber wir blieben beim Namen, und  – bis auf manche ironische Kritik in den Sozialen Netzwerken – die positive Resonanz bei den Bloglesern gibt uns Recht: Unser Blog ist – auch mit dem verflixten Greuther-Wort im Namen – schon lange ein etablierter Teil der Fürther Fußballszene.

Klar, viele meiner Bekannten und Freunde fragen mich nach einem Spiel nicht, „Wie haben die Fürther gespielt?“, sondern „Wie haben sich die Greuther geschlagen?“. Aber ich finde, man sollte die Kirche im Dorf lassen. Unterm Strich ist doch entscheidend, wie der Verein sportlich und finanziell dasteht. Und das wird (hoffentlich) in der Saison 2014/15 wieder eine Erfolgsgeschichte.

Wer kennt Mitglieder dieser Mannschaft?

Ich habe vor ein paar Wochen hier schon über ein Buch geschrieben, das in meiner derzeitigen Wahlheimat in Italien, in Bolsena, über die Geschichte der hiesigen Fußballmannschaft erschienen ist. Nun möchte ich den beiden Autoren, Paola und Claudio Galli, bei einem Anliegen helfen.

Die beiden suchen Überlebende der deutschen Mannschaft (siehe Foto), die hier in Bolsena im Sommer 1944 gegen eine Mannschaft aus Italienern gespielt hat: deutsche Soldaten auf der Durchreise, die bald an die Front weiterziehen mussten. Es ist klar, dass die Mitglieder dieser Mannschaft inzwischen so um die 90 Jahre alt sein müssten, und einige von ihnen dürften den Krieg auch gar nicht überlebt haben. Aber wer weiß – vielleicht gibt es ja wirklich noch Überlebende von damals. Oder auch Angehörige, zum Beispiel Töchter oder Söhne, denen ihre Väter von ihren (Kriegs-)Erlebnissen in Italien erzählt haben. Die Buchautoren würden gern auch mit den Nachfahren in Kontakt treten – vielleicht kommt es ja sogar irgendwann zu einem Besuch hier in Bolsena!

Wer also damals selbst dabei war oder jemanden kennt, der im Sommer 1944 als Soldat hier war, kann sich an folgende E-Mail-Adressse wenden:

paolacloude@alice.it

Natürlich ist es auch möglich, Namen und Adressen in einem Kommentar in unserem Greuther-Weiber-Blog zu hinterlassen, dann stellen wir den Kontakt her. Es wäre toll, wenn sich jemand finden würde, aber natürlich wird das aufgrund der vielen Jahrzehnte, die inzwischen vergangen sind, nicht einfach. Wir wünschen den Autoren bei der Suchaktion auf jeden Fall viel Glück!

Ein Blickfang vor der Haustür in Bolsena?

Greuther-Weib „uwo“ ist ja seit fast drei Wochen in Italien und kommentiert das nächste halbe Jahr in unserem Blog von dort Fußball aus der Perspektive einer Frau. So z.B. ein Spiel zwischen der bolsenesischen Heimmannschaft und einem Team aus der Gegend von Rom. Und schreibt natürlich in „Attenti al lupo, Achtung,Wolf!“.

Von hier aus möchte ich jetzt einen Deko-Tipp nach Latium schicken. Wie wäre es mit einem Kleeblatt-Fußabstreifer vor der Eingangstür? Denn ab sofort können alle Fans der Spielvereinigung ihre Gäste mit einer Kleeblatt-Fußmatte empfangen. Dieser „Abstreifer“ ist ein echter Blickfang und wird auch italienische Gäste bestimmt in Verzückung versetzen. Die Fußmatte ist 60 x 40 cm groß, aus waschbarem Velours und kostet 19,95 Euro.

Und für alle Sammler von Kleeblatt-Fanartikeln gibt es eine weitere Neuigkeit: Jetzt kann man den neuen Kleeblatt-Fotoball mit den Abbildungen aller Spieler aus der Rückrunde der laufenden Saison erwerben. Der dekorative Mannschaftsball 2013/2014 kostet 24,95 Euro.
Erhältlich sind alle neuen Fanartikel in den Fanshops Greuther Teeladen, bei Franken Ticket am Fürther Kohlenmarkt und natürlich auch bequem von zu Hause aus über den Online-Shop (von da habe ich auch das Foto).
Und wenn „uwo“ wirklich die Kleeblatt-Fußmatte möchte, dann könnte man ohne Problem eine Art „Carepaket“ aus Fürth nach Italien schicken. Vielleicht noch mit einer neuen großen Portion fränkischer Bratwürste. Dieses Mal – zum Geschmacksvergleich – vielleicht mit Grillroastern von der Zirndorfer Metzgerei Schäfer?

Leider nur 0:0!

Schön, in meiner vorübergehenden Heimat Bolsena von den Erfolgen des Kleeblatts zu hören bzw. zu lesen! Hoffen wir mal, dass es in den nächsten Wochen so weitergeht mit der Spielvereinigung!

Italien ist ja nun aber Gott sei Dank nicht gerade die Diaspora des Fußballs, und so muss ich hier nicht darben, was das Thema „calcio“ angeht. Die großen Spiele kann man natürlich im Fernsehen verfolgen, aber mich interessiert viel mehr, wie sich die Mannschaft von Bolsena so schlägt. Und da sie gestern zum ersten Heimspiel während meines bisherigen Aufenthalts im hiesigen „campo sportivo“ angetreten ist, habe ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, mir das Spiel Virtus Bolsena gegen Boreale (bei Rom) anzuschauen.

Virtus Bolsena (über die Mannschaft ist ja gerade ein Buch erschienen) spielt im „campionato di promozione“ in der Klasse „girone B“, was in etwa der Kreisklasse entspricht. Die traditionellen Farben der Mannschaft sind Gelb-Rot. Da muss ich mich als Kleeblattfan natürlich erst noch umgewöhnen, aber das dürfte kein großes Problem sein. Von der Tribüne auf dem „campo sportivo“ aus hat man nicht nur einen guten Blick aufs Spielfeld, sondern auch eine ansprechende Aussicht auf die herrliche Landschaft (siehe Foto).

Das Spiel gestern war jetzt nicht so prickelnd – es endete torlos 0:0. Bolsena liegt damit jetzt auf Platz 7, der Gegner auf Platz 9. Interessant war allerdings das Auftreten von Schiedsrichter („arbitro“) Ravaioli aus Tivoli. Er schien mir – und nicht nur mir, den Reaktionen auf der Tribüne nach zu urteilen – doch ziemlich parteiisch oder zumindest überfordert zu sein. In der 37. Minute stellte er den Virtus Bolsena-Spieler Pellegrini vom Platz – keiner wusste, warum. Wie sich herausstellte, war es wegen Beleidigung. Die Mannschaft von Bolsena ließ sich aber nicht beirren und spielte auch mit zehn Mann vor allem in der zweiten Halbzeit mehr Chancen heraus als der Gegner. Allerdings gab der „Unparteiische“ ein Tor für Bolsena nicht, er hatte wohl Abseits gesehen. Von meinem Platz aus konnte ich nicht genau beurteilen, ob zu Recht oder nicht. Die Zuschauer aus Bolsena jedenfalls murrten immer lautstärker gegen den Mann und verabschiedeten ihn mit wüsten Beschimpfungen. Da hätte ich gern mehr verstanden – aber dafür reicht mein Italienisch leider längst nicht.

Die Geschichte einer stolzen Mannschaft

Die Liebe zum Fußball verbindet Menschen auf der ganzen Welt. Das hat sich schon nach einigen Tagen meines Aufenthalts in Bolsena wieder einmal gezeigt. Im Teatro San Francesco am Hauptplatz von Bolsena, der Piazza Matteotti, fand eine feierliche Veranstaltung statt: die Präsentation des Buches „Quando c´era la Vulsinia“, in dem die beiden Autoren Paola und Claudio Galli die Geschichte des Fußballs in Bolsena seit den 1940er Jahren Revue passieren lassen. Die Gemeinde von Bolsena hat die Veröffentlichung des Werks ermöglicht, deshalb war auch Bürgermeister Paolo Dotarelli (im Bild links neben den beiden Autoren) da und hat ein paar feierliche Worte gesprochen, ebenso wie offizielle Repräsentanten verschiedener Fußball-Organisationen der italienischen Region Latium.

In dem Buch rekapitulieren Paola und Claudio Galli eine Geschichte voller Leidenschaft, die an einem sonnigen Tag im Juli 1944 begann: Auf dem Sportplatz von Bolsena spielten Italiener gegen Deutsche – die meisten von ihnen Soldaten auf der Durchreise, die hier noch einmal beim Fußballspielen Spaß haben durften, bevor sie bald darauf an der Front umkamen. Am 11. März 1947 war es dann so weit: Der Fußballverein mit dem Namen U.S. Vulsinia wurde aus der Taufe gehoben. Ein Spieler von damals, Antonio Cardarelli, trifft sich übrigens heute noch jeden Tag mit anderen älteren Männern in der „Bar Centrale“ an der Piazza Matteotti; Cardarelli ist mittlerweile 83 Jahre alt und noch ziemlich fit.

Auch Paola und Claudio Galli sind mit viel Leidenschaft ans Werk gegangen, haben Geschichten über den Fußball in ihrem Ort zusammengetragen und daraus nicht nur ein Buch über Fußballgeschichte, sondern auch über die Geschichte von Bolsena seit den 40er Jahren gemacht. Hunderte von alten Fotos, Dokumenten und Zeitungsartikeln haben sie gesichtet, sortiert und liebevoll zusammengestellt.

Die Mannschaft von Bolsena hat während der vergangenen Jahrzehnte glorreiche Zeiten erlebt, vor allem in den 60er Jahren, in denen sie Vereine aus der ganzen Gegend an die Wand spielte. Das alles wird in dem Buch wieder gegenwärtig. Das Teatro San Francesco war bei der Buchpräsentation bis zum letzten Platz besetzt, eine Reihe ehemaliger Mitglieder der „squadra“ waren da und erzählten Anekdoten von früher. Fast der ganze Ort kam zusammen, man schaute sich die alten Fotos an und schwelgte in Erinnerungen. – Für mich war dieses Ereignis ein wunderbarer Beginn meiner Zeit in Bolsena!