Armer Wackel-Dackel!

KopfloserHundWir befinden uns noch in der Prä-Fußball-Europameisterschafts-Zeit. Und der Start in die neue Saison der Zweiten Liga Anfang August liegt noch in viel weiterer Ferne. Trotzdem wird man an allen Ecken und Enden mit dem Thema Fußball konfroniert.

Als ich heute in die Fürther Innenstadt ging, ist mir ein bizarres Szenario am Rand der Königstraße ins Auge gesprungen. Vor einem Mietshaus stand direkt vor der Haustür eine kleine, offenbar herrenlose Gestalt. Es handelte sich um einen sogenannten „Wackel-Dackel“, den  – so meinte ich – bis vor wenigen Jahren viele besonders spießige Autofahrer auf der „Hutablage“ ihres Opels oder Fords hatten. Allerdings habe ich recherchiert: Ein Wackeldackel ist die Nachbildung eines Dackels aus Kunststoff, dessen Kopf beweglich gelagert ist, so dass der Wackeldackel, wenn er auf der Hutablage oder dem Armaturenbrett eines fahrenden Pkw steht, den Kopf bewegt (mit ihm wackelt). Den Wackel-Dackel gibt es seit 1965. Er feierte Ende der 1990er Jahre durch einen Aral-Werbespot sein Comeback. Nach Angaben des Coburger Produzenten Heinze & Co. wurden 1999 in acht Monaten über 500.000 Exemplare verkauft (laut Wikipedia).

Also: Hier stand der Wackel-Dackel. Und er wies zwei Besonderheiten auf: Zum einen hatte er keinen Kopf mehr, war also ohne Hirn und Verstand. Zum anderen trug er ein kleines schwarzes Jäckchen mit einem 1. FC Nürnberg-Aufnäher. Jetzt stellt sich mir die naheliegende Frage: Hat ein frustrierter Clubfan nach der verlorenen Relegation gegen Eintracht Frankfurt erst den Kopf des Dackels entfernt, zwei Wochen gelitten und jetzt das Spielzeug herzlos ausgesetzt? Oder will ein Kleeblattfan allen Nürnberger Autofahrern, die die Fürther Königstraße entlangfahren, signalisieren: So sehen wir SpVgg-Anhänger die Zukunft des Clubs: Einsam, kopflos und ohne Orientierung.

Fakten, Fakten, Fakten…

SpVgg Greuther Fürth - SV SandhausenDer „kicker“ ist für Fußballinteressierte die Leib- und Magenlektüre. Auch die Greuther-Weiber daten da regelmäßig ihr Wissen up. Wie zu jedem Saisonende hat das Sportmagazin in der vergangenen Woche eine „Bilanz der 2. Liga“ erstellt – das ist für Fans von Statistiken aufschlussreich.

Bei den besten Torjägern rangiert Sebastian Freis mit 12 Toren auf einem relativ guten 7. Platz. Ich erinnere an die Aufstiegssaison 2011/2012, als Olivier Occean (gemeinsam mit dem Frankfurter Spieler Alexander Meier) mit 17 Treffern auf Platz eins lag. Das ist leider Schnee von gestern. Bei den „Besten Vorbereitern“ (die besten Scorer) findet man Robert Zulj mit 17 Punkten auf dem 11. Platz. Die 17 Punkte ergeben sich aus von ihm erzielten Toren (8) und neun vorbereiteten Torschüssen, die ein anderer Spieler dann einlochte. Hinter Zulj sind Jurgen Gjasula (15 Punkte) und Freis (14 Punkte) zu finden.

Ernüchternd ist die Bilanz der „Top-Feldspieler“: Ganz vorne liegen Emil Forsberg (RB Leipzig), Vincenzo Grifo (SC Freiburg), auf Platz acht das Ex-Kleeblatt Niclas Füllkrug. Von einem Profi der Spielvereinigung ist niemand gelistet. Und auch bei den „Besten Torhütern“ gibt es keine Beteiligung des Kleeblatts. Immerhin ist aber Wolfgang Hesl, der seit dieser Spielzeit den Kasten von Arminia Bielefeld hütet, mit der Note 2,91 auf einem guten  sechsten Platz.  In der „Fair-Play-Tabelle“ rangiert die Spielvereinigung mit einer Roten Karte (Gjasula) und 78 Gelben Karten im Mittelfeld. Auf dem vorletzten Platz tummelt sich unser Erzfeind aus der östlichen Vorstadt mit drei  Roten, zwei Gelb-Roten und 75 Gelben Karten.

Jedes Jahr frustrierend aus Fürther Sicht ist die Bilanz der Zuschauer, die sich die Fußballspiele ihres Vereins angesehen haben. Hier führt der 1. FC Nürnberg souverän mit insgesamt 522 055 Zuschauern, das sind im Schnitt 30 709 Besucher/Spiel. Und das Kleeblatt? Das hatte mal gerade ein Drittel an Zuschauern (173 767) , was durchschnittlich 10 222 Besuchern/Spiel entspricht. Ich finde – und da rennen wir offene Türen ein – das Stadion im Ronhof ist zu selten gut besucht, geschweige denn ausverkauft. Naja, wird jetzt der eine oder andere Fan erwidern: bei den Leistungen…

Noch etwas: Ich als in Frankfurt geborene Fußballbloggerin habe bei den beiden Relegationsspielen natürlich der Eintracht Frankfurt die Daumen gedrückt, damit sie erstklassig bleibt. Und so kam es auch. Den Aufstieg des Clubs in die Bundesliga hätte ich einzig und alleine einem guten Freund gegönnt, der begeisterter Clubfan ist. Thomas hatte oft eine Dauerkarte, und wenn er die Hymne „Die Legende lebt“ anstimmte, wurde es sogar mir feucht in den Augen. Er war auch einmal das Thema eines Blogbeitrages. Thomas hätte sich über den Aufstieg des Clubs gestern sehr gefreut. Allerdings hätte er ihn nicht mehr erlebt. Thomas ist am vergangenen Freitag völlig überraschend mit 55 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben.

Das TV-Interview: Clubfan trifft auf Greuther-Weib

Fast zwei Stunden nach dem Abpfiff in der Frankfurter Commerzbank-Arena und dem Ende der Begegnung der SpVgg gegen Eintracht Frankfurt am vergangenen Freitag war es so weit:
In der TV-Sendung „Kipfenberg“ im Bayerischen Fernsehen wurde der Filmbeitrag über die „denkwürdige Begegnung“ des eingefleischten Clubfans Andi H. mit mir gesendet. In dieser vierten Ausgabe von „Kipfenberg“  wollte Moderator Hubertus Meyer-Burckhardt die fußballerischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Bayern ergründen. Stargast war Sepp Maier, ehemaliger Rekord-Torhüter des FC Bayern München und der deutschen Nationalmannschaft, der mehr oder weniger Originelles und Erhellendes über seine Erlebnisse mit anderen bayerischen Fußball-Mannschaften zum Besten gab.
Wer die Sendung verpasst hat – weil er z.B. noch auf der Heimfahrt vom Spiel in Frankfurt war oder einfach schon geschlafen hat –  für den haben wir hier das Video zum Thema „Frankenderby“ Fürth gegen Nürnberg. Web-Reporterin Christina Wolf hat versucht herauszufinden, ob die Fans der beiden Vereine tatsächlich so große Rivalen sind.

Kleeblatt- und Käse-Fan

Selbst wenn man – wie ich heute – einen freien Tag hat, kann man sich dem Thema Fußball bzw. Spielvereinigung nicht so leicht entziehen. Da gehe ich mittags arglos zum Einkaufen auf den Markt auf der Fürther Freiheit und werde gleich am Käsestand in ein Gespräch über die Kleeblättler verwickelt. Wie sie heute Abend in Bielefeld wohl spielen werden? „Naja“, meint die Käseverkäuferin, die eingefleischter Fan ist, „eigentlich müssten´s ja scho´ g´winnen.“  Doch es stehen ihr deutlich Skepsis und Zweifel ins Gesicht geschrieben.

Der Stand nebenan bietet Fisch an. Und sein Besitzer ist – wie das Leben so spielt – Clubfan. Da haben sie sich heute in aller Frühe schon über den bevorstehenden Spieltag unterhalten, der Fischmann und die Käsefrau. Und man sollte es nicht für möglich halten: Er drückt den Fürthern für heute Abend den Daumen. Wenn das keine noble Geste ist!!! Wollen wir mal hoffen, dass es etwas hilft.

So, jetzt nehme ich mir aber erst mal wirklich frei vom Fußball. Andererseits, was soll´s – einmal Greuther-Weib, immer Greuther-Weib, und schließlich gibt es ja weitaus unangenehmere Gesprächsthemen als unser Kleeblatt. Und das Spiel geht schon bald los!