Corinne Diacre – Hoffnungsträgerin im französischen Fußball

Wer unseren Greuther-Weiber-Blog aufmerksam liest, der kann sich bestimmt an unseren Beitrag über die Trainerin Corinne Diacre erinnern. Unser Thema ist ja oft der Fußball aus weiblicher Sicht. Gestern Abend hat Diacre mit ihrem Team – der französischen Nationalmannschaft – in einem ultraspannenden Spiel die Brasilianerinnen in der Verlängerung mit 2:1 im WM-Achtelfinale besiegt (Foto: dpa).  Sollte die deutsche Frauen-Nationalmannschaft das Viertel- und Halbfinale glücklich überstehen, dann könnte es durchaus passieren, dass im WM-Finale Deutschland auf Frankreich trifft.

Vor ziemlich genau fünf Jahren wurde Corinne Diacre Chefcoachin der Profi-Männermannschaft des französischen Zweitligisten Clermont Foot in Clermont-Ferrand. Damals war es eine hitzig diskutierte Entscheidung des Vereins, die Bastion Trainer bei einem Herren-Team mit einer Frau zu besetzen. Aber der Erfolg gab Clermont Foot Recht: Im ersten Jahr führte Diacre die Männer auf einen gesicherten Mittelfeldrang (12. Platz). Für alle Personalien fand sie Rückendeckung sowohl in der Mannschaft als auch beim Klubpräsidenten Claude Michy. 2015 zeichnete die französische Fußball-Zeitschrift France Football Madame Diacre sogar als „Besten Zweitligatrainer des Jahres“ aus.  Die zweite Spielzeit unter Diacre schloss Clermont – das zeitweise sogar einen Aufstiegsplatz belegt hatte – auf Rang sieben ab. Ihren Vertrag erfüllte sie drei Spielzeiten. Seit 1. September 2017 ist Corinne Diacre Trainerin der französischen Frauenfußball-Nationalmannschaft. Nach Élisabeth Loisel, unter der Diacre als Spielerin an einer Welt- und zwei Europameisterschaften teilgenommen hat, ist sie erst die zweite Frau auf diesem Posten.

Auf die französische Fußballnation ist der Funke bei der aktuellen Frauen-WM im eigenen Land voll übergesprungen. Nachdem im vergangenen Jahr die französischen Herren Fußball-Weltmeister wurden, hoffen viele, dass dieser Erfolg auch den Frauen gelingt. Es wäre das erste Mal, dass Frauen und Männer eines Landes Weltmeister wären. Corinne Diacre und ihren Mädels wäre es zu wünschen. Allerdings: Auf dem Weg ins Finale müssen Les Bleus am nächsten Freitag, 28. Juni 2019, erst mal den Sieger des heutigen Achtelfinalspiels – USA oder Spanien – besiegen. Und das wird eine echte Herausforderung!

Hin und Her: Doch noch Trainerin im Profi-Männer-Fußball

Das war ein einziges Durcheinander in den letzten Tagen. Und es hat dem Image von Frauen in der vermeintlichen Männerdomäne „Fußball“ nicht gerade gut getan. Im französischen Männer-Fußball wird in der kommenden Saison nun doch erstmals eine Frau eine Profi-Mannschaft trainieren. Nachdem die gerade gekürte Trainerin Helena Costa  – hier hatten wir im Greuther-Weiber-Blog darüber geschrieben – überraschend ihren Rückzug als Trainerin des französischen Vereins Clermont Foot publik gemacht hatte, kommt jetzt doch eine Frau zum Zuge: Die Fußballer vom französischen Zweitligisten werden künftig von der früheren Nationalspielerin Corinne Diacre trainiert.

Clermont_WebsiteZweitligist Clermont Foot 63 gab am Samstag die Verpflichtung der früheren französischen Nationalspielerin Diacre bekannt. Die 39-Jährige, die schon Co-Trainerin der weiblichen Landesauswahl war, habe einen Zweijahresvertrag unterschrieben, hieß es. Auf der Website des französischen Vereins (screenshot) ist ein Videoclip mit der Vorstellung Diaces zu finden. Clermont Foot hatte ursprünglich unter viel Medienrummel die Portugiesin Helena Costa als Coach verpflichtet. Die 36-Jährige hatte allerdings am Dienstag rund eineinhalb Monate nach der Unterzeichnung ihres Vertrags abgesagt.
Diacre sagte in einer ersten Reaktion, sie sei «extrem begeistert». Clubpräsident Claude Michy erklärte, er habe unbedingt einer Frau eine Chance geben wollen. «Die Welt verändert sich, und Sachen anders zu machen, macht das Alltägliche interessanter. Es ist ein Luxus, solche Entscheidungen treffen zu können», sagte er dem Radiosender Europe1. Diacre nimmt ihre Arbeit den Angaben zufolge zu Beginn dieser Woche auf. Sie soll den Verein aus der Auvergne im Zentrum Frankreichs als Nachfolgerin von Régis Brouard erstmals ins französische Oberhaus führen. Die vergangene Saison hatte der Club in der unteren Tabellenhälfte auf Rang 14 beendet.

Costa, die in Anlehnung an ihren berühmten Landmann «(José) Mourinho in Rock» genannt wird, hatte zunächst auf einer Pressekonferenz im Stadion des Vereins in Clermont-Ferrand nur «persönliche Gründe» für ihre unerwartete Absage angeführt. Später sagte sie, der Club habe ohne Absprache mit ihr mehrere Spieler verpflichtet. Clubboss Michy kritisierte Costas Rückzieher als «verwunderlich, irrational, unverständlich».