Lieber Fünfter als Sechster!

„Das ist doch egal, ob das Kleeblatt am Ende der Saison auf dem fünften oder sechsten Tabellenplatz der Zweiten Liga steht“. Das hört man öfters – allerdings ist diese Behauptung einfach falsch. Wieso? Ganz einfach: Weil die Höhe der Fernsehgelder, die ein Verein in der Bundesliga und Zweiten Liga bekommt, abhängig vom Erfolg in der Liga ist. Die Verteilung der TV-Rechte in der Bundesliga ist zentral geregelt. Das bedeutet, dass die Deutsche Fußball Liga einen Gesamtbetrag für die Rechtepakete der Bundesliga bekommt und diese dann nach einem bestimmten Schlüssel verteilt. Den einzigen Einfluss, den ein Verein auf die Verteilung hat, ist die Platzierung in der Liga.

In der Bundesliga läuft seit der Saison 2013/2014 ein Fernsehvertrag für vier Jahre bis zum Ende der Spielzeit 2016/2017. Die jährlichen Beiträge steigen dabei von Jahr zu Jahr kontinuierlich an.
Es gilt folgende Verteilung:

  • 2013/2014: 560 Millionen
  • 2014/2015: 615 Millionen
  • 2015/2016: 663 Millionen
  • 2016/2017: 673 Millionen

Das Rechtepaket besteht aus der Verwertung der 1. und 2. Bundesliga, die Vereine der 1. Bundesliga bekommen 80Prozent, die Vereine der 2. Bundesliga 20Prozent der gesamten Erlöse. Zu dem verkauften Rechtepaket kommen 2016/2017 weitere 36 Millionen Euro aus der Sponsoring-Gruppenvermarktung hinzu.

Bei der Verteilung der Fernsehgelder zählen zunächst die letzten fünf SpielzeitenDabei zählt die laufende Saison mit dem Faktor 5, die am weitesten zurückliegende Saison mit dem Faktor 1. Die Faktoren ändern sich also entsprechend im Verhältnis 5:4:3:2:1. Auf die aktuelle Saison 2016/17 angewandt, bedeutet das: 2015/2016 (Faktor 5), 2014/2015 (Faktor 4), 2013/2014 (Faktor 3), 2012/2013 (Faktor 2) und 2011/2012 (Faktor 1). Für den ersten Platz in der 1. Bundesliga gibt es 36 Punkte, für den letzten Platz in der 2. Bundesliga 1 Punkt. Spielzeiten unterhalb der 2. Bundesliga werden mit 0 bewertet. Dabei zählt immer der Wert am 34.Spieltag.

Also: Die Spielvereinigung erhält für die jetzt zu Ende gehende Saison 8.765.150 Euro, das sind 410.750 Euro mehr als im Vorjahr (siehe Grafik – zum Vergrößern anklicken – , die wir der Website Fußball-Geld entnommen haben) – und steht im Ranking auf dem 7. Platz. Damit dieser Betrag im nächsten Jahr weiter ansteigt, sollten die Kleeblätter alles daran setzen, die verbleibenden beiden Spiele der Spielzeit 2016/17 gegen den FC St. Pauli und Union Berlin zu gewinnen. Denn dann haben sie gute Chancen, am 21. Mai und dem letzten Abpfiff in dieser Saison doch noch auf dem fünften Tabellenplatz zu stehen. Und mal abgesehen davon: Vor dem Club zu rangieren, wäre doch auch ganz nett, oder?

Profitiert das Kleeblatt von Aalens Punkteabzug?

Sollte die Spielvereinigung davon profitieren, dass durch einen formalen Akt einem Konkurrenten in Sachen Abstieg zwei Punkte abgezogen werden? VfR Aalen - SpVgg Greuther Fürth– Die Fakten dazu: Wegen wiederholten Verstoßes gegen eine Lizenzierungsauflage im Bereich der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sollen dem aktuellen 16. in der Zweiten Liga – dem VfR Aalen – möglicherweise zwei Punkte abgezogen werden. Die Sanktionen hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) entschieden. Wie die DFL mitteilte, habe der VfR Aalen „in zwei aufeinander folgenden Kalenderjahren sein negatives Eigenkapital verschlechtert“.
Allerdings wird der abstiegsbedrohte Fußball-Zweitligist gegen diese Entscheidung voraussichtlich Rechtsmittel einlegen. Der Verein hat die Möglichkeit, gegen die Entscheidung innerhalb von fünf Tagen Beschwerde bei der DFL einzulegen. Darüber wird in den Vereinsgremien abgestimmt. „Wir sind davon überzeugt, auch trotz dieses Punktabzuges den Klassenerhalt in der Zweiten Bundesliga zu realisieren“, so das geschäftsführende Präsidiumsmitglied Carl Ferdinand Meidert. Trainer Stephan Ruthenbeck hat bei der schlechten Nachricht vermutlich ähnlich sauer reagiert wie auf unserem Foto, das bei der letzten direkten Begegnung zwischen dem Kleeblatt und Aalen Anfang März entstand. Das Spiel ging unentschieden 1:1 aus.

Nach dem Abzug der zwei Punkte wären die Aalener, die letztes Wochenende 1:1 gegen den TSV 1860 München spielten, nun mit mickrigen 22 Zählern punktgleich mit dem Tabellenletzten FC St. Pauli und dem Vorletzten FC Erzgebirge Aue. Nur die bessere Tordifferenz hielte Aalen auf Platz 16. Der Abstand auf Platz 15, den derzeit die Münchner „Löwen“ innehaben, würde dann vier Punkte betragen.

Die SpVgg hat als 14. der Zweitliga-Tabelle mit 29 Zählern derzeit sieben Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz. Wenn sich am Ende der Saison 2014/15 die Münchner und die Fürther in der Zweiten Liga halten sollten und der VfR Aalen nur aufgrund des Punkteabzugs absteigen oder in die Relegation müsste, dann hätte das einen  ausgesprochen schalen Beigeschmack.

Gegen Dynamo ausgerechnet am Kärwamontag

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) hat heute die Spieltage 8 bis 15 der 2. Bundesliga zeitgenau angesetzt. Dabei war eine Terminierung alles andere als eine gute Wahl: Das 9. Saisonspiel zwischen der Spielvereinigung und Dynamo Dresden findet am Montag, 30. September, um 20.15 Uhr im Fürther Ronhof statt. Ausgerechnet am ersten Montag der Fürther Kirchweih. Die Fans von Dynamo Dresden sind ja wegen ihres oft inakzeptablen Verhaltens vor, während und nach Spielen berühmt-berüchtigt. Ich erinnere z.B. an die Begegnung im Februar 2012, als Dynamo-Fans Kleeblattfahnen gestohlen haben und die Fürther Fans damit provozierten (Foto).
Sollten viele sächsische Anhänger nach der Begegnung durch das Gelände der Kärwa laufen, ist Ärger eigentlich schon programmiert.
In Facebook haben sich heute kritische Kommentare direkt nach Bekanntgabe des Termins überschlagen. Man hätte doch ohne Probleme den Freitag davor, den 27. September, als Spieltag wählen können, ist dort zu lesen. Da hätte die Kirchweih noch nicht begonnen, und die Gefahr von Ausschreitungen wäre gen Null gegangen. Volker Heißmann, selbst eingefleischter SpVgg-Fan, schreibt: „Hoffentlich geht das gut, und die Chaoten aus Dresden bleiben der Kirchweih fern“.

Bleibt zu hoffen, dass Fürther Fans und „normale“ Kirchweihbesucher den Abend am 30. September genießen können und nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Auf jeden Fall wird ein großes Aufgebot an Polizisten notwendig sein, um zu garantieren, dass im Umfeld des Zweitligaspieles alles friedlich bleibt. Ganz egal, ob das Kleeblatt oder Dynamo das Spiel gewinnt.