FC St. Pauli hui – HSV pfui?

Als ich am Sonntagabend nach dem Heimspiel zwischen der Spielvereinigung und dem FC St. Pauli durch die Königstraße lief, musste ich schmunzeln: Am Schaufenster eines in Fürth bekannten, hochpreisigen Juweliers prangte ein bunter Aufkleber mit einer HSV-Schal auf einer Klopapierrolle. Witzig, dachte ich mir. Da haben wohl St.-Pauli-Fans auf dem Weg zum Ronhof ihrem Unmut über den verhassten anderen Hamburger Verein Luft gemacht.

Eine ausgeprägte Lokalrivalität zwischen Fußballklubs ist nicht ungewöhnlich, ganz im Gegenteil! Wir kennen das hinlänglich vom 1. FC Nürnberg und der Spielvereinigung. Weitere Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass Konkurrenz zur Fußballkultur gehört: z. B. München, Stuttgart oder auch Nachbarorte wie Köln/Mönchengladbach und Dortmund/Schalke mögen sich überhaupt nicht. Und auch im Ausland lassen sich vergleichbare oder gar noch größere Rivalitäten finden z. B. in Glasgow, Istanbul oder Mailand.
In Hamburg mag es ein zusätzlicher Aspekt sein, dass die beiden Vereine – der Hamburger SV und der FC St. Pauli – aus sehr unterschiedlichen Milieus stammen. Der FC St. Pauli ist aus dem eher armen Arbeiter- und Hafenviertel gleichen Namens entstanden, der HSV hingegen aus dem wohlsituierten Rothenbaum – da lag immer Klassenkampf in der Luft. Das ist aber nicht alles. Ein möglicher Hintergrund – Hinweise darauf habe ich im Internet gefunden – könnte ein politischer sein: Viele Anhänger des Hamburger Kiez-Vereins St. Pauli, die in den 80er Jahren den braun-weißen Club für sich entdeckt haben, waren ursprünglich HSV-Fans, die von den überhand nehmenden rechten Hooligans am Volkspark vertrieben worden sind.

Wie dem auch sei: Die St. Pauli-Fans wollten mit ihrer Aktion wohl signalisieren, dass der HSV zum Establishment gehört. Und was man davon hält, dafür ist der Fanschal auf einer Toilettenrolle wohl das richtige Symbol!

Einfach dreist, diese Bayern!

Fürth oder Bayern? Zumindest in dieser Frage scheinen selbst eingefleischte Clubfans Vernunft anzunehmen und sprechen sich, zumindest nach momentanem Stand, mehrheitlich für die SpVgg aus. Bei aller Fan-Rivalität sollte man doch  – gerade wenn es um die Bayern geht – fränkische Solidarität bekunden und mal schön auf dem Teppich bleiben.

Letzteres fällt dem FCB immer wieder sichtlich schwer, wie man aktuell mal wieder erkennen kann: Da verklagt der Rekordmeister doch glatt die Löwen, weil sie die Bewirtungskosten für nicht genutzte Business-Seats in der Allianz-Arena nicht zahlen würden. „Das ist Geld, das sie uns klauen“, beschwerte sich Bayern-Manager Hoeneß jüngst in einem Interview. Wirklich dreist, wie ich finde. Noch schlimmer allerdings ist es doch, dass es zwei Vereine aus einer Stadt nicht schaffen, so eine Angelegenheit intern zu regeln, ohne das in der Öffentlichkeit breittreten zu müssen.

Bayern steht derzeit zweifellos unter Druck. In der Liga genauso wie auf internationalem Parkett. Weshalb also soll es den Fürthern nicht gelingen, den FCB auch noch aus dem Pokal zu kicken? Die vermeintlich übermächtigen Bayern  ärgern konnten die Fürther schon immer. Und allzu deutlich fielen die vergangenen Aufeinandertreffen zwischen der SpVgg und dem Rekordmeister nicht gerade aus. Und beim letzten Pokal-Duell  1998  brachte erst ein Elfmeterschießen die Entscheidung.