Kleeblatt-Ente auf La Palma bringt Glück

In den vergangenen Jahren war ich in der tristen Winteranfangszeit immer jeweils eine Woche in wärmeren Gefilden: Portugal, Mallorca, Ibiza und 2016 auf Fuerteventura. Und in diesem November habe ich die kanarische Insel La Palma besucht. Auf ihr sind alle Highlights der anderen Kanaren – Teneriffa, La Gomera, El Hierro, Fuerteventura, Lanzarote und Gran Canaria – vereint. Die Natur ist spektakulär: Es gibt schöne Strände mit schwarzem Sand, beeindruckende Vulkane, hohe Berge, Lorbeerwälder, Drachenbäume und Leuchttürme. Der Vielfalt und der – zumindest im Nordosten – ganzjährig grünen Vegetation verdankt La Palma die Beinamen La Isla bonita („Die schöne Insel“).

Natürlich habe ich als Greuther-Weib auf meine Reise wieder ein typisches Kleeblatt-Accessoire mitgenommen, das Glück bringen sollte. Letztes Jahr auf Fuerteventura einen Hipsterbeutel, dieses Mal eine weiß-grüne Kleeblatt-Ente mit Greuther-Fürth-Schal. Diese Ente habe ich dann für das Foto (oben) wagemutig an den Rand einer vulkanischen Klippe positioniert. Das Meer, die Brandung und der Wind waren extrem wild, weil am Tag zuvor ein kleines Sturmtief über La Palma hinweg gezogen war.

Aber was ein echtes Kleeblatt ist, das kann auch den heftigsten Turbulenzen widerstehen. Und es hält sich wacker im Sturm. So ähnlich muss es sich wohl auch bei den Fußballern der Spielvereinigung verhalten. Denn während ich die Kanaren besuchte, haben sie im Ronhof den FC St. Pauli empfangen und zur großen Freude aller SpVgg-Fans den Kiezverein mit 4:0 besiegt. Greuther-Weib uwo hat zu Hause das Spiel gesehen und darüber gebloggt. Und ich saß am Sonntag nach dem Schlusspfiff gemütlich bei einem Café con leche in einem typischen Straßencafé (mit Wettbüro!) in Los Llanos de Aridane und habe im Internet vom tollen Ergebnis in Fürth erfahren. Viva!

4:0 – Fußball-Fest im Ronhof!

Wahrscheinlich war es besser, dass sie sich nicht fotografieren ließen, die St. Pauli-Fans, mit denen ich mich heute Mittag unterhalten habe, als sie zum Ronhof gingen. Zuerst wollten sie, dann haben sie doch einen Rückzieher gemacht. Da konnten sie ja noch nicht wissen, wie schlecht ihre Mannschaft heute aussehen würde gegen unser Kleeblatt. Sie tippten auf einen 2:0-Sieg. 2:0 – das war dann allerdings der Pausenstand. Aber nicht für St. Pauli, sondern für Fürth! Und im zweiten Durchgang haben unsere Jungs diesen Spielstand sogar noch verdoppelt. 4:0 gegen St. Pauli, beinahe wäre die Partie sogar noch 5:0 ausgegangen. Partystimmung im Ronhof!

Es hat einfach alles gepasst heute. Zwar dauerte es ein bisschen, bis Drive ins Spiel kam. Man beschnupperte sich erst mal gegenseitig und schaute, was die andere Mannschaft so macht. Doch nach 20 Minuten ist das dem Kleeblatt nicht mehr genug. Khaled Narey hat seine erste gute Chance, die nächste folgt auf dem Fuß. Dann ist es jedoch Maxi Wittek, dem mit dem 1:0 (33. Minute) sein zweiter Saisontreffer gelingt. Schon danach lässt St. Pauli den Kopf hängen und Fürth viel zu aktiv agieren. David Raum wittert seine Chance und hebt den Ball zunächst übers Tor, kurz danach aber trifft er ins linke Eck: 2:0 – eine komfortable Situation zur Pause. Wenn man sich nicht so dumm anstellt wie der 1. FCN letzte Woche gegen Kiel, ist das schon die halbe Miete. Aber Fürth ist ja Gott sei Dank nicht der Club und folglich auch kein Depp.

Rechtzeitig zum Beginn der zweiten Halbzeit scheint die Sonne über dem Laubenweg – ein gutes Omen. Fürth spielt sofort nach dem Anpfiff aggressiver als die Gäste. Und dann macht Khaled Narey aus dem Fast-Tor im ersten Durchgang ein tatsächliches – 3:0 (72.). Julian Green, in der letzten Zeit leider immer wieder verletzt oder erkältet, kommt heute endlich zurück und wird von Minute zu Minute besser. Mit dem 4:0 belohnt sich der zierliche Stürmer selbst (79.)

Der Hamburger Kiezverein lässt sich dagegen in der zweite Runde immer mehr hängen, gibt sich zu schnell auf. Da wäre ein wenig mehr Selbstbewusstsein, wie es die rund 2000 Fans aus Hamburg (Wahnsinn, Hut ab!) mitbrachten, nötig gewesen, um eine Blamage zu vermeiden. Endlich war heute auch unser Stadion wieder einmal besser besetzt als in den vergangenen Wochen – 10.810 Besucher, das ist bei der windigen Kälte ganz anständig. Die Fanbusse (siehe mein Foto oben) waren unermüdlich im Einsatz, und das für die Anhänger beider Teams.

Schade ist nur eins: Das Kleeblatt bleibt trotz dieser Super-Leistung vorläufig auf dem vorletzten Tabellenplatz hängen. Mal sehen, ob sich da morgen noch was ändert. Könnte durchaus sein, denn Dresden, das jetzt einen Platz vor Fürth rangiert, muss morgen gegen Fortuna Düsseldorf ran. Und die will sicher zurück an die Tabellenspitze.

Kopf hoch, Kleeblatt!

Meine Lieblingszahl ist definitiv die „13“. Und genau 13 Spiele hat das Kleeblatt inzwischen hinter sich gebracht. So negativ muss ich es formulieren, denn leider gingen nur drei Partien siegreich für die Spielvereinigung aus. Ein Spiel hat das Kleeblatt unentschieden gespielt, neun Mal ging es als Verlierer vom grünen Rasen. Das Torverhältnis ist mit 14:26 Toren verheerend. Von 39 möglichen Punkten stehen gerade mal zehn auf dem Kleeblatt-Konto.
Die Spekulationen, warum die Bilanz so schlecht ist, sind vielfältig: Ist es der falsche Trainer – hätte man Janos Radoki behalten sollen/müssen? Ist Ramazan Yildirim der falsche Direktor für den Profisport? Wäre Rachid Azzouzi effektiver? Ist die Personalpolitik des Präsidenten Helmut Hack zu bodenständig, nicht risikofreudig genug? Sollte man als Verein nicht mal tiefer in die Geldtasche greifen und ein paar Euro für einen erfolgreichen Stürmer auf den Tisch legen? Welchen Sinn hat die Rückkehr von Roberto Hilbert, der mit seinen 33 Jahren schon zu den Oldies im Profifußball gehört?

Fragen über Fragen. Aber man muss auch einige Argumente für die Spielvereinigung ins Feld führen: Der Verein ist mit Sicherheit der wichtigste Imagefaktor der Stadt Fürth weit über Franken und Bayern hinaus. Der weiß-grüne Verein, der drei Mal Meister wurde, und 2012 den Aufstieg in die Bundesliga geschafft hat, ist ein echter Sympathieträger. Wo immer man ist und mit Leuten über Fußball redet: Jeder kennt das Kleeblatt und bedauert die aktuelle sportliche Krise.
Zum Thema Krise: Helmut Hack betont oft, dass jeder nur so gut ist, wie er mit einer Krise umgeht. Sei es eine Familie, ein Unternehmen, ein Verein. Und hier sind jetzt eben alle Mitglieder der Spielvereinigung gefragt, zusammen zu halten und die schwierige Zeit zu meistern. Und das gilt auch für die Fans. Nehmen wir das Beispiel FC St. Pauli: In der vergangenen Spielzeit hatte der Hamburger Kiezclub zur Winterpause nach 17 Begegnungen gerade mal elf Punkte auf dem Konto und stand auf dem letzten Tabellenplatz. Und konnte sich bis zum Ende der Spielzeit mit 45 Punkten auf den siebten Rang der Zweiten Liga hinaufkämpfen. Chapeau!!!

Also: Die aktuelle Lage ist nicht schön. Als kritischer Beobachter müsste man sich fragen, welcher gute Fußballer überhaupt noch bereit wäre, zum Vorletzten der Zweitliga-Tabelle zu wechseln. Kleeblattfans, deren Herzblut am Verein hängt, die nichts auf „ihr Kleeblatt“ kommen lassen, befürchten nach jedem verlorenen Spiel, dass die Spielvereinigung unter Umständen über kurz oder lang sogar gegen den Abstieg in die Dritte Liga kämpfen muss.

Ich denke, dass man nicht verzweifeln darf und den Kopf nicht hängen lassen sollte. Es geht bestimmt bald wieder bergauf mit dem Kleeblatt. Und dann gehen die Stadt, die Fans, die Mannschaft, der Verein und auch die Sponsoren gestärkt und motiviert aus der Krise raus. Und das Kleeblatt, das ist eben auch Emotion. Wenn man auf der neuen Haupttribüne steht und das erleuchtete Stadion im Ronhof auf sich wirken lässt, kann man sich der Faszination „Spielvereinigung Greuther Fürth“ nur schwer entziehen (Foto: Sportfoto Zink). Deshalb: Kopf hoch, das wird schon!

Turbulentes Spiel gegen St. Pauli

Langweilig war es heute keine Sekunde beim vorletzten Spiel dieser Saison am Millerntor gegen Fürths Lieblingsgegner, den FC St. Pauli. Lange führte das Kleeblatt durch einen schönen Treffer von Torjäger Robert Zulj in der 37. Minute (Foto). Doch nach der Pause hatte Trainer Ewald Lienen seinen Kickern offenbar ein Aktivitätsserum verabreicht, denn da blühten die Hamburger voll auf. Und so schaffte in der 70. Minute der Ex-Fürther Lasse Sobiech leider den Ausgleich.

Traumwetter am Millerntor. Blauer Himmel, angenehme Temperaturen, mit 29 546 Zuschauern ausverkauftes Haus. Immerhin 2000 Kleeblattfans hatten sich auf den weiten Weg nach Hamburg gemacht, um diesen sportlichen Klassiker nicht zu verpassen. Ein schnelles, gutes Spiel mit vielen Aktionen. Wenige Minuten vor dem Ausgleichstor wurde die Stimmung zwischen den Spielern dann hitzig: Christopher Buchtmann sieht nach einem Foul an Jurgen Gjasula im Mittelfeld die Gelbe Karte. Daraufhin reagiert Gjasula über und „diskutiert“ wild entschlossen face-to-face mit Buchtmann. Völlig übertrieben, diese Reaktion! Das erinnerte mich (mit schlechtem Beigeschmack) an Gjasulas Verhalten im März 2016 gegen VfL Bochum. Damals sah er die Rote Karte. Heute blieb es Gott sei Dank bei einer Gelben. Und auch als Robert Zulj Minuten später medizinisch behandelt wurde, ging es mit Kleeblattspielern und ihren Gastgebern durch. Die tumultähnlichen Reibereien ließen den Unterhaltungsfaktor für die Zuschauern hochklettern.

Das 1:1 fiel unglücklich: Ausgerechnt Gjasulas Widersacher Buchtman bringt eine Ecke von links passgenau vors Fürther Tor. Lasse Sobiech setzt sich im Luftduell durch und trifft in den Kasten von Fürths Tormann Balázs Megyeri. Schade um den Vorsprung, das Kleeblatt war durchwegs die stärkere Mannschaft. Aber andersereits gönnt man dem Verein aus St. Pauli, der vor einigen Monaten noch als Abstiegskandidat gehandelt wurde, den Erfolg.  Die große Begeisterung der Pauli-Fans über die Leistung ihres Teams wurde heute deutlich, als kurz vor dem Abpfiff ein St.-Pauli-Fan aufs Feld gelangte und quer durchs Stadion rannte.

Da ja an den beiden letzten Spieltagen alle Begegnungen zeitgleich stattfinden, schielte man heute immer wieder neugierig auf die Spiele der direkten Tabellennachbarn des Kleeblatts. Den Sprung auf den fünften Rang wird das Kleeblatt nicht mehr schaffen – weil Dynamo Dresden den schon abgestiegenen Karlsruher SC mit 4:3 besiegte. Balsam auf die Fürther Seele ist jedoch die 2:3-Niederlage des 1. FC Nürnberg gegen Fortuna Düsseldorf. Ein Punkt gegen Union Berlin am letzten Spieltag (21.Mai, 15.30 Uhr im Ronhof) würde dem Kleeblatt reichen, am Ende dieser Sasion 2016/17 erstmals seit 1953 in der Tabelle vor dem Club zu stehen.

Jämmerlich: Gegen den Absteiger zu Hause verloren

Ganz sicher war ich mir heute, dass die Spielvereinigung gegen den schon feststehenden Zweitliga-Absteiger Karlsruher SC nicht verlieren wird. Übermütig hatte ich mit einem 4:0-Sieg gerechnet. Von wegen! In der 89. Minute trafen die Karlsruher durch Rolim Yann ins Tor von Balazs Megyeri, und so hat das Kleeblatt mit der ersten Heimniederlage unter Coach Janos Radocki (Foto) die Möglichkeit, auf den fünften Tabellenplatz zu klettern, aus eigener Dummheit vergeigt.

Mit vielen Ausfällen musste Trainer Radoki heute seine Mannschaft zusammenflicken, die Youngster Daniel Steininger, Christian Derflinger, David Raum und Patrick Sontheimer waren z.T. in der Startelf und machten keine so schlechte Figur. Trotzdem verging eine halbe Stunde, bis die Kleeblätter durch Steininger (31./35./44.) und Gießelmann (39.) vielversprechende Möglichkeiten hatten. Aber Qualität auf dem Fußballplatz zeichnet sich vor allem durch Abschlüsse, sprich: Tore aus. Und davon war heute im Ronhof nichts zu sehen.

In den zweiten 45 Minuten vereitelte Fürths Keeper Megyeri Chancen des KSC, auf der Fürther Seite versuchten der eingewechselte Mathis Bolly (63./69.), der heute glücklose Serdar Dursun (64.) und Marcel Franke (67.), Möglichkeiten in einen Treffer und drei Punkte umzumünzen. Es klappte in einer niveauarmen Partie einfach nicht! Seelisch hatte ich mich (wie vermutlich die meisten der knapp 8300 Zuschauer) schon auf ein Unentschieden eingestellt, als es dann in der 89. Minute doch passiert: Dem Brasilianer Rolim Yann gelingt es, sich an der rechten Strafraumkante gegen drei Fürther durchzusetzen, er zieht ins Zentrum und schießt aus 16 Metern mit dem linken Fuß aufs Fürther Tor. Megyeri muss konsterniert mit ansehen, wie der Ball vom Innenpfosten in die Maschen geht. Mit diesem Treffer fährt der KSC nach acht sieglosen Spielen in Serie wieder einmal drei Punkte ein, die ihm allerdings nichts mehr nützen. Der Abstieg ist beschlossene Sache.
Am nächsten Sonntag, 14. Mai, fährt die Spielvereinigung nach Hamburg und wird im vorletzten Saisonspiel auf St. Pauli treffen. Ob das Kleeblatt dort gewinnen und dann auf den fünften Tabellenplatz kommen kann, hängt von einigen Faktoren ab: Der 1. FC Nürnberg darf zeitgleich nicht gegen Fortuna Düsseldorf gewinnen. Und Dynamo Dresden muss gegen den heutigen Sieger, den Karlsruher SC, verlieren. Es wird also total spannend!!!

FC St. Pauli hui – HSV pfui?

Als ich am Sonntagabend nach dem Heimspiel zwischen der Spielvereinigung und dem FC St. Pauli durch die Königstraße lief, musste ich schmunzeln: Am Schaufenster eines in Fürth bekannten, hochpreisigen Juweliers prangte ein bunter Aufkleber mit einer HSV-Schal auf einer Klopapierrolle. Witzig, dachte ich mir. Da haben wohl St.-Pauli-Fans auf dem Weg zum Ronhof ihrem Unmut über den verhassten anderen Hamburger Verein Luft gemacht.

Eine ausgeprägte Lokalrivalität zwischen Fußballklubs ist nicht ungewöhnlich, ganz im Gegenteil! Wir kennen das hinlänglich vom 1. FC Nürnberg und der Spielvereinigung. Weitere Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass Konkurrenz zur Fußballkultur gehört: z. B. München, Stuttgart oder auch Nachbarorte wie Köln/Mönchengladbach und Dortmund/Schalke mögen sich überhaupt nicht. Und auch im Ausland lassen sich vergleichbare oder gar noch größere Rivalitäten finden z. B. in Glasgow, Istanbul oder Mailand.
In Hamburg mag es ein zusätzlicher Aspekt sein, dass die beiden Vereine – der Hamburger SV und der FC St. Pauli – aus sehr unterschiedlichen Milieus stammen. Der FC St. Pauli ist aus dem eher armen Arbeiter- und Hafenviertel gleichen Namens entstanden, der HSV hingegen aus dem wohlsituierten Rothenbaum – da lag immer Klassenkampf in der Luft. Das ist aber nicht alles. Ein möglicher Hintergrund – Hinweise darauf habe ich im Internet gefunden – könnte ein politischer sein: Viele Anhänger des Hamburger Kiez-Vereins St. Pauli, die in den 80er Jahren den braun-weißen Club für sich entdeckt haben, waren ursprünglich HSV-Fans, die von den überhand nehmenden rechten Hooligans am Volkspark vertrieben worden sind.

Wie dem auch sei: Die St. Pauli-Fans wollten mit ihrer Aktion wohl signalisieren, dass der HSV zum Establishment gehört. Und was man davon hält, dafür ist der Fanschal auf einer Toilettenrolle wohl das richtige Symbol!

Kiez-Kicker unterschätzt – und prompt 0:2 verloren!

SpVgg Greuther Fürth - FC St. PauliIch mag den FC St. Pauli, wirklich. Aber dass die Spielvereinigung heute das letzte Heimspiel dieses Jahres mit 0:2 verloren hat, das war absolut unnötig und fahrlässig. Die erste gute Chance hatte Mathis Bolly schon gleich zu Beginn des Spiels, er konnte sie nicht verwerten und man hoffte auf mehr. Und was den 10. 000 Zuschauern im Fürther Ronhof dann vom Kleeblatt geboten wurde, war mehr als dürftig.

Eigentlich hätte der Hamburger Kiezclub ja ein machbarer Gegner sein müssen. Er lag mit (zu Anfang der heutigen Begegnung) sieben Punkten am Tabellenende, was für Fürth mit dem neuen Trainer Janis Radoki ein gefundes Fressen hätte sein müssen. Vielleicht hat man es sich zu leicht gemacht? Die Passquote (zugegeben auf beiden Seiten) war verheerend. Vom Kleeblatt ging keine ernsthafte Gefahr aus, ab und zu flackerte mal etwas wie Ehrgeiz auf. Allerdings nur schwach. Aber die Mannschaft, die zum Großteil im gegnerischen Strafraum agierte, waren die Hamburger. Wobei sie fußballerisch Nachteile hatten, zum Beispiel aufgrund ihrer Körpergröße in Kopfballduellen.

Aber es kam, wie es sich angedeutet hatte: In der 64. Spielminute machen die Hamburger dem Drama ein Ende. Waldemar Sobota gibt im Strafraum den Ball zurück auf Aziz Bouhaddouz, der schießt, Veton Berisha versucht sein Bestes und blockt. Aber Bouhaddouz ergattert den Ball ein zweites Mal und trifft ins linke untere Eck. Die Gästeecke jubelt, man ist komplett aus dem Häuschen.
Doch nicht mal nach dem Rückstand kamen die Fürther richtig in die Puschen. Coach Radoki nahm offensive Einwechslungen vor, um den Rückstand zu egalisieren oder sogar noch einen Sieg rauszuholen. Ohne Erfolg! Im Gegenteil: Auf einen Freistoß fürs Kleeblatt in der Nachspielzeit reagiert St. Pauli raffiniert mit einem Konter. Cenk Sahin marschiert alleine auf Khaled Narey zu (Foto), nimmt das Tempo raus, umläuft ihn, bekommt den Ball zurück und macht mit einem eleganten Lupfer über den Kleeblatt-Torwart Balasz Megyeri hinweg das 2:0 für St. Pauli.

Wie gesagt: Ich gönne den Kiez-Kickern den ersten Auswärtserfolg nach langer Zeit, damit endete eine Serie von elf Spielen ohne Dreier. Aber für Janos Radoki war es im dritten Spiel die erste Niederlage. Und mein Fazit: Das Kleeblatt machte es sich heute ehrlich gesagt zu leicht und erkannte nicht, dass auch ein Tabellenletzter imstande ist, alle Reserven zu mobilisieren. Der FC St. Pauli kämpfte heute wie ein verletztes Tier ums Überleben in der Zweiten Liga. Die Mannschaft, Trainer Ewald Lienen und die Fans feiern heute bis zum Umfallen!

Ganz und gar kein Wiederauftakt nach Maß

Fürth gegen PauliFürth gegen Pauli, das ist ein Klassiker, der traditionell einiges an Brisanz und Spannung verspricht. Man muss sich da nur das Hinspiel aus dem August 2015 zu Gemüte führen: 2:3 endete die wirklich sehenswerte Partie damals aus Sicht der Fürther, denkbar knapp also und Fürths Trainer Ruthenbeck war von der spielerischen Leistung seines Teams auch durchaus angetan. Vielmehr ärgerte sich Ruthenbeck hinterher heftigst darüber, dass offensiver Fußball in der Zweiten Liga (Ruthenbeck nannte sie damals sogar „Scheiß-Liga“) einfach nicht belohnt werde. Jetzt, zum Wiederauftakt nach der Winterpause, wollten die Fürther freilich die Chance zur Revanche nutzen und möglichst gleich mit einem Sieg ins Jahr starten.

Zumindest in den ersten 20 Minuten sah es gar nicht so schlecht aus. Immerhin wurde den Zuschauern ein gutes, intensives Spiel geboten mit leichten Vorteilen für die Gastgeber, nur eben ohne Torerfolg. Die beste Chance zur Führung hatte Berisha in der 21. Minute, sonst gab es zunächst keine deutlichen Chancen auf beiden Seiten zu verzeichnen. Nach einer halben Stunde wurden die Hamburger allerdings aktiver, ließen nicht mehr so viele Aktionen der SpVgg zu und wurden für ihre Angriffslust auch prompt belohnt. In der 34. Minute nutzte Marc Hornschuh die Konfusion im Fürther Strafraum zum 1:0 für Pauli, allerdings sah das Ganze zumindest in der Zeitlupenansicht doch verdächtig nach Abseits aus…

Nach dem Wechsel machte Pauli druckvoll weiter und hatte auch die besseren Möglichkeiten, die Führung auszubauen. In der 62. Minute gelang Waldemar Sobota schließlich das 2:0 für St. Pauli. Nach einem Ausrutscher von Gießelmann konnte der polnische Nationalspieler das Leder ungehindert am Fürther Keeper vorbei ins Tor schlenzen. Das war ganz und gar keine Glanzleistung, die die SpVgg da abgeliefert hat. Viel zu ungenau und zu harmlos agierten die Fürther – man hatte nie das Gefühl, sie könnten die Partie zu irgendeinem Zeitpunkt noch drehen.

Ganz und gar kein Wiederauftakt also nach Maß für die Fürther…

Kleeblatt verliert beim Fußballkrimi in St. Pauli

Langweilig war es heute Nachmittag keine Minute. Am Millerntor fand ein richtiger Fußball-Krimi statt. Leider gewann der FC St. Pauli das spannende Spiel mit 3:2. Beide Mannschaften zeigten sich von einer guten Seite und bewiesen, dass mit ihnen in dieser Saison zu rechnen ist.

Vor über 28 000 Zuschauern kam das Kleeblatt erst mal gut in Fahrt. Aber es war Marc Rzatkowski, der in der 19. Minute für St. Pauli das Führungstor erzielte. Doch die Kleeblätter ließen sich nicht frustrieren und hatten durchaus gute Aktionen. Dann das 2:0 in der 34. Minute. Lange Gesichter bei den zahlreichen angereisten Fürther Fans. Völlig unerwartet der Anschlusstreffer für die SpVgg drei Minuten vor der Halbzeitpause durch Sebastian Freis. Nach dem Anpfiff für die zweiten 45 Minuten hatte die SpVgg erst mal mehr Glück als Verstand, dass die Hamburger nicht noch höher in Führung gingen. Kuriose Situationen für beide Teams, in denen mal St.Pauli, mal wieder das Kleeblatt Tore hätten machen können. „Was machd eichendlich der Wunderschdürmer Kumbela? Hodd den edz amol jemand aus seim Luuch rauszuung?“, war eine halbe Stunde vor Spielende auf Facebook zu lesen. Stimmt, dachte ich mir, der sitzt auf der Reservebank und kommt nicht aufs Feld. Wenige Minuten später hatte Trainer Stefan Ruthenbeck offenbar ein Einsehen mit uns und wechselte Domi Kumbela gegen Freis aus. Das nächste Tor fiel dann zwei Minuten später für das Kleeblatt durch Robert Zulj (Foto). Es wurde nicht gewertet – Abseits. Dafür gelang den Hamburgern postwendend der Konter: Marc Rzatkowski lochte zum zweiten Mal ins Tor von Sebastian Mielitz ein – 3:1! Aber die Kleeblätter ließen sich nicht unterbuttern. Und prompt schoss Zulj nach einer guten Vorlage von Kapitän Marco Caligiuri in der 79.Spielminute ins lange Eck. Erneut der Anschlusstreffer! Die Spannung am Millerntor eskalierte. Beide Teams kämpften hart und hatten gute Chancen, der Ausgleich für das Kleeblatt lag förmlich in der Luft. Doch auch in den drei Minuten Nachspielzeit war für die Fürther nichts mehr drin. Die 2:3-Niederlage war gleichzeitig der erste Heimerfolg der Kiezkicker über die SpVgg seit 17 Jahren.

Nachtrag: Unser Tierorakel Daisy war heute bei ihrem Tipp schnurgerade auf den St.Pauli-Fressnapf zugesteuert, überlegte es sich dann nach einigen Bissen doch wieder anders und fraß erst mal den Kleeblatt-Teller leer. Was sagt uns das? Daisy hat eindeutig Fußballverstand: Das Unentschieden lag in der Luft – aber dann haben doch die Hamburger gesiegt.

Die SpVgg ist kommenden Freitag schon wieder dran. Sie empfängt den FSV Frankfurt im Ronhof, der nach drei Spielen noch keinen Sieg erzielen konnte und aktuell auf dem 15. Tabellenplatz liegt.

Ein Glas „Schlumberger“ auf den heißersehnten Kleeblatt-Sieg

SchiedsrichterLag’s am guten steirischen Schilcher-Wein, den ich während der TV-Übertragung getrunken habe? Oder sind Rosenmontagsspiele immer etwas verrückt? Keine Ahnung. Ich fand die Begegnung zwischen der Spielvereinigung und dem FC St. Pauli mehr als kurios. Das Montagsspiel am Millerntor ging 1:0 für die Fürther aus. Nach 573 Minuten endlich wieder ein Tor für das Kleeblatt! Und das vom Kommentator auf Sport1 mehrfach so betitelte „Abstiegsspiel der Kellerkinder“ wurde dann doch zum Erfolg für die ehemals „Unaufsteigbaren“, die desillusioniert im Mittelfeld der zweiten Liga herumwabern. Den heißersehnten Treffer vor 23 383 Zuschauern erzielte Kacper Przybylko, der schon beim 3:0 in der Hinrunde gegen den FC St. Pauli ein Tor erzielt hatte.
Bemerkenswert bei der heutigen Begegnung war die aufregende Situation in der 16. Minute nach einer Flanke von Sobota, die Benedikt Röcker mit dem Ellbogen – unabsichtlich – abblockte. Erst entschied der Unparteiische, Martin Petersen (im Foto links), auf Handelfmeter, dann ließ er sich aber von seinem Assistenten überzeugen und nahm das zurück. So etwas habe ich im Profifußball noch nie erlebt! Doch dieses Hin und Her war symptomatisch für einen schwachen, unentschlossenen Referee, der sich das Spiel mehrfach fast aus der Hand nehmen ließ. Berechtigte Gelbe Karten wurden von ihm nicht gegeben. Dafür bestrafte er einen Spieler, der gar nicht auf dem Spielfeld war: den Fürther Ersatzspieler Goran Sukalo, der sich hinter dem Tor von Keeper Wolfang Hesl warmlief, betrat den Rasen, warf kurz ein paar Worte in Richtung Hesl. Daraufhin sah der Slowene die Gelbe Karte. Und darf beim nächsten Spiel nach inzwischen fünf Gelben Karten nicht antreten!

Eine weitere Fehlentscheidung kostete das Kleeblatt das zweite Tor. Die SpVgg startete kurz vor Spielende einen Konter: Joker Niko Gießelmann spielte den durchgestarteten Marco Caligiuri an, der frei war und den Hamburger Tormann Himmelmann hinter sich greifen ließ. Doch Petersen gab den Treffer wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung nicht.
FeiernIch habe heute das Spiel aus fast 1000 Kilometern Distanz, von der Steiermark aus, angesehen und mich über den Kommentator teils amüsiert, teils aufgeregt: Die „Füüüüüüüürther“ sind am Ball, „Schull“ (Zulj) spielt gut. Nur Stefan Schnoor als Co-Moderator war ein Lichtblick, er gab einige originelle Anmerkungen und Analysen von sich.

Den Sieg des Kleeblatts, den feiern wir mit einem Glas österreichischen Sekt, und zwar einem besonders guten Tropfen: einem „Schlumberger“ brut, nach der „méthode traditionnelle “ in der Flasche gereift.  Auf jeden Fall werden das 1:0 und die drei Punkte der Spielvereinigung gut tun. Das nächste Spiel findet schon am kommenden Freitag statt. Da kommt der SV Sandhausen ins Stadion am Laubenweg. Und ich bin (hoffentlich wohlbehalten) aus dem Winterurlaub zurück in Fürth.