FC St. Pauli hui – HSV pfui?

Als ich am Sonntagabend nach dem Heimspiel zwischen der Spielvereinigung und dem FC St. Pauli durch die Königstraße lief, musste ich schmunzeln: Am Schaufenster eines in Fürth bekannten, hochpreisigen Juweliers prangte ein bunter Aufkleber mit einer HSV-Schal auf einer Klopapierrolle. Witzig, dachte ich mir. Da haben wohl St.-Pauli-Fans auf dem Weg zum Ronhof ihrem Unmut über den verhassten anderen Hamburger Verein Luft gemacht.

Eine ausgeprägte Lokalrivalität zwischen Fußballklubs ist nicht ungewöhnlich, ganz im Gegenteil! Wir kennen das hinlänglich vom 1. FC Nürnberg und der Spielvereinigung. Weitere Beispiele aus anderen Städten zeigen, dass Konkurrenz zur Fußballkultur gehört: z. B. München, Stuttgart oder auch Nachbarorte wie Köln/Mönchengladbach und Dortmund/Schalke mögen sich überhaupt nicht. Und auch im Ausland lassen sich vergleichbare oder gar noch größere Rivalitäten finden z. B. in Glasgow, Istanbul oder Mailand.
In Hamburg mag es ein zusätzlicher Aspekt sein, dass die beiden Vereine – der Hamburger SV und der FC St. Pauli – aus sehr unterschiedlichen Milieus stammen. Der FC St. Pauli ist aus dem eher armen Arbeiter- und Hafenviertel gleichen Namens entstanden, der HSV hingegen aus dem wohlsituierten Rothenbaum – da lag immer Klassenkampf in der Luft. Das ist aber nicht alles. Ein möglicher Hintergrund – Hinweise darauf habe ich im Internet gefunden – könnte ein politischer sein: Viele Anhänger des Hamburger Kiez-Vereins St. Pauli, die in den 80er Jahren den braun-weißen Club für sich entdeckt haben, waren ursprünglich HSV-Fans, die von den überhand nehmenden rechten Hooligans am Volkspark vertrieben worden sind.

Wie dem auch sei: Die St. Pauli-Fans wollten mit ihrer Aktion wohl signalisieren, dass der HSV zum Establishment gehört. Und was man davon hält, dafür ist der Fanschal auf einer Toilettenrolle wohl das richtige Symbol!

Jetzt rüstet das Kleeblatt auf

Die Spielvereinigung ist seit Wochen im Umbruch. Nach der Trennung von einigen Spielern, langjährigen Mitarbeitern und der Verpflichtung eines neuen Direktors Profifußball (Ramazan Yildirim) gibt es jetzt den ersten Winterneuzugang: Ronny Marcos kommt vom Hamburger SV. Marcos wurde als Sohn eines mosambikanischen Vaters und einer deutschen Mutter 1993 im holsteinischen Oldenburg geboren. Sein aktueller Wert auf dem Transfermarkt liegt bei 600.000 Euro, die Ablöse betrug 100.000 Euro. Der linksfüßige (und linkshändige) Defensivspieler kann insbesondere in der Außenverteidigung sowie im Mittelfeld eingesetzt werden. Marcos absolvierte in Fürth den Medizincheck, unterschrieb  einen Zweieinhalbjahresvertrag bis Juni 2018 und nahm dann sofort am Trainingsbetrieb teil. „Ich freue mich auf die neue Herausforderung und will hier in Fürth viel lernen. Es ist für mich jetzt an der Zeit diesen Schritt zu gehen“, so Ronny Marcos am Rande der Vertragsunterzeichnung. Ramazan Yildirim sieht ihn so: „Ronny ist ein Spieler mit viel Willen, der Talent und Schnelligkeit mitbringt. Wir werden ihn dabei unterstützen, dass er bei uns die nächsten Entwicklungsschritte gehen kann.“

Ronny Marcos durchlief die Jugendmannschaften von Lübeck und Hansa Rostock, ehe er im Januar 2014 zur zweiten Mannschaft des Hamburger SV wechselte. Dort hat man ihn in der Spielzeit 2014/15 neun mal im Profikader der ersten Mannschaft eingesetzt (sein Bundesligadebüt war Ende November 2014). Nachdem HSV-Trainer Bruno Labbadia anderen Spielern den Vorrang gegeben hat und Marcos in der Hinrunde der Saison 2015/16 nur noch in der zweiten Mannschaft des HSV in der Regionalliga zum Einsatz gekommen war, wechselte er jetzt zur Rückrunde in die 2. Bundesliga nach Fürth.
Marcos hat übrigens schon seinen ersten Einsatz für die mosambikanische Nationalmannschaft hinter sich: Mitte Juni 2015 reiste Marcos erstmals zu einem Länderspiel und gab am 14. Juni 2015 bei der 0:1-Niederlage Mosambiks im Afrikacup-Qualifikationsspiel gegen Ruanda sein Länderspieldebüt. „Es war ein Traum und eine große Herausforderung“, berichtete Marcos nach dem Spiel, in dem er die Niederlage am Ende aber nicht verhindern konnte.

Aus der Traum – aber Frank Kramer bleibt!

Ich kann mich an nur wenige Fußballmatches erinnern, die so spannend, dramatisch und emotional aufgeladen waren wie dieses zweite Relegationsspiel der Spielvereinigung gegen den Hamburger SV gestern Abend im Ronhof. Aber – das Leben ist nicht fair – dem Kleeblatt ist der greifbar nahe Wiederaufstieg nach nur einer Zweitligasaison in die Bundesliga nicht gelungen. Die Partie ging 1:1 unentschieden aus. Denn aufgrund dieser absurden „Das-Auswärtstor-gilt-mehr-Regel“ gab es keine Verlängerung und kein Elf-Meter-Schießen.

Doch bei allem Frust am „Day after“ – eine gute Nachricht kann alle Fans optimistisch in die Kleeblattzukunft blicken lassen: Trainer Frank Kramer gefällt es hier bei der Spielvereinigung, und er wird aller Voraussicht nach bleiben (er hatte ja in den vergangenen Wochen mehrere Angebote von Bundesliga-Vereinen erhalten). Das wurde heute früh in den Nachrichten gemeldet, und ich hoffe, es ist kein Fake.

Über das Spiel möchte ich mich gar nicht mehr im Detail auslassen. Die Hamburger begannen nach dem Donnerstagspiel überraschend kompakt und konzentriert. Und so fiel in der 14. Minute ein für Wolfgang Hesl nur schwer haltbares Kopfballtor durch Pierre-Michel Lasogga. Ein Spieler, der mit seiner Körpersprache und provokativem Verhalten wenige Sympathisanten auf seiner Seite hat. Auch seine demonstrative Schadenfreude in Richtung Fürther Trainerbank nach dem Spiel sprach Bände.
Dieses 1:0 brachte die SpVgg erst mal aus dem Konzept, gegen Ende der ersten Halbzeit hatte sie sich jedoch wieder gefangen. Die zweite Halbzeit zeigte dann ein Fürther Team, das wieder passgenauer spielte und ein wenig zur Form des Relegations-Hinspieles zurückfand. Erleichterung, als Stephan Fürstner der Ausgleichstreffer gelang. Aber das Kleeblatt musste ja (siehe oben) zwei Tor schießen, um den Aufstieg in die Bundesliga zu schaffen. Und die gingen – trotz bester Aktionen von Ilir Azemi, Daniel Brosinski und Niclas Füllkrug – einfach nicht ins Hamburger Tor, das Jaroslav Drobny nach dem Ausfall (Bandscheibenvorfall) von Keeper René Adler erneut überraschend gut verteidigte. So blieb der Endstand 1:1 bitter für die Fans im mit 17.500 Zuschauern ausverkauften Stadion, die ihre Mannschaft von der ersten Minute bis zum Abpfiff angefeuert hatten, was das Zeug hielt. Und auch später in der Fürther Gustavstraße feierten viele Kleeblattanhänger „ihre“ Mannschaft bis in den späten Abend.

Ich finde, trotz des Verbleibens in der Zweiten Liga: Es war eine schöne und spannende Saison. Frank Kramer hat aus einer jungen und neuen Mannschaft ein richtig gutes Team gemacht, dem es sichtbar Spaß macht, Fußball zu spielen. Der aktuellen Enttäuschung beim Verein und den Fürther Fans wird die Vorfreude auf die Saison 2014/15 folgen.

Alle im Relegationsfieber: Henry versus Helmut?

Der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger ist bekanntlich der prominenteste Fan der Spielvereinigung. Er ist gebürtiger Fürther und lässt keine Gelegenheit aus, sich im Ronhof ein Spiel seiner Kleeblätter anzusehen. Kissinger informiert sich auch in den USA regelmäßig über die Ergebnisse der SpVgg und hat zu seinem 90. Geburtstag sogar eine Dauerkarte auf Lebenszeit vom  Verein geschenkt bekommen.
Vor eineinhalb Jahre hat ihm Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz einen HSV-Schal geschenkt, den sich Kissinger mit der Bemerkung um den Hals legte: „Wenn die Fotos öffentlich werden, darf ich mich in Fürth nicht mehr blicken lassen“.

Und in diesen Tagen würde Henry Kissinger das mit Sicherheit gleich gar nicht tun. Denn wenn heute Nachmittag um 17 Uhr die SpVgg im Ronhof gegen den Hamburer SV im zweiten und entscheidenden Relegationsspiel antritt, muss man sich ganz offen zu einem der beiden Vereine bekennen.

Es kommt heute aber nicht zur zum sportlichen Schlagabtausch, sondern auch zum Polit-Duell zweier Freunde: Helmut Schmidt versus Henry Kissinger. Der 95 Jahre alte Ex-Bundeskanzler (1974 bis 1982) und der fünf Jahre jüngere Ex-Außenminister der USA kennen sich bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert. Der Hamburger Schmidt gilt zwar nicht als ausgemachter Fan des Hamburger SV. Aber er sagte bereits vor einiger Zeit, dass er einen Abstieg des HSV in die Zweite Liga nur ungern sehen würde.
Also: Ich bin gespannt, welcher der beiden Grandseigneur sich heute Abend freuen darf!

Fürth zeigt Flagge – wo immer es geht!

Morgen ist der große Tag: Punkt 17 Uhr beginnt das zweite Relegationsspiel der Spielvereinigung gegen den Hamburger SV in der Trolli ARENA. Das erste Spiel ist bekanntlich 0:0 unentschieden ausgegangen. Das heißt, morgen ist alles drin. Gewinnen die Fürther, wäre der Wiederaufstieg in die Bundesliga perfekt! Wer es noch nicht mitbekommen hat: Der Fürther Stadtlauf wird aus Sicherheitsgründen um eine Woche auf den 25. Mai 2014 verlegt.

Bewohner der Stadt zeigen seit einigen Tagen ihre Sympathie für den Fürther Fußballverein auf vielerlei Art: Seriöse Geschäftsleute tragen zum dunklen Anzug auf einmal einen weiß-grünen Schal, Autos sind mit kleinen Wimpeln dekoriert, Kinder gehen in Kleeblatttrikots in die Schule.
Aber den Vogel hat meiner Ansicht nach dieser SpVgg-Fan abgeschossen. Direkt vor der Ludwigsbrücke – einer der Haupt-Einfallsstraßen in und aus Fürth – wird ein Haus renoviert und neu gedeckt. Und der riesige Kran, der direkt neben der Straße steht und mit dem viele der Bauarbeiten durchgeführt werden, ist mit einer wunderbaren großen Kleeblattfahne versehen. Ich habe die weithin sichtbare Beflaggung gesehen, als ich mit meinem Auto vorbeigefahren bin und dachte mir: Das ist doch wieder etwas für unseren Greuther-Weiber-Blog. Da hat sich wohl jemand ganz viel Mühe gegeben. Das muss wahre Liebe sein!

Nur ein Tor – dann ist das Kleeblatt wieder erstklassig

Das war ein wirklich spannender Fußballabend, nach dem die Wiederaufstiegs-Perspektiven für die Spielvereinigung hervorragend sind. Vor einer gar nicht so coolen hanseatischen Kulisse von fast 57.000 Fans haben die Kleeblätter souverän und mutig gespielt. Der Hamburger SV konnte dem Zweitligisten nur in einer kurzen Phase zu Beginn der zweiten Halbzeit etwas entgegensetzen. Und so endete das erste Relegationspiel mit einem 0:0.

Wer – wie ich – nicht nach Hamburg fahren konnte, der hat sich das gestrige Spiel entweder gemütlich zu Hause oder mit Kleeblattfans in einer Fußballkneipe in Fürth angesehen. Bei mir floss das dunkle Bier in Strömen, und der Verschleiß an Barbecue- und Salzchips war immens. Egal, wo man war – die Partie machte großen Spaß und zeigte deutlich, was die Kleeblätter sportlich drauf haben. Schon von Beginn an war offensichtlich, dass sie überhaupt keine Angst vor dem angeschlagenen Bundesliga-Dino haben. Die Fürther Spieler (wie bei Auswärtsspielen leider immer in orange und nicht weiß-grün) liefen, was das Zeug hielt, waren überlegt und schnell, sie engagierten sich mit ganzem Körpereinsatz und zogen sich dann prompt auch Blessuren zu: Nikola Djurdjic kam nach einem Zusammenstoß mit Michael Mancienne in der 30. Minute und einer Kopfplatzwunde mit einem Turban zurück auf den Platz – was jedoch qualitativ seinem Spiel keinen Abbruch tat. Und Ilir Azemi hinkte mal mit dem rechten, mal dem linken, dann mit beiden Beinen. Grund dafür war seine tolle Einsatzbereitschaft. Er rannte, kickte, versuchte unermüdlich den Ball ins Tor von Ersatztormann Jaroslav Drobny zu bekommen (der für den verletzten René Adler eingesprungen war). Aber das Glück war gestern nicht auf Azemis Seite. Er rutschte mehr als ein Mal am Ball vorbei oder lag nach akrobatischen Einlagen neben dem Tor. So kam das Kleeblatt nicht zum erfolgreichen Abschluss.

Der einzige Treffer des Abends war Gott sei Dank ein Abseitstor. Pierre Lasogga nickte einen Freistoß von Rafael van-der-Vaart ins Fürther Tor, keine Chance für Keeper Wolfgang Hesl. Aber der Schiedsrichter hatte schon abgepfiffen.
Nach dem Spiel gab sogar der HSV-Trainer Mirko Slomka im TV-Interview zu, dass die SpVgg ein Superspiel gemacht hatte. Und auch HSV-Ex-Torhüter Uli Stein brachte mit klaren Worten die Situation auf den Punkt: Der Hamburger SV muss in seiner aktuellen Verfassung um den Klassenerhalt kämpfen.

Die Kleeblatt-Mannschaft bot als „Gesamtkunstwerk“ auf jeden Fall eine gute Leistung. Der „Fränkische Außenseiter“ wäre nach der gestrigen Leistung ein würdiger Bundesligist. Wenn die Mannschaft es schafft, sich bis Sonntag, 17 Uhr, zu relaxen, neue Kräfte zu mobilisieren und den Kopf frei zu bekommen, dann ist im Fürther Ronhof alles drin. Vor heimischer Fankulisse, die mit ihrer lautstarken Leidenschaft schon so manchem Gegner den Schneid abkaufen konnten, würde dem Kleeblatt mit einem Sieg der Aufstieg gelingen. Und dann ist in Fürth der Bär los, wetten?

Dieses Mal behält Uwe Seeler nicht Recht!

In zwei Jahren wird er 80 Jahre alt – Uwe Seeler, das „Urgestein“ des deutschen Fußballs. Seit 1946 spielte er in der Jugendabteilung des HSV, des größten Sportvereins der Hansestadt. Er war einer der wichtigsten und prominentesten Spieler der Deutschen Nationalmannschaft, lange Jahre ihr Kapitän, für die er von 1956 bis 1970 auflief. Seeler nahm an den Weltmeisterschaften 1958, 1962, 1966 und 1970 teil und wurde dort bei insgesamt 21 Länderspielen eingesetzt. Von 1995 bis 1998 war er dann Präsident des HSV. Uwe Seeler wird in der Öffentlichkeit meist als bodenständiger, aufrichtiger, geradliniger und unkomplizierter Mensch gesehen. Zu diesem Image hat vor allem auch seine sportliche Fairness beigetragen – er erhielt in seiner langjährigen Laufbahn nur einen einzigen Feldverweis (das heißt seit 1970 „Rote Karte“).

„Uns Uwe“ – wie er liebevoll genannt wird – nimmt wie viele Hamburger natürlich großen Anteil an den beiden Relegationsspielen „seines“ Hamburger SV gegen die Spielvereinigung. In einem Interview im Sportmagazin „Kicker“ äußerte er sich bedauernd, aber durchaus kritisch über die schlechte Leistung des HSV in dieser Saison, über den monatelangen Abstiegskampf. Trotzdem ist er optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass der HSV gegen Greuther Fürth die Oberhand hat und der Bundesliga erhalten bleibt.“ Wichtige Voraussetzung – so das Hamburger Urgestein – beim HSV-Team sei folgende: „Da ist Kampf angesagt, Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten und Beißen bis zum Schluss“.

Na ja, lieber Uwe Seeler: Ich schätze Sie und ihre sportliche Leistung außerordentlich. Aber ob der mental und spielerisch angeschlagene HSV, bei dem vereinspolitisch viele Fehler gemacht wurden, heute Abend und am Sonntag das Fürther Kleeblatt besiegen wird, da habe ich doch meine Zweifel. Denn unsere Jungs sind hochmotiviert und heiß auf den Wiederaufstieg. Und dann – so leid es mir für Sie, Herr Seeler, tut – muss der Hamburger SV zum ersten Mal seit Einführung der Bundesliga 1963 in die Zweite Liga absteigen.

Hamburg, meine Perle – Zieh‘ Dich warm an!

Der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga wäre natürlich schön gewesen, die bevorstehenden Relegationsspiele machen das Ganze aus Fansicht aber viel spannender. Mit dem Hamburger SV steht der Spielvereinigung ein schwerer Brocken bevor, ein traditionsreicher Verein gegenüber, der in der Saison 2013/14 allerdings unter seinen Möglichkeiten spielte und glücklich ist, überhaupt noch den Relegationsplatz geschafft zu haben.

So war dann auch die Stimmung gestern nach dem gewonnen Heimspiel gegen den SV Sandhausen in der Gustavstraße relaxt und entspannt. Der dekorative Brauereiwagen des berühmten Fürther Bieres stand dekorativ am Straßenrand. Viele Fans tranken im Gespräch einen Schluck auf das 2:0 und den erreichten Relegationsplatz. Einig waren sich alle: In den Relegationsspielen werden die Kleeblätter mit Leidenschaft und Herzblut agieren und zeigen, dass der Wiederaufsteig verdient wäre. Die beiden Kontrahenten Hamburger SV und Spielvereinigung sind in vielen Bereichen komplett unterschiedlich, es erinnert ein wenig an einen Kampf zwischen David und Goliath. Nehmen wir mal die Zuschauerkulisse: Das erste Duell beginnt am Donnerstag, 15. Mai, um 20.30 Uhr in der mit 57.000 Fans ausverkauften Imtech-Arena des HSV. Das Rückspiel steigt dann am Sonntag, 18. Mai, ab 17 Uhr vor gut 18.000 Fans im Sportpark Ronhof. Bei den Spielergehältern wird die Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen dem Kleeblatt und dem HSV deutlich: Etwa 1,8 Millionen Euro Jahresgehalt kassiert ein HSV-Profi im Schnitt. Die Fürther kommen gerade mal auf 200 000 Euro. Der Personal-Etat der mit 100 Millionen Verbindlichkeiten belasteten Hamburger liegt bei 43 Millionen Euro. Die schuldenfreien Kleeblätter stemmen das mit einem 7,2-Mio-Mini-Etat.
Aber sportlich legen die Fürther vieles auf ihre Seite der Waagschale: Die SpVgg tritt mit dem besten Zweitliga-Sturm (64 Tore) gegen die Bundesliga-Schießbude (75 Gegentore) an. Und auch konditionell muss sich das Kleeblatt nicht verstecken. Mit 4.118 Kilometern (121,1 km pro Spiel) übertreffen die Franken die HSV-Profis (3.805 km, 115,3 km/Spiel) in Sachen Laufbereitschaft klar. Mit Ilir Azemi verfügt das Kleeblatt über einen Torschützen, der sich in den letzten Begegnungen kontinuierlich steigerte. Und Keeper Wolfgang Hesl ist eine sichere Bank, wenn es darum geht, das eigene Tor sauber zu halten. Im direkten Vergleich hat der HSV die erste Bundesligabegegnung übrigens mit 1:0 gewonnen, das Rückspiel ging dann unentschieden 1:1 aus. Und beim DFB-Pokal im September 2013 erzielten die Hamburger auch nur ein Tor, das war dann auch der Endstand.

Insgesamt könnte das Kleeblatt ohne Druck und mit aufmerksamen Aktionen die angeschlagenen Hamburger in ihre Schranken wiesen. Ein klarer Vorteil ist es aus meiner Sicht, dass das erste Spiel im Hamburg stattfindet. Denn wie immer die erste Partie auch ausgehen mag: Beim Rückspiel am Sonntag vor heimschem Publikum kann die Spielvereinigung dann alles möglich machen. Der Aufstieg nach nur einer Zweitliga-Saison ist für das Kleeblatt auf jeden Fall zu schaffen! Und nach der gewonnen Relegation muss dann Lotto King Karl den Liedtext seiner Fußballhymne umschreiben:“Wenn Ihr aus Fürth kommt, dann haben wir keine Chance. Wenn wir im Ronhof sind, dann Bundesliga tschüss.“

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Nein, der HSV war nicht zu schlagen

Der gestrige Abend ist leider nicht so gelaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Schon Borussia Dortmund tat sich mehr als schwer gegen den Zweitligisten 1860 München – in einer Allianz-Arena mit vielen Zuschauern, die vorher auf der Wies’n gewesen waren. Nein, auch 800 km davon entfernt ging nichts glatt. Zwar war Keeper und Kapitän Wolfgang Hesl wie immer hervorragend und hat (zuerst) alles gehalten, was auf ihn in Form eines Balles zukam. Aber dann hat die Spielvereinigung das Spiel in der 2. Runde im DFB-Pokal gegen den Hamburger SV letztlich verloren. Mit 0:1. Und dieses Tor hat ausgerechnet Wolle Hesl zu verantworten.

In der ersten Halbzeit ließ Hesl bei Alleingängen von Arslan (19.) und Lasogga (25.) nichts anbrennen, auch van der Vaart biss auf Granit. Glück für die etwas laschen Fürther, dass Badelj mit einem Schuss (31.) und einem Kopfball (39.) nur haarscharf an Latte bzw. Pfosten vorbeizielte.

Dann kam, was wohl nicht zu verhindern war: Hesl hatte kurz zuvor einen Schuss von Beister entschärft und wurde in der 64. Minute zum tragischen Helden. Calhanoglu feuerte einen Freistoß direkt aufs Tor, der Fürther Kapitän ließ den Ball abprallen, bekam ihn nicht mehr zu fassen, der rollte davon und Pierre-Michel Lasogga traf ins Kleeblatt-Tor.

Frank Kramer musste handeln und wechselte mit Drexler (72.) und Niclas Füllkrug (77.) offensiv ein. Daraufhin gelang es der SpVgg endlich, die HSV-Defensive ins Schwitzen zu bringen. Azemi schoss den Ball haarscharf am linken Pfosten vorbei. Und Füllkrug tauchte wie ein Schachtelteufel vor dem HSV-Keeper Adler auf, spielte den Torwart sogar aus, scheiterte dann am auf der Linie postierten Tah.

Insgesamt waren die Hamburger – trotz aller Krisen und Probleme im Vorfeld – die vor allem in der ersten Hälfte klar dominierende und bessere Mannschaft. Der HSV streicht durch den Einzug ins Achtelfinale eine garantierte Prämie von ca. 500.000 Euro ein. Der DFB-Pokal wird ohne Beteiligung der Spielvereinigung weiter gespielt.
Egal, wir konzentrieren uns auf das nächste Spiel in der zweiten Liga: Am Montag, 30. September, trifft die SpVgg um 20.15 Uhr im Ronhof auf  Dynamo Dresden. Ein sportliches Highlight während der Fürther Kirchweih – und da wären ein Sieg und der Erhalt der Tabellenführung doch top!

Ist das waidwunde HSV-Team zu schlagen?

Es ist bekannt, dass verletzte Tiere oft am gefährlichsten sein können. So ähnlich beurteile ich die Situation heute Abend beim DFB-Pokalspiel zwischen der Spielvereinigung und dem Hamburger SV. Die Begegnung ist ohnehin eine schwere Aufgabe für den Zweitligisten, aber aufgrund der Krise, in der sich der HSV gerade befindet, wird das Spiel für das Kleeblatt eine besonders harte Nuss.
Der hanseatische Bundesligaverein ist die einzige Mannschaft, die bei der Gründung der Bundesliga dabei war und seitdem nie abgestiegen ist. Und Fußball-Legenden im Kader hatte – wie z.B. den berühmten Uwe Seeler. In den letzten Wochen hatte der Verein allerdings schwer zu kämpfen. Mit nur einem Sieg, einem Unentschieden, aber vier Niederlagen in dieser Saison rangieren die Hamburger im Moment auf dem drittletzten Tabellenplatz. Ein schwacher Trainer und nicht gerade professionelle Funktionäre waren und sind die Achillesferse des Vereins. Doch auch die Spieler sind an der HSV-Krise Schuld. Im Team gibt es hochbezahlte Profis wie Rafael van der Vaart, Heiko Westermann und Marcell Jansen. Alle werden mehr als königlich bezahlt, ca. 40 Millionen Euro beträgt der Gehaltsetat des Klubs. Damit liegt der Klub im vorderen Mittelfeld der Liga. Aber keiner bringt das, was man erwartet.

Seit gestern hat der HSV einen neuen Trainer: Der ehemalige niederländische Nationalcoach Bert van Marwijk übernimmt das Ruder. Der Bundesligist hat den Wechsel jetzt offiziell verkündet, nachdem van Marwijk schon am Samstag angedeutet hat, dass er der Nachfolger des entlassenen Thorsten Fink wird. Van Marwijk tritt sein Amt am Mittwoch an.

Ob die ganze Unruhe beim HSV dem Kleeblatt heute Abend in der „Imtech Arena“ in Hamburg in die Karten spielt, wird man sehen. Auf jeden Fall ist die Spielvereinigung derzeit hochmotiviert und positiv eingestellt. Da könnte es gut und gerne zu einer Überraschung in der zweiten Runde des DFB-Pokals kommen. Wir würden es dem HSV nicht gönnen, aber sollte Rafael van der Vaart am Ende der Begegnung so am Boden sein wie auf unserem Foto, wäre das ein großer Erfolg fürs Kleeblatt.
Also: Auch im Falle von Verlängerung und Elfmeter-Schießen – spätestens um 23.30 Uhr wissen wir mehr.