Frauenpower im französischen Männerfußball

Gestern hat die Fußball-WM in Brasilien begonnen – die Augen aller Fußballfans richten sich in den nächsten vier Wochen auf Südamerika. Obwohl es doch auch aus Europa Interessantes zu berichten gibt: In Frankreich wird ab der nächsten Saison ein Männer-Profiteam von einer Frau gecoacht.

France Soccer Helena CostaHelena Margarida dos Santos Costa kann mit dem wenig schmeichelhaften Spitznamen „Mourinho in Röcken” ganz gut leben. Die 36-jährige Portugiesin leidet nicht unter mangelndem Selbstvertrauen und stellt sich cool der großen Herausforderung. Beim französischen Zweitligisten Clermont-Ferrand trägt sie künftig als Cheftrainerin die Verantwortung. Ihren Spitznamen hat Helena Costa nach einem Fortbildungsaufenthalt beim FC Chelsea erhalten, wo sie sich mit Portugals Star-Trainer José Mourinho anfreundete. Der war ja auch schon mal bei einem Kleeblattspiel in der Trolli ARENA.

Costa hat eine erstaunliche und bewegte Geschichte hinter sich. Sie hat schon in Lissabon eine Männermannschaft unter ihren Fittichen gehabt, auch wenn das Amateure waren und keine Profis. Für die toughe Frau ist es egal, ob sie Frauen oder Männer trainiert: „Der Fußball ist der gleiche – es spielen elf gegen elf. Es gibt keinen Unterschied.”

Die ehemalige portugiesische Fußballspielerin Costa verfügt über eine Lizenz in Sportwissenschaft. Sie begann bei Benfica Lissabon, zunächst als Trainer der Bambini-Mannschaften, dann ab 2005 als Assistentin des Trainers der männlichen U17, die wurden Vizemeister. Dann übernahm sie eine Amateurmannschaft in der Großregion Lissabon. Parallel dazu wurde sie Talentspäherin für Celtic Glasgow. 2010 wechselt sie nach Katar, um dort den Frauenfußball zu entwickeln. 2012 avacierte sie zur Nationaltrainerin der Frauenmannschaft des Iran, den sie 2013 aus „persönlichen Gründen” wieder verließ und nach Portugal zurückkehrte. Seit Mai 2014 ist sie jetzt beim „Clermont Foot Auvergne 63“, einem französischen Fußballverein aus Clermont-Ferrand, der Hauptstadt des französischen Départements Puy-de-Dôme in der Auvergne. Hier geht’s direkt zur Vereinswebsite und einem Videoclip der Pressekonferenz bei Costas Präsentation als künftige Trainerin.

Fifa-Präsident Joseph Blatter sieht die Verpflichtung von Helena Costa übrigens positiv. Und die französische Ministerin für Jugend und Sport, Najat Vallaud-Belkacem, betont, dass es der Fußballverein „Clermont Foot“ als erster verstanden hat, dass die Zukunft des Profifußballs darin liegt, den Frauen ihren Platz zu geben.

Damit ist Costa die erste Frau in der Geschichte des französischen Profifußballs und nach der Italienerin Carolina Morace und der Bolivianerin Nelfi Ibañez Guerra (in Peru bei Hijos de Acosvinchos) die dritte Frau, die ein Männer-Profi-Fußballteam coacht. Carolina Morace hatte 1999 die Profis von A.S. Viterbese Calcio in der Serie C1 trainiert. Sie musste jedoch nach nur zwei Spielen aufgrund des starken Mediendrucks zurücktreten. Na, da bin ich mal gespannt, wie lange Helena Costa in Clermont Ferrand auf ihrem Trainerstuhl sitzen wird.

José Mourinho und das 1:6 gegen Borussia Dortmund

Heute ist das passiert, was eingefleischte Kleeblattfans schon länger befürchtet haben: Die SpVgg hat ein Spiel richtig hoch verloren. 1:6 lautet das Endresultat gegen den amtierenden Deutschen Meister und Pokalsieger Borussia Dortmund. Mein gestriger Tipp, dass es Unentschieden lauten könnte, war wohl doch zu blauäugig.

Die meiste Aufmerksamkeit schon vor dem Anpfiff erhielt José Mourinho, der direkt unterhalb von SpVgg-Präsident Helmut Hack auf der Haupttribüne saß. Er gilt gemeinhin als bester Coach der Welt. „The Special One“  ist bekanntlich Trainer von Real Madrid und wollte sich den BVB, der gestern für die Spanier als Halbfinalgegner in der Champions League gelost wurde, ganz aktuell hautnah ansehen.  Ein große Ehre für den Ronhof und eine Augenweide – nicht nur für die Greuther-Weiber. Umso mehr wäre ein Sieg des Kleeblatts eine Supersache gewesen.
Aber schon zur Halbzeitpause stand es 0:5, die üblichen Verdächtigen wie Mario Götze, Ilkay Gündogan und „Kuba“ Blaszczykowski hatten ins Tor des Fürther Keepers Wolfgang Hesl getroffen. In der zweiten Halbzeit waren die Kleeblätter gegen jetzt mit gebremstem Schaum agierende Dortmunder lebendig und aktiv. Vor allem die jungen Spieler wie Johnannes Geis und Thomas Pledl machten sich prima. Den absoluten Preis für „Klasse“ und „Effektivität“ hat sich allerdings mal wieder Edgar Prib verdient. Er war unermüdlich in Richtung Tor von Weidenfeller unterwegs. Ihm gelang es dann auch, in der 71. Minute den Ehrentreffer fürs Kleeblatt zu schießen. Und Hesl verhinderte mit guten Paraden eine noch höhere Niederlage.
Insgesamt ein spannnendes Spiel mit allerdings deprimierendem Ergebnis für die Spielvereinigung. 1:6 ist eine Packung, wie sie das Kleeblatt während der gesamten Bundesliga-Saison bisher vermeiden konnte. Aber heute war es vor ausverkauftem Haus leider nicht zu verhindern. Ein schwacher Trost für uns: Der Club ist bei Bayern München mit 4:0 untergegangen, den heutigen zehn Toren gegen die beiden fränkischen Bundesligisten steht nur ein Treffer – der von Prib – gegenüber. Jetzt konzentrieren wir uns alle aufs Derby am Sonntag, 21. April, um 17.30 Uhr im Grundig-Stadion.