Fasching für ein Fürther Kleeblatt

Franken und insbesondere Fürth sind nun wirklich keine Faschings-Hochburgen. Da erzähle ich nichts Neues. Obwohl: Kult ist inzwischen die alternative Veranstaltung zu allen Karnevalssendungen im TV: Die „Dullnraamer“ von der Fürther Bagaasch um Ute und Uwe Weiherer. Morgen Abend treten sie zum letzten Mal in dieser Faschingszeit um 20 Uhr im „Kulturforum Schlachthof“ auf. Ich gehe hin und bin gespannt auf kritische und musikalisch raffinierte Beiträge – und die witzigen Videoclips.

Für die Spielvereinigung ist es gut, dass Fürth mit Fasching so wenig am Hut hat. Denn das Spiel am jetzigen Sonntag, 3. März, ab 13.30 Uhr in der Trolli ARENA, würde mit Sicherheit schlechter besucht werden, wenn zeitgleich – wie in Nürnberg mit dem „Gaudiwurm“ – in Fürth ein Faschingsumzug stattfände.

Aber so haben alle Kleeblattfans Gelegenheit und Zeit, sich das Heimspiel gegen den FSV Frankfurt anzusehen. Die Frankfurter liegen derzeit auf dem 14. Platz der Zweitliga-Tabelle und haben sich vorgenommen, der Spielvereinigung den Weg zurück in die Erste Liga gründlich zu versalzen. Trainer des hessischen Vereins ist ja Benno Möhlmann, der acht Jahre lang die Geschicke bei der Spielvereinigung leitete. Das Kleeblatt hat übrigens die letzten 15 Heimspiele gegen die Bornheimer nicht verloren – die letzte Heimniederlage der Spielvereinigung gegen den FSV gab es im Jahr 1968, als Fürth die Regionalliga-Partie vor 1500 Zuschauern mit 0:1 verlor.
Wer das Spiel am vergangenen Montag gegen den Tabellenführer 1. FC Köln gesehen hat, der weiß, dass man mit der Mannschaft der SpVgg (wieder) rechnen kann. Sie hat sich in Köln trotz gerade überstandener Infektion mit Bravour geschlagen, die Partie ging unentschieden 1:1 aus. Und so wurde der Abstand zur Tabellenspitze nicht größer, und man schaffte zumindest einen Punkt Distanz zu den Verfolgern. Der SC Paderborn hat soeben das Spiel gegen den VfL Bochum souverän mit 4:1 gewonnen – deshalb ist er (hoffentlich nur für kurze Zeit!) auf den zweiten Tabellenplatz vorgerückt.

Ich schlage also vor: Morgen Abend zu den „Dullnraamern“ ins Kulturforum, dann am Sonntag ausschlafen, gemütlich frühstücken. Und danach das Spiel ansehen – und damit ist es mit Karneval für einen Fürther bzw. eine Fürtherin dann auch genug! „Gulli – Gulli“!!!

Immerhin: Unentschieden beim 1. FC Köln

Bon, jetzt haben wir ihnen ihren heißgeliebten Karneval erst mal verdorben. Die Stimmung im Rhein-Energie-Stadion bei über 45 000 Kölner Fans war nach dem überraschenden Ausgleichstor von Ilir Azemi in der 86. Minute auf dem Nullpunkt. Die Fans hatten ab der 36. Minute – nach dem Tor von Kevin Wimmer – Oberwasser gehabt und schon mit wildem Fahnengeschwenke und Gesängen ihren vermeintlichen Sieg gefeiert. Verschätzt!

Eigentlich fing die Partie im Spitzenspiel der beiden Toppmannschaften in der Zweiten Liga fürs Fürther Kleeblatt hervorragend an. Schon in der 6. Minute war die erste Chance da, aber Niclas Füllkrug schaffte es leider nicht, die Kugel im Kasten von Keeper Timo Horn zu versenken. In der ersten Halbzeit dominierten die (nach der Brech-Durchfall-Episode in den letzten Tagen) gesundheitlich angeschlagenen Profis der SpVgg den Tabellenführer, bis der mit 1:0 in Führung ging. Aber nach der Halbzeitpause drehte sich alles: Die Kölner kamen perfekt ins Spiel, und es schien sich auf ein weiteres Tor zuzuspitzen. Das blieb dem Fürther Team dann Gott sei Dank erspart.

Kritisieren will ich (mal wieder) das nicht gerade genaue Passspiel der Spielvereinigung. Da gingen Pässe ins Nirwana, Baba ist zwar quirlig und agil, aber er lässt sich ein ums andere Mal Bälle abjagen und läuft sogar komplett ins Leere. Und in puncto „Ecken“ ist das Kleeblatt nicht souverän. Da werden Chancen vergeben, man verzettelt sich, und mehr als einmal musste Kapitän Wolfang Hesl seinen Kasten mit guten Paraden sauber halten.
Insgesamt ein kurzweiliges Spiel, ich bewundere die Kondition der Kleeblätter. Und so ging die Partie verdient 1:1 unentschieden aus. Beide Mannschaften waren szenenweise die bessere. Und sie spielten – wie es sich für den Erst- und Zweitplatzierten der Tabelle schließlich auch gehört – qualitativ auf Augenhöhe. Von uns Greuther-Weibern aus könnten beide Teams am Ende der Saison in die Erste Liga aufstiegen: Der 1. FC Köln und das Kleeblatt. Und mit dieser Perspektive können die Kölner Fußballfans ihren Karneval gerne in vollen Zügen weiter genießen.