Mit großen Schritten dem Abgrund entgegen

Karlsruher SC - SpVgg Greuther Fürth47 Minuten lang sah es im Karlsruher Wildpark tatsächlich so aus, als würde Mike Büskens der erste Dreier seit seinem Amtsantritt gelingen. 47 Minuten lang führte das Kleeblatt beim KSC, doch dann patzte Benedikt Röcker – gleich zwei mal. Zuerst verschätzte sich der Innenverteidiger nach einem weiten Ball, der Karlsruher Top-Stürmer Rouwen Hennings nahm gekonnt an und überwand Mark Flekken im Kleeblatt-Gehäuse. Ausgleich, 1:1. Die Torhymne war gerade verklungen, da verschätzte sich der Abwehrhüne ein zweites Mal, Hennings nahm an und schloss trocken ab. 2:1, Spiel gedreht, innerhalb von zwei Minuten.

Dabei hatte der Tag für die arg gebeutelte Kleeblatt-Seele so gut begonnen. 13 Minuten waren gespielt, als Johannes Wurtz eine Flanke in den Strafraum schlug und dort Marco Rapp fand, der in lehrbuchhafter Schusshaltung per Volley traf. 1:0, endlich mal wieder eine Kleeblatt-Führung, die 500 mitgereisten Anhänger im weitläufigen Gästeblock jubelten. Für den Kapitän der Fürther U23 war es in seinem zweiten Einsatz das erste Tor im orange leuchtenden Profi-Dress. Doch für den in der Club-Jugend ausgebildeten Rapp, der im linken Mittelfeld neben Schröck und Stiepermann auflief, hatte die Freude nicht allzu lange Bestand. Wirklich befreiend wirkte der Führungstreffer nicht für die Büskens-Elf, der KSC gab weiter Gas. Das Kleeblatt schwamm aber nicht so sehr wie in manch vergangenem Spiel, die Defensive stand sicher – wohl auch, weil Unsicherheitsfaktor Stefan Thesker diesmal auf der Bank Platz nehmen musste. Marco Caliguiri kehrte nach seiner Rot-Sperre zurück und verteidigte mit seiner Hintermannschaft die Führung bis zur Pause.

Eine gute Viertelstunde sollten die wacker kämpfenden Fürther dem Sieg nahe sein, bis, ja, bis Benedikt Röcker sich zwei mal böse verschätzte und so seine Mannschaft um den Lohn brachte. Im Spiel nach vorne fehlte anschließend wie so häufig in dieser Spielzeit die Präzision, Angriffsversuche versandeten meist wegen technischer Unzulänglichkeiten oder Unkonzentriertheit. Auch der frische Wind in Form von Zlatko Tripic und Florian Trinks erwies sich eher als laues Lüftchen denn als stürmischer Angriffswirbel und so lief die Uhr immer weiter gegen das Kleeblatt. In der Nachspielzeit wagte Mark Flekken in seinem zweiten Bundesliga-Spiel den Gang in den gegnerischen Sechzehner, die Karlsruher Abwehr stand aber sicher und so konnte es der Hesl-Ersatz nicht seinem Leipziger Kollegen Coltorti gleich tun, der seine Mannschaft am Freitag zum umjubelten 2:1-Sieg gegen Darmstadt geschossen hatte.

Jubel ist ein gutes Stichwort. Als Kleeblatt-Anhänger kennt man dieses Gefühl beinahe nicht mehr, das Pfund von Marco Rapp war ein kurzer Anflug von Euphorie – den Benedikt Röcker aber wieder zunichte machte. Und so wird der einzige Jubel an diesem Wochenende womöglich noch den Niederlagen der Abstiegskonkurrenten gelten, die am Sonntag und Montag noch ran müssen. Die SpVgg ist mehr denn je auf die Patzer der Konkurrenz angewiesen, um noch den Klassenerhalt in Liga 2 zu schaffen. Wer sich Woche für Woche durch individuelle Schnitzer um den Ertrag bringt, für den besteht nicht viel Hoffnung. Am kommenden Wochenende kommt Fortuna Düsseldorf in den Ronhof, Zeit, es endlich wieder besser zu machen. Ansonsten geht es schneller nach unten als uns allen lieb ist. Das Kleeblatt geht mit großen Schritten dem Abgrund entgegen, hoffen wir, dass diese Horrorgeschichte ein Happy-End nimmt.