Das Kleeblatt ist allgegenwärtig

Auch wenn man ein Spiel der Fürther nicht vor Ort im Playmobil-Stadion miterlebt, wird ein Greuther-Weib von der bitteren Fußball-Realität auf vielfache Art und Weise eingeholt.

Schon gegen Mittag skandieren fanatische Fans des FC Augsburg während ihres Marsches durch die Königstraße: „Wir haben euch was mitgebracht.“ Oh, Gott, denke ich mir, doch hoffentlich kein Souvenir aus der Fuggerstadt? Nach dem Spiel fahre ich dann mit dem Auto von Erlangen nach Fürth und höre in den Radionachrichten vom Ergebnis des „bayerischen Derbys“: 4:5 für die Schwaben. Mist, denke ich mir, neun Tore, und dann doch verloren?

Und abends – ich hatte gerade angefangen, das deprimierende Ergebnis zu verdauen – geht es bei einer Geburstagsfeier erneut um das Schicksal der Spielvereinigung. „Wir waren heute im Stadion, und der Spielverlauf war kurios!“, ist da zu hören. Die 12-jährige Tochter meiner gastgebenden Freunde – quasi seit Geburt eingeschworener Fan der Fürther (wie der Opa) – analysiert mit klaren Worten die Spielerqualität. Es war spannend, berichtet sie, die Fürther lagen schon 2:5 zurück und haben dann doch noch zwei Tore geschossen. Aber da ist auch von einem Verteidiger namens Biliskov die Rede, der zwar in der 77. Minute noch ein Tor geschossen hat, aber auf der anderen Seite auch Schuld an zwei Gegentoren war. „Fast zwei Meter groß, springt er hoch, zu früh, und schafft es dann natürlich nicht, den Schuss der Augsburger abzuwehren.“ Versagen auf ganzer Linie. Und ihr Vater beschreibt die Reaktion der heimischen Fans: Biliskov wurde erbarmungslos ausgepfiffen, sobald er in der Nähe der Fankurve kam, sobald er den Ball spielte. Da kannten offenbar auch die treuesten Fürther Fans keine Nachsicht.  „So was habe ich bisher fast noch nie erlebt“, bringt er es mit professoralem Durchblick auf den Punkt.

Für Vater und Tochter war es wohl insgesamt doch kein verlorener Nachmittag. Man konnte mal wieder gemeinsam etwas unternehmen, sich ein bisschen über das Schicksal der Kleeblätter aufregen. Und die obligatorische Bratwurstsemmel in der Halbzeit tröstete bestimmt über so manchen Schnitzer auf dem Platz hinweg.

Kleeblätter mit gestärktem Rückgrat

Was ist eigentlich an einem gesunden Selbstbewusstsein so schlimm? Die Spielvereinigung hat im Achtelfinale des DFB-Pokals mit 1:0 gegen den Erstligaclub VfB Stuttgart gewonnen, damit die Schwaben aus dem Pokal geworfen, und sie kann jetzt mit einem starken Rückgrat in die nächsten Begegnungen gehen.

Und das wird sie auch tun! Morgen tritt die Mannschaft gegen Rot-Weiss Ahlen an, die im Moment auf dem letzten Platz der 2.Bundesliga stehen. Trainer Benno Möhlmann sieht die Situation realistisch: „So kurz nach dem Erfolg im Pokalspiel müssen wir körperlich und geistig in guter Verfassung sein. Aber ich sehe uns schon in der Lage, über 90 Minuten hohes Tempo gehen zu können. Das Spiel in Ahlen ist keine einfache Aufgabe, denn die Mannschaft will da unten raus. Wir müssen dagegenhalten und uns konzentriert und diszipliniert an unsere Grenzen herantasten“.

Klar, wer ist hier anderer Meinung?  Und: Möhlmann sieht die Kleeblätter in der Favoritenrolle. „Aber dem können und wollen wir uns nicht entziehen. Vielmehr können wir selbstbewusst auftreten, mit der nötigen Konzentration und der absoluten Bereitschaft.“

Dem ist nichts hinzuzufügen. Die Mannschaft hat sich heute Nachmittag auf den Weg nach Ahlen gemacht. Bernd Nehrig, Kim Falkenberg und auch Stephan Fürstner laborieren noch an kleinen Wehwehchen. Leo Haas konnte die Reise nach Ahlen wegen Achillessehnen-Beschwerden nicht mit antreten. Möhlmann hat deshalb Ante Serdarusic und Marino Biliskov wieder in den Kader berufen. 

Morgen ist Halloween. Die Kleeblätter werden in Ahlen aber nicht von allen guten Geistern verlassen sein, sondern bestimmt wieder ein Stück in der Tabelle raufklettern.

„Würger von Worms“ für zwei Pokal-Spiele gesperrt!

Es ist wie verhext: Die Fürther werden offenbar vom Pech verfolgt. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat den Fürther Kapitän Marino Biliskov wegen „unsportlichen Verhaltens“ für zwei Spiele im DFB-Pokal gesperrt. Damit hat man auf die rüde Attracke des Kroaten gegen seinen Mitspieler Sami Allagui reagiert. Fernsehbilder hatten bewiesen, dass Biliskov nach dem Halbzeitpfiff Allagui seinen Kopf ins Gesicht gedrückt hatte. Spieler und Verein haben das Urteil akzeptiert. Es ist in der Fußball-Geschichte das erste Mal, dass ein Spieler schuldig gesprochen wurde, der einen eigenen Mitspieler angegriffen hat.
Biliskov ist also wenigstens beim Bundesligastart am Samstag um 13 Uhr dabei. Trotzdem beginnt für die Fürther die neue Saison gegen Kaiserslautern mal wieder mit einer Zitterpartie. Das verlorene Testspiel gegen Stuttgart und der späte 1:0-Sieg im DFB-Pokalspiel gegen Wormatia Worms sitzen der Mannschaft noch im Nacken.
Trainer Benno Möhlmann wird versuchen, die Kleeblätter bestens zu motivieren. Und alle, die zu Hause der SpVgg Greuther Fürth die Daumen drücken, sollten möglichst viele Tassen Beruhigungstee trinken, um dem Stress entgegenzuwirken. Das empfehlen jedenfalls die Greuther-Tee-Weiber!

Fürther Kapitän auf Zidanes Spuren?

Wer erinnert sich nicht an das Finale der WM 2006, als Frankreichs Fußball-Legende Zinédine Zidane mit einem Kopfstoß gegen Italiens Mario Materazzi seiner Wut freien Lauf ließ? Der Schiedsrichter verwies Zidane mit der Roten Karte des Feldes, Italien wurde Weltmeister. Der Fall Zidane ist in die Annalen der Fußball-Geschichte eingegangen und immer wieder ein gutes Beispiel für Unbeherrschtheit und Aggression auf dem Spielfeld.

Auf den Spuren des berühmten französischen Nationalspielers versuchte sich jetzt offenbar der Kapitän der Spielvereinigung Greuther Fürth, Marino Biliskov: Tatort war das Stadion beim DFB-Pokalspiel gegen Wormatia Worms. Nach einem verbalen Hin und Her mit Vereinskollegen Sami Allagui packte Biliskov ihn am Hals und verpaßte Allagui einen Stoß mit der Nase. Was genau der herben Attacke voraus ging, ist nicht bekannt. „Opfer“ Allagui dazu: „Ich habe keine Ahnung, warum er so reagiert hat. Ich will es eigentlich auch gar nicht wissen.“

Die Folgen für Biliskov von Seiten des Trainers Benno Möhlmann sind harmlos: Neben der Entschuldigung bei Allagui und der Mannschaft soll er einer gemeinnützigen Organisation einen Scheck in vierstelliger Höhe zukommen lassen. Dann Schwamm drüber. Er bleibt vorerst Kapitän der Kleeblätter, wohl auch, um den labilen Zustand des Teams nicht noch mehr zu gefährden. 

Ob nachträglich ein Ermittlungsverfahren gegen Biliskov eingeleitet wird, bleibt abzuwarten. Das wäre für den Fürther Verein – ein paar Tage vor dem Start in die neue Bundesliga-Saison und dem Spiel gegen Kaiserslautern – natürlich eine Katastrophe.

Sollte Biliskov tatsächlich für eine bestimmte Anzahl von Spielen gesperrt werden, könnte er sich zumindest mit Zidane trösten. Der wurde sogar noch nach Karriereende und seinem WM-Ausraster bei der Wahl zum Weltfußballer des Jahres 2006 auf den zweiten Platz gewählt.