Verein macht „Tabula rasa“ im Fürther Ronhof

Eine gute Woche ist es nun her, dass sich das Kleeblatt mit Riesendusel in der Zweiten Liga gehalten hat. Offen gesagt: Wäre das erste Tor von Erzgebirge Aue im Spiel gegen SV Darmstadt 98 vom Schiedsrichter gegeben worden, dann wäre die Partie unter Umständen komplett anders verlaufen. Dann wäre jetzt vielleicht die Spielvereinigung in der Relegation und müsste heute abend im Rückspiel gegen den Karlsruher SC spielen.

Aber die Fakten sind andere: Das Kleeblatt verbringt die Sommerpause auf dem 15. Tabellenplatz. Und jetzt werden gerade von den Verantwortlichen im Fürther Ronhof Fakten geschaffen. In den vergangenen Tagen haben Sportdirektor Rachid Azzouzi und Trainer Damir Buric Gespräche mit allen Spielern geführt. Die ersten Abgänge zum Ende dieser Saison sind fix: Balazs Megyeri, Uffe Bech, Kaylen Hinds, Mathis Bolly, Adam Pinter, Dominik Schad, Jurgen Gjasula und Sercan Sararer. Sportdirektor Rachid Azzouzi hat auf der Vereins-Website kommentiert: „Auch die Spieler, wie zum Beispiel Jurgen Gjasula und Sercan Sararer sehen in einer Luftveränderung eine positive Chance für sich.“ Meine Meinung zur sportlichen (und menschlichen) Leistung von Jurgen Gjasula in den letzten Wochen und Monaten ist – wer unseren Greuther-Weiber-Blog aufmerksam gelesen hat – bekannt. Auf meiner Cancel-Liste stünden auch noch ein paar weitere Kleeblätter, auf die man im Kader verzichten könnte.
Die SpVgg hat den Vertrag mit dem kroatischen Verteidiger Mario Maloca um zwei Jahre verlängert. Prima! Mal sehen, ob es dem Verein gelingt, Fabian Reese zu halten und vor allem zu bezahlen. Und Verteidiger Marco Caligiuri ist trotz seines für einen Fußballer fortgeschrittenen Alters eine sichere Bank.
Hoffen wir, dass unser Kleeblatt in der Saison 2018/19 nicht untergehen wird. Das passende Plakat (Foto: Kirsten Harder) hängt ja schon seit einigen Tagen unübersehbar in Fürth.

Fakten, Fakten, Fakten…

SpVgg Greuther Fürth - SV SandhausenDer „kicker“ ist für Fußballinteressierte die Leib- und Magenlektüre. Auch die Greuther-Weiber daten da regelmäßig ihr Wissen up. Wie zu jedem Saisonende hat das Sportmagazin in der vergangenen Woche eine „Bilanz der 2. Liga“ erstellt – das ist für Fans von Statistiken aufschlussreich.

Bei den besten Torjägern rangiert Sebastian Freis mit 12 Toren auf einem relativ guten 7. Platz. Ich erinnere an die Aufstiegssaison 2011/2012, als Olivier Occean (gemeinsam mit dem Frankfurter Spieler Alexander Meier) mit 17 Treffern auf Platz eins lag. Das ist leider Schnee von gestern. Bei den „Besten Vorbereitern“ (die besten Scorer) findet man Robert Zulj mit 17 Punkten auf dem 11. Platz. Die 17 Punkte ergeben sich aus von ihm erzielten Toren (8) und neun vorbereiteten Torschüssen, die ein anderer Spieler dann einlochte. Hinter Zulj sind Jurgen Gjasula (15 Punkte) und Freis (14 Punkte) zu finden.

Ernüchternd ist die Bilanz der „Top-Feldspieler“: Ganz vorne liegen Emil Forsberg (RB Leipzig), Vincenzo Grifo (SC Freiburg), auf Platz acht das Ex-Kleeblatt Niclas Füllkrug. Von einem Profi der Spielvereinigung ist niemand gelistet. Und auch bei den „Besten Torhütern“ gibt es keine Beteiligung des Kleeblatts. Immerhin ist aber Wolfgang Hesl, der seit dieser Spielzeit den Kasten von Arminia Bielefeld hütet, mit der Note 2,91 auf einem guten  sechsten Platz.  In der „Fair-Play-Tabelle“ rangiert die Spielvereinigung mit einer Roten Karte (Gjasula) und 78 Gelben Karten im Mittelfeld. Auf dem vorletzten Platz tummelt sich unser Erzfeind aus der östlichen Vorstadt mit drei  Roten, zwei Gelb-Roten und 75 Gelben Karten.

Jedes Jahr frustrierend aus Fürther Sicht ist die Bilanz der Zuschauer, die sich die Fußballspiele ihres Vereins angesehen haben. Hier führt der 1. FC Nürnberg souverän mit insgesamt 522 055 Zuschauern, das sind im Schnitt 30 709 Besucher/Spiel. Und das Kleeblatt? Das hatte mal gerade ein Drittel an Zuschauern (173 767) , was durchschnittlich 10 222 Besuchern/Spiel entspricht. Ich finde – und da rennen wir offene Türen ein – das Stadion im Ronhof ist zu selten gut besucht, geschweige denn ausverkauft. Naja, wird jetzt der eine oder andere Fan erwidern: bei den Leistungen…

Noch etwas: Ich als in Frankfurt geborene Fußballbloggerin habe bei den beiden Relegationsspielen natürlich der Eintracht Frankfurt die Daumen gedrückt, damit sie erstklassig bleibt. Und so kam es auch. Den Aufstieg des Clubs in die Bundesliga hätte ich einzig und alleine einem guten Freund gegönnt, der begeisterter Clubfan ist. Thomas hatte oft eine Dauerkarte, und wenn er die Hymne „Die Legende lebt“ anstimmte, wurde es sogar mir feucht in den Augen. Er war auch einmal das Thema eines Blogbeitrages. Thomas hätte sich über den Aufstieg des Clubs gestern sehr gefreut. Allerdings hätte er ihn nicht mehr erlebt. Thomas ist am vergangenen Freitag völlig überraschend mit 55 Jahren an einem Herzinfarkt verstorben.

Aus der Traum – aber Frank Kramer bleibt!

Ich kann mich an nur wenige Fußballmatches erinnern, die so spannend, dramatisch und emotional aufgeladen waren wie dieses zweite Relegationsspiel der Spielvereinigung gegen den Hamburger SV gestern Abend im Ronhof. Aber – das Leben ist nicht fair – dem Kleeblatt ist der greifbar nahe Wiederaufstieg nach nur einer Zweitligasaison in die Bundesliga nicht gelungen. Die Partie ging 1:1 unentschieden aus. Denn aufgrund dieser absurden „Das-Auswärtstor-gilt-mehr-Regel“ gab es keine Verlängerung und kein Elf-Meter-Schießen.

Doch bei allem Frust am „Day after“ – eine gute Nachricht kann alle Fans optimistisch in die Kleeblattzukunft blicken lassen: Trainer Frank Kramer gefällt es hier bei der Spielvereinigung, und er wird aller Voraussicht nach bleiben (er hatte ja in den vergangenen Wochen mehrere Angebote von Bundesliga-Vereinen erhalten). Das wurde heute früh in den Nachrichten gemeldet, und ich hoffe, es ist kein Fake.

Über das Spiel möchte ich mich gar nicht mehr im Detail auslassen. Die Hamburger begannen nach dem Donnerstagspiel überraschend kompakt und konzentriert. Und so fiel in der 14. Minute ein für Wolfgang Hesl nur schwer haltbares Kopfballtor durch Pierre-Michel Lasogga. Ein Spieler, der mit seiner Körpersprache und provokativem Verhalten wenige Sympathisanten auf seiner Seite hat. Auch seine demonstrative Schadenfreude in Richtung Fürther Trainerbank nach dem Spiel sprach Bände.
Dieses 1:0 brachte die SpVgg erst mal aus dem Konzept, gegen Ende der ersten Halbzeit hatte sie sich jedoch wieder gefangen. Die zweite Halbzeit zeigte dann ein Fürther Team, das wieder passgenauer spielte und ein wenig zur Form des Relegations-Hinspieles zurückfand. Erleichterung, als Stephan Fürstner der Ausgleichstreffer gelang. Aber das Kleeblatt musste ja (siehe oben) zwei Tor schießen, um den Aufstieg in die Bundesliga zu schaffen. Und die gingen – trotz bester Aktionen von Ilir Azemi, Daniel Brosinski und Niclas Füllkrug – einfach nicht ins Hamburger Tor, das Jaroslav Drobny nach dem Ausfall (Bandscheibenvorfall) von Keeper René Adler erneut überraschend gut verteidigte. So blieb der Endstand 1:1 bitter für die Fans im mit 17.500 Zuschauern ausverkauften Stadion, die ihre Mannschaft von der ersten Minute bis zum Abpfiff angefeuert hatten, was das Zeug hielt. Und auch später in der Fürther Gustavstraße feierten viele Kleeblattanhänger „ihre“ Mannschaft bis in den späten Abend.

Ich finde, trotz des Verbleibens in der Zweiten Liga: Es war eine schöne und spannende Saison. Frank Kramer hat aus einer jungen und neuen Mannschaft ein richtig gutes Team gemacht, dem es sichtbar Spaß macht, Fußball zu spielen. Der aktuellen Enttäuschung beim Verein und den Fürther Fans wird die Vorfreude auf die Saison 2014/15 folgen.

Alle im Relegationsfieber: Henry versus Helmut?

Der ehemalige amerikanische Außenminister Henry Kissinger ist bekanntlich der prominenteste Fan der Spielvereinigung. Er ist gebürtiger Fürther und lässt keine Gelegenheit aus, sich im Ronhof ein Spiel seiner Kleeblätter anzusehen. Kissinger informiert sich auch in den USA regelmäßig über die Ergebnisse der SpVgg und hat zu seinem 90. Geburtstag sogar eine Dauerkarte auf Lebenszeit vom  Verein geschenkt bekommen.
Vor eineinhalb Jahre hat ihm Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz einen HSV-Schal geschenkt, den sich Kissinger mit der Bemerkung um den Hals legte: „Wenn die Fotos öffentlich werden, darf ich mich in Fürth nicht mehr blicken lassen“.

Und in diesen Tagen würde Henry Kissinger das mit Sicherheit gleich gar nicht tun. Denn wenn heute Nachmittag um 17 Uhr die SpVgg im Ronhof gegen den Hamburer SV im zweiten und entscheidenden Relegationsspiel antritt, muss man sich ganz offen zu einem der beiden Vereine bekennen.

Es kommt heute aber nicht zur zum sportlichen Schlagabtausch, sondern auch zum Polit-Duell zweier Freunde: Helmut Schmidt versus Henry Kissinger. Der 95 Jahre alte Ex-Bundeskanzler (1974 bis 1982) und der fünf Jahre jüngere Ex-Außenminister der USA kennen sich bereits seit mehr als einem halben Jahrhundert. Der Hamburger Schmidt gilt zwar nicht als ausgemachter Fan des Hamburger SV. Aber er sagte bereits vor einiger Zeit, dass er einen Abstieg des HSV in die Zweite Liga nur ungern sehen würde.
Also: Ich bin gespannt, welcher der beiden Grandseigneur sich heute Abend freuen darf!

Fürth zeigt Flagge – wo immer es geht!

Morgen ist der große Tag: Punkt 17 Uhr beginnt das zweite Relegationsspiel der Spielvereinigung gegen den Hamburger SV in der Trolli ARENA. Das erste Spiel ist bekanntlich 0:0 unentschieden ausgegangen. Das heißt, morgen ist alles drin. Gewinnen die Fürther, wäre der Wiederaufstieg in die Bundesliga perfekt! Wer es noch nicht mitbekommen hat: Der Fürther Stadtlauf wird aus Sicherheitsgründen um eine Woche auf den 25. Mai 2014 verlegt.

Bewohner der Stadt zeigen seit einigen Tagen ihre Sympathie für den Fürther Fußballverein auf vielerlei Art: Seriöse Geschäftsleute tragen zum dunklen Anzug auf einmal einen weiß-grünen Schal, Autos sind mit kleinen Wimpeln dekoriert, Kinder gehen in Kleeblatttrikots in die Schule.
Aber den Vogel hat meiner Ansicht nach dieser SpVgg-Fan abgeschossen. Direkt vor der Ludwigsbrücke – einer der Haupt-Einfallsstraßen in und aus Fürth – wird ein Haus renoviert und neu gedeckt. Und der riesige Kran, der direkt neben der Straße steht und mit dem viele der Bauarbeiten durchgeführt werden, ist mit einer wunderbaren großen Kleeblattfahne versehen. Ich habe die weithin sichtbare Beflaggung gesehen, als ich mit meinem Auto vorbeigefahren bin und dachte mir: Das ist doch wieder etwas für unseren Greuther-Weiber-Blog. Da hat sich wohl jemand ganz viel Mühe gegeben. Das muss wahre Liebe sein!

Nur ein Tor – dann ist das Kleeblatt wieder erstklassig

Das war ein wirklich spannender Fußballabend, nach dem die Wiederaufstiegs-Perspektiven für die Spielvereinigung hervorragend sind. Vor einer gar nicht so coolen hanseatischen Kulisse von fast 57.000 Fans haben die Kleeblätter souverän und mutig gespielt. Der Hamburger SV konnte dem Zweitligisten nur in einer kurzen Phase zu Beginn der zweiten Halbzeit etwas entgegensetzen. Und so endete das erste Relegationspiel mit einem 0:0.

Wer – wie ich – nicht nach Hamburg fahren konnte, der hat sich das gestrige Spiel entweder gemütlich zu Hause oder mit Kleeblattfans in einer Fußballkneipe in Fürth angesehen. Bei mir floss das dunkle Bier in Strömen, und der Verschleiß an Barbecue- und Salzchips war immens. Egal, wo man war – die Partie machte großen Spaß und zeigte deutlich, was die Kleeblätter sportlich drauf haben. Schon von Beginn an war offensichtlich, dass sie überhaupt keine Angst vor dem angeschlagenen Bundesliga-Dino haben. Die Fürther Spieler (wie bei Auswärtsspielen leider immer in orange und nicht weiß-grün) liefen, was das Zeug hielt, waren überlegt und schnell, sie engagierten sich mit ganzem Körpereinsatz und zogen sich dann prompt auch Blessuren zu: Nikola Djurdjic kam nach einem Zusammenstoß mit Michael Mancienne in der 30. Minute und einer Kopfplatzwunde mit einem Turban zurück auf den Platz – was jedoch qualitativ seinem Spiel keinen Abbruch tat. Und Ilir Azemi hinkte mal mit dem rechten, mal dem linken, dann mit beiden Beinen. Grund dafür war seine tolle Einsatzbereitschaft. Er rannte, kickte, versuchte unermüdlich den Ball ins Tor von Ersatztormann Jaroslav Drobny zu bekommen (der für den verletzten René Adler eingesprungen war). Aber das Glück war gestern nicht auf Azemis Seite. Er rutschte mehr als ein Mal am Ball vorbei oder lag nach akrobatischen Einlagen neben dem Tor. So kam das Kleeblatt nicht zum erfolgreichen Abschluss.

Der einzige Treffer des Abends war Gott sei Dank ein Abseitstor. Pierre Lasogga nickte einen Freistoß von Rafael van-der-Vaart ins Fürther Tor, keine Chance für Keeper Wolfgang Hesl. Aber der Schiedsrichter hatte schon abgepfiffen.
Nach dem Spiel gab sogar der HSV-Trainer Mirko Slomka im TV-Interview zu, dass die SpVgg ein Superspiel gemacht hatte. Und auch HSV-Ex-Torhüter Uli Stein brachte mit klaren Worten die Situation auf den Punkt: Der Hamburger SV muss in seiner aktuellen Verfassung um den Klassenerhalt kämpfen.

Die Kleeblatt-Mannschaft bot als „Gesamtkunstwerk“ auf jeden Fall eine gute Leistung. Der „Fränkische Außenseiter“ wäre nach der gestrigen Leistung ein würdiger Bundesligist. Wenn die Mannschaft es schafft, sich bis Sonntag, 17 Uhr, zu relaxen, neue Kräfte zu mobilisieren und den Kopf frei zu bekommen, dann ist im Fürther Ronhof alles drin. Vor heimischer Fankulisse, die mit ihrer lautstarken Leidenschaft schon so manchem Gegner den Schneid abkaufen konnten, würde dem Kleeblatt mit einem Sieg der Aufstieg gelingen. Und dann ist in Fürth der Bär los, wetten?

Dieses Mal behält Uwe Seeler nicht Recht!

In zwei Jahren wird er 80 Jahre alt – Uwe Seeler, das „Urgestein“ des deutschen Fußballs. Seit 1946 spielte er in der Jugendabteilung des HSV, des größten Sportvereins der Hansestadt. Er war einer der wichtigsten und prominentesten Spieler der Deutschen Nationalmannschaft, lange Jahre ihr Kapitän, für die er von 1956 bis 1970 auflief. Seeler nahm an den Weltmeisterschaften 1958, 1962, 1966 und 1970 teil und wurde dort bei insgesamt 21 Länderspielen eingesetzt. Von 1995 bis 1998 war er dann Präsident des HSV. Uwe Seeler wird in der Öffentlichkeit meist als bodenständiger, aufrichtiger, geradliniger und unkomplizierter Mensch gesehen. Zu diesem Image hat vor allem auch seine sportliche Fairness beigetragen – er erhielt in seiner langjährigen Laufbahn nur einen einzigen Feldverweis (das heißt seit 1970 „Rote Karte“).

„Uns Uwe“ – wie er liebevoll genannt wird – nimmt wie viele Hamburger natürlich großen Anteil an den beiden Relegationsspielen „seines“ Hamburger SV gegen die Spielvereinigung. In einem Interview im Sportmagazin „Kicker“ äußerte er sich bedauernd, aber durchaus kritisch über die schlechte Leistung des HSV in dieser Saison, über den monatelangen Abstiegskampf. Trotzdem ist er optimistisch: „Ich gehe davon aus, dass der HSV gegen Greuther Fürth die Oberhand hat und der Bundesliga erhalten bleibt.“ Wichtige Voraussetzung – so das Hamburger Urgestein – beim HSV-Team sei folgende: „Da ist Kampf angesagt, Laufbereitschaft, Zweikampfverhalten und Beißen bis zum Schluss“.

Na ja, lieber Uwe Seeler: Ich schätze Sie und ihre sportliche Leistung außerordentlich. Aber ob der mental und spielerisch angeschlagene HSV, bei dem vereinspolitisch viele Fehler gemacht wurden, heute Abend und am Sonntag das Fürther Kleeblatt besiegen wird, da habe ich doch meine Zweifel. Denn unsere Jungs sind hochmotiviert und heiß auf den Wiederaufstieg. Und dann – so leid es mir für Sie, Herr Seeler, tut – muss der Hamburger SV zum ersten Mal seit Einführung der Bundesliga 1963 in die Zweite Liga absteigen.

Hamburg, meine Perle – Zieh‘ Dich warm an!

Der direkte Wiederaufstieg in die Bundesliga wäre natürlich schön gewesen, die bevorstehenden Relegationsspiele machen das Ganze aus Fansicht aber viel spannender. Mit dem Hamburger SV steht der Spielvereinigung ein schwerer Brocken bevor, ein traditionsreicher Verein gegenüber, der in der Saison 2013/14 allerdings unter seinen Möglichkeiten spielte und glücklich ist, überhaupt noch den Relegationsplatz geschafft zu haben.

So war dann auch die Stimmung gestern nach dem gewonnen Heimspiel gegen den SV Sandhausen in der Gustavstraße relaxt und entspannt. Der dekorative Brauereiwagen des berühmten Fürther Bieres stand dekorativ am Straßenrand. Viele Fans tranken im Gespräch einen Schluck auf das 2:0 und den erreichten Relegationsplatz. Einig waren sich alle: In den Relegationsspielen werden die Kleeblätter mit Leidenschaft und Herzblut agieren und zeigen, dass der Wiederaufsteig verdient wäre. Die beiden Kontrahenten Hamburger SV und Spielvereinigung sind in vielen Bereichen komplett unterschiedlich, es erinnert ein wenig an einen Kampf zwischen David und Goliath. Nehmen wir mal die Zuschauerkulisse: Das erste Duell beginnt am Donnerstag, 15. Mai, um 20.30 Uhr in der mit 57.000 Fans ausverkauften Imtech-Arena des HSV. Das Rückspiel steigt dann am Sonntag, 18. Mai, ab 17 Uhr vor gut 18.000 Fans im Sportpark Ronhof. Bei den Spielergehältern wird die Zwei-Klassen-Gesellschaft zwischen dem Kleeblatt und dem HSV deutlich: Etwa 1,8 Millionen Euro Jahresgehalt kassiert ein HSV-Profi im Schnitt. Die Fürther kommen gerade mal auf 200 000 Euro. Der Personal-Etat der mit 100 Millionen Verbindlichkeiten belasteten Hamburger liegt bei 43 Millionen Euro. Die schuldenfreien Kleeblätter stemmen das mit einem 7,2-Mio-Mini-Etat.
Aber sportlich legen die Fürther vieles auf ihre Seite der Waagschale: Die SpVgg tritt mit dem besten Zweitliga-Sturm (64 Tore) gegen die Bundesliga-Schießbude (75 Gegentore) an. Und auch konditionell muss sich das Kleeblatt nicht verstecken. Mit 4.118 Kilometern (121,1 km pro Spiel) übertreffen die Franken die HSV-Profis (3.805 km, 115,3 km/Spiel) in Sachen Laufbereitschaft klar. Mit Ilir Azemi verfügt das Kleeblatt über einen Torschützen, der sich in den letzten Begegnungen kontinuierlich steigerte. Und Keeper Wolfgang Hesl ist eine sichere Bank, wenn es darum geht, das eigene Tor sauber zu halten. Im direkten Vergleich hat der HSV die erste Bundesligabegegnung übrigens mit 1:0 gewonnen, das Rückspiel ging dann unentschieden 1:1 aus. Und beim DFB-Pokal im September 2013 erzielten die Hamburger auch nur ein Tor, das war dann auch der Endstand.

Insgesamt könnte das Kleeblatt ohne Druck und mit aufmerksamen Aktionen die angeschlagenen Hamburger in ihre Schranken wiesen. Ein klarer Vorteil ist es aus meiner Sicht, dass das erste Spiel im Hamburg stattfindet. Denn wie immer die erste Partie auch ausgehen mag: Beim Rückspiel am Sonntag vor heimschem Publikum kann die Spielvereinigung dann alles möglich machen. Der Aufstieg nach nur einer Zweitliga-Saison ist für das Kleeblatt auf jeden Fall zu schaffen! Und nach der gewonnen Relegation muss dann Lotto King Karl den Liedtext seiner Fußballhymne umschreiben:“Wenn Ihr aus Fürth kommt, dann haben wir keine Chance. Wenn wir im Ronhof sind, dann Bundesliga tschüss.“

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Geht Frank Kramer nach Frankfurt?

Die Gerüchteküche brodelt auf Hochtouren. Angeblich ist der Bundesligaverein Eintracht Frankfurt stark daran interessiert, den Fürther Coach Frank Kramer als Nachfolger für Armin Veh zu verpflichten. Das war heute morgen in der „NZ“ zu lesen, und seitdem sind viele Kleeblattfans in heller Aufregung. Dass sich Kramer im Moment erst mal voll auf das letzte Saisonspiel am Sonntag, 11. Mai, gegen den SV Sandhausen fokussiert, ist logisch. Denn da wird es sich entscheiden, ob die Spielvereinigung noch den sicheren Aufstiegsplatz schafft oder in die Relegation muss. Die beiden Relegationsspiele finden am 15. und 18. Mai statt – das erste bei der drittletzten Bundesligamannschaft (z. B. dem Hamburger SV), das Rückspiel dann in der Trolli Arena.

Sollte der SpVgg nicht der Wiederaufstieg in die Bundesliga gelingen, wäre der Weggang von Frank Kramer nachvollziehbar. Aber für das Kleeblatt wäre das ein mehr als schmerzlicher Verlust. Denn Kramer war es, der die junge, unerfahrene Mannschaft nach dem Weggang von Mike Büskens im Februar 2013 und dem Abstieg nach nur einer Bundesligasaison, zu dem gemacht hat, was sie jetzt ist: Ein Team mit zunehmend sportlicher Reife, einer hervorragenden Moral und mit Perspektive. Sollte dieser Verein Kramer verlieren, dann müsste man sich wieder auf Trainersuche machen. Und wie schwer das ist, sieht man ja am 1. FC Nürnberg. Sicher, die beiden Vereine sind nicht zu vergleichen, und auch die Einstellung der Fans zum Trainer ist in Fürth eine ganz andere als in Nürnberg.

Also: Hoffen wir auf einen erfolgreichen Sonntag und den direkten Wiederaufstieg des Kleeblatts in die Erste Liga. Und darauf, dass der Fürther Trainer auch in der Saison 2014/15 Frank Kramer heißt.

6:0-Kantersieg: Kleeblatt mit neuem Selbstbewusstsein

Das Spiel heute beim Tabellenletzten Energie Cottbus hat die Kleeblattfans für die unglückliche Heimniederlage gegen 1860 München mehr als entschädigt. Mit 6:0 gewann die Spielvereinigung und hat sich damit eine gewaltige Portion Selbstbewusstsein für das wahrscheinliche Relegationsspiel erkämpft. Denn der heutige Wermutstropfen war der Sieg des Tabellenzweiten SC Paderborn. So blieb Fürth mit 57 Punkten weiter zwei Zähler hinter den Paderbornern.

Ich habe mir – wie die meisten eingefleischten Kleeblattfans – die weite Fahrt nach Cottbus erspart, und das Spiel in einer gut gefüllten Sportsbar angesehen. Die Gesellschaft am Tisch war angenehm, fachmännische Kommentare flogen nur so hin und her. Die Partie begann eher etwas verhalten (höflich formuliert) und ohne Druck und Raffinesse beim Fürther Team. Bis zum 1:0 durch Stephan Fürstner dauerte es dann auch 32 Minuten. Erleichterung! Der nächste Treffer war dann ein echtes Traumtor von Ilir Azemi: Djurdjic flankte beherzt vor das Cottbuser Tor, Uwe Möhrle versuchte zu klären. Aber Azemi reagierte blitzschnell und bugsierte das Leder mit der Hacke (!) ins Tor (44.). Ein supereleganter Treffer, von dem man in Fürth sicher noch länger schwärmen wird.
In der zweiten Halbzeit machten die Kleeblätter auf dem Platz dann, was sie wollten. Die Tore fielen beinahe im Minutentakt. Nikola Djurdjic, der heute aufmerksam mögliche Chancen erkannte und souverän reagierte, schob den Ball nach einem Konter und einer flachen Hereingabe von Brosinski zum 3:0 ins Tor (69.). Fünf Minuten später traf Goran Sukalo nach einer Ecke (74. Minute). Und Azemi köpfte dann nach einer Flanke von Gießelmann (84.) problemlos zum 5:0 in den Cottbuser Kasten (Foto). Doch damit nicht genug. Für seine heutige gute Leistung wurde Djurdjic eine Minute später belohnt: Er traf zum 6:0-Endstand. Katzenjammer bei den schon abgestiegenen Cottbussern.

Ein tolles Ergebnis. In der zweiten Halbzeit gelang unserer Mannschaft heute einmal all das, was sie sich vorgenommen hatte. Sie wird durch diesen hohen Sieg einen gewaltigen Schub für das letzte Saisonspiel am kommenden Sonntag, 11. Mai, gegen den SV Sandhausen bekommen. Der Relegationsplatz ist der Spielvereinigung (sollte das Kleeblatt nächste Woche verlieren und der Verfolger – der 1. FC Kaiserlautern – gewinnen) aufgrund des besseren Torverhältnisses nicht mehr zu nehmen. Und wenn das Kleeblatt zu Hause gegen Sandhausen einen Sieg einfahren sollte, und Paderborn verliert oder unentschieden spielt, dann würde die SpVgg wieder auf dem Aufstiegsplatz liegen. Und den hätte sie sich nach der heutigen Leistung auch mehr als verdient!