Lilien auf dem Weg zum Fürther Ronhof

Vor wenigen Minuten sind die Fans von Darmstadt 98 durch die Königstraße in Richtung Fürther Ronhof marschiert. Eine nicht allzu große Gruppe – das nasskalte Winterwetter ist nicht gerade einladend für die Zuschauer, heute um 13.30 Uhr das Stadion zu füllen.
Das Pflichtspieljahr 2017 erreicht an diesem Wochenende seine Ziellinie. Die Begegnung mit der Spielvereinigung ist für die Lilien etwas Besonderes: Sie bildet nicht nur den Rückrundenauftakt der laufenden Saison. Nein, es ist gleichzeitig auch das erste Pflichtspiel von Cheftrainer Dirk Schuster seit seiner Rückkehr auf den Trainerstuhl des SV 98. Bekanntlich wurde Torsten Frings nach einer Serie von elf sieglosen Spielen am 8. Dezember 2017 als Coach freigestellt. Mit „riesiger Vorfreude“ blickt der 49-Jährige Schuster – so die Vereins-Website – diesem Startschuss entgegen, wohl wissend, dass die 90 Minuten am Sonntag nur die ersten Meter eines „langen und steinigen Weges“ darstellen.

Darmstadt 98 liegt aktuell (nach seinem Bundesligabstieg Ende der letzten Saison) mit 18 Punkten auf dem 16. Rang der Zweiten Liga. Das Kleeblatt ist den Lilien mit nur einem Punkt Abstand dicht auf den Fersen. Wenn die SpVgg heute gewinnt und drei Punkte holt, dann kann sie die Winterpause immerhin auf dem Relegationsplatz verbringen. Das wäre mal ein kleines Trostpflaster – für Spieler, den Verein und vor allem die Fans. Denn die Punkte-Abstände zu den anderen Plätzen sind nicht allzu groß und keinesfalls unüberwindbar. Ein Freund meinte gestern, dass das Kleeblatt heute mit 4:0 gegen Darmstadt 98 siegen wird. Lieber Pit, Dein Wort in Gottes Ohr!

Profitiert das Kleeblatt von Aalens Punkteabzug?

Sollte die Spielvereinigung davon profitieren, dass durch einen formalen Akt einem Konkurrenten in Sachen Abstieg zwei Punkte abgezogen werden? VfR Aalen - SpVgg Greuther Fürth– Die Fakten dazu: Wegen wiederholten Verstoßes gegen eine Lizenzierungsauflage im Bereich der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit sollen dem aktuellen 16. in der Zweiten Liga – dem VfR Aalen – möglicherweise zwei Punkte abgezogen werden. Die Sanktionen hat die Deutsche Fußball Liga (DFL) entschieden. Wie die DFL mitteilte, habe der VfR Aalen „in zwei aufeinander folgenden Kalenderjahren sein negatives Eigenkapital verschlechtert“.
Allerdings wird der abstiegsbedrohte Fußball-Zweitligist gegen diese Entscheidung voraussichtlich Rechtsmittel einlegen. Der Verein hat die Möglichkeit, gegen die Entscheidung innerhalb von fünf Tagen Beschwerde bei der DFL einzulegen. Darüber wird in den Vereinsgremien abgestimmt. „Wir sind davon überzeugt, auch trotz dieses Punktabzuges den Klassenerhalt in der Zweiten Bundesliga zu realisieren“, so das geschäftsführende Präsidiumsmitglied Carl Ferdinand Meidert. Trainer Stephan Ruthenbeck hat bei der schlechten Nachricht vermutlich ähnlich sauer reagiert wie auf unserem Foto, das bei der letzten direkten Begegnung zwischen dem Kleeblatt und Aalen Anfang März entstand. Das Spiel ging unentschieden 1:1 aus.

Nach dem Abzug der zwei Punkte wären die Aalener, die letztes Wochenende 1:1 gegen den TSV 1860 München spielten, nun mit mickrigen 22 Zählern punktgleich mit dem Tabellenletzten FC St. Pauli und dem Vorletzten FC Erzgebirge Aue. Nur die bessere Tordifferenz hielte Aalen auf Platz 16. Der Abstand auf Platz 15, den derzeit die Münchner „Löwen“ innehaben, würde dann vier Punkte betragen.

Die SpVgg hat als 14. der Zweitliga-Tabelle mit 29 Zählern derzeit sieben Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz. Wenn sich am Ende der Saison 2014/15 die Münchner und die Fürther in der Zweiten Liga halten sollten und der VfR Aalen nur aufgrund des Punkteabzugs absteigen oder in die Relegation müsste, dann hätte das einen  ausgesprochen schalen Beigeschmack.

Wird der FC Augsburg am Kleeblatt scheitern?

Was hätten wir uns alle vor einigen Monaten auf ein Spiel zwischen der Spielvereinigung und dem FC Augsburg gefreut – Bayern-Derby (dieser Begriff ist für meinen Geschmack inflationär, da es ja vier bayerische Mannschaften in der Bundesliga gibt). Morgen Nachmittag um 15.30 Uhr treten in der SGL arena die beiden Kellerkinder gegeneinander an. Aber in der Brust vieler Kleeblatt-Spieler und -fans schlagen zwei Herzen. Zum einen wäre im letzten Saisonspiel in der Ersten Liga ein Sieg der SpVgg ein versöhnlicher Abschluss. Andererseits:  Für den FCA geht’s ums Ganze. Denn bei einem Sieg hätten die Augsburger zumindest den Relegationsplatz sicher. Eine Niederlage, und der direkte Abstieg droht. Und diese Niederlage ist nicht unmöglich, immerhin belegt die abgestiegene SpVgg Platz elf in der Auswärtstabelle. Das Hinspiel im Dezember ging 1:1 aus.
Die Spekulationen und Ergebnis-Szenarien laufen auf Hochtouren. Borussia Dortmund spielt zeitgleich gegen den Tabellenvorletzten, 1899 Hoffenheim. Und BVB-Coach Jürgen Klopp hat schon verlauten lassen, dass sein Team alles auf Sieg setzt, um (unter anderem) dem FC Augsburg den Klassenerhalt zu ermöglichen. Und ein großer bayerischer Radiosender mutmaßt, dass die Spielvereinigung im bayerischen Derby alle Fünfe gerade sein lässt und dem FCA die wichtigen Punkte schenken wird. Spannend wird es auch für Fortuna Düsseldorf, die punktgleich mit dem FCA auf Platz 15 liegt und damit auch ums Überleben kämpft. Verlieren Düsseldorf und Augsburg, dann könnte Hoffenheim bei einem Sieg sogar noch den heiß ersehnten Klassenerhalt schaffen.
Es ist eigentlich egal, ob das Kleeblatt morgen gewinnt oder nicht: Abgestiegen ist Fürth ohnehin. Aber so ein Sieg am Schluss der Bundesligasaison, das hätte was! Auf jeden Fall wird es ein spannender Nachmittag, und um 17.20 Uhr wissen wir alle mehr!

Heute: Max Grün für Hesl im Tor

Kurz vor einer der wichtigsten Begegnungen der Spielvereinigung muss das Team mit einer Hiobsbotschaft klarkommen: Der Einsatz von Wolfgang Hesl im heutigen Heimspiel gegen 1899 Hoffenheim ist mehr als fraglich. Der in den letzten Spielen so erfolgreiche Torwart musste gestern das Training nach einem Zusammenstoß mit Johannes Geis und einer möglichen Verletzung der Schulter abbrechen. Ob er heute Nachmittag im Kleeblatt-Tor steht, entscheidet sich erst kurzfristig. In der aktuellen Aufstellung ist allerdings schon Max Grün als Keeper aufgeführt.
Das heutige Heimspiel wird mit Sicherheit als eines der Schicksalsspiele in die Geschichte der Spielvereinigung eingehen. Nach 24 Erstliga-Begegnungen weist das Kleeblatt eine sehr negative Bilanz auf:  Zwei Siegen – gegen Mainz o5 und Schalke 04 – stehen acht Unentschieden und 14 Niederlagen gegenüber. Zwar hat der FC Augsburg, der auf dem heiß ersehnten Relegationsplatz liegt, gestern (aus Fürther Sicht: glücklicherweise) gegen den Club verloren. Aber heute müssen die Kleebätter es aus eigener Kraft schaffen. Besiegen sie im Ronhof 1899 Hoffenheim, würden sie mit 17 Punkten und somit einem Punkt Vorsprung immerhin mal auf dem vorletzten Tabellenplatz rangieren.
Also: Der erste Heimsieg ist unbedingt notwendig, denn in den verbleibenden neun Partien kommen noch einige schwere Brocken auf die Mannschaft zu.