So gewinnt man neue Kleeblatt-Fans

Immer mehr Leute zieht es – und ziehen – nach Fürth. Auch eine gute Freundin von mir, die eigentlich Erlangerin mit Haut und Haaren ist. Sie ist da geboren, zur Schule gegangen, hat dort mit ihrer Familie gewohnt und arbeitet auch in der Universitätsstadt. Aber sie hat sich jetzt dafür entschieden, ein weiß-grünes Gewächs zu werden – und ich denke, sie wird es garantiert nicht bereuen.
Beim unserem letzten Treffen hat sie mir erzählt, dass sie gerne mal mit mir zu einem Kleeblatt-Fußballspiel in den Sportpark Ronhof gehen möchte. Ich war überrascht, denn eigentlich ist Fußball nicht gerade ihre Sportart. Der Grund für den Wesenswandel: Sie hat als Neubürgerin bei der offiziellen Anmeldung im Bürgeramt ein Willkommensgeschenk von der Spielvereinigung erhalten. Unter dem Slogan „Erst wird man Fürther. Dann wird man Fan“ begrüßt der Verein nämlich seit dem vergangenen Jahr alle Zugezogenen mit einem Willkommensbrief des Vereinspräsidenten Helmut Hack und einem Gutschein mit zwei Tickets für ein Heimspiel der SpVgg. Die Schnupperkarte fürs Kleeblatt gilt für alle Heimspiele in der Zweiten Liga im Jahr des Zuzugs, man erhält gratis zwei Stehplatzkarten im Block „Lohner“ oder zwei Sitzplatzkarten im Block 7.

Fürths OB Thomas Jung hat diese weiß-grüne Begrüßungs-Aktion bei der Einführung positiv kommentiert: „Ich finde das eine pfiffige Idee, auch die Menschen, die neu nach Fürth ziehen, mit diesem Geschenk zum Kleeblatt zu holen.“ Der Hintergedanke, dass sich neue Fürther nicht nur mit der Stadt, sondern auch mit dem Kleeblatt identifizieren sollen, ist meiner Ansicht nach eine Supergeste. Natürlich werde ich das Angebot meiner Freundin annehmen, mit ihr zu einem Heimspiel noch in dieser Saison zu gehen. Sie wird sich freuen, dabei meine Kommentare als Greuther-Weib mal live mitzuerleben. Aber das war die Einschränkung meiner Freundin: „Das wird bestimmt ganz lustig – allerdings nur, wenn sie gewinnen“.

Nach dem Kärwa-Marsch das bittere Erwachen

Das Heimspiel am Kärwa-Wochenende ist für Fürther Fans immer was ganz Besonderes. Man ist gut drauf und will abends gerne feiern. Eingeläutet wurde die heutige Partie endlich mal wieder mit einem Kärwa-Marsch, der viele Kleeblattfans durch die Kirchweih zum Stadion führte. Treffpunkt war um 11 Uhr am Bahnhofsplatz, mit Getrommel und „Kleeblatt“-Rufen wälzte sich die weiß-grüne Meute an der Freiheit vorbei, weiter durch die Königstraße. Hier habe ich dann – aus einem optimalen Blickwinkel – das spannende Zusammentreffen zwschen den Kleeblattanhängern mit ein paar HSV-Fans gefilmt (unser youtube-Video anklicken). Die hatten versucht, lautstark für die ihre Hamburger Elf Stimmung zu machen, als aber der Kleeblatt-Pulk geballt auf sie zukam, wurden sie doch kleinlaut. Die Kleeblattfans blieben – wie meistens – friedlich und fair und marschierten weiter in Richtung Ronhof.
Anpfiff dann um 15.30 Uhr. Die Stimmung war topp, Asamoah von Beginn an auf dem Platz, die SpVgg couragiert. Aber schon in der 17. Minute klingelte es im Tor von Max Grün und die Spielvereinigung biss sich ab diesem Moment am Hamburger SV die Zähne aus. Zugegeben, der Traditionsverein aus der Hansestadt hat natürlich auch Granaten im Team: René Adler (der auf dem Weg zurück ins Tor der Nationalmannschaft ist), van der Vaart (der heute nicht richtig in Fahrt kam) und den Torschützen, den Südkoreaner Heung-Min Son. Trotzdem: Fehlendes Engagement konnte man dem Kleeblatt wirklich nicht vorwerfen. Aber spielerisch gibt es nach wie vor deutliche Mängel. Die SpVgg hat heute ihr viertes Heimspiel in Folge verloren, zu Hause noch immer kein Tor geschossen.
Seitdem der FC Augsburg gestern Werder Bremen souverän mit 3:1 besiegt hat, liegt die Spielvereinigung auf dem letzten Platz der ersten Liga. Frust für Fürth während der Kärwa. Beim Kärwa-Umzug wird das Team der Spielvereinigung übrigens dabei sein. Allerdings nicht zu Fuß – wie im letzten Jahr -, sondern mit dem Doppeldeckerbus. Man will die Kräfte der Spieler schonen, deshalb werden sie aus „Regenerationsgründen“ gefahren. Naja, die Stimmung im Team wird ohnehin eher melancholisch-gedrückt sein.
Aber wenn das Kleeblatt beim nächsten Spiel am 19. Oktober gegen Hoffenheim frisch und aktiv ist und endlich mal einen Sieg einfährt, dann soll es uns recht sein.