Kohlenhof, die letzte

wonflyerNur Assis drin, alles Schlampen, Schlägereien – wer ins „Won“ geht, und ein halbwegs ziviles Umfeld hat, darf nicht so einfach zugeben, dass er in dem Schuppen war. Eine Kollegin hat mir deshalb neulich auch nur unter der Hand erzählt, dass sie zu einem Junggesellinenabschied dort war. „Psssst, verrat es ja nicht weiter“, hat sie gesagt. Mach ich auch nicht. Stattdessen bin ich selber hin. Zur Abschiedsparty. Hier eine Momentaufnahme.

Dresscode: Besonders wählerisch sind die Türsteher nicht, was das Outfit der Gäste betrifft. Die ziehen deshalb einfach an, was ihnen Spaß macht. Besonders großen Spaß haben die Mädels offensichtlich an Modeschmuck. Großem Modeschmuck, der schon auf zwanzig Meter Entfernung „Modeschmuck“ schreit. Kombiniert wird das Bling-Bling am besten mit kurzen Röcken, Sneakers, High-Heels… Klamottentechnisch ist alles dabei – nur in der Summe ist es eben oft zu viel (wobei „zu viel“ nicht unbedingt gleichbedeutend mit zu viel Stoff ist). Ebensolche Geschmackskriterien scheinen im „Won“ auch für die Männer zu gelten – wenngleich sie nicht ganz so sehr übertreiben wie die Mädels.

Flirten: Passiert. Aber bei weitem nicht so stillos, wie man es den Männern in dem Schuppen immer vorwirft. Das soll nicht heißen, dass es okay ist, wenn Hände auf der Tanzfläche ohne Genehmigung den eigenen Tanzbereich verlassen. Aber Ausfälle gibt es in anderen Läden auch, wenn nicht sogar schlimmer. Wehren kann man sich immer, auch wenn es im „Won“ bedeutet, dass man ein paar Mal mehr äußern muss, dass man darauf jetzt keinen Bock hat – irgendwann ziehen die Typen schon ab.

Schlägereien: Keine gesehen. Zumindest am Samstag. Die Grundstimmung war jedoch schon am Parkplatz aufgeheizt. Zwei Beispiele: Typ sagt zu Kumpels (nachdem er offenbar Beleidigungen eines Dritten aufgeschnappt hat): „Ey, dem hau ich gleich aufs Maul“ – Kumpel: „aber der hat doch gar nicht Dich gemeint“ – Typ: „aber der hat mich angeschaut“…. Mädchen rempelt versehentlich anderes Mädchen an: „Ey bist Du behindert oder was?!“

Niveau: Geschmackssache……

Fortsetzung folgt….

 

Augen auf beim Fehlkauf

shoppingDas mit Schuhen und Klamotten ist so eine Sache. Wenn ich nämlich in einen Laden komm, dann schreit das Zeug ganz laut „kauf mich“. Artig wie ich bin, mach ich das dann meistens auch. Vor allem dann, wenn auf dem Preisschild schon irgendwas durchgestrichen ist… Das Ergebnis besetzt mindestens einen Meter Kleiderstange. Kleider, die eigentlich nur noch an irgendeiner kleinen Stelle umgenäht werden müssen, befinden sich dort in bester Gesellschaft mit Jeans, die vielleicht doch irgendwann passen könnten. Aufgelockert wird das Sammelsurium der Fehlkäufe durch Pullis, die eigentlich ganz schön wären – würden sie nur nicht so furchtbar kratzen.

Schämen muss ich mich dafür nicht. Ich befinde mich nämlich in bester Gesellschaft. 56 Prozent der Frauen kaufen Schrott, den sie nie tragen. Das hat ein Meinungsforschungsinstitut im Auftrag der Flohmarkt-App „Shpock“ für deren großen „Schrankreport“ herausgefunden. Und wenn wir den Schrott online bestellt haben, dann konnten wir ihn auch lange Zeit ungetragen einfach so im Schrank bunkern. Umtauschen ging schließlich immer noch. Aber damit ist jetzt Schluss.

Denn Fernabsatzverträge, die vor dem 13. Juni vergangenen Jahres abgeschlossen wurden, können bei fehlender oder fehlerhafter Widerrufsbelehrung nur noch bis Freitag rückgängig gemacht werden. Der Hintergrund: Bei vielen alten Verträgen hat wegen fehlender oder falscher Belehrung zum Widerruf nie eine Frist zu laufen begonnen. Ein Rücktritt war daher theoretisch auch noch nach vielen Jahren möglich. Nach einer Gesetzesänderung ist ein Widerruf aber nun nicht mehr unbefristet möglich.

Das heißt in der Praxis: umtauschen! Jetzt! Und Platz schaffen für neue Fehlkäufe. Schließlich muss man die Kohle, die bei der Umtauscherei herausspringt, gleich wieder neu investieren. Am besten in ein Lieblingsteil. Also eines, das man richtig anprobiert, dass sich super anfühlt und wirklich einmal getragen wird.

Das Won ist tot – es lebe das Won

forum„Ihr glaubt doch net den Sch* der wo von den Schmierfinken in das Zeitungs steht“, „alles nicht wahr, die lügen doch eh“, „Ihr Zeitungsf*“….. Jaja, sie waren schon sehr nett, die Kommentare, die wir („voll die Lügenpresse, ey“) immer lesen mussten, wenn wir über die Disco „Won“ am Kohlenhof geschrieben haben. Ähnlich nett eben, wie der Tonfall des Betreibers, wenn er von Journalisten zu den Vorgängen, Plänen etc. gefragt wurde. Liebe „Hater“ (nennt man doch so): wir wissen schon, was wir da schreiben. Denn siehe da. Das „Won“ gibt jetzt wirklich eine Abschiedsparty. Ganz offiziell sogar. Auf dem Flyer, auf dem die Abrissparty angekündigt wird, sind Umzugskisten gedruckt. Warum? Weil das „Won“ an der Regensburger Straße Asyl findet. Dort dürfte schon bald alles startklar sein. Die Schildchen zumindest hängen schon an der Fassade. Den Betreibern sind die Räumlichkeiten bestens bekannt. Vor einigen Jahren führten sie dort schließlich das „Stargate“. Später zog das „Rasha“ in das Objekt. Älteren Semestern wie mir ist das Ganze auch noch unter dem Namen „Forum“ bekannt.

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Damit man dann Ende diesen Jahres, wenn wieder ein Umzug ansteht, auch einen Vergleich hat, ob der Laden nun besser an den Kohlenhof, die Regensburger Straße oder den Klingenhof passt, kann man sich zumindest die erste Location am Samstag in einer Woche noch einmal ansehen. Den Betreibern zumindest hat es dort sehr gefallen. Deshalb weigerten sie sich auch, das Objekt nach Auslaufen des Pachtvertrages zu verlassen. Auch die Tatsache, dass in Sachen Brandschutz nicht alles supi war, wurde ignoriert. Was die netten „Won“-Menschen freuen dürfte: Das ganze Hickhack um den Schuppen dürfte zum Abschied die Kasse noch einmal richtig klingeln lassen.

Her mit den neuen alten Klamotten!

FOTO: Julia Vogl,  MOTIV: Kleiderschrank, gesp. 12/2013Es ist gar nicht lange her, da habe ich hier über Modebulimie geschrieben. Und darüber, dass Frauen, die daran leiden, oft nach Frankfurt fahren. Dort shoppen sie tütenweise billige Klamotten bei Primark – die dann meist nicht besonders oft angezogen werden, bevor sie in der Tonne landen. Dass die Klamotten oft nicht gerade unter den besten Bedingungen hergestellt werden, dass dürfte jedem Kunden spätestens beim Blick auf die Preisschildchen deutlich werden (was aber nicht heißt, das schweineteuere Klamotten im Umkehrschluss immer fair hergestellt werden). Aber im Kaufrausch ist das vielen egal – solange die kleinen Kinderhände schicke Sachen nähen…..

Wie aber kommt man nun an neue Klamotten, ohne dafür gleich eine Menge Geld ausgeben zu müssen? Wie wäre es etwa mit einer Kleidertausch-Party? Die muss man nicht einmal extra veranstalten. Am Samstag etwa kann man einfach hingehen. Dann findet nämlich beim Quellkollektiv auf dem Quelle-Gelände eine solche Party statt. Wass man machen muss? Einfach bis zu zehn (saubere) Kleidungsstücke mitbringen, die im heimischen Kleiderschrank sowieso nur rumhängen. Die kann man dann gegen Klamotten von anderen Leuten eintauschen, die mit ihren Shirts, Hosen und Röcken auch nicht glücklich geworden sind. Und damit die Klamotten nicht einfach seelenlos ihre Besitzer werden, bekommen sie alle ein kleines Schildchen umgehängt. Darauf kann man dann zum Beispiel schreiben, was man mit einem Kleid schon so alles erlebt hat. Wenn die hübschen Vintage-Sachen der anderen Tauschwilligen irgendwo zwicken, kann man sie bei der Party auch gleich noch ein wenig umnähen. Vor Ort gibt es schließlich eine Nähmaschine samt Upcycling-Workshop.

Wann und wo? Raum Heute, Quellkollektiv, Adam-Klein-Straße 175, Samstag von 11 bis 16 Uhr

Warum der Strand weg muss…

strandi….da schreibt man in der Zeitung über den Stadtstrand. Darüber, dass er dem Bardentreffen weichen muss. Und dann lässt man auch noch die Leser darüber abstimmen, ob der Strand nicht vielleicht doch den ganzen Sommer über bleiben soll. Und was passiert? Die Menschlein vom Stadtstrand setzen sich an ihre Computer und klicken ganz oft „ja“. Die Menschlein von der Stadt klicken auch, allerdings bei „nein“. Innerstädtische Kriege werden eben heutzutage auch virtuell ausgetragen.

Ein „Nebenkriegsschauplatz“ ist aber auch unsere Redaktion. Da hatten wir heute Besuch. Von Andreas Radlmaier. Er ist Leiter des Projektbüros der Stadt, also eher ein „Nein“-Klicker. Und weil er schon mal da war, hat er noch einmal erklärt, warum der Strand (das Foto hat unser Fotograf Horst Linke geschossen) eben nicht bleiben kann:

1. Mehr als 90 Tage Strand gehen nicht, da bräuchte es nämlich eine andere Baugenehmigung für die Büdchen und Pools.

2. Die „Ja“-Klicker brauchen eigentlich nicht jammern. In anderen Städten gibt es auch Stadtstrände – und die laufen bei weitem nicht so lang wie der in Nürnberg. Trotzdem werden sie jedes Jahr neu aufgebaut. Daraus kann man schließen, dass der Nürnberger Strand wohl kaum ein Minusgeschäft sein kann.

3. Die Stadt ist kein Spielverderber. Vielmehr hat sie den Beachboys bereits Ausweichplätze angeboten, an denen der Sand auch ein paar Wochen später, dafür aber auch in den Ferien verstreut werden könnte. Alternative 1: der Jakobsplatz, den wollen die Stadtstrandmacher aber nicht, weil eine Feuerwehrzufahrt durch das Gelände geht. Alternative 2: den Burggraben, wo erst das Bierfest stattgefunden hat (will man aber auch nicht). Und Alternative 3: den Strand am Wöhrder See (dort gibt es sogar Wasser aber keine Gastronomie, wird aber auch nicht gewollt)

4. Stadtstrände gibt es in Deutschland ganz oft, das Bardentreffen nur in Nürnberg. Deshalb kann man mit dem Bardentreffen auch Touristen in die Stadt locken.

5. Das Bardentreffen betrifft viel mehr Leute. Gerade einmal 1000 Menschen finden einen Liegestuhl am Stadtstrand. Wenn aber auf der Insel Schütt erst einmal die große Bühne für das Bardentreffen aufgebaut wird, dann wuseln 100000 Menschen über den Platz – das sagt zumindest „Nein“-Klicker Radlmaier.

6. Das Bardentreffen kann man nicht in den Strand integrieren. Denn spätestens, wenn die 100000 Besucher erst mal ihre Kippen auf den Boden geworfen haben, müsste der Sand sowieso ausgetauscht werden.

Hab ich einen Grund vergessen? Bitte einfach kommentieren….

Ich packe meine Handtasche und nehme mit…..

1Sie sind grundsätzlich zu klein und grundsätzlich zu schwer: Handtaschen. Noch so ein grundsätzliches Problem mit den Dingern: man findet nix darin. Die Lösung: es darf nur das Nötigste rein. Bei Rock im Park ist das gar nicht so unproblematisch. Man braucht so viel, man schleppt so viel – und ärgert sich die ganze Zeit über den Ballast. Deshalb hier eine kleine Liste von Dingen, die man als Tagesbesucher beim Festival wirklich braucht und welche lieber schon vorab aus der Tasche fliegen.

Sagrotantücher: unbedingt mitnehmen! Die Dinger wiegen fast nichts, nehmen keinen Platz weg und sind unschlagbar, wenn Toiletten nicht mehr dem Hygienegrad entsprechen, den man sich eigentlich wünscht.

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