360 Grad: Opfer eines neuen Zeitgeistes?

dreihundertsechzigWas hab ich nicht schon alles über Bars geschrieben, in denen die Gäste tanzen. „Illegale Discos“ werden die Läden von Diskothekenbetreibern genannt. Sie finden es unfair, von Bars Konkurrenz zu bekommen – obwohl diese viel weniger Auflagen erfüllen müssen und geringere Betriebskosten haben. Ja sogar von einer Gefahr für die Gäste war in dem Schreiben, das die NZ im vergangenen Jahr erreichte, die Rede.   Jetzt scheint es, als gebe es ein erstes Opfer der „illegalen Discos“. Der Club 360 Grad macht nämlich zu. Am kommenden Samstag ist Abschiedsparty in der Disco an der Adlerstraße (das Foto hat unserer Fotograf Ralf Rödel gemacht). Mindestens zwei Monate bleibt der Laden zu – so die Auskunft von David Hlavacek, einem der Köpfe hinter dem Club. In dieser Zeit wollen sich die Betreiber „ernsthafte Gedanken darüber machen, ob ein Disco-Konzept überhaupt noch zeitgemäß ist“.

Das Weggehverhalten der Kids habe sich schließlich brutal verändert. „Für uns war es als Jugendliche das Paradies, wenn wir drei oder vier Mal in der Woche in Clubs gegangen sind“, sagt Hlavacek (30). Heute jedoch verabreden sich die Leute über Tinder und treffen sich dann in Bars, statt im echten Leben Leute kennenzulernen. Für einen Club Eintritt zu bezahlen, dazu seien heute immer weniger Leute bereit. Wirklich Innovatives – so Hlavacek – könne ohne dieses Geld jedoch nicht entstehen.