360 Grad: Opfer eines neuen Zeitgeistes?

dreihundertsechzigWas hab ich nicht schon alles über Bars geschrieben, in denen die Gäste tanzen. „Illegale Discos“ werden die Läden von Diskothekenbetreibern genannt. Sie finden es unfair, von Bars Konkurrenz zu bekommen – obwohl diese viel weniger Auflagen erfüllen müssen und geringere Betriebskosten haben. Ja sogar von einer Gefahr für die Gäste war in dem Schreiben, das die NZ im vergangenen Jahr erreichte, die Rede.   Jetzt scheint es, als gebe es ein erstes Opfer der „illegalen Discos“. Der Club 360 Grad macht nämlich zu. Am kommenden Samstag ist Abschiedsparty in der Disco an der Adlerstraße (das Foto hat unserer Fotograf Ralf Rödel gemacht). Mindestens zwei Monate bleibt der Laden zu – so die Auskunft von David Hlavacek, einem der Köpfe hinter dem Club. In dieser Zeit wollen sich die Betreiber „ernsthafte Gedanken darüber machen, ob ein Disco-Konzept überhaupt noch zeitgemäß ist“.

Das Weggehverhalten der Kids habe sich schließlich brutal verändert. „Für uns war es als Jugendliche das Paradies, wenn wir drei oder vier Mal in der Woche in Clubs gegangen sind“, sagt Hlavacek (30). Heute jedoch verabreden sich die Leute über Tinder und treffen sich dann in Bars, statt im echten Leben Leute kennenzulernen. Für einen Club Eintritt zu bezahlen, dazu seien heute immer weniger Leute bereit. Wirklich Innovatives – so Hlavacek – könne ohne dieses Geld jedoch nicht entstehen.

Wer will die Disco kaufen?

Ü30-PartyIhr wolltet schon immer mal eine eigene Disco haben, habt bislang aber noch kein eigenes Objekt gefunden? Wie wäre es mit 1000 Quadratmetern Gastraumfläche, 1250 Quadratmetern Gesamtfläche, das Ganze noch mit 600 Parkplätzen garniert? Und natürlich nicht zu vergessen: zentale Innenstadtlage. Was der Spaß kostet? 14500 Euro im Monat, plus 1,5 Millionen Euro Ablöse. Dafür gibt es aber auch drei Areas mit gehobener Ausstattung. Frisch modernisiert ist die Diskothek auch noch. Erst im vergangenen Jahr wurde das Objekt aufgehübscht. Wie man an die Disco kommt? Über ein Immobilienportal, in dem neben diesem auch noch das „Marquee“ am Klingenhof angeboten wird...
Jetzt kann man natürlich rätseln, um welchen Club es sich handelt. Die Lösung: es ist die „Nachtschicht“. Zwar steht das bei dem Angebot nicht direkt dabei, der Branche ist das jedoch bekannt – außerdem treffen die im Angebot genannten Kriterien perfekt auf die Disco zu.

Gerüchte über einen möglichen Verkauf existieren indes auch bei einer weiteren Nürnberger Diskothek: weiter lesen

Neues Won: Ob das was wird…?

forumIrgendwie muss man sie schon bemitleiden, die „Won“-Menschen. Da müssen sie ihren Laden schließen, unter anderem weil der Frankenschnellweg kommen soll. Dann kommt das Sträßchen doch nicht so schnell – und der Schuppen macht trotzdem dicht. Aber man hat ja für Ersatz gesorgt. Fünf Wochen lang wurde Zeug an die Regensburger Straße gefahren. Fünf Tage lang dann der Rest, der am Kohlenhof bis zum vergangenen Samstag noch gebraucht wurde. Irgendwann reicht es dann auch mit der Umzieherei. Deshalb ist das neue Lädchen auch nicht nur als Zwischenlösung gedacht. Nein, es soll auch dann noch bleiben, wenn im Winter der riesige Club am Klingenhof eröffnet. A bisl was investiert haben die Betreiber. In ein paar neue Lichtlein zum Beispiel…. Viel mehr Neues (oder zumindest Repariertes) gibt es dann aber auch nicht.

Ob der Laden an der Regensburger Straße dauerhaft läuft, darf aber bezweifelt werden. Denn so richtig voll war es nicht mal beim Eröffnungs-Abend. Und das, obwohl der Schuppen so viel kleiner ist, als das alte „Won“ (wo am Samstag um Mitternacht Einlassstopp verhängt wurde). Um kurz vor eins war der Schuppen jedenfalls noch leer. Später war dann doch a bisl was los – aber mehr als a bisl ist es dann auch nicht mehr geworden. Woran es liegt, dass selbst das mini-Discolein nicht voll wird? Vielleicht an der Lage – vom Zentrum aus hinlatschen kann man nämlich nicht. Ob man aus dem auf Dauer angelegten Club dann vielleicht doch nur eine Zwischenlösung macht, bleibt abzuwarten.