Altersheimkrimi

alteschule
Was erwartet man von einem Krimi? Dass er sich spannend liest, was sonst. Und da liegt man bei Charles Hodges genau richtig. Der Mann hat früher Filmdrehbücher geschrieben und weiß, worauf es ankommt: auf immer wieder neue Überraschungen.
Gewagt war es von ihm, in „Alte Schule“ einen 73-jährigen Privatdetektiv ins Rennen zu schicken. Der gibt sich, als er um eine gewisse Fran buhlt, für 59 aus. Fran kommt dahinter und ist stinksauer. Dummerweise kommt Fran in den Verdacht, in dem Altenheim, in dem sie arbeitet, drei Frauen umgebracht zu haben. Eine Spritze mit Heroin findet man in ihrer Handtasche. Dem alten Detektiv kommt das komisch vor. Wer wäre so dumm, eine solch deutliche Spur zu hinterlassen? Krimileser wissen: Diese Spur ist falsch, die Jagd auf den wahren Täter ist gerade erst eröffnet.
Charles Hodges: Alte Schule. Heyne, 368 Seiten, 14,99 Euro.

Gesprochen: Grining

buch
Immer wieder nennen Programmzeitschriften die Simpsons eine „Chaosfamilie“. Das sind sie nicht. Die Simpsons sind eine ganz normale Durchschnittsfamilie. Und ihr Schöpfer Matt Groening wird nicht müde, dieses Mittelmaß zu betonen. Schließlich steckt der Teufel im Detail und der Wahnsinn wurzelt im Normalen.
Matt Groening war, wie sein Biograf Jeff Leinburg berichtet, schon vor den Simpsons ein gemachter Mann. Seine Cartoon-Serie „Leben in der Hölle“ wurde von 250 Zeitungen in ganz Amerika gedruckt. Zu den Simpsons kam er eher durch Zufall, weil er einen Zeichentrickfilm für die „Tracey Ullman Show“ gestalten sollte. Binnen 15 Minuten waren die Simpsons auf der Welt.
Was aber ermöglichte den ungeheuren weltweiten Erfolg der Simpsons? Es ist Groenings Perfektionismus, seine Besessenheit. Kein Detail ist zu klein für ihn. Bei herkömmlichen Trickfilmen verändert sich der Hintergrund für lange Zeit nicht – bei den Simpsons wird er extra künstlerisch gestaltet. Bei anderen Zeichentrickfilmen bewegen die Figuren nur den Mund – Groening schenkt ihnen eine lebhafte Körpersprache.
Eine einzige Episode der gelben Familie kostet anderthalb Millionen Dollar, weil Groening nur die besten Zeichner und Texter an seine Cartoonfamilie heranlässt. Jeder Sekundenbruchteil der Sendung wird mit Witz aufgefüllt. Der Aufwand macht den Unterschied.
Jeff Lenburgs Biografie ist stellenweise sehr peinlich zu lesen, weil sie voller Lobhudelein steckt. Solches Schulterklopfen („Gut gemacht!“) wäre überhaupt nicht nötig gewesen. Andererseits geht Lenburg der Frage nach, was die Simpsons so erfolgreich gemacht hat. Es ist, wie jeder Erfolg, eine Mischung aus Genie und Fleiß.
Die einzelnen Figuren sind so gezeichnet, als hätte sie ein Kind malen können. Trotz dieser Simplifizierung haben sie variable individuelle Merkmale. In dieser Mischung zeigt sich das Genie Matt Groenings.
Jeff Lenburg: Matt Groening – der Gott der Simpsons. Tropen-Verlag, 175 Seiten, 16,95 Euro