Warum schreien die so?

Weil sie nicht glauben können, dass ich nicht weiß, dass ACAB „All Cops Are Bastards“ heißt. Und weil ich nicht wusste, was es heißt, habe ich im Park beim Hundespaziergang eine mir bekannte Lehrerin gefragt. „Das wissen Sie nicht?“, sprach die, „Das ist ein türkischer Vorname!“ Das kam mir durchaus glaubwürdig vor. Zufällig kenne ich einen Kurden namens Apo. Und wenn ich irgendwo APO geschrieben oder getagt sehe, weiß ich, dass das nicht für „Außerparlamentarische Opposition“ steht. Seinen Vor- oder Spitznamen zu sprayen, ist offensichtlich üblich. Der Analogieschluss lag auf der Hand. Die Sache schien mir ganz klar zu sein. Eine Recherche startet man schließlich erst dann, wenn eine Aussage unplausibel erscheint. Und warum sollte ich einer Lehrerin nicht glauben? Schließlich bin ich des Türkischen nicht mächtig. Immerhin weiß ich, dass „Milli Vanilli“ nicht „Positive Energie“ heißt — und dass das bei meiner letzten diesbezüglichen Recherche bei Wikipedia aber immer noch so behauptet wurde. Eine Recherche, die sich auf Wikipedia beschränkt, ist keine, meine lieben Besserwisser! Tauschan heißt Hase und Cöpek Hund — damit erschöpfen sich meine Türkischkenntnisse. Ich hab’s einfach nicht besser gewusst.  Mein Artikel über Graffiti war insgesamt sehr positiv bewertend und hat bei den Leuten, welche diese Kunstform als bloße Schmierfinkerei ansehen, um Verständnis für die Jugendsubkultur geworben. Das war fast schon Walldorfpädagogik. Es gehört schon eine gewisse Gehässigkeit dazu, sich nur auf diesen einen Fehler zu stürzen. Im „Bild“-Blog (die haben’s nötig) war aber nur der Absatz mit dem Fehler zu sehen. Und es gehört eine gewisse Verblendung dazu, jemandem, dessen Name ganz eindeutig auf einen Migrationshintergrund hinweist, der Fremdenfeindlichkeit zu zeihen. Ein Wort an die Gutmenschen, die kommentiert haben: Lest einmal in der neuesten Ausgabe der Zeitschrift „skeptiker“, was führende SPD-Köpfe im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts über das (von Karl Marx) so genannte Lumpenproletariat dachten: Nämlich, dass das Proletariat sich von jenem durch „eugenische Maßnahmen“ befreien müsse. So viel zu der Tradition, in der Sarrazin steht —- nicht aber ich!