Jun

27

2012

Ich werde sie vermissen

Veröffentlicht von isa in der Kategorie Abschied, Fotos, Freiwilligenarbeit | 3 Kommentare

Sie werden mir fehlen: die Menschen mit dem unwiderstehlichsten Lächeln.

Der Tag des Abschieds ist gekommen. Schneller als erwartet, hektischer als befürchtet und wehmütiger als acht Monate zuvor vorstellbar. Zu dieser Stunde fliege ich zurück nach Deutschland und lasse die Welt von Makumbi hinter mir. Meine Bilanz kann ich noch nicht in Worte fassen. Nur so viel: Ich werde wiederkommen, das tun sie alle.

Damit habe ich aber nicht etwa ausgebloggt. Über die Merkwürdigkeiten des Heimkommens, über die Verwendung von Spendengeldern, über das Kinderheim und über mein Fotoarchiv wird es noch zu berichten geben. Schließlich leide ich unter vier Wochen Spielzeitverkürzung. Bleibt also dran! Jetzt verabschiede ich mich erst einmal von den liebsten Makumbianern und makumbianischen Phänomenen. Hanna zählte natürlich dazu. Danke für die gute Zeit!

Die drei Bergkuppen vor der Makumbi-Mission.

Brenda, unsere gute Freundin. Die junge alleinerziehende Mutter, im Bild mit ihren Brüdern, lebt in erdrückender Armut, die freilich immer noch tiefer sein könnte. Dennoch geht Brenda aufrecht ihrer Zukunft entgegen. Sie lacht und tratscht für ihr Leben gern. Sie führte Hanna und mich in die Geheimnisse des Shona und der simbabwischen Gesellschaft ein. Wir nahmen sie dafür zu den Victoria-Fällen mit. Mitunter vergaßen wir völlig, dass wir aus unterschiedlichen Welten stammen.

Eddie, der Kindergartenchef. Ein energiegeladener, aufgeschlossener, sozialer Mann (im Bild mit seiner Familie), Beschützer aller Tiere und Kinder. Er terrorisierte mich mit Computer-Hausaufgaben, war jedoch mein Wegweiser durch weite Teile der Kultur, ob es um Solarbatterien, Erziehungsfragen oder Busstrecken ging. Nur mit ihm zusammen konnten wir dem gehörlosen Tino helfen.

Die Früchte der simbabwischen Erde.

Der wunderbare Pater Heribert. Ohne ihn wäre unser gesamter Aufenthalt nicht möglich gewesen.

Der unendliche Sternenhimmel mit dem Kreuz des Südens, dem Skorpion und der Milchstraße.

Die Tänzerinnen, die den Gottesdienst noch lebendiger machten. Und die vielen naturbegabten Chorsänger. In ihrem Klangteppich fühlt man sich Elysium ein Stück näher.

Die vielen Zufallsbegegnungen mit Simbabwern, die mir großherzig und neugierig entgegentraten. Robbie, der Besitzer des gleichnamigen Lädchens an der Straße nach Makumbi, schenkte mir aus Begeisterung eine tiefgefrorene Wurst. Und ich werde in Deutschland wahrscheinlich in die Klapse eingeliefert, weil ich unerhörterweise Gespräche mit Unbekannten anfange.

Polly, die African Mama der deutschen Volunteer-Mädchen. Eine starke Frau mit Weisheit, Herz und Humor. Eine Unternehmerin, Landwirtin, Frauenrechtlerin, trauernde Witwe, Köchin und siebenfache Mutter, die harte Lebensumstände aushält. Manchmal erzählte sie vom glanzvollen Simbabwe der 80er Jahre, als sie und ihr Mann wie im Schlaraffenland frühstückten. Die wöchentlichen Abendessen an ihrer Feuerstelle, von der man wie eine Räucherwurst zurückkehrte, bleiben unvergessen.

Meine Freundinnen aus den siebten Klassen. Sie brachten mir die Vokabeln für „Busen“ und „Hintern“ bei, wünschten mir in ihren Liebesbriefchen einen schönen Ehemann und warnten mich davor, einem Dahergelaufenen meine Telefonnummer zu geben - häufig seien das Satanisten. Die Mädchen waren süchtig nach Pausengesprächen, Fotos und Buntstiften. In ihrer anhänglichen Gesellschaft fühlte ich mich ganz jung.

Meine kleine Freundin Tino aus dem Kindergarten. Tino kam stets als erste angerannt und fragte mich am beharrlichsten nach Luftballons. Wenn ich ihr vorgaukelte, leere Taschen zu haben, bestand sie streng darauf: „Schau noch mal genau nach!“

Alle Bewohner des Kinderheims. Besonders aber die 14-jährige Evernice, vorne im Bild mit der Sonnenbrille. Ein gutes Mädchen mit einem traurigen Blick. Über den Grund dafür haben wir nie gesprochen, aber ich kann ihn mir zusammenreimen. Ich habe sie von Anfang an in mein Herz geschlossen.

Die jungen Nonnen, die ihre Albernheitsanfälle nicht mehr stoppen konnten, nachdem sie einer Marien-Gipsfigur versehentlich den Kopf abbrachen. Die jungen Jesuiten, die sich weder für Tänzchen noch für Bierchen zu schade waren.

Unsere gute Freundin Noelle. Die Mauritianerin lebt seit fast 50 Jahren in Simbabwe und zählt dort zu den vertriebenen weißen Farmern. Eine großzügige, feinsinnige, tiefgläubige, tolerante Frau, die uns oft genug in ihrem idyllischen Gartenhäuschen in Harare verwöhnte und in die simbabwische Geschichte blicken ließ.

Mai Elvis mit ihren Kindern Elvis und Tanya. Mai Elvis verkauft am Eingang der Mission Obst und Gemüse. Sie ist geplagt von Krankheit und doch ein Inbegriff von Freundlichkeit.

Angeline, die clevere Elfjährige, die mich kurz nach meiner Ankunft auf dem Feldweg an die Hand nahm und zu sich nach Hause führte. An diesem Tag freundete ich mich mit der Familie an, besonders mit der 19-jährigen Fortunate, die so gerne Ministerin werden will.

Die Weihnachtsstern-Bäume. Ihre zwergwüchsigen, gelbblättrigen Verwandten aus dem Baumarkt beweisen nur ein weiteres Mal, dass Deutschland definitiv ein zu kaltes Land ist.

Sister Irene, eine ebenso zupackende wie glaubwürdige Vertreterin der Kirche, die aus ihrer Sicht mehr Frauen in Ämtern braucht. Auch beim Autofahren stört sich die Schwester an "Stupid men!".

Eure Pakete, Päckchen und Wundertüten. Bis auf einen Brief kamen sie alle an. Ein paar jetzt leider erst nach meiner Abreise.

Der hübsche schwarze Kater Richie. Gierig nach 24-stündiger Zuwendung und auf Schritt und Tritt an meiner Seite, hätte er vielleicht doch ein Hündchen werden sollen.

Alle Kinder aus Makumbi.

Auf Wiedersehen! Tozoonana!

Mit zwei Fotobeiträgen von Roland Fengler.

3 Kommentare zu “Ich werde sie vermissen”
  1. Susanne 27th Juni 2012 16:37

    Gute Reise, liebe Isa!

  2. Charlie 28th Juni 2012 08:03

    Gute Abschlussworte, schöne Fotos! Danke für die interessanten Berichte.
    Beste Wünsche für eine gute Rückkehr!

  3. J 28th Juni 2012 15:54

    *heul*

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