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	<title>Grüße aus Makumbi &#187; Kultur</title>
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	<description>Afrikanischer Alltag im Freiwilligendienst</description>
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		<title>Ich liebe, also schlage ich</title>
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		<pubDate>Sun, 17 Jun 2012 20:53:14 +0000</pubDate>
		<dc:creator>isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Es ist eiskalt im Klassenzimmer, aber mir bricht der Schwei&#223; aus. In diesen Minuten passiert etwas, was nicht h&#228;tte passieren d&#252;rfen. Ein Rohrstock knallt auf Kinderh&#228;nde. 50-mal, mit voller H&#228;rte. 50-mal verzieht ein Sch&#252;ler das Gesicht und st&#246;hnt auf. Schlimmer noch, sie schreien und weinen. 49 von ihnen sind unschuldig. „Stopp! H&#246;ren Sie auf! Ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1694" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/17/ich-schlage-also-bin-ich/dream1/" rel="attachment wp-att-1694"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Dream1-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1694" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Ich habe Siebtkl&#228;ssler zeichnen lassen, wovon sie tr&#228;umen. Der H&#228;lfte fiel dazu nichts ein, und sie pausten K&#252;he und Blumen ab. Die &#220;brigen wollen Krankenschwester, Pr&#228;sident, Polizist oder Prinzessin werden, sie wollen nach Deutschland fliegen, in einem gr&#252;nen Gebirge wohnen – oder, ein wenig erschreckend, am liebsten der Axt-M&#246;rder aus einer Geschichte im Schulbuch sein</em>.</p></div><br />
<a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/17/ich-schlage-also-bin-ich/dream2/" rel="attachment wp-att-1695"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Dream2-600x337.jpg" alt="" width="600" height="337" class="aligncenter size-medium wp-image-1695" /></a></p>
<p>Es ist eiskalt im Klassenzimmer, aber mir bricht der Schwei&#223; aus. In diesen Minuten passiert etwas, was nicht h&#228;tte passieren d&#252;rfen. Ein Rohrstock knallt auf Kinderh&#228;nde. 50-mal, mit voller H&#228;rte. 50-mal verzieht ein Sch&#252;ler das Gesicht und st&#246;hnt auf. Schlimmer noch, sie schreien und weinen. 49 von ihnen sind unschuldig. „Stopp! H&#246;ren Sie auf! Ich will das nicht!“ Doch was ich rufe, bleibt wirkungslos. Hilflos stehe ich da und breche in Tr&#228;nen aus. Meine so heitere Zeichenstunde in der 6 B hat in einem Albtraum geendet.</p>
<p>Kinder m&#252;ssen sich in Simbabwe hinten anstellen, obwohl sie die Bev&#246;lkerungsmehrheit ausmachen. Wer einen Sinn f&#252;r Bildersprache hat, kann das schon am Aufbewahrungsort des afrikanischen Babys ablesen. Es wird an einem &#196;rmchen nach hinten gewirbelt und auf den R&#252;cken der Mutter gebunden, damit jene die H&#228;nde frei hat. Dort sieht das Kind fast nichts, schon gar keine „Duzi Duzi“-Grimassen der Eltern. Es ist &#252;berall dabei, geborgen und warm, aber auch ziemlich teilnahmslos. Bei der Landbev&#246;lkerung w&#228;chst es schnell zur Haushaltshilfe heran. Es muss Wasser holen, K&#252;he h&#252;ten, mit Sand verru&#223;te T&#246;pfe schrubben, Gem&#252;se verkaufen, und wenn das Geld knapp ist, wird es nach der siebten Klasse aus der Schule genommen. Was es denkt, was es tr&#228;umt, was es will, dar&#252;ber sprechen die wenigsten Verwandten und P&#228;dagogen mit ihm. Eine afrikanische Frau ohne Kind ist keine richtige Frau. Aber ein Kind ist auch kein richtiger Mensch.</p>
<p><div id="attachment_1698" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/17/ich-schlage-also-bin-ich/img_2211/" rel="attachment wp-att-1698"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/IMG_2211-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1698" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Eine junge Mutter sp&#252;lt ab. Ihr Junge ist dabei, wenn auch in etwas ungl&#252;cklicher Lage</em>.</p></div>
<p>Ich will nicht behaupten, dass es die bessere Erziehungsmethode sei, die dreij&#228;hrige Anna-Lena vor die Wahl zu stellen, ob sie heute zum Fr&#252;hst&#252;ck lieber Eidotter oder Eigelb zu m&#246;gen gedenke. Der &#220;berfluss in Deutschland macht Kinder bequem, w&#228;hlerisch, orientierungslos. Doch die drakonische, uniformistische afrikanische Linie, die ich in Makumbi beobachte, geht mir genauso gegen den Strich. Hier gilt immer noch das Sprichwort: „Spare the rod, spoil the child.“ Wer an der Rute spart, verdirbt das Kind. Vor der &#220;bermacht solcher Tradition erweist sich jede UN-Kinderrechtskonvention als Papiertiger.</p>
<div id="attachment_1721" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/17/ich-schlage-also-bin-ich/stock/" rel="attachment wp-att-1721"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Stock-600x337.jpg" alt="" width="600" height="337" class="size-medium wp-image-1721" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Der Rohrstock liegt auf dem Pult meist bereit</em>.</p></div>
<p>In der 6 B war der Anlass f&#252;r die Rute mehr als l&#228;ppisch zu nennen. Am Ende der Stunde fehlten zwei meiner Radiergummis. Die k&#246;nnen in den &#252;berf&#252;llten Klassenzimmern leicht verschwinden. Und nat&#252;rlich erliegt jedes Mal ein Sch&#252;ler der Verf&#252;hrung, endlich eigene Schreibwaren zu besitzen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Referendarin, die in diesem Moment ohne Vorwarnung den Stock auspackte, mir wirklich helfen oder nur ihren Frust abbauen wollte. Jedenfalls war es mit ihrer Konfliktl&#246;sung nicht weit her. Am Ende stritt jeder mit jedem. Sie zwang den verd&#228;chtigen Jungen, die Hose herunterzulassen, damit Mitsch&#252;ler ihn nach dem Diebesgut durchsuchen konnten. Der Sch&#252;ler gab die Radiergummis sp&#228;ter heraus, nachdem ein Lehrer ihn zur Rede gestellt hatte.</p>
<p>Ich erkl&#228;rte der Junglehrerin, dass sie auch mich verletzt habe. Ich hatte mich langsam in der Schule integriert geglaubt. Nun sah ich, dass ich nicht als Lehrerin respektiert wurde, sondern ein Zuschauer bleibe. „In <em>unserer </em>Kultur“, so begannen wieder die Rechtfertigungen. Ich verstand die Botschaft genau:  „<em>Eure</em> Kultur ist verweichlicht.&#8221; Eine Barriere, an der auch Pater Heribert als Wei&#223;er immer wieder abprallt. Immerhin wandte die Schuldirektorin ein, dass die Referendarin &#252;berzogen habe und man ihr erkl&#228;ren wolle, wie sie die Situation durch Worte h&#228;tte l&#246;sen k&#246;nnen.</p>
<p>Schl&#228;ge, die bis zu krankenhausreifen Verletzungen f&#252;hren, widerfahren simbabwischen Sch&#252;lern jeden Tag. Lehrer bestrafen L&#228;rm, Unp&#252;nktlichkeit und nachl&#228;ssige Garderobe mit dem Lineal, einem St&#252;ck Gartenschlauch oder einer Holzlatte. Die Debatte, die die Gesellschaft &#252;ber die Notwendigkeit k&#246;rperlicher Z&#252;chtigung f&#252;hrt, ist kaum h&#246;rbar. Das Gesetz schreibt den Schulen halbherzig vor, Pr&#252;geln nur noch in Anwesenheit der Schulleitung und bei gravierenden Gr&#252;nden zu gestatten. Ab und zu greifen kritische Zeitungsberichte die Einw&#228;nde von Eltern und Psychologen auf. Aber das Kollegium in Makumbi meidet das Thema. Im Zweifelsfall l&#228;chelt die ber&#252;chtigtste Lehrerin, eine Nonne, mich an und erkl&#228;rt: „Ich schlage sie mit Liebe! Sie brauchen das! Man muss sie disziplinieren.“</p>
<div id="attachment_1699" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/17/ich-schlage-also-bin-ich/violence/" rel="attachment wp-att-1699"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Violence-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1699" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Ein Plakat im Frauenzentrum von Makumbi r&#228;t von h&#228;uslicher Gewalt ab. Zuf&#228;llig h&#228;ngt gleich daneben eine Reklame f&#252;r S&#228;rge. Dass in der Schule und in Partnerschaften geschlagen wird, auch mit m&#228;nnlichen Opfern, ist in der stark patriarchalischen Gesellschaft keine Seltenheit</em>.</p></div>
<p>Ich habe mich bei der 6 B entschuldigt. Am n&#228;chsten Tag fragte mich eine Siebtkl&#228;sslerin: „Ich habe geh&#246;rt, dass sie dir Sachen gestohlen haben? Und du sollst geweint haben?“ Das M&#228;dchen konnte mich nicht ganz verstehen. „Es ist nat&#252;rlich nicht sch&#246;n, dass die Lehrer uns schlagen“, sagte es. „Aber das tun sie, weil sie uns lieben und uns auf den richtigen Weg bringen wollen.“</p>
<p>Stockhiebe als Liebesbeweis, das ist mir eine sch&#246;n verquere christliche Ethik. Da war sie mal wieder zu Besuch, meine Afrika-Krise. Dass es auch in Europa mehr Anh&#228;nger dieser Holzhammerp&#228;dagogik gibt, als mir lieb ist, fiel mir erst sp&#228;ter ein.</p>
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		<title>Simbabwe, deine K&#252;nstler (II)</title>
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		<pubDate>Thu, 07 Jun 2012 22:08:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>isa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kinder]]></category>
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		<category><![CDATA[Shona-Skulpturen]]></category>

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		<description><![CDATA[Wieder was gelernt: Lange Wollunterhosen sind in Simbabwe n&#252;tzlich. Der ber&#252;chtigte Winter ist ausgebrochen. Nachts f&#228;llt die Temperatur auf drei Grad, die Innenr&#228;ume n&#228;hern sich K&#252;hlschr&#228;nken an. Ich pfeife auf die &#196;sthetik, im Moment trage ich zum Beispiel sechs Oberteile &#252;bereinander, und auch die Nonnen garnieren ihre Ordenstracht mit Ringelsocken, Anoraks, Winterstiefeln und notfalls einem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1638" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/08/simbabwe-deine-kunstler-ii/bildhauer6-2/" rel="attachment wp-att-1638"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Bildhauer61-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1638" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Simbabwische Bildhauer in Harare arbeiten an Shona-Skulpturen. Die genie&#223;en auch au&#223;erhalb Afrikas einen exzellenten Ruf</em>.</p></div>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/08/simbabwe-deine-kunstler-ii/bildhauer3/" rel="attachment wp-att-1637"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Bildhauer3-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="aligncenter size-medium wp-image-1637" /></a></p>
<p>Wieder was gelernt: Lange Wollunterhosen sind in Simbabwe n&#252;tzlich. Der ber&#252;chtigte Winter ist ausgebrochen. Nachts f&#228;llt die Temperatur auf drei Grad, die Innenr&#228;ume n&#228;hern sich K&#252;hlschr&#228;nken an. Ich pfeife auf die &#196;sthetik, im Moment trage ich zum Beispiel sechs Oberteile &#252;bereinander, und auch die Nonnen garnieren ihre Ordenstracht mit Ringelsocken, Anoraks, Winterstiefeln und notfalls einem Badehandtuch.</p>
<p>W&#228;rmen wir uns also an der Kunst. Ist sie ein sinnloser Luxus in diesem Land mit einem gordischen Knoten aus wirtschaftlichen und sozialen Problemen? Ich behaupte: Nein. Wenn ich sehe, wie dankbar der hell&#228;ugige Sean, die stille Valerie oder der ungez&#252;gelte Tinashe &#8211; sie sind echte Zeichentalente &#8211; Farben in die Hand nehmen, liegt die Antwort f&#252;r mich auf der Hand. Ich bin der festen &#220;berzeugung, dass zur Herausbildung einer reifen Pers&#246;nlichkeit auch Kunst n&#246;tig ist. Bilder zu betrachten und zu gestalten, was letztlich nichts anderes ist als Materie zu strukturieren, erweitert die Hirnwindungen und schult den Erfindergeist.</p>
<p>Zum Gl&#252;ck geben mir da sowohl Lehrer als auch Sch&#252;ler Recht. „Thank you, Sisi Isabel!“ Danke, Schwester, so bedanken sich die Kinder nach der Stunde im Chor, und vor der n&#228;chsten st&#252;rmen sie mir wie eine Hundemeute entgegen. (Ich leide wie jeder zu freundliche Hilfslehrer unter der Gei&#223;el der Disziplinlosigkeit. „Bestraf‘ sie! Sonst kannst du sie nicht kontrollieren“, raten mir die Klassenlehrer achselzuckend und legen ihre Gummiriemen auf dem Pult zurecht.) Kunstunterricht steht zwar im Stundenplan, aber nur als Platzhalter. Er f&#228;llt in der Praxis st&#228;ndig der Materialknappheit und dem Nachholbedarf im Grasm&#228;hen und Rechnen zum Opfer.</p>
<p>Immerhin hat Simbabwe bei seiner &#228;sthetischen Erziehung einen Ruf zu verlieren. Simbabwische Shona-Skulpturen, nach dem Volk benannt, stehen weltweit in Museen und Galerien. Diese traditionell von M&#228;nnern betriebene Steinbildhauerei bringt sowohl abstrakte als auch naturalistische Figuren mit dezenten afrikanischen Ankl&#228;ngen hervor. Simbabwe ist im letzten Jahrzehnt so schnell und tief abgest&#252;rzt wie kein anderes Land der Welt. Da finde ich es beruhigend, dass es sich wenigstens noch K&#252;nstler leisten kann. Zumindest mit Augenwischerei kann man das behaupten. Jene, die von der Bildhauerei leben k&#246;nnen, beziehen ihre Einnahmen ma&#223;geblich aus dem Ausland. Sie reisen auf Einladung von Galeristen und Kulturbeh&#246;rden nach M&#252;nchen, D&#252;sseldorf, in die Schweiz und in die USA.</p>
<p>Und kurioserweise in meine Heimat Mittelfranken: zu Fritz Meyer in die Galerie „Into Africa“ bei Georgensgm&#252;nd. Hier, zwischen Rapsfeldern und Landgasth&#246;fen, habe ich genau vor einem Jahr meine ersten Kontakte nach Simbabwe gekn&#252;pft. Meyers Sommergastk&#252;nstler waren meine ersten Shona-Lehrer f&#252;r den wegweisenden Satz: „Wo ist die Toilette?“ („Chimbuzi iri kupi?“)</p>

<a href='http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/08/simbabwe-deine-kunstler-ii/bildhauer4/' title='Lebendiger Stein'><img width="250" height="333" src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Bildhauer4-250x333.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Lebendiger Stein" title="Lebendiger Stein" /></a>
<a href='http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/08/simbabwe-deine-kunstler-ii/bildhauer7/' title='Touristenware'><img width="250" height="333" src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Bildhauer7-250x333.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Touristenware" title="Touristenware" /></a>
<a href='http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/08/simbabwe-deine-kunstler-ii/bildhauer8/' title='Skulpturenwiese'><img width="250" height="333" src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Bildhauer8-250x333.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Skulpturenwiese" title="Skulpturenwiese" /></a>
<a href='http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/08/simbabwe-deine-kunstler-ii/bildhauer5/' title='Haarpracht'><img width="250" height="333" src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Bildhauer5-250x333.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Haarpracht" title="Haarpracht" /></a>
<a href='http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/08/simbabwe-deine-kunstler-ii/bildhauer10/' title='Schwarz macht Weiß'><img width="250" height="333" src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Bildhauer10-250x333.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Schwarz macht Weiß" title="Schwarz macht Weiß" /></a>
<a href='http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/08/simbabwe-deine-kunstler-ii/bildhauer11/' title='Im steinernen Bikini'><img width="250" height="333" src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Bildhauer11-250x333.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Im steinernen Bikini" title="Im steinernen Bikini" /></a>

<p>Jetzt habe ich sie in Harare wiedergetroffen. An der Stra&#223;e zum Flughafen arbeiten sie auf einem baumbestandenen Grundst&#252;ck in einer herrlich wilden Open-Air-Werkstatt. Perlagia, die einzige Frau unter den 80 Bildhauern dort, stellte Hanna und mich ihren Kumpels vor. Alle &#228;u&#223;erten ein bisschen freundlich-verwundertes Mitleid, dass wir in unserer abgeschiedenen Mission so katholisch leben m&#252;ssen. Die K&#252;nstler zeigten uns die Serpentin-Steine, lie&#223;en uns die Feile ausprobieren, erkl&#228;rten uns, wie Bodenwachs einer Skulptur Glanz gibt. Die, die schon im Norden waren, schw&#228;rmten uns von deutschen H&amp;M-L&#228;den und Discos vor. Wir h&#246;rten Musik aus dem offenen Auto, spielten ein Kronkorken-Brettspiel, a&#223;en gemeinsam aus einem Topf mit den Fingern und sa&#223;en auf zerfallenden Autositzen. Irgendwann fuhr an der Flughafenstra&#223;e mal wieder der Pr&#228;sidentenkonvoi vorbei. Sie l&#228;sterten, wir lachten.</p>
<div id="attachment_1647" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/08/simbabwe-deine-kunstler-ii/bildhauer9/" rel="attachment wp-att-1647"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Bildhauer9-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1647" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Isabel mit ein paar Steinmetz-K&#252;nstlern an der improvisierten Mittagessens-Tafel</em>.</p></div>
<p>Fast vergessen waren die umst&#228;ndlichen Gepflogenheiten aus dem Landleben von Makumbi, das mich regelm&#228;&#223;ig daran erinnert, wie ich mir Deutschland vor 100 Jahren vorstelle. Die Tage mit Perlagia wurden die unkompliziertesten in Simbabwe.</p>
<p><em><br />
<blockquote>Perlagia und ein paar Kollegen sind mir schon nach Franken vorausgereist.  Man kann sie und ihre Arbeit kennenlernen, wenn die <a href="http://www.intoafrica.de">Galerie „Into Africa“</a> in Wernsbach/Georgensgm&#252;nd (Landkreis Roth) vom 29. Juni bis zum 1. Juli ihr Sommerfest feiert.  Bei „Zimbabwe meets Wernsbach“  sind Shona-Skulpturen zu sehen, es gibt t&#228;glich Bildhauer-Schnupperworkshops, afrikanische Musik sowie fr&#228;nkisch-afrikanische Speisen und Getr&#228;nke. Der Eintritt ist frei. </p></blockquote>
<p></em></p>
]]></content:encoded>
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		<title>Simbabwe, deine K&#252;nstler (I)</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jun 2012 16:21:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>isa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Freiwilligenarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Grundschule]]></category>
		<category><![CDATA[Kunstunterricht]]></category>
		<category><![CDATA[Makumbi Primary School]]></category>

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		<description><![CDATA[Hanna ist weg. Meine Mitfreiwillige, WG-Partnerin und Weggef&#228;hrtin an 200 verr&#252;ckten simbabwischen Tagen ist zur&#252;ck nach Deutschland gereist, zur&#252;ck in ein altes, neues Leben. Der Abschied war tr&#228;nenreich und hat mich schon mal vorwegnehmen lassen, wie schade es ist, frisch gewachsene Bindungen wieder abbrechen zu m&#252;ssen. Nun bin ich nicht nur die einzige Frau unter [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1607" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/01/simbabwe-deine-kunstler-i/kunst7/" rel="attachment wp-att-1607"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Kunst7-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1607" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Grundschul-Kunst aus Makumbi: Wasserfarben-B&#228;ume, durch den Strohhalm gepustet, darunter Briefmarken-Selbstportr&#228;ts, Wunderblumen und Spaltschnitt-Masken.</em></p></div>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/01/simbabwe-deine-kunstler-i/kunst4-2/" rel="attachment wp-att-1608"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Kunst4-600x337.jpg" alt="" width="600" height="337" class="aligncenter size-medium wp-image-1608" /></a></p>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/01/simbabwe-deine-kunstler-i/kunst8/" rel="attachment wp-att-1609"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Kunst8-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="aligncenter size-medium wp-image-1609" /></a></p>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/01/simbabwe-deine-kunstler-i/kunst15/" rel="attachment wp-att-1610"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Kunst15-600x337.jpg" alt="" width="600" height="337" class="aligncenter size-medium wp-image-1610" /></a></p>
<p>Hanna ist weg. Meine Mitfreiwillige, WG-Partnerin und Weggef&#228;hrtin  an 200 verr&#252;ckten simbabwischen Tagen ist zur&#252;ck nach Deutschland gereist, zur&#252;ck in ein altes, neues Leben. Der Abschied war tr&#228;nenreich und hat mich schon mal vorwegnehmen lassen, wie schade es ist, frisch gewachsene Bindungen wieder abbrechen zu m&#252;ssen.</p>
<div id="attachment_1619" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/01/simbabwe-deine-kunstler-i/hanna-abreise/" rel="attachment wp-att-1619"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Hanna-Abreise-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1619" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Traurig, aber wahr: Hanna ist heim nach Deutschland gereist. Unsere treuesten Begleiter haben sie zum Flughafen gebracht</em>.</p></div>
<p>Nun bin ich nicht nur die einzige Frau unter sechs bis zehn M&#228;nnern am Tisch, sondern auch umringt von besorgten Menschen, die meine Vereinsamung bef&#252;rchten – ein absurder Gedanke im sich dauerunterhaltenden Makumbi. Beim letzten Abendessen habe ich beispielsweise erfahren, welche Jesuiten seinerzeit den Untergang der Titanic &#252;berlebten und was von dem Paradoxon zu halten ist, dass die unbefleckte Gottesmutter selbst eine s&#252;ndige Mutter hatte. Kurz habe ich ja &#252;berlegt, in Hannas leerstehendem Zimmer die erste Missions-Bar einzurichten. Der Bedarf w&#228;re gegeben, wenn ich mir die den M&#228;nnern vorbehaltenen „Beerhalls“ drau&#223;en vor der Einfahrt ansehe. Aber daf&#252;r bleibt mir keine Zeit. Ich muss im Halbdunkel Stifte spitzen!</p>
<p>Schon seit Wochen gibt es keinen elektrifizierten Abend mehr. &#220;berhaupt l&#228;sst sich der Strom im Schnitt nur noch vier Stunden t&#228;glich blicken. So nehme ich eben bei Kerzenschein das Motto meines Heimat-Kabarettisten Egersd&#246;rfer w&#246;rtlich: Falten und Kleben. Ich befasse mich mit Zuckerkreide, Zauberblumen und Parallelperspektive. Die beiden Hauskatzen sehen ratlos zu. Meine eher zuf&#228;llig entstandene  Mission „Kunstunterricht f&#252;r die Grundschule“ hat ziemlich Fahrt aufgenommen. Sie macht mir wahre Freude und ist gleicherma&#223;en ersch&#246;pfend. Ungef&#228;hr so, wie wenn man aus W&#252;stensand einen Turm zu bauen versucht.</p>
<div id="attachment_1613" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/01/simbabwe-deine-kunstler-i/kunst13/" rel="attachment wp-att-1613"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Kunst13-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1613" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Isabel gibt Anleitungen zum Kreativsein</em>.</p></div>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/01/simbabwe-deine-kunstler-i/kunst14/" rel="attachment wp-att-1614"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Kunst14-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="aligncenter size-medium wp-image-1614" /></a></p>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/01/simbabwe-deine-kunstler-i/kunst12/" rel="attachment wp-att-1615"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Kunst12-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="aligncenter size-medium wp-image-1615" /></a></p>
<p>Nach den ersten harmlosen Kennenlern-Aktionen fiel ich n&#228;mlich schnell auf den Boden der Verh&#228;ltnisse in einer simbabwischen Landschule. Die Kinder liegen, verglichen mit Europa, bestimmt um drei Jahrgangsstufen zur&#252;ck, was Fingerfertigkeit und bildliches Vorstellungsverm&#246;gen betrifft. Denn die wenigsten erfahren das, was wir „F&#246;rderung“ nennen. Ihre Familien haben kein Buch und kein Bild, keinen Stift und kein Fitzelchen Papier &#252;brig, nicht mal f&#252;rs WC. Das Schulwesen jedoch entwirft gro&#223;spurig klingende Lehrpl&#228;ne, die doch nur stark auf die Wiedergabe von Schemata setzen. Einen klassischen Brief voller Floskeln k&#246;nnen die Kinder in Makumbi fast alle nachahmen. Einen vollst&#228;ndigen englischen Satz sprechen k&#246;nnen aber nur einzelne. In den 50-k&#246;pfigen Klassen kommen nur ganz wenige Schlauk&#246;pfe richtig mit. Sie sitzen meist vorne und werden immer aufgerufen, aus Verzweiflung auch von mir.</p>
<p>Diese Umst&#228;nde limitieren Kreativit&#228;t gewaltig. Wie &#252;ber Selbstportr&#228;ts reden, wenn nur jeder dritte Sch&#252;ler daheim einen Spiegel oder ein Foto von sich besitzt? Wie einen Kreis halbieren, wenn ein Teil der Klasse „halbieren“ auf Englisch nicht versteht, ein anderer Teil kein Lineal lesen kann und der Rest 18 Zentimeter nicht durch zwei zu teilen wei&#223;? Wie mit Wasserfarben arbeiten, wenn es in Harare nur miserable Br&#246;ckel-Pasten in Rot, Gr&#252;n, Blau und Schwarz zu kaufen gibt und ein Pinsel zwei Dollar kostet – so viel, wie manche Familie h&#246;chstens pro Tag ausgeben kann? Noch die Siebtkl&#228;ssler k&#246;nnen &#252;berwiegend keinen geraden Falz in ein Papier machen und sehen keinen Unterschied zwischen parallelen und schr&#228;gen Linien. Sie warten auf die Anweisung, ihren Namen zu schreiben, und malen alles sparsam in eine Ecke anstatt auf voller Breite. Noch dazu muss ich mich aus meinem Kulturhorizont l&#246;sen: Beliebte Kinderkunst-Motive – Gespenster, Cartoons, Jahreszeiten, Raketen, Clowns und nicht zuletzt die ganze Welt der ber&#252;hmten Maler – zeichnen in Afrika nur Fragezeichen auf Gesichter.</p>
<p>Ich selbst lerne in dieser Zeit eine Menge hinzu. Vor allem Geduld und Strenge. Es war nicht zu vermeiden, dass mich nun laufend Sch&#252;ler unterwegs um Papier und Stifte anbetteln. Aber wenn ich meine acht Radiergummis und zehn Klebestifte nicht h&#252;te wie meinen Augapfel, gibt es schon n&#228;chste Woche keine Kunststunden mehr.</p>
<div id="attachment_1618" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/06/01/simbabwe-deine-kunstler-i/kunst5-3/" rel="attachment wp-att-1618"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/06/Kunst5-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1618" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Der allseits beliebte Falthut zum Bemalen mag ein alter Hut f&#252;r deutsche Kinder sein - nicht so f&#252;r simbabwische</em>.</p></div>
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		<title>Der Rasta erkl&#228;rt uns die Uhr</title>
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		<pubDate>Thu, 10 May 2012 22:07:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>isa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Afrika]]></category>
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		<description><![CDATA[Man denkt ja gemeinhin, der Afrikaner an sich nehme alles etwas lockerer. Wei&#223;e unterwerfen sich einer Diktatur des Sekundenzeigers – der Rastamann aber freut sich 24 Stunden am Tag des Lebens und wei&#223; gar nicht, wie man „Stress“ buchstabiert. Dazu zitiert jeder Mensch, der gerne etwas H&#246;fliches zum Thema Afrika sagen m&#246;chte, denselben Spruch. „Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1520" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/05/11/der-rasta-erklart-uns-die-uhr/zeit/" rel="attachment wp-att-1520"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/05/Zeit-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1520" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Unterhaltung am Stra&#223;enrand. In Simbabwe gibt es definitiv zu viele junge M&#228;nner mit zu viel Zeit</em>.</p></div>
<p>Man denkt ja gemeinhin, der Afrikaner an sich nehme alles etwas lockerer. Wei&#223;e unterwerfen sich einer Diktatur des Sekundenzeigers – der Rastamann aber freut sich 24 Stunden am Tag des Lebens und wei&#223; gar nicht, wie man „Stress“ buchstabiert. Dazu zitiert jeder Mensch, der gerne etwas H&#246;fliches zum Thema Afrika sagen m&#246;chte, denselben Spruch. „Die Europ&#228;er haben die Uhren, die Afrikaner haben die Zeit.“ Ich wei&#223; auch nicht, wo er herkam, aber wom&#246;glich werden damit bald inflation&#228;r Geschenkartikel bedruckt sein wie mit den beiden altitalienischen Pausbacken-Engeln.</p>
<p>Tats&#228;chlich habe ich noch nie einen Menschen so langsam eine Quittung ausstellen sehen wie in den L&#228;den und &#196;mtern von Harare. Kulturforscher reden da immer von mehr Gegenwartsbezug in Afrika und dehnbarem Zeitbegriff. Meine Unterstellung ist dagegen ern&#252;chternd: Hektik kommt bei Afrikanern auch deshalb so selten auf, weil sie sich in komplizierten sozialen Abl&#228;ufen bewegen. Diese hei&#223;en Tradition. Sie kosten Zeit, und zumindest auf dem Land h&#228;lt man diesen Preis in Ehren. „That’s our culture“, so lautet die stolze Antwort auf meine Nachfragen, warum man etwas so und nicht simpler mache.</p>
<p>Das beginnt schon fr&#252;h am Morgen. In Makumbi lerne ich, dass jede Frau, die einen Besen halten kann, t&#228;glich das gesamte Haus ausfegen muss. Ob es darin schmutzig ist oder nicht, spielt keine Rolle. Der Besen ist ein Bund aus Trockengras und verliert unterwegs meist zehn bis 100 Halme, die sich dann stets von Neuem im Restbesen verfangen. Auf Abfalleimer wird verzichtet. Die Technik ist dennoch so popul&#228;r, dass auf Souvenirartikeln afrikanische Frauen in der typisch geb&#252;ckten Kehrhaltung abgebildet sind. Auch das Kochen dauert oft beeindruckend lange, obwohl am Ende nur ein vergleichsweise einfaches Mahl herauskommt. Das Huhn muss „in unserer Kultur“ erst lange gekocht und dann lange frittiert werden.</p>
<div id="attachment_1521" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/05/11/der-rasta-erklart-uns-die-uhr/kochen/" rel="attachment wp-att-1521"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/05/Kochen-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1521" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Kochen ist sehr zeitaufw&#228;ndig f&#252;r die Frauen in Simbabwe. Die M&#228;nner fassen nicht mit an, der Strom fehlt, und die Gepflogenheit will es, dass man trotzdem zweimal t&#228;glich warm isst</em>.</p></div>
<p>Richtig kompliziert verh&#228;lt es sich aber erst mit der Familie. Bei der Shona-Lektion „Verwandtschaftsverh&#228;ltnisse“ habe ich resigniert. Ich habe schon im Deutschen M&#252;he, mir vorzustellen, wie der Cousin des Schwagers meines Onkels benannt wird. Die Ver&#228;stelungen sehen im Shona auch Unterschiede zwischen j&#252;ngeren und &#228;lteren Geschwistern der Mutter und des Vaters vor. Nun plane man ein, jeden dieser Verwandten korrekt begr&#252;&#223;en zu m&#252;ssen und in der g&#228;ngigen Abfolge zu befragen: „Wie geht’s? Wie steht’s? Und sonst, wie geht’s? Wie geht’s den Kindern? Wie geht’s der Arbeit? Wie geht’s den anderen? Und wie ist eigentlich das Leben so?“ Hatte man Besuch, begleitet man ihn &#8211; eine sch&#246;ne Geste &#8211; zum Schluss ein St&#252;ck des Wegs nach Hause.</p>
<p> <div id="attachment_1522" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/05/11/der-rasta-erklart-uns-die-uhr/tonderai/" rel="attachment wp-att-1522"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/05/Tonderai-250x274.jpg" alt="" width="250" height="274" class="size-thumbnail wp-image-1522" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Isabel mit Rastamann, allerdings nicht mit dem Erleuchteten vom Harare-Festival, sondern mit einem normalen Musiker</em>.</p></div>Das alles f&#252;hrt dann zu jener ber&#252;chtigten Versp&#228;tungsneigung, die mir eine junge Simbabwerin einmal als „BMT“ erl&#228;uterte. Sie wollte wissen, ob es sich bei einer bestimmten Uhrzeit um die tats&#228;chliche Uhrzeit oder um „BMT-Zeit&#8221; handele. Das sei die Abk&#252;rzung f&#252;r „Black Man’s Timing“, das Zeitarrangement des schwarzen Mannes. Ich erlebe BMT in Makumbi zum Beispiel bei Schulveranstaltungen, in denen man Pflanzen beim Wachsen zusehen kann. Andererseits werde ich regelm&#228;&#223;ig getadelt, wenn ich einmal zu sp&#228;t komme, in der naiven Annahme, dass das in Afrika egal sei. Uhrenfetischisten und Uhrenverweigerer koexistieren friedlich, so meine Beobachtung.</p>
<p>Vielleicht ist das alles subjektiver Quatsch. Was wei&#223; ich schon von Afrika! Vielleicht sind doch am Ende die Rastam&#228;nner die heimlichen Taktgeber im Hintergrund. Sie sind mir am Wochenende auf dem Harare International Festival of the Arts begegnet und wollten wohl ihr eigenes Klischee von der Entspanntheit noch &#252;bertrumpfen. Einer trug so viel Filzhaar auf dem Kopf, dass es wie ein B&#252;ndel Holz vorne aus dem Kopftuch wieder herauskam. „I can’t expreeeeess“, teilte uns ein anderer in h&#246;chster Begeisterung mit und verfiel in eine Art r&#252;ckw&#228;rtige Kniebeuge, er k&#246;nne gar nicht ausdr&#252;ckeeeeen, wie sch&#246;n alles sei. One love, Rastafari, wir alle zusammen, Dank sei dem Allerh&#246;chsten.</p>
<p><strong><br />
<blockquote>„Heute ist heute“, schw&#228;rmte er, „du wei&#223;t nie, was morgen ist.“</p></blockquote>
<p></strong><br />
Seine Augen gl&#228;nzten bedenklich. Er war saugl&#252;cklich und verschwand entschleunigt in die Nacht.</p>
<p>Das Musik-Theater-Festival erwies sich &#252;brigens als charmante, perfekt organisierte Veranstaltung, mit Minutenangaben im Konzertzeitplan. Sie wurden sogar eingehalten.</p>
<p><div id="attachment_1527" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/05/11/der-rasta-erklart-uns-die-uhr/winky1/" rel="attachment wp-att-1527"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/05/Winky1-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1527" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Das j&#228;hrliche Harare International Festival of the Arts (HIFA) war sch&#246;n anzusehen - hier der gefragte simbabwische Reggae-Dancehall-Star Winky D mit seiner Duettpartnerin</em>.</p></div><br />
<div id="attachment_1528" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/05/11/der-rasta-erklart-uns-die-uhr/winky2/" rel="attachment wp-att-1528"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/05/Winky2-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1528" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Bei &quot;HIFA&quot; fand das Publikum moderne und traditionelle afrikanische Musik genauso wie westliche Klassik. Nur dass der Zugang f&#252;r die mittellose Landbev&#246;lkerung unerschwinglich war</em>.</p></div><br />
<div id="attachment_1531" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/05/11/der-rasta-erklart-uns-die-uhr/winky4/" rel="attachment wp-att-1531"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/05/Winky4-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1531" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Bei HIFA funktioniert Harare noch. Tags&#252;ber herrschte im Stadtpark heitere Sommerstimmung, abends Begeisterung und Stolz - hier beim Konzert mit dem bekanntesten Musiker des Landes, Oliver Mtukudzi, einer Art Udo J&#252;rgens Simbabwes</em>.</p></div><br />
<a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/05/11/der-rasta-erklart-uns-die-uhr/winky5/" rel="attachment wp-att-1532"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/05/Winky5-600x337.jpg" alt="" width="600" height="337" class="aligncenter size-medium wp-image-1532" /></a></p>
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		<title>Kulturschock im Land der Z&#228;une</title>
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		<pubDate>Sun, 29 Apr 2012 22:28:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Als Sp&#228;tgeborene habe ich die DDR bewusst nur noch in Gestalt meiner damals irgendwie altmodisch gekleideten Naumburger Verwandten kurz nach der Wende gesehen. Nach der vergangenen Woche kann ich viel besser nachempfinden, wie die Ostb&#252;rger sich am ersten Tag jenseits der Mauer gef&#252;hlt haben m&#252;ssen. Das eine muss sich zum anderen verhalten haben wie Matt [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_1410" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/04/30/kulturschock-im-land-der-zaune/olympus-digital-camera-3/" rel="attachment wp-att-1410"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/04/Joburg1-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1410" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Wo in S&#252;dafrika ein Haus steht, stehen auch mindestens ein Zaun und eine &#220;berwachungskamera. Das sieht weniger nach Schutz als nach Bedrohung aus. &#220;berall werben Sicherheitsdienste und sogar „t&#246;dliche Kr&#228;fte&quot; um Auftraggeber.</em></p></div>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/04/30/kulturschock-im-land-der-zaune/olympus-digital-camera-4/" rel="attachment wp-att-1411"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/04/Joburg2-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="aligncenter size-medium wp-image-1411" /></a></p>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/04/30/kulturschock-im-land-der-zaune/olympus-digital-camera-6/" rel="attachment wp-att-1413"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/04/Joburg10-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="aligncenter size-medium wp-image-1413" /></a></p>
<p>Als Sp&#228;tgeborene habe ich die DDR bewusst nur noch in Gestalt meiner damals irgendwie altmodisch gekleideten Naumburger Verwandten kurz nach der Wende gesehen. Nach der vergangenen Woche kann ich viel besser nachempfinden, wie die Ostb&#252;rger sich am ersten Tag jenseits der Mauer gef&#252;hlt haben m&#252;ssen. Das eine muss sich zum anderen verhalten haben wie Matt zu Hochglanz, wie Haferschleim zu Spargelcremesuppe. Hannas und mein Tor zur Moderne hie&#223; Johannesburg.</p>
<p>Unsere Kurzreise in die s&#252;dafrikanische Wirtschaftsmetropole sollte den Kulturschock vorwegnehmen, der in ein paar Monaten in Deutschland auf uns wartet. Wir f&#252;hlten uns wie der sprichw&#246;rtliche Bauer in der Stadt: schlurfend, wo alle anderen rennen, in Sackleinen gekleidet, w&#228;hrend der Nebenmann als wandelnde B&#252;gelfalte auftritt. Die Stra&#223;en hatten pl&#246;tzlich wieder R&#228;nder und die Gesch&#228;fte Preisschilder. Waren wir wirklich noch in Afrika? Recht widerstandslos setzten wir uns der Konsumwelt aus, der wir entstammen, und es w&#228;re Heuchelei zu behaupten, wir h&#228;tten keine Freude daran gehabt. Ich kann in Makumbi ohne Thai-Restaurant, ohne Museumsbesuch und ohne Schuhladen gut leben. Aber ich kann auch hervorragend wieder mit ihnen leben. W&#228;hrend wir noch &#252;berlegten, ob uns das ein schlechtes Gewissen machen muss, bestellten wir M&#252;sli, Milchkaffee, Minestrone und Bruschetta. Alle Preise waren g&#252;nstiger als Simbabwe.</p>
<div id="attachment_1416" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/04/30/kulturschock-im-land-der-zaune/olympus-digital-camera-7/" rel="attachment wp-att-1416"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/04/Joburg8-600x435.jpg" alt="" width="600" height="435" class="size-medium wp-image-1416" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Touristische Sch&#246;nheit wirft Johannesburg nicht gerade ab. Aber S&#252;dafrikas Wirtschaftshauptstadt besitzt viel urbanen Charme. Sie g&#228;be eine gute Romankulisse ab</em>.</p></div>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/04/30/kulturschock-im-land-der-zaune/olympus-digital-camera-8/" rel="attachment wp-att-1417"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/04/Joburg6-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="aligncenter size-medium wp-image-1417" /></a></p>
<p>Johannesburg enthielt uns seine legend&#228;ren Messerstecher vor – ich vermutete sie nach der Warnung eines N&#252;rnberger Kollegen hinter jeder Ecke – und zeigte sich stattdessen international und vielversprechend. Das mochte an der Familie mit Dackel gelegen haben, die uns beherbergte und herumfuhr, welch ein Gl&#252;cksfall. Das Auto ist die Zweitwohnung des Johannesburgers. Aus Sicherheitsgr&#252;nden verl&#228;sst er es selten. Aber auch deshalb, weil es als Sp&#228;tfolge der Apartheid kein vitales Stadtzentrum mehr gibt. In dem zersiedelten Acht-Millionen-Ballungsraum trifft man seine Freunde oftmals erst nach 20 Kilometern Anfahrt. Die Kulissen vor den Autofenstern erinnerten an San Francisco. Schnieke, baumbestandene Wohnstra&#223;en auf H&#252;geln (sie sind der Abfall der Goldgr&#228;ber, die eine menschenleere Ebene ab 1886 zur Millionenstadt machten), durchsetzt von Kreativlokalen und Shopping Malls, in denen man bei „Kentucky Fried Chicken“ oder in der Spareribs-Kette einkehrt. Der Herbst hielt Einzug. Die Platanenalleen produzierten braune Haufen, das Mittagslicht war tr&#252;be. Die Gegenden, in denen man grundlos angeschossen werden kann, umfuhren wir.</p>
<div id="attachment_1430" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/04/30/kulturschock-im-land-der-zaune/olympus-digital-camera-9/" rel="attachment wp-att-1430"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/04/Joburg5-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1430" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Das Johannesburger Apartheid-Museum arbeitet die skandal&#246;se Historie der Rassentrennung sehr gut auf, hier mit Beispielgeschichten aus Einwandererfamilien</em>.</p></div>
<div id="attachment_1451" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/04/30/kulturschock-im-land-der-zaune/olympus-digital-camera-10/" rel="attachment wp-att-1451"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/04/Joburg12-250x250.jpg" alt="" width="250" height="250" class="size-thumbnail wp-image-1451" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Alles ist hier voller Nelson Mandela. Ob im Glasperlenbild</em> ...</p></div>
<div id="attachment_1452" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/04/30/kulturschock-im-land-der-zaune/olympus-digital-camera-11/" rel="attachment wp-att-1452"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/04/Joburg9-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1452" /></a><p class="wp-caption-text">... <em>oder im Einkaufszentrum, das sich f&#252;r den &quot;Freedom Day&quot; schm&#252;ckt</em>.</p></div>
<div id="attachment_1473" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/04/30/kulturschock-im-land-der-zaune/olympus-digital-camera-12/" rel="attachment wp-att-1473"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/04/George-et-moi-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1473" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Sonst gibt es in Einkaufszentren ja nur Konsum-Ikonen zu sehen</em>.</p></div>
<p>Die Gastfamilie mit dem Dackel nun konnte nicht so recht fassen, dass man sich freiwillig in Simbabwe aufhalten mag. Auch ihre Cousins und Cousinen sch&#252;ttelten den Kopf. Sie sind Wei&#223;e oder „Coloureds“ genannte Mischlinge. Keiner hat das Nachbarland, das S&#252;dafrika mit Immigranten &#252;berschwemmt, je betreten. Dann erz&#228;hlten sie in ihrem charmant verf&#228;rbten Britisch-Englisch von den Sorgen S&#252;dafrikas. Dort haben sich zwar Frieden und Freiheit verbreitet, doch die soziale Ungleichheit stinkt zum Himmel. Eine richtige Demokratie sei S&#252;dafrika nicht, beschwerte sich ein angehender Rechtsanwalt, eher eine Einparteien-Monarchie. Der solide Mittelstand, dem diese Leute angeh&#246;ren, &#228;chzt unter astronomisch hohen Abgaben, und ein Hochschulabsolvent muss mit Einstiegsgeh&#228;ltern von nur 500 Euro monatlich rechnen. Es gab selbstgebackene T&#246;rtchen. Der Swimmingpool war schon winterfest abgedeckt.</p>
<div id="attachment_1474" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/04/30/kulturschock-im-land-der-zaune/olympus-digital-camera-13/" rel="attachment wp-att-1474"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/04/Joburg7-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-1474" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Isabel (5. v. r.) und Hanna (r.) im Gespr&#228;ch mit den Johannesburger Gastgebern</em>.</p></div>
<p>Dass auch in diesem Land etwas schiefl&#228;uft, sieht selbst der oberfl&#228;chlichste Besucher schon am Stra&#223;enrand. Jedes Geb&#228;ude, ob wichtig oder nicht, ist mit Mauern und Z&#228;unen bewehrt, und obendrauf sitzt noch ein Elektrozaun. Das Ensemble sieht nicht nach Schutz, sondern nach Bedrohung aus. An Laternenmasten werben Zettel f&#252;r Abtreibung, sicher und schmerzfrei, und eine Zeitungsschlagzeile erkl&#228;rt: „Warum unsere Kinder s&#252;chtig nach Pornos sind“. An jeder roten Ampel verrenken junge schwarze M&#228;nner ihre Gesichter und H&#228;nde zu Bettelgesten der Demut, und die Wei&#223;en in den Autos winken ab. Als wir am Fr&#252;hst&#252;ckstisch sa&#223;en, rumpelte es drau&#223;en am Eisentor, man h&#246;rte Rufe. „Ach das&#8221;, sagte unser Gastgeber, „da darf man nicht aufmachen. Die kommen jeden Tag. Die wollen Geld und Jobs.&#8221;</p>
<p>Rund drei Millionen Simbabwer sollen auf der Suche nach einem besseren Leben nach S&#252;dafrika ausgewandert sein. Auf der R&#252;ckfahrt begegneten uns ein paar von ihnen im Bus. S&#252;dafrika feierte seinen Jahrestag der freien Wahlen von 1994, und die Gastarbeiter hatten in ihren Plastikt&#252;tenfabriken ein paar Tage frei. Sie fuhren nach Hause zur Beerdigung der Mutter oder um Geld zu bringen, um ihre kleinen Kinder bei den Omas zu besuchen. Daheim erz&#228;hlen sie, wie kalt und gef&#228;hrlich es sich im S&#252;den lebe. Ich fragte einen jungen Mann, wo er sich wohler f&#252;hle. Er sagte: in S&#252;dafrika, seit es Simbabwe so schlecht geht. „Aber auch in Simbabwe. Es ist das Land, aus dem ich stamme. Da habe ich doch keine Wahl, es gut zu finden.“</p>
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		<title>Hinkend vorw&#228;rts</title>
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		<pubDate>Thu, 09 Feb 2012 22:46:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Nach Schwierigkeiten mit Fieber, Internet und Mitmenschen melde ich mich zur&#252;ck. Mit einer der heikelsten Fragen zum Kontinent. Spreche ich sie aus, beschimpfen mich alle Weltverbesserer. Verschweige ich sie, bin ich nach Ansicht der meisten Entwicklungshelfer naiv. Die Frage lautet: Sind Afrikaner faul? Man kann auch von „lethargisch“ sprechen, dann klingt es etwas sachlicher. Das [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_762" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/02/10/hinkend-vorwarts/hinkend-3/" rel="attachment wp-att-762"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/02/Hinkend2-600x389.jpg" alt="" width="600" height="389" class="size-medium wp-image-762" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Dieses Gef&#228;hrt hinkt nicht einmal mehr.</em></p></div>
<p>Nach Schwierigkeiten mit Fieber, Internet und Mitmenschen melde ich mich zur&#252;ck. Mit einer der heikelsten Fragen zum Kontinent. Spreche ich sie aus, beschimpfen mich alle Weltverbesserer. Verschweige ich sie, bin ich nach Ansicht der meisten Entwicklungshelfer naiv. Die Frage lautet: Sind Afrikaner faul?</p>
<p>Man kann auch von „lethargisch“ sprechen, dann klingt es etwas sachlicher. Das Terrain bleibt dasselbe: die alte Vorurteilslandschaft der Kolonialherrschaft. In diese Historie sind wei&#223;e Besucher &#252;brigens schon ab dem ersten Tag tiefer verstrickt, als ihnen lieb ist. Das merke ich nicht nur daran, dass ich heute schon wieder zweimal Rechenschaft &#252;ber meine Handtasche ablegen musste.</p>
<p>Als Bewohner auf Zeit in nur einem von 54 afrikanischen Staaten kann ich &#252;ber die &#252;brigen 53 nat&#252;rlich gar nichts aussagen. Und gilt jemand eigentlich schon als faul, sobald er nicht am H&#246;llenrhythmus der westeurop&#228;ischen Effizienz teilnimmt? In Simbabwe lerne ich &#228;u&#223;erst emsige Menschen kennen &#8211; und genauso aufreizende Formen von Unt&#228;tigkeit. Letztere kann drastisch ausfallen. Der Zugereiste muss kein Rassist sein, wenn er dann an Faulheit denkt, wobei die wirklichen Gr&#252;nde komplexer ausfallen d&#252;rften.</p>
<blockquote><p><strong>Es gibt zwei Schaukeln</strong> auf dem Spielplatz meines Kindergartens. Sie sehen sich den Himmel an, seitdem sie jemand aufgewickelt hat. Ein poetisches Bild. Endlich scheinen sie die Schwerkraft &#252;berwunden zu haben, die sie sonst immer ausbremst. Das Aufwickeln passierte Ende November, als die Schaukeln mit ihren Kanten grausige Wunden in vor&#252;berrennende Kinder schlugen. Nun, im Februar, liegt der Spielplatz immer noch verschlossen da. Die Kinder dr&#252;cken sehns&#252;chtig ihre Nasen durch den Zaun, selten darf eine Kleingruppe hinein. Auch das Karussell m&#252;sste repariert werden.</p>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2012/02/10/hinkend-vorwarts/schaukeln-2/" rel="attachment wp-att-753"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2012/02/Schaukeln1-600x450.jpg" alt="" width="500" height="360" class="aligncenter size-medium wp-image-753" /></a></p>
<p>Die Mission hat Handwerker, die die Kunst der Improvisation beherrschen. Sie k&#246;nnten Reifengummi um die Schaukeln binden oder Kunststoff. Dazu m&#252;sste man die M&#228;nner aber beauftragen. Das darf ich nicht, weil es feste Zust&#228;ndigkeiten gibt. Und vielleicht Kosten. Ich sage der Schuldirektorin, dass ich die Abl&#228;ufe in ihrem Auftrag gerne kl&#228;re. Sie wirkt &#252;berlastet und nickt. Ich frage sie wieder, mit unterschiedlichsten Techniken, warte auf ihr Kommando. Nichts passiert. Ich habe mir vorgenommen, dass ich ihr noch bei meiner Abreise nach Deutschland zurufen werde: „Und denken Sie bitte an die Schaukeln!“ Dann wird die arme Frau verr&#252;ckt, glaube ich.</p></blockquote>
<p>Pater Heribert ist als Leiter der Mission umgeben von kleinen Geschichten wie diesen. Geschichten von verhinderter Entwicklung, weil das Material nicht gepflegt wird. Von Verschlei&#223; durch Achtlosigkeit, Tr&#246;delei und mangelndes Verantwortungsbewusstsein. Eine Strapaze, die er mit sonnigem Gem&#252;t hinzunehmen scheint. „Hinkend geht es vorw&#228;rts“, befindet er, wohl wissend, dass andere Missionare aus diesem Grund bereits die Segel strichen. &#196;hnlich lakonisch erkl&#228;rt mir sein simbabwischer Mitbruder Ben, warum er seine Gartenarbeit am liebsten allein erledigt. „Wenn du Arbeiter nimmst, geschieht nicht viel.“</p>
<blockquote><p><strong>Es gibt drei 20-Liter-Eimer</strong> in meinem Kindergarten. In ihnen wird traditionell ein Malzpulver anger&#252;hrt, das als Pausengetr&#228;nk ausgeschenkt wird. Es stillt den gr&#246;&#223;ten Hunger, wenn die Kinder einander wieder einmal den k&#228;rglichen Proviant gestohlen haben. Nicht so im neuen Schuljahr. „Warum gibt es das Malzding nicht mehr?“, frage ich. „Weil die Eimer &#252;ber die Ferien verschimmelt sind. – Warum macht sie niemand sauber? – Weil es in der Schule kein warmes Wasser gibt. – Warum macht sie niemand zu Hause sauber? – Wer sollte sie dorthin tragen und warum?“ So antworten mir die Lehrerinnen. Vor den Ferien habe ich ihre zwei Kindergarten-Klassenzimmer entr&#252;mpelt. Darin befanden sich Schmutzecken aus mutma&#223;lich mehreren Jahren. Ihr Chef half mir tatkr&#228;ftig. Die Frauen sa&#223;en jedoch daneben und sch&#252;ttelten den Kopf. Ich muss mal sehr gut drauf sein, um mich an den Schimmel zu machen.</p></blockquote>
<p>Vielleicht geht es ja gar nicht um &#8220;lethargisch&#8221;, sondern vielmehr um &#8220;geplant unorganisiert&#8221;. Ohne Murren werden Schaufeln mit l&#246;chriger Schippe benutzt, Schubkarren ohne Rad und Besen ohne Stiel. Schulstunden werden ausgesetzt, Lieferungen werden zugesagt, die man nie einhalten kann. Weil man nicht das Gesicht verlieren will, aber auch, weil es KEIN PROBLEM ist. Simbabwer beschweren sich &#252;ber Etliches, aber noch kein Einheimischer hat mir sein Leid geklagt, dass es nicht vorw&#228;rtsgehe. Das kann ich mit mir allein diskutieren.</p>
<blockquote><p><strong>Es gibt eine Bibliothek</strong> in der Grundschule. Ich habe sie erst neulich entdeckt, aus Zufall. An der T&#252;r erschrak ich. Es handelt sich um eine Abstellkammer, in der Frevel an B&#252;chern geschieht. Unkenntlich und staubbedeckt sind sie in Regale geschlichtet. Davor liegt Schrott. Ich kann mir nicht vorstellen, dass hier mehr als drei Ausleihen im Monat verbucht werden, au&#223;er von Termiten. Ich sprach den verantwortlichen Lehrer an, um ihm Hilfe anzubieten. Er komme leider immer nicht dazu, bedauerte er, aber wir k&#246;nnten es gemeinsam anpacken. Ich wette, dass ich ihn noch sechs- bis achtmal danach fragen muss.</p></blockquote>
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		<title>Mais ist mein Gem&#252;se</title>
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		<pubDate>Fri, 30 Dec 2011 21:31:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Hannas Eltern haben f&#252;r den Silvesterabend ein K&#228;sefondue in petto. Aber womit aufsaugen – etwa mit labbrigem Toastbrot? In Simbabwe isst und trinkt man ordentlich, aber nicht aufregend und schon gar nicht genussreich. Das hat ausnahmsweise nichts mit Geld zu tun. „Wir k&#246;nnen nicht kochen“, hatte mich meine erste Shona-Lehrerin noch in Franken informiert. Die [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div id="attachment_552" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/30/mais-ist-mein-gemuse/sadza-2/" rel="attachment wp-att-552"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Sadza1-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-552" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Nationalgericht Simbabwes: Aus dem &quot;Gold der Armen&quot; wird der Maisbrei namens Sadza zubereitet. Jeden Mittag. Und Abend. Und immerzu.</em></p></div>
<p>Hannas Eltern haben f&#252;r den Silvesterabend ein K&#228;sefondue in petto. Aber womit aufsaugen – etwa mit labbrigem Toastbrot? In Simbabwe isst und trinkt man ordentlich, aber nicht aufregend und schon gar nicht genussreich. Das hat ausnahmsweise nichts mit Geld zu tun. „Wir k&#246;nnen nicht kochen“, hatte mich meine erste Shona-Lehrerin noch in Franken informiert. Die Auskunft verwundert wenig, da das Land einst von den Briten besetzt war. Nach allem, was die Missionars-Pioniere in ihren Aufzeichnungen hinterlie&#223;en, steht jedoch zu vermuten, dass auch der vorkoloniale Speiseplan kaum H&#246;hepunkte enthielt. Von ungesalzenem Fleisch berichten die Br&#252;der, und das in &#252;belriechendem Wasser anger&#252;hrte Maismehl machte ihnen mehr Probleme als das Fieber.</p>
<div id="attachment_561" class="wp-caption alignleft" style="width: 260px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/30/mais-ist-mein-gemuse/ishwa/" rel="attachment wp-att-561"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Ishwa-250x187.jpg" alt="" width="250" height="187" class="size-thumbnail wp-image-561" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Wie das Plakat zeigt, sind Raupen (madora) und Termiten (ishwa) in der Ern&#228;hrungstafel selbstverst&#228;ndlich enthalten.</em></p></div>Die indigenen Gerichte konnten mich noch nicht &#252;berzeugen. Muss man die gebratenen gefl&#252;gelten Termiten (ishwa) und die schwarzen getrockneten Raupen (madora) probieren, um ein guter Freiwilliger zu sein? Noch konnte ich die Insekteneuphorie aussitzen, und die Termiten schw&#228;rmen nur abends durch die Fensterritzen in mein Zimmer hinein. Es bleibt mir auch ein R&#228;tsel, wie der Schleim aus gekochten Okra-Schoten und der braune, sandige, ungew&#252;rzte Brei aus Grassamen namens Rapoko jemals in einen Teller finden konnten. Rapoko sieht schlimmer aus als Flussschlamm. Viel schlimmer. Wer gerne isst, wei&#223;, wie viel Optik und Konsistenz zum Geschmack beitragen.</p>
<p><div id="attachment_555" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/30/mais-ist-mein-gemuse/termiten-3/" rel="attachment wp-att-555"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Termiten2-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-555" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Proteine mit sechs Beinen: Eben sind die Termiten noch herumgeflattert, nun warten sie nach der Pfannenr&#246;stung auf den Verzehr.</em></p></div>
<p>Simbabwer lieben Brei. Zum Fr&#252;hst&#252;ck essen sie Porridge. Zum Mittag- und Abendessen nehmen sie Maisbrei (sadza), also 730 Mal im Jahr, und wahrscheinlich steckt er sogar in ihren Kopfkissen. Die stichfeste Masse wird mit Hilfe eines Holzstabs aus Maismehl und Wasser gekocht. Salz kommt nicht hinein. Interessant wird dieser wei&#223;gelbe Berg dann durch pikante Beilagen wie spinat&#228;hnliches Gem&#252;se mit Erdnussbutter, rote Bohnen, K&#252;rbis, Kohl, Tomatenso&#223;e, Rindergulasch, Schweinskotelett oder meist frittiertes H&#252;hnchen. Dessen F&#252;&#223;e und K&#246;pfe werden mitverzehrt, dem &#228;ngstlichen Murungu jedoch erspart. Je vornehmer die Gesellschaft, desto mehr Bandbreite. Manchmal finden dann Kartoffeln, Reis, Nudeln und Sadza gleichzeitig statt. Vor- und Nachspeisen sind un&#252;blich. Getrunken werden Wasser oder Softdrinks. Der Kaffee ist Instant, das Brot Sandwich, das Fett Margarine. Gew&#252;rze stammen aus Knorr- und Maggi-Fertigmischungen. Es ist eine erdige K&#252;che zum S&#228;ttigen, ohne Experimente. Dazu passt, dass M&#228;nner wie Frauen kr&#228;ftig r&#252;lpsen d&#252;rfen.</p>
<div id="attachment_557" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/30/mais-ist-mein-gemuse/mashanje1/" rel="attachment wp-att-557"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Mashanje1-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-557" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Kinder verkaufen Mashanje-Fr&#252;chte an den Stra&#223;en. Diese wilden Mispeln mit dicken Kernen und gelbem, nassem Fruchtfleisch muss man auslutschen. Zum Jahresende gehen sie zur Neige.</em></p></div>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/30/mais-ist-mein-gemuse/blackforestcake/" rel="attachment wp-att-556"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Blackforestcake-250x187.jpg" alt="" width="250" height="187" class="alignright size-thumbnail wp-image-556" /></a>Meine kulinarischen Vergn&#252;gungen kommen von oben. Dicke Avocados erster Klasse fallen von einem haushohen Baum in unseren Garten herab. Die Zwergbananen daneben schmecken so k&#246;stlich wie die goldenen Fr&#252;chte des Dezember: Kugelige wilde Mispeln (mashanje) und kleine Mangos haben ein unvergleichliches Aroma. Und manchmal leistet sich die Ordensgemeinschaft &#220;berraschungen aus dem Supermarkt. Da tauchten schon eine Schwarzw&#228;lder Kirschtorte, R&#228;ucherwurst und Rotwein aus S&#252;dafrika auf. Auf der Torte stand zur Sicherheit, damit auch ich den k&#252;nstlichen Kirschgeschmack deuten konnte, &#8220;Blackforestcake&#8221;.</p>
<div id="attachment_560" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/30/mais-ist-mein-gemuse/mangos/" rel="attachment wp-att-560"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Mangos-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-560" /></a><p class="wp-caption-text"><em>In Deutschland w&#228;re die Ladung dieses Pickups ein Verm&#246;gen wert. In Harare kann man f&#252;r sechs Dollar einen mittelgro&#223;en Eimer s&#252;&#223;ester Mangos kaufen.</em></p></div>
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		<title>Krasses Kariba</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Dec 2011 23:40:07 +0000</pubDate>
		<dc:creator>isa</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Ich f&#252;hlte mich an H&#246;hen und Tiefen meiner Pubert&#228;t erinnert, als ich diese schw&#252;len Tage mit den 40 M&#228;dchen verbrachte. Das &#8220;krass&#8221; in der &#220;berschrift des Beitrags r&#252;hrt allerdings anderswo her. Mit &#8220;Krasses Varanasi&#8221; betitelte einst meine indienreisende Freundin ihre E-Mail aus der gleichnamigen heiligen Stadt am Ganges, in der strenggl&#228;ubige Hindus baden und sterben. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/10/krasses-kariba/kariba3/" rel="attachment wp-att-442"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Kariba3-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="aligncenter size-medium wp-image-442" /></a></p>
<p>Ich f&#252;hlte mich an H&#246;hen und Tiefen meiner Pubert&#228;t erinnert, als ich diese schw&#252;len Tage mit den 40 M&#228;dchen verbrachte. Das &#8220;krass&#8221; in der &#220;berschrift des Beitrags r&#252;hrt allerdings anderswo her. Mit &#8220;Krasses Varanasi&#8221; betitelte einst meine indienreisende Freundin ihre E-Mail aus der gleichnamigen heiligen Stadt am Ganges, in der strenggl&#228;ubige Hindus baden und sterben. Ein Aufenthalt neben den Verbrennungspl&#228;tzen am Fluss ger&#228;t f&#252;r so manchen keimfrei aufgewachsenen Europ&#228;er zum Schocker.</p>
<p>Die Verh&#228;ltnisse am Kariba-See waren indisch in mehrfacher Hinsicht. Die Hitze versuchte uns zu ersticken, die improvisierte Massenunterkunft in einem Zwei-Mann-Priesterhaus raubte uns den letzten Quadratzentimeter Intimsph&#228;re. Ich &#252;bte mich in der fast vergessenen Tugend der Langmut. Sagen wir es, wie es ist: Diese Reise geht in meine Annalen der schrecklichsten Tage und N&#228;chte ein. Der Fahrer hingegen, der uns im Kleinbus zu Ausflugszielen chauffierte, ging am letzten Tag in eine Haftzelle hinein. Er besitzt keinen F&#252;hrerschein. Nun zeigt sich die Polizei nicht mehr langm&#252;tig genug.</p>
<p>Sehr afrikanisch verhielt sich das Wasser, indem es uns ein ganz erstaunliches Paradox vorf&#252;hrte. Im Angesicht einer der weltgr&#246;&#223;ten von Menschenhand geschaffenen Wasserfl&#228;chen verf&#252;gten wir am Ufer &#252;ber so gut wie keinen Tropfen. Von den 180.600.000.000 Kubikmetern drang meist nichts in die Leitungen vor. Ebenso blieb es in der &#228;rmlichen Gegend bis zuletzt unm&#246;glich, ein St&#252;ck Fisch aufzutreiben. Obwohl wir doch dort unten jede Nacht unter den Sternen die Boote funkeln sahen.</p>
<div id="attachment_444" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/10/krasses-kariba/kariba4/" rel="attachment wp-att-444"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Kariba4-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-444" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Der Fischer muss aufpassen, dass er kein Happy Hippo angelt.</em></p></div>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/10/krasses-kariba/kariba1/" rel="attachment wp-att-447"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Kariba1-250x187.jpg" alt="" width="250" height="187" class="alignleft size-thumbnail wp-image-447" /></a>Die Pfadfinderinnen und unsere M&#228;dchen aus dem Kinderheim hatten zum Gl&#252;ck ihren Spa&#223;: Sie tanzten, angefeuert von ihrer Nonne und der Schuldirektorin, zu Hip-Hop-Videos im Reisebus wie in der Disco. Sie eroberten eine Riesen-Wasserrutsche und freuten sich &#252;ber das H&#228;hnchen-Grillfeuer und eine heimliche leichte Weinschorle am letzten Abend. Sie jubelten genauso wie wir Wei&#223;en &#252;ber die Zebras am Stra&#223;enrand und die drei Elefanten, die wir in der Ferne unter einem Hochspannungsmast ausmachen konnten. Nur die aufdringlichen Paviane, die Spaghetti aus dem Kochtopf stahlen, waren ihnen auch aus Makumbi bekannt.</p>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/10/krasses-kariba/kariba7/" rel="attachment wp-att-448"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Kariba7-250x187.jpg" alt="" width="250" height="187" class="alignright size-thumbnail wp-image-448" /></a>Wahrscheinlich war Nyaminyami an den Umst&#228;nden schuld. So hei&#223;t das Seeungeheuer, das immer wieder Unheil anrichtet, weil die Stauseebauer das Vieh vor 50 Jahren von seiner Ehefrau im Sambesi-Fluss abtrennten. Man sollte Nyaminyami nicht zwingen, gef&#228;llig zu sein, indem man ihn um &#8220;Urlaub&#8221; wie an der Adria erpresst. Es geht in Kariba nur voran, wenn man nicht mehr daran glaubt. Unser Bus f&#252;r die R&#252;ckfahrt holte uns nicht, wie ausgemacht, um 8 Uhr ab, sondern elf Stunden sp&#228;ter.</p>
<p>&#8220;T-i-a&#8221;, sagte ein junger Jesuit zu Hause in Makumbi kopfsch&#252;ttelnd nach unseren Erz&#228;hlungen. &#8220;This is Africa!&#8221; Er stammt aus Simbabwe.</p>
<div id="attachment_443" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/10/krasses-kariba/kariba8/" rel="attachment wp-att-443"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Kariba8-600x337.jpg" alt="" width="600" height="337" class="size-medium wp-image-443" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Ein Bus kann auch mal elf Stunden versp&#228;tet sein.</em></p></div>
<div id="attachment_451" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/10/krasses-kariba/kariba6/" rel="attachment wp-att-451"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Kariba6-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-451" /></a><p class="wp-caption-text"><em>Nach Sambia kann man r&#252;berlaufen: M&#228;dchen aus dem Makumbi Children&#039;s Home mit Isabel und Hanna auf der Staumauer der Kariba-Talsperre.</em></p></div>
<div id="attachment_452" class="wp-caption aligncenter" style="width: 610px"><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/12/10/krasses-kariba/kariba9/" rel="attachment wp-att-452"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/12/Kariba9-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="size-medium wp-image-452" /></a><p class="wp-caption-text"><em>An der Staumauer der Kariba-Talsperre. Nichts erinnert mehr daran, dass der Bau des monstr&#246;sen Unterfangens seinerzeit knapp 100 Arbeiter das Leben kostete und die Umsiedlung von 60.000 Talbewohnern erzwang.</em></p></div>
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		<title>Afrika-Krise: Folge zwei</title>
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		<pubDate>Sun, 27 Nov 2011 19:57:59 +0000</pubDate>
		<dc:creator>isa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Freiwilligenarbeit]]></category>
		<category><![CDATA[Gesundheit]]></category>
		<category><![CDATA[Kinder]]></category>
		<category><![CDATA[Kultur]]></category>
		<category><![CDATA[Afrika-Krise]]></category>
		<category><![CDATA[Makumbi District Hospital]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Tag fing schlecht an, und er ging f&#252;rchterlich weiter. Die Vorschullehrer lie&#223;en mich diesmal mit den 150 Sch&#252;lern gleich ganz allein. Einer musste in einer lehrerlosen Klasse aushelfen. Die zwei anderen gingen f&#252;r eineinhalb Stunden T&#246;pfe absp&#252;len. Die Kinder, die an mir hochsprangen, verstellten nun den Blick auf jene, die ich vom Pr&#252;geln abhalten [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/11/27/afrika-krise-folge-zwei/krankenhaus/" rel="attachment wp-att-379"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/11/Krankenhaus-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="aligncenter size-medium wp-image-379" /></a></p>
<p>Der Tag fing schlecht an, und er ging f&#252;rchterlich weiter. Die Vorschullehrer lie&#223;en mich diesmal mit den 150 Sch&#252;lern gleich ganz allein. Einer musste in einer lehrerlosen Klasse aushelfen. Die zwei anderen gingen f&#252;r eineinhalb Stunden T&#246;pfe absp&#252;len. Die Kinder, die an mir hochsprangen, verstellten nun den Blick auf jene, die ich vom Pr&#252;geln abhalten wollte und beim Bodenwischen beaufsichtigen sollte. Das Wischen wiederum ist sinnlos. Sek&#252;ndlich entsteht neuer Dreck. Es gibt Staubstra&#223;en, Enge, Reis und Chips, aber keine Abfalleimer. In diesem L&#228;rmorchester meinte ich die Trompeten von Jericho herauszuh&#246;ren.</p>
<p>Schl&#228;ge sind hier die finale Waffe des Lehrers – da mache ich aber nicht mit. Meine Friedensverhandlungen gedeihen leider kaum. Denn immer kommt mir der &#252;bliche Erwachsene dazwischen, der einen Streit folgenderma&#223;en schlichtet: Er fordert den Verpr&#252;gelten auf, dem Schl&#228;ger zur Vergeltung eins auf den Kopf zu hauen.</p>
<p>Mein Unmut &#252;ber diese Zwangslage fand indes ein j&#228;hes Ende, als mir ein M&#228;dchen mit blutbespritztem Kleid entgegenkam. Knapp &#252;ber ihrem Auge: eine knochentief klaffende Wunde. Sp&#228;ter stellte sich heraus, dass sie von der Eisenschaukel verursacht worden war – nur zwei Tage sp&#228;ter wurde ein Junge an derselben Stelle getroffen. Mir fiel die Aufgabe zu, das M&#228;dchen in das staatliche strom- und wasserlose Krankenhaus zum N&#228;hen zu begleiten. Ich bin in medizinischen Dingen nicht zartbesaitet. Aber dort hielt mich vom Kollaps nur die Angst ab, selbst behandelt werden zu m&#252;ssen. Ich habe von so vielen Fehlbehandlungen geh&#246;rt, dass mich der Kerzenschein am Bett gar nicht mehr schrecken w&#252;rde. Ersch&#252;tternd daran ist wieder einmal, dass Simbabwe einst ein funktionierendes Gesundheitswesen besa&#223;, es aber binnen kurzem aufgab.</p>
<p>Es soll in Makumbi einen Arzt geben, aber gesehen wird er selten. Schwestern gibt es gen&#252;gend, doch die tragen nur ihre Popos und Frisuren spazieren. Eine b&#252;rstete drau&#223;en die Wiese. Sie agierten in einer Langsamkeit, als w&#228;ren sie in K&#228;ltestarre gefallen. Kurz: Es ist schon viel Blut an ihnen vor&#252;bergeflossen. „Ich gehe jetzt zum Tea“, sagte eine zu mir. „Bis in einer Stunde.“ Wie zum Hohn hing hinter ihr, neben Tuberkulose- und Aids-Informationen, ein handgeschriebenes Plakat mit einem Ehrenkodex der Krankenschwestern. Unter b&#246;sen Blicken von 40 wartenden Patienten bestand ich dennoch auf vorgezogene Behandlung. Sie erfolgte nach einer Stunde brutalstm&#246;glich. Die Schwester sprach kein Wort und setzte die dicke N&#228;hnadel an, noch bevor die Bet&#228;ubung wirkte. „Sorry“, sagte sie dann, „sorry.“ Das kleine M&#228;dchen weinte so bitterlich vor Schmerzen, dass ich auch zu st&#246;hnen begann. Verst&#228;ndigen konnten wir uns nicht. Ich blies ihm zur Belohnung einen Luftballon auf, das schuldete ich ihm. Die Leute runzelten die Stirn.</p>
<p>Mein neues Problem bestand nun darin, die Kleine nach Hause zu bringen. Der schweigsame Bruder, der die Eltern verst&#228;ndigen h&#228;tte sollen, blieb auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Nach 50 Minuten Fu&#223;marsch kamen wir in einem Talgrund an. Die Mutter sa&#223; auf dem Boden, der Vater hackte Holz. Sie hielten nicht inne und stellten keine Fragen. Kaum ein Wort des Dankes oder der Zuwendung. Es sind schon sieben Kinder da, auffallend wortkarg alle, die Frau ist wieder schwanger. Der Mann lebt in Polygamie, erfuhr ich. Das ist auf dem simbabwischen Land eine respektierte Lebensform, die meist mit dem Bekenntnis zu einer traditionellen Religion einhergeht.</p>
<p>Ich erkl&#228;rte den Eltern, dass sie dem Krankenhaus drei Dollar schuldeten und ihre Tochter nun t&#228;glich zum Verbandswechsel bringen m&#252;ssten. Und ich wusste im selben Moment, dass sie es nicht tun w&#252;rden. Wer hat hier schon drei Dollar zur&#252;ckgelegt? Und wer w&#252;rde meine heimische Definition von „Kindeswohl“ &#252;berhaupt nachvollziehen k&#246;nnen?</p>
<p>Ich war tieftraurig. Auf dem R&#252;ckweg machte ich auf dem Krankenhausgel&#228;nde ein Landschaftsfoto. Ein Mann trat auf mich zu und wies mich zurecht, dass ich nicht fotografieren d&#252;rfe. Man wisse schlie&#223;lich nicht, wozu ich die Informationen verwende. Da hat er nat&#252;rlich Recht.</p>
<p>Ich verwende sie nur f&#252;r diese Aussage: Es ist nicht nur sch&#246;n, eine andere Kultur zu entdecken. Man f&#252;hlt sich dann ersch&#246;pft und sehr deutsch. Bitte lass&#8217; mich bei einem Notfall nie in dieses Krankenhaus bringen, sagte ich zu Hanna.</p>
<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/11/27/afrika-krise-folge-zwei/krankenhaus1/" rel="attachment wp-att-380"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/11/Krankenhaus1-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="aligncenter size-medium wp-image-380" /></a></p>
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		<title>M&#228;dchentr&#228;ume</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Nov 2011 19:00:49 +0000</pubDate>
		<dc:creator>isa</dc:creator>
				<category><![CDATA[Allgemein]]></category>
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		<category><![CDATA[Musik]]></category>
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		<category><![CDATA[Simbabwe]]></category>

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		<description><![CDATA[Mein Tun als Freiwillige werde weniger aus messbarer Arbeit als aus Begegnungen bestehen, legt mir Pater Heribert dar. Die bisher warmherzigste Sozialkontakt fand mit den Teenager-M&#228;dchen aus dem Waisendorf statt. &#8220;Abh&#228;ngen&#8221; k&#246;nnte man das nennen, was wir an einem Samstagnachmittag gemeinsam taten. Ich aus Verlegenheit, sie mangels Besch&#228;ftigungsm&#246;glichkeiten. Diese Jugendlichen sind zum Bravsein verdonnert. Als [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.nz-online.de/makumbi/2011/11/02/madchentraume/madchentraume/" rel="attachment wp-att-223"><img src="http://blog.nz-online.de/makumbi/files/2011/10/M&#228;dchentr&#228;ume-600x450.jpg" alt="" width="600" height="450" class="aligncenter size-medium wp-image-223" /></a></p>
<p>Mein Tun als Freiwillige werde weniger aus messbarer Arbeit als aus Begegnungen bestehen, legt mir Pater Heribert dar. Die bisher warmherzigste Sozialkontakt fand mit den Teenager-M&#228;dchen aus dem Waisendorf statt. &#8220;Abh&#228;ngen&#8221; k&#246;nnte man das nennen, was wir an einem Samstagnachmittag gemeinsam taten. Ich aus Verlegenheit, sie mangels Besch&#228;ftigungsm&#246;glichkeiten.</p>
<p>Diese Jugendlichen sind zum Bravsein verdonnert. Als &#196;lteste in ihrer Wohngruppe helfen sie der Hausmutter beim Waschen und Kochen und erziehen selbstverst&#228;ndlich die Kleinkinder mit. Ihre Zimmer sind karg: ein Bett, ein verschlissener Schrank, Schulhefte aus rissigem Altpapier. Welches Taschengeld sollten sie ausgeben? Wo sollten sie Zigaretten, Lidschatten oder ein Hobby hernehmen? Wie sollten sie es direkt neben dem Nonnenkloster einf&#228;deln, einen Boyfriend zu finden? Wobei sie damit ohnehin warten wollen, wie sie sagen. Man m&#252;sse auf der Hut sein vor den vielen unredlichen Boys. Aus Angst vor der Zukunft tun sich viele von ihnen gegen Ende der Schullaufbahn schwer mit dem Absprung aus dem Heim. In Simbabwe wird die Arbeitslosigkeit gar nicht mehr erfasst. Sie soll bei 80 Prozent liegen. Ich empfinde ehrliches Mitleid mit dieser Jugend.</p>
<p>Ich wei&#223; nicht, ob diese M&#228;dchen von Discos etwas wissen. Mit etwas Gl&#252;ck ergattern sie irgendwo eine Musik-DVD und tanzen dazu im Wohnzimmer vor dem B&#252;geltisch. Als Schmuck verwenden sie Rosenkr&#228;nze aus Plastikperlen. Eine 14-J&#228;hrige ist im Besitz von St&#246;ckelschuhen. Beyoncé sei ihre Lieblingss&#228;ngerin, erz&#228;hlen sie mir. Auch Rihanna und Alicia Keys. Ich solle ihnen ein gutes deutsches Lied beibringen, w&#252;nschen sie sich, und wir reden &#252;ber mein Leben in Deutschland. Aber zuerst singen sie f&#252;r mich. Drei der M&#228;dchen nehmen mich auf einen Spaziergang mit. Auf einer H&#252;gelkuppe im Sonnenuntergang sitzend, singen sie mir auf Shona vor. Ein r&#252;hrendes Lied &#252;ber den besten Freund und ein Kirchenlied &#252;ber Jesus. X-mal wollen sie zum Abschluss vor meiner Kamera posieren. Ich muss es irgendwie schaffen, ihnen diese Portr&#228;ts abziehen zu lassen. Was sie dringend brauchen, ist ein gutes Bild von sich selbst.</p>
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