Muss ich Robbie Williams mögen?
14. Oktober 2009 von erik
Er: Frauen fordern, dass wir mitschwärmen.
Eine Frau darf andere Frauen kritisieren. Ob sie ein singendes Kurvenwunder oder eine tussige Kellnerin hasst: Solche Antipathien werden mitunter belächelt, aber doch akzeptiert. Männer sollten beim Urteil über andere Männer mehr aufpassen: Manche muss man sogar toll finden, sonst steht man schon am Pranger.
Wenn ich etwa sag’, dass ich Robbie Williams nicht besonders mag, wird sofort geschrien: Du bist doch nur neidisch, weil der mehr Frauen abkriegt! Nach dieser Logik müsste ich fast alle Stars ablehnen. Was nicht der Fall ist. Brad Pitt und George Clooney finde ich hochsympathisch, selbst dem zerknitterten Rock-Opa Mick Jagger gönne ich alle Groupies. Der hat Musikgeschichte geschrieben und tritt dennoch bescheidener auf als Robbie.
Die Popstars des Alltags, das sind schicke schwule Bedienungen – fast alle Frauen bewundern sie. Neulich ging ich mit einigen Frauen in eine Kneipe, und sie schwärmten vom Kellner: So niedlich! So witzig! Naja. Jede Geste war einstudiert, jede Bewegung wurde inszeniert. Ja, er war attraktiv. Aber witzig? Eher albern – hab ich mir gedacht, aber nicht gesagt. Weil ich keine nervige Debatte lostreten wollte. Selten war versöhnliches Schweigen so schwer: Die Damen
drängten auf Bestätigung, wollten auch von mir hören, wie niedlich der Typ sei.
Wenn Teenies vorm Spiegel posieren, dann ist das putzig. Bei Erwachsenen im Lokal ist es lächerlich. Unabhängig von Geschlecht und sexueller Orientierung. Es gibt genug Schwule, die sich normal bewegen können. Mehrere von ihnen haben mir erzählt, dass sie zuviel künstliches Getue selbst blöd finden. Sind die nun auch schwulenfeindlich? Und: Was würden die Frauen lästern, wenn eine weibliche Bedienung so affektiert auftritt! Doofe Tussi! Würde ich da widersprechen? Nein. Männer können es zugeben, eine Tussi schön zu finden. Und sie fordern nicht, dass andere Frauen mitschwärmen. Erik Stecher
Sie: Schon mal was von „Stutenbissigkeit“ gehört?
Ach, wäre es schön, wenn das stimmen würde, was der Kollege schreibt. Wenn Frauen über andere Frauen lästern könnten – wohlgemerkt, im Beisein von Männern –, ohne gleich mitleidige Blicke zu ernten à la „Dich nervt doch nur, dass der alle Männer hinterherschauen“. Das sagen Männer natürlich nicht so. Weil sie wissen, dass wir ihnen ins Gesicht springen würden.
Dafür machen sie ganz tolle Geräusche, die klingen wie eine gereizte Katze: „Miau“ tönt es aus allen Männerkehlen, dazu wird noch die Hand krallenförmig gebogen. Wenn man eine andere Frau nicht mag, weil man sie zu affektiert, gekünstelt und aufgetakelt findet, gilt man ganz schnell als „stutenbissig“. Den Ausdruck „hengstbissig“ habe ich dagegen noch nie gehört.
Dass euch Männern diese Not nicht auffällt, hat einen einfachen Grund: Wir schlucken im Beisein von Männern viele giftige Kommentare einfach hinunter. Wir sagen „Ja, wirklich schick, der Minirock“ und fügen im Stillen hinzu „Genau das Richtige für den Straßenstrich“. Wenn wir wieder unter uns sind, wird gelästert, bis die Schwarte kracht. Aber vor Männern geben wir uns diese Blöße meist nicht. Jedenfalls nicht, wenn sie im Rudel auftreten.
Der eigene Mann kriegt natürlich schon serviert, was wir von Tussis halten. Ungefähr so: „Ach echt, DIE findest du sexy? Naja, wer auf Solarium und dicke Schminke steht …“ Damit hoffen wir, euch die Freude zu verderben – oder dass ihr wenigstens lernt, beim nächsten Mal vornehm den Mund zu halten. Stephanie Siebert
