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Warum sie nicht schweigen und er nicht zuhören kann

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O du schnulzige Weihnachtszeit!

18. Dezember 2009 von erik

Er: Warum lieben Frauen den Kitsch?
 Was ist Kitsch? Hier ein paar gängige Definitionsversuche und Merkmale: Im Gegensatz zu Kunst ist Kitsch nicht um Originalität bemüht, son­dern wiederholt Bekanntes. Er lässt mit seiner Plattheit kaum Spielraum für Interpretationen und ist als Mas­senware leicht reproduzierbar. All dies trifft auf die Schnulzen im Dudel­funk und die Soaps im Fernsehen zu. Und wer hört und guckt sich das Zeug an? Wir Männer sind es nicht.
  Warum konsumie­ren so viele Frauen diesen Kitsch? Ers­tens wollen sie Emotionen pur. Und zweitens müssen sie nebenbei noch reden oder gar telefonieren, im Neben­zimmer herumwuseln und vieles wei­tere gleichzeitig tun können. Diese Unfähigkeit, sich auf eine Sache zu konzentrieren, preisen sie als Kompe­tenz: Multitasking. Und aufgrund die­ser geschlechtsspezifischen Aufmerk­samkeitsstörung darf ein Film oder Lied nicht kompliziert sein! Die Bot­schaft muss auch klar werden, wenn man nur die Hälfte davon mitbe­kommt.
  „Der Film war wunderbar, ich hab’ einfach nur noch geheult!“ – so schwärmen weibliche Kinobesucher nach Streifen, die Männer müde und Cineasten wütend machen. Schnulzig und seicht geleitet uns Hollywood durchs ganze Jahr, aber den Höhe­punkt erreicht die Verkitschung der Menschheit zur Weihnachtszeit. Da  herrscht Hochkonjunktur für die „romantische Komödie“ und den „Film für die ganze Familie“. Und im Radio wird ebenfalls verstärkt ge­schmachtet.
  Männer mögen all dies nicht, weil sie verkopfte Gefühlskrüppel sind. Sa­gen manche Frauen. Dabei höre ich auch gerne mal ruhige Lieder oder sehe ergreifende Filme. Wenn sie gut gemacht sind! Wer jedoch mein Hirn beleidigt, dem schenke ich nicht mein Herz. Erik Stecher

 Sie: Die Mär vom anspruchsvollen Mann?
Erzählt sie eurem Frisör!
 Wunderbar, endlich sind wir wieder beim Lieblingsthema des ach so an­spruchsvollen Mannes. Alle Jahrewie­der. Männer gucken nur tiefsinnige Filme und hören nur intelligente Musik. Oder war’s umgekehrt? Dage­gen sitzen wir Frauen am liebsten heu­lend auf der Couch, neben uns eine Familienpackung Kleenex, und schau­en den lieben langen Tag Sissi-Filme. Unsere rotgeweinte Nase beißt sich dabei unvorteilhaft mit demrosafarbe­nen Plüschpulli. Der Mann schüttelt ob dieses Anblicks nur tadelnd sein weises Haupt und geht mit einem guten Buch nach nebenan.
  So, und nun fragen wir uns mal alle, ob uns diese Szene be­kannt vorkommt.
  Nein? Kein Wunder!
  Ist ja auch totaler Quatsch. Ja, ich gebe zu, dass Frauen – auch ich – gelegentlich gerne An­spruchsloses im Fernsehen schauen. Nicht Sissi, aber eine gutgemachte romantische Komödie dann und wann – warumnicht? Dabei kann man wun­derbar entspannen. Das heißt aber nicht, dass ich NUR Filme schaue, die auch ein Toastbrot verstehen würde.
  Natürlich gibt es sie, die Frauen, die nur ins Kino gehen, ummal so richtig zu flennen, die Til Schweiger für den besten Schauspieler der Welt halten und die Lieder mit drei Akkorden be­vorzugen. Genauso, wie es Männer gibt, die stolz auf ihre Pornosamm­lung sind, ihr Auto mehr lieben als ihre Frau, auf Filme mit Bud Spencer stehen und deren Lieblingslied „Zehn nackte Frisösen“ heißt.
  Deppen ohne Geschmack gibt’s nun mal unter Frauen wie unter Männern. Wir sollten sie ignorieren, eine gute Flasche Wein aufmachen und ansto­ßen: darauf, dass sich über Ge­schmack nicht streiten lässt. Wobei: eigentlich schon. Ziemlich gut sogar.
  Stephanie Siebert

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