Männer sind lästig
5. Januar 2010 von erik
Sie: Warum müsst ihr so schrecklich unselbstständig sein?
Wenn man Besuch bekommt, ist das immer etwas stressig: Man muss überlegen, was es zu essen geben soll, die Wohnung muss aufgeräumt und geputzt werden – und zwar so, dass das Ergebnis kritischen Eltern-Augen standhält. Nun würde man meinen, zu zweit seien diese Aufgaben leichter zu bewältigen als allein. Das mag stimmen – solange nicht eine Hälfte des Paares ein Mann ist.
Viele Männer haben sich leider daran gewöhnt, dass wir alles organisieren. Sie fragen nicht mal nach, was zu Weihnachten auf den Tisch kommt – geschweige denn, dass sie Vorschläge machen oder – Gott bewahre! – Rezepte heraussuchen. Nein, sie verlassen sich darauf, dass die Frau sich darum kümmert und dass sie etwas aussucht, was ihnen schmeckt.
Genauso verhält es sich mit dem obligatorischen Einkauf. „Schreib’ halt einen Zettel“, heißt es da gelangweilt von der Couch – und er bleibt im Supermarkt so lange neben dem Wagen stehen, bis sie ihm einen Auftrag erteilt. Woraufhin er mit zwei Packungen Reis zurückkommt und sie ihr fragend unter die Nase hält: „Basmati- oder Langkornreis?“ Zurück im trauten Heim könnte ihm nun auffallen, dass das Wohnzimmer ein Saustall ist und nur noch diesen Nachmittag Zeit bleibt, alles vorzubereiten. Aber schwupps, schon sitzt er gemütlich auf der Couch.
Das Schlimme ist aber nicht, dass viele Männer sich so verhalten. Das Schlimme ist, dass viele Frauen sich damit abfinden. Vielleicht müssten sie mal hart bleiben, sich um nichts kümmern, nichts sagen. Am besten jetzt gleich, zu Silvester. Und wetten: Spätestens, wenn es um Mitternacht nichts zum Böllern gibt, tritt ein Lerneffekt ein – wenigstens kurzzeitig.
Stephanie Siebert
Er: Männer sind nicht lästig, sondern lässig
Der erhoffte Lerneffekt, den die Dame am Ende ihrer Beschwerdeliste aufführt, wird sich leider nicht einstellen. Kein Mann verlässt sich darauf, dass die Frau Silvesterböller besorgt. Das macht er selbst! Warum? Weil sie es entweder vergisst – oder die falschen besorgt. Wem das jetzt bekannt vorkommt: Ja, es sind dieselben Sorgen, die Frauen haben, wenn wir Männer etwas für sie tun sollen.
In diesem Punkt ticken wir also gleich: Jeder hält den anderen für unfähig, wenn es um die eigenen Prioritäten geht. Der Unterschied liegt eben in den Prioritäten. Die Frau will den Gästen zu Weihnachten einen mustergültig geführten Haushalt vorführen und eine reinliche, geschmackvoll geschmückte Wohnung präsentieren. Und darin ist sie die absolute Expertin. Der Mann freut sich über Bier und Böller, das sind seine Fachgebiete, da kann keine Frau ihm das Wasser reichen. Soll sie auch nicht, er will ja Bier.
Noch einen Unterschied gibt es, und der macht das Leben so schwer: Der Mann weiß, was er besser kann, und macht es einfach. Ganz lässig, ohne zu jammern, ohne Vorwürfe, ja sogar mit einer gewissen Freude. Niemals würde er solche Aufgaben an die Frau übertragen. Überhaupt: Das Delegieren von Tätigkeiten ist nicht unser Ding. Während Frauen ständig Sätze sagen, die so anfangen: „Kannst du mal schnell…“ Die Frau weiß auch, was sie besser kann. Doch statt sich über ihre Kompetenz zu freuen, ärgert sie sich über den Mann. Weil sie ihm den Job trotzdem aufbrummt. Um noch ein Klischee aus dem oberen Text aus der Welt zu räumen: Nie würde ich meiner Frau das Schreiben von Einkaufszetteln überlassen. Die sind mir zu chaotisch.
Erik Stecher
