Wir müssen reden? Nö, jetzt nicht!
9. Oktober 2009 von erik
Sie: Nie kann man vernünftig mit euch reden!
Schatz, jetzt nicht, ich lese gerade. Schatz, jetzt nicht, ich will erst die Sendung zu Ende schauen. Schatz, jetzt nicht, ich habe Kopfschmerzen. Preisfrage: Wer sagt das in welcher Situation zu wem? Nein, nicht das, was ihr denkt. Männer sagen das, wenn man mit ihnen über wichtige Dinge reden will. Besonders widerwillig sind sie, wenn es um Konflikte geht. Denn dabei steht erfahrungsgemäß ein laaaaanges Gespräch bevor, bei dem womöglich einige unangenehme Dinge ausgesprochen werden. Und man womöglich Kritik entgegennehmen und Fehler eingestehen muss. Klingt irgendwie viel weniger attraktiv als das Club-Spiel im Fernsehen.
Ungern reden Männer aber auch über Organisatorisches. Wie der Besuch bei Tante Frieda genau aussehen soll, welches Verkehrsmittel man nimmt und welches Geschenk besorgt werden soll, das kann sich Frauchen doch bitteschön alleine überlegen. Dass es sich dabei um seine Tante handelt? Nebensache. Obwohl ihr vielleicht denkt, es sei anders: Auch Frauen machen Konfliktgespräche keinen Spaß. (Naja, den meisten jedenfalls. Bei manchen Geschlechtsgenossinnen bin ich mir da nicht so sicher. Aber das ist ein anderes Thema.) Und Frauen schweben auch nicht auf Wolke Sieben, wenn sie den nächsten Familienbesuch planen müssen.
Aber sie wissen, dass es auf lange Sicht noch viel unangenehmer ist, es nicht zu tun. Weil es dann irgendwann richtig knallt. Oder Tante Frieda einen enterbt. Männer wissen das auch – eigentlich. Aber sie haben die zwar oft bequeme, langfristig aber eher hinderliche Fähigkeit, Folgen auszublenden und sich den Moment so schön wie möglich zu gestalten. Auch, wenn uns das hin und wieder nervt: Irgendwie ist es auch liebenswert. Stephanie Siebert
Er: Im Auge des Hurrikans will man nicht diskutieren.
Also, eigentlich habe ich gerade gar keine Zeit, mich auf dieses Thema einzulassen. Aber im Ernst: Auch Männer wollen mitunter vernünftige Gespräche führen. Wir sind zwar manchmal, aber nicht immer Drückeberger. Wenn es noch einen Beweis unserer sozialen und psychologischen Kompetenzen bedurft hätte: Dass die Kollegin unser permanentes Aufschieben im letzten Satz als „irgendwie liebenswert“ bezeichnet, durchschauen selbst wir Dumpfbacken als taktisches Manöver – um uns den Wind aus den Segeln zu nehmen.
Aber der Trick gelingt ihr trotzdem. Denn sie hat ja Recht! Ist es nicht schön, wie wir Männer in dieser garstigen Welt stets das Auge des Hurrikans finden, um darin die Ruhe zu genießen? Das ist Lebenskunst, liebe Damen. Probiert es doch auch mal! Ihr könntet euch entspannen und uns besser verstehen. Darüber würde ich gerne mal mit Frauen reden, aber das funktioniert irgendwie nie. Sie sagen zwar nicht: „Keine Zeit!“ Aber sie lenken sofort auf andere Themen um oder verlieren sich in Details. Auf die Sache selbst lassen sie sich nicht ein. Da wäre es mir lieber, sie würden einfach offen sagen: Dafür hab’ ich jetzt keinen Kopf, lass uns später drüber reden! Erik Stecher

