Gesten Abend und in der Nacht hat es Bindfäden geregnet. Am Nachmittag war ich in der Stadt unterwegs als der Regen anfing. Wahnsinn, es schüttet dann aus Eimern. Die Strassen werden zu Bächen, braunes Wasser läuft die Hügel runter. Die Luft danach reiner, der rote Staub gebunden, tut richtig gut.
Als ich da so unter einem Wellblechdach stand, war fast neben mir ein Mann mit nur einem Auge. Kurz vorher sah ich eine Frau in einem Supermarkt, die eine lange Narbe auf der Stirn hatte. Hier fragt man sich gleich, ob das Zeugnisse des Genozids von 1994 sind. Die 100 Tage im Frühjahr ‘94 sind noch immer so gegenwärtig. Man stolpert hier quasi über die Geschichte, entweder in form von Erzählungen von Menschen, die Familienmitglieder oder Freunde verloren haben oder eben in solchen Situationen, wie unter diesem Wellblechdach.
Es ist ein seltsames Gefühl durch die vollen Strassen von Downtown Kigali zu spazieren. Man fragt sich, wer von den Passanten was und wie und überhaupt damals gemacht hat. Täter, Opfer, Unbeteiligter….Man weiss es nicht, man will es auch gar nicht wissen. Das Leben hier geht weiter, muss weiter gehen. Doch die ruandische Gesellschaft ist geprägt von Tod, Trauer, Schuld und Sühne. Ob sie genesen ist, das lässt sich nicht sagen, nicht feststellen. Man sagt hier, man ist auf dem richtigen Weg. Doch ich glaube, verwundern würde es niemanden, wenn es wieder krachen sollte.
Gestern Abend habe ich auch noch Linus getroffen, der aus Neustadt/Aisch ist. Er ist seit fast einem halben Jahr hier. Das Programm “kulturweit” des Auswärtigen Amtes hat ihn nach Ruanda gebracht. Linus hat ein sehr interessantes und ausführliches Blog über seine Erfahrungen in Ruanda geschrieben: linus.in/ruanda. Es lohnt sich mehr als ein Blick.
Bin gut in Ruanda, im Herzen Afrikas angekommen. Die erste Regenzeit des Jahres steht bevor, es ist drückend heiss. Aber es ist eine Wohltat nach den Regenstürmen in Kalifornien und dem Schnee in Deutschland.
Es ist beeindruckend durch diese Stadt zu laufen. Die politische Führung in Kigali will mit aller Macht das Land nach vorne bringen. “2020″ heisst die Devise, also in zehn Jahren will man ein Musterbeispiel für “New Commerce”, “IT” und “Wirtschaftsboom” in Afrika sein. Na, bis dahin können sie sich noch ganz schön am Riemen reissen, denn so einiges liegt im argen. Aber egal, es ist spannend, all das aus der Nähe zu sehen.
Einiges steht auf dieser Reise an, ein paar Interviews und auch ein Trip nach Goma, in die Nord-Kivu Region der DRC, der “Democratic Republic of Congo”. Ich bin sehr, sehr gespannt, was mich alles erwarten wird. Und wenn ich kann und es interessantes zu berichten gibt, werde ich mich an dieser Stelle melden.
Kleine Randnotiz, gestern hatte ich Lust zum Joggen, bin also bei Sonnenuntergang in der brütenden Hitze los gerannt und eine zeitlang auch auf einem Grünstreifen entlang einer Hauptstrasse gelaufen. Tja, bis mich ein Soldat mit Maschinengewehr angehalten hat…Ich hatte mich schon vorher gewundert, denn ein anderer Soldat hatte mir was unverständliches hinterher geschrien. Aber ich verstehe weder Kinyarwanda noch Französisch, und beim Laufen habe ich Tunnelblick. Doch als der mit seiner MG vor mir auftachte blieb ich doch lieber stehen. Er fragte mich mit ein paar Brocken Englisch nach meinem Name und was ich mache (!). Irgendwie konnte er mit mir nichts anfangen. Verschwitzt, unverständlicher Name und dazu in kurzen Hosen….”Go”. Es stellte sich später heraus, dass dort die Büroräume des Präsidenten liegen und daher die Sicherheitsvorkehrungen extrem sind. Aber wie soll ich das denn wissen, ein Warnschild habe ich nicht gesehen und der Grünstreifen lud einfach zum Joggen ein. Und so gefährlich sehe ich doch nicht aus, oder?
Sitze im bitterkalten Nürnberg, gestern landete ich und morgen schon geht es weiter Richtung Ruanda und Kongo. Ich bin sehr gespannt auf diesen Trip und werde mich von dort an dieser Stelle melden. 30 Grad sind es derzeit in Kigali…ich glaube, die habe ich mir nach den Stürmen in der San Francisco Bay Area und hier im eiskalten Nemberch verdient….oder?
“Peet’s Coffee” und “California Pizza Kitchen” haben nun in ihren Läden Schilder aufgehängt: Knarren sind in ihren Geschäften nicht länger erlaubt. Eigentlich ist das offene Tragen von Handfeuerwaffen in Kalifornien verboten. Doch eine Bewegung, die sich “Open Carry” nennt, umgeht dieses Gesetz einfach. Und das legal. Denn es heisst, niemand darf eine Schusswaffe tragen, die geladen ist. Also führen die “Open Carry” Unterstützer nur eine Knarre mit sich, aber eben entladen. Das ganze wirkt etwa so wie beim Kinderfasching, wenn die kleinen Cowboys mit ihren Halftern rummarschieren und hin und wieder mal die Platzpatronenpistole ziehen.
Die Waffennarren begründen ihr Verhalten mit der amerikanischen Verfassung, in der es heisst, jeder Bürger habe das Recht “to bear arms”, also bewaffnet zu sein. Diese paar Worte sind natürlich dehnbar und schon lange nicht mehr zeitgemäss, doch konservative Verfassungsausleger meinen, damit habe jeder Amerikaner das Recht einen auf John Wayne zu machen. Also latschen die “Open Carry” Mitglieder wie stolze Kinder am Rosenmontag mit ihren Ballermännern durch die Gegend und freuen sich über die Reaktionen. Und die kommen zuhauf. Schräge Blicke, Fragen, Diskussionen. Immer mal wieder wird die Polizei gerufen, doch die muss nach einer Kontrolle der Pistole und der Person von dannen ziehen. Zur Freude des Trägers und seiner Kumpel, die damit, wie sie meinen, die amerikanische Verfassung verteidigen und ach so patriotisch sind.
Das folgende Video gibt etwas diese Pannen Diskussion über das öffentliche Waffentragen wider:
Präsident Obama hat am Abend vor dem versammelten Kongress zur Lage der Nation gesprochen. Eine vielbeachtete Rede, die von beiden Seiten des politischen Spektrums mit grosser Spannung erwartet wurde.
Der in Schwäbisch Hall geborene William Josef Berkley sieht seinem Ende entgegen. Für den 22. April ist seine Hinrichtung in der texanischen Exekutionskammer in Huntsville vorgesehen. Seit sieben Jahren sitzt er auf “Death Row” im Staatsgefängnis von Livingston für den brutalen Raubmord an der 18jährigen Sophia Martinez. Am 10. März 2000 überfiel der damals 21jährige die Schülerin an einem Bankautomaten in El Paso, zwang sie, mit ihm zu einem entlegenen Platz zu fahren, wo er ihr schliesslich mehrfach ins Gesicht schoss.
Berkley ist der Sohn einer Deutsch-Kroatin und eines US Soldaten. In seinem Profil auf einer Brieffreundeseite erklärt Berkley, er spreche fliessend Deutsch, Englisch und Spanisch. Am Mittwoch hat ein Berufungsgericht den Einspruch des Angeklagten abgelehnt, damit steht die Hinrichtung für Ende April fest.
Überall in den USA stehen die Schilder entlang der Landstrassen und Autobahnen: “Adopt a Highway”. Bürger und Gruppen, lokalen Unternehmen und Kirchengemeinden raffen sich dann immer mal wieder zusammen und erklären sich dazu bereit, eine Meile Highway sauber zu halten. Das heisst, sie sammeln den Müll ein, den Autofahrer so aus dem Fenster schmeissen und der sich entlang der Strasse ansammelt.
Nun hat sich in Colorado eine extreme Nazi Organisation für ein Strassenstück angemeldet und das schlägt im ganzen Land hohe Wellen. Die Nazis sagen, sie seien pflichtbewusste Bürger, andere meinen, man dürfte solchen Hasspredigern kein Forum bieten. Und das sei es, wenn an der Strasse nun ein Schild mit dem Namen der Organisation stehen wird. Doch einige meinen süffisant, man solle die Nazis doch den Müll aufsammeln lassen….was passe besser zu ihnen. Die Behörden haben nun zugestimmt, auch auf Anraten von Bürgerrechtsgruppen, die erklärten, die Meinungsfreiheit sei eben auch die Freiheit Andersdenkender.
Es ist die Zeit der Narren und Närrinnen. Und auch die deutschen Gemeinden in den USA feiern diese Kaspartage, zum grossen Erstaunen und Unverständnis der Amerikaner. Auch hier gibt es Prinz und Schalk, Tätä-Tätä-TäTä und Prunksitzungen. Als jemand, der nicht so doll mit dem Karneval und Fasching verbunden ist, ist das alles eher eine peinliche Veranstaltung. Ich weiss immer nicht so genau, wie ich das ganze Amerikanern erklären soll.
Und nun auch noch die Aktion von Prinz Frederic von Anhalt, der gestern auf dem Sunset Boulevard erklärte, er wolle Gouverneur von Kalifornien werden und damit die Nachfolge des Gouvernators Schwarzenegger antreten, der auf ganzer Linie versagt hat. Der neunte Ehemann von Zsa Zsa Gabor ist auf dem Papier zumindest mehr als ein Faschingsprinz, aber die Aktion glich schon sehr einer Prunksitzung. Da lädt er in Beverly Hills Reporter zur Enthüllung seines Werbeplakates und erklärt, was alles in Kalifornien falsch sei und was er in Zukunft machen werde. Legalisierung von Marihuana und kubanischen Zigarren, offene Grenzen zu Mexiko und Solar Panels auf jedem Dach. Und Prinz Frederic meint, er habe schon Geldgeber für seinen Wahlkampf gefunden, die alle genug von den politischen Spielereien in Kalifornien hätten. Es benötige einen deutschen Prinz und keinen österreichischen Terminator, um den Sonnenstadt zurück an die Sonnenseite zu bringen.
Die Medien berichteten artig über diesen verschrobenen Deutschen mit amerikanischem Pass. Mal was anderes zwischen Erdbebenopfern und Filmpreisen und so lassen sich auch die Politiknachrichten etwas aufheitern.
“Hallo Boss, ich kann heute nicht zur Arbeit kommen. Ein Elch wurde heute in meinem Vorgarten geboren und die Mutter lässt mich nicht aus dem Haus”. Diese Mail schickte ein Mann in der “Upper Penninsula”, dem nördlichen Teil Michigans, an seinen Vorgesetzten….zum Glück hängte er auch gleich ein paar Bilder mit dran.
Die Scorpions kündigen ihr Ende an und man muss ja mal ganz ehrlich sagen “Gott sei Dank”. Denn seit dieser Nöl-Hymne “Wind of change” konnte ich sie einfach und beim besten Willen nicht mehr hören. Das ging einfach gar nicht mehr. Klar, die Platte war ein riesiger Erfolg für die Band, hat sich verkauft wie warme Semmeln, aber das Ding war auch so weich und latschig wie eine warme Semmel. Richtig zum Rumpulen. Egal, nun soll Schluss sein, noch eine Platte, eine lang andauernde Welttournee und dann Rentnerdasein für Klaus Meine und Co.
Aber zur gleichen Zeit legt eine andere deutsche Hard Rock Formation aus längst vergangenen Tagen noch mal kräftig los. Accept melden sich zurück. Nach ihren kurzzeitigen Reunion Konzerten 2005 und dem Hit “Balls to the wall” im Mickey Rourke Film “The Wrestler” war das Interesse an diesen deutschen Hard Rockern wieder da. Ich bin begeistert, auch wenn es ohne Mister Einmeter Udo Dirkschneider weiter gehen wird. Dirkschneider hatte irgendwie nicht so richtig Lust auf eine Neuauflage und wollte sich lieber auf sein U.D.O. Projekt konzentrieren. Auch recht. Die neue Accept Platte soll nun im Frühjahr erscheinen und danach geht es auf Welttournee. Man kann sehr gespannt sein. Das folgende Video gibt schon mal einen Vorgeschmack.