Keiner will für Trump spielen

Das neueste T-Shirt im Kid Rock Merchandise Store.

Das neueste T-Shirt im Kid Rock Merchandise Store.

Donald Trump hatte schon im Wahlkampf das Problem, dass keiner für ihn spielen wollte. Zwar kündigte er großmäulig an, der republikanische Parteitag mit seiner Nominierung werde eine große Party mit namhaften Musikern werden, doch daraus wurde nichts. Irgendwie wollte keiner.

Und nun steht das Trump Team vor dem selben Problem. Die Vereidigung steht an, normalerweise ist dieser Tag immer eine große Feier in Washington DC mit zahlreichen Bällen und Parties. Aber keiner der angefragten Musikerinnen und Musiker hat bislang zugestimmt. Weder Beyonce noch Aretha Franklin wollen singen, wie sie das für Präsident Obama machten.

Donald Trump und Ted Nugent im Wahlkampf.

Donald Trump und Ted Nugent im Wahlkampf.

Trumps Leute telefonieren sich derzeit wund, doch ohne Erfolg. Bislang haben nur Kid Rock und Ted Nugent zugesagt, zwei sehr fragwürdige Gestalten im Musikzirkus. Beide vertreten das Mantra „Guns Nation Trump“. Und Kid Rock bietet sogar auf seiner Webseite eindeutige T-Shirts an. Auf einem spricht er von „Dumfuckistan“ und meint damit die Bundesstaaten, die bei der Wahl für die demokratische Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton stimmten. Alle anderen Staaten werden als „United States of America“ bezeichnet.

Auch Ted Nugent ist bekannt für seine konservativ-patriotischen Äusserungen und seine Haltung zum Waffenbesitz in den USA. Er setzte sich im Wahlkampf in seinem Heimatstaat Michigan für Donald Trump ein und der sieht in ihm einen wichtigen Unterstützer für seinen Wahlsieg in dem Bundessstaat. Donald Trump, Kid Rock und Ted Nugent, ein Trio der Großmäuler, die sich perfekt ergänzen. Auf das Konzert am Rande der Trumpschen Präsidentenvereinigung kann man als mehr als gespannt sein.

Ein Erlanger ist unter den Toten in Oakland

36 Menschen starben bei dem verheerenden Feuer in einem umgewandelten Lagerhaus in Oakland. Einer der Verstorbenen ist ein Franke. Wolfgang Renner aus Erlangen ist mit 61 Jahren das älteste Opfer, das bei dem Brand ums Leben kam.

Das Gebäude 1305 31st Avenue, bekannt als "Ghostship" brannte völlig aus. Foto: AFP.

Das Gebäude 1305 31st Avenue, bekannt als „Ghostship“ brannte völlig aus. Foto: AFP.

Am Freitagabend fand in dem Gebäude 1305 31st Avenue, bekannt als „Ghostship“, eine Rave-Party statt. Aus bislang noch ungeklärten Gründen brach das Feuer gegen 23:30 Uhr aus, ein Großteil der Besucher im ersten Stock hatte keine Chance sich zu retten. Das Feuer brach im Erdgeschoss aus, als der dicke Qualm in das obere Stockwerk drang, war es zu spät. Die selbstgebaute Treppe aus Holzpaletten und Sofas stand zu diesem Zeitpunkt wohl schon in Flammen, einen Notausgang, Rauchmelder und Sprinkleranlagen gab es in der Lagerhalle nicht.

Wolfgang Renner lebte schon seit Jahren in Oakland. Freunde und Bekannte beschrieben ihn auf der facebook Gedenkseite für die Opfer der Katastrophe als „warmherzig, offen, charmant, intelligent, etwas verrückt“ und als einen „freien Geist“. Er soll laute Musik, Ausdruckstanz und schräge Klänge geliebt haben. Der 61jährige sei wie viele auf der Party selbst Musiker gewesen. Mit Aushilfsjobs hielt er sich über Wasser, um so seine elektronischen Musik zu finanzieren und zu verbreiten. Hin und wieder komponierte er Musik für Laienschauspielgruppen in der Bay Area. Mit ihm starb seine Lebensgefährtin Michelle Sylvan.

 

In der Trauer die Hoffnung

Das "Ghostship" am Tag danach. Foto: Reuters.

Das „Ghostship“ am Tag danach. Foto: Reuters.

Die gedrückte Stimmung spürt man überall in Oakland. Das Feuer vom vergangenen Freitag in einer Lagerhalle im Fruitvale Distrikt brannte sich durch die gesamte Stadt. Gestern kamen Tausende am Lake Merritt in Downtown Oakland zusammen, um der Opfer zu gedenken. 36 Tote wurden bislang gefunden, noch nicht alle konnten identifiziert werden.

Die Katastrophe hat auch die Frage aufgeworfen, wie eine vitale, kreative und offene Kunst- und Kulturszene in einer Stadt wie Oakland leben und überleben kann, wenn die Mieten ständig steigen, kein Raum mehr für Kulturschaffende bleibt. Braucht das kulturelle Leben in einer Großstadt Schutz- und Freiräume? Das Feuer vom Freitag zeigte vielen auf, unter welchen Bedingungen Kunst entsteht, was Künstler und Kunstbegeisterte machen und machen müssen, um das zu schaffen, was diese Stadt und diese Region auch ausmacht.

Die Bay Area mit ihren kreativen Zentren San Francisco, Oakland, Berkeley, Marin und Sonoma County zeichnet aus, das hier immer irgendetwas passiert. Viele der Kunstobjekte beim alljährlichen Burning Man Festival werden hier entworfen, erstellt, erbaut. Künstler leben dafür in Fabrikhallen, machen Abstriche. Auch bei der Sicherheit. 1305 31st Avenue, bekannt als „Ghostship“ war da keine Ausnahme.

Die aktuelle Diskussion geht nun auch darum, wie die Stadt Oakland, die Behörden reagieren werden. Ob sie mit harter Hand vorgehen, alle umgewandelten Fabrik- und Produktionsstätten durchforsten und darauf drängen, dass alles „up to code“ sein muß. Das würde das Ende der reichhaltigen und vielseitigen Kunst- und Kulturszene Oaklands bedeuten. Oder wird man mit den Kulturschaffenden der Stadt einen gemeinsamen Weg finden, um den kreativen Puls Oaklands am Schlagen zu erhalten und gleichzeitig die Sicherheit aller zu garantieren. Und wird man es schaffen Künstler und Musiker hier zu halten, ihnen Räume zum Arbeiten und zum Leben zu bieten? Oakland steht nach einer unvorstellbaren Katastrophe vor dieser Frage, vor dieser gewaltigen Aufgabe. Sie ist zu lösen, wenn man denn erkennt, welchen Wert Kunst, Kultur auch fernab der Museen, Galerien und geförderten Treffpunkte für eine weltoffene, interessante, lebenswerte und vielschichtige Stadt wie Oakland hat.

Wie konnte es zur Katastrophe kommen?

Das ist die Frage, die derzeit viele in Oakland beschäftigt. Wie konnte es zu dem katastrophalen Feuer in dem Gebäude 1305 31st Avenue kommen, mit wahrscheinlich Dutzenden von Toten? Es war keine Lagerhalle mehr, seit Jahren schon lebten und arbeiteten dort Künstler. Unter der Webadresse Ghostship kann man sich einen Eindruck machen. 1305 31st Avenue wurde zu einem beliebten Underground-Partytreffpunkt. Am Freitag fand dort mal wieder eine Party statt, die allmonatliche „OBSCURa MaCHINa“, im ersten Stock des Gebäudes.

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Gegen 23:30 brach am Freitagabend das Feuer aus. Der herbeigerufenen Feuerwehr bot sich ein Bild des Schreckens. Der untere Bereich war total mit Möbeln, Inventar, Musikinstrumente, Kunstobjekten zugestellt. Ein Sprecher des „Oakland Fire Departments“ sprach von „einem Labyrinth“, seine „Fire Fighters“ hätten das Gebäude nicht betreten können, alles stand in Flammen.

Das "Geisterschiff" vor dem Brand. Ein riesiges Kunstobjekt für sich. Foto: oaklandghostship.com

Das „Geisterschiff“ vor dem Brand. Ein riesiges Kunstobjekt für sich. Foto: oaklandghostship.com

Ein weiteres Problem war, dass nur eine selbstgebaute Treppe aus Paletten und Sofas in die obere Etage führte. Der Rück- und Fluchtweg für die Partygäste war in den Flammen schnell versperrt. Das „Ghostship“, wie sich dieser Künstlerraum nannte, verbrannte im Feuermeer.

Schon lange war bekannt, dass das Haus nicht so genutzt wurde, wie es die Auflagen vorgaben. Immer wieder wurde Behördenvertretern der Zugang zu 1305 31st Avenue verweigert. Nun geht die Suche nach Schuldigen los. Bürgermeisterin Libby Schaaf kündigte an, genau herausfinden zu wollen, was genau vorgefallen ist und wo die Fehler im System lagen und liegen. Unterdessen wird versucht den Opfern und ihren Angehörigen zu helfen. Eine großangelegte Spendenaktion hat begonnen. Auch das MLB Team der Oakland Athletics und das NBA Team der Golden State Warriors beteiligen sich an der Aktion.

Das Feuer in dem Künstlerkollektiv, in dem wohl mehrere Personen lebten, hat jedoch auch eine erneute Debatte über bezahlbaren Wohnraum in der Stadt und der Region entfacht. Oakland ist zu einem der teuersten Wohnmärkte im ganzen Land geworden. Künstler und Kulturschaffende zogen schon vor Jahren aus San Francisco über die Bay, hatten hier lange Zeit die Möglichkeiten billig zu wohnen, sich zu entfalten. Die vielen leerstehenden Industriebauten und Fabriken machten es möglich. Doch das ist längst vorbei. High Tech Firmen, wie google und facebook, kaufen ganze Straßenblöcke in „low income Communities“ in Oakland auf, um dort die Häuser zu sanieren und an ihre Mitarbeiter weiter zu geben. Oakland erlebt nun ein brutales Erwachen. Das Feuer vom Freitag ist eines der katastrophalsten in der Geschichte der Stadt.

 

Trump geht seinen Weg

Ein Radiosender aus der Schweiz fragte mich nach meiner Einschätzung über den gewählten Präsidenten Donald Trump. Es seien ja nun schon seit dem Wahlsieg ein paar Wochen ins Land gegangen, wie sei die Stimmung in den USA? Die ist schwierig zu beschreiben, denn Trump macht in Teilen da weiter, wo er als Wahlkämpfer aufgehört hat. Noch immer kommuniziert er tagtäglich über twitter mit Anhängern und Medien. Gibt Inhalte seiner Gespräche bekannt, so, als ob die Zusammenstellung seines Kabinetts eine weitere Folge von „The Apprentice“ wäre. Dann sind da seine Alleingänge, er wisse alles besser. Das geht soweit, dass die Berufsdiplomaten im „State Department“ nur noch die Hände über dem Kopf zusammen schlagen. Trump stapft derzeit auf internationaler Bühne von einem Fettnäpfchen in das nächste.

Donald Trump hat auch in Indiana gezeigt, er macht vieles anders, nicht unbedingt besser. Foto: Reuters.

Donald Trump hat auch bei seinem Auftritt in Indiana gezeigt, er macht vieles anders, nicht unbedingt besser. Foto: Reuters.

Auch seine Auswahl der engeren Mitarbeiter und Minister läßt bislang nichts Gutes erwarten. Es sind teils Hardliner, die alles über den Haufen werfen wollen, was Obama in acht Jahren aufgebaut hat. Das hat dann nichts mehr mit einem Präsidenten für alle Amerikaner zu tun, wie es Trump großspurig angekündigt hatte. Teils sind seine Erwählten Freunde und Geschäftspartner, die zwar das Business kennen, aber vor allem das Business sich selbst in die Tasche zu schaufeln.

Trump verbreitet über twitter und über sein Umfeld gemischte Informationen. Mal gibt er sich offen und präsidial, um dann wieder knallhart von einer Mauer an der mexikanischen Grenze zu reden, ein Ende von „Obamacare“ zu versprechen, er schimpft gegen die „Lügenpresse“ und fordert harte Strafen für jene, die die amerikanische Fahne verbrennen, was ganz selten vorkommt. Selbst hartgesottene Unterstützer von Trump, wie Sarah Palin und Ann Coulter, zeigen sich mittlerweile irritiert. Der Milliardär aus New York macht vieles unüberlegt und gegen die eigentlichen Grundsätze der republikanischen Partei.

Trump geht seinen Weg, ohne Rücksicht auf andere, ohne Rücksicht auf Verluste. Er läßt sich leiten von den Reaktionen seiner „Fans“. Das konnte man auch wieder bei seinen Auftritten in Indiana und Ohio sehen. Trump badet im Pool der Emotionen, läßt sich feiern, sich hochschaukeln, bekommt dabei Eingebungen, die dann zu politischen Forderungen im Land und weltweit werden. Alles unter dem Mantra „Let’s make America great again“. Das macht ihn nicht nur unkalkulierbar, das macht Donald Trump als Präsidenten auch gefährlich.

Mit CARE nach Afrika

Besuch bei einer Kleinspargruppe im Niger. Foto: J. Mitscherlich.

Besuch bei einer Kleinspargruppe im Niger. Foto: J. Mitscherlich.

In der Vorweihnachtszeit wird viel gespendet. Es ist nicht einfach, die richtige Organisation zu finden, der man vertraut, bei der man weiß, die Spende – ob groß, ob klein – kommt auch an. Schon mehrmals war ich mit der Organisation CARE Deutschland in Afrika unterwegs. Es ging in den Kongo, in den Tschad, nach Somaliland und Puntland und schließlich vor kurzem in den Niger. Vor Ort konnte ich mich über die Arbeit von CARE informieren, selbst sehen, wie das gespendete Geld eingesetzt wird, wie die finanziellen Mittel in den verschiedensten Projekten ankommen, genutzt werden.

Das reicht von der Flüchtlings- und Nothilfe im Osten des Kongos und im Süden des Tschad, über Bildungs- und Fördermaßnahmen in Somaliland und Puntland, der Unterstützung von lokalen Organisationen im Kampf gegen die Genitalverstümmelung am Horn von Afrika bis hin zu landwirtschaftlichen Projekten im vom Klimawandel betroffenen Niger und Gesundheitssendungen im dortigen Radio. Und das war und ist nicht alles, CARE ist breit aufgestellt in derzeit 90 Ländern.

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Auf den Reisen mit CARE lernte ich viel. Zu den Themen, über die Menschen, die Länder, die Kulturen. Aber auch über mich selbst. Vieles war nahegehend, was ich gesehen, was ich gehört habe. Oftmals war es eine Erdung für das eigene Leben. Was mich immer wieder beeindruckt hat, sind die vielen Projekte von CARE, wie sie angenommen und umgesetzt werden. Hilfe zur Selbsthilfe ist nicht einfach so dahingesagt, die Hilfsorganisation hat selbst viel in den 70 Jahren ihrer Existenz dazu gelernt. Wurden am Anfang, 1946, Lebensmittelpakete aus Amerika in das zerstörte Europa geschickt, um so das Leid und die Not etwas zu lindern, merkte man schnell, dass da mehr gebraucht wird. Schon kurz nach den ersten Lebensmittelpaketen, verschickte man auch Saatgut-, Werkzeug-, Arzneimittel-Pakete – Hilfe zur Selbsthilfe.

Und heute ist dieser Ansatz in allen Bereichen der CARE Arbeit zu finden. Neben der Nothilfe geht es auch immer darum, den Menschen eine Perspektive zu bieten, die sie mit etwas Unterstützung selbst erreichen können. In den kommenden Tagen berichte ich in einer dreiteiligen Serie in der Printausgabe der Nürnberger Zeitung über CARE, der Fokus liegt dabei auf meiner jüngsten Reise in den Süden des Niger.

Unterstützen kann man die Hilfsorganisation direkt mit einer Spende:
CARE Deutschland-Luxemburg e.V.
Sparkasse KölnBonn
IBAN: DE93 3705 0198 0000 0440 40
BIC: COLSDE33
Stichwort: Afrika Nothilfe
www.care.de/spenden

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Das nennt man dann einen Wendehals

Es ist schon erstaunlich, was da in der republikanischen Partei vor sich geht. Donald Trump wurde im Laufe des Wahlkampfs von allen Seiten kritisiert, auch vehement aus den eigenen Reihen. Marco Rubio nannte ihn einen „Hochstapler“, Ted Cruz  einen „wehleidigen Feigling“ und einen „notorischen Schürzenjäger“, Chris Christie bezeichnete Trump als einen „Entertainer in Chief“ und schlimmer als Präsident Obama. Das war im Wahlkampf, danach kamen die Lobeshymnen. Die Gute-Laune-Stimmung wurde aufgesetzt. Rubio, Cruz und Christie sind nun wie so viele einstige Kritiker im Trump-Lager.

Vom schärfsten Kritiker zum Speichellecker, Mitt Romney ist nun für Donald Trump. Foto: Reuters.

Vom schärfsten Kritiker zum Speichellecker, Mitt Romney ist nun für Donald Trump. Foto: Reuters.

Mitt Romney war einer der lautesten Angreifer von Donald Trump. Der Nicht-Kandidat bezeichnete den Kandidaten Trump als Schande für die USA, der Frauen erniedrige und dem Bild Amerikas in der Welt Schaden zufüge. Auch überlegte Romney noch spät ins Rennen einzusteigen, um den Wählerinnen und Wählern eine Alternative zu bieten. Romney kritisierte Trump bis zum bitteren Ende, dem Wahltag.

Doch davon ist nichts mehr zu hören. Über Nacht scheint sich das Bild Donald Trumps für Mitt Romney gewandelt zu haben. Der frühere Gouverneur von Massachusetts, einstiger Präsidentschaftskandidat und superreicher Mormone will von seinen kritischen Worten nichts mehr wissen. Trump hat ihn nämlich auf die „Short List“ für den Posten des Außenministers gesetzt. Nach den ersten beiden Treffen zwischen Trump und Romney erklärte dieser, er sei tief bewegt von „President-elect“ Donald Trump gewesen. „Ich glaube, die besten Tage Amerikas liegen vor uns. Ich glaube, wir werden auch weiterhin sehen, wie Amerika die Welt in diesem Jahrhundert anführen wird. Und….der gewählte Präsident ist genau der Mann, der uns in diese bessere Zukunft führen wird“.

Da bleibt einem der Nürnberger Lebkuchen im Halse stecken. Romney griff bis vor wenigen Wochen noch den selbstverliebten Milliardär an, ließ kein gutes Haar auf dessen Haartolle, sprach ihm jegliche Führungsqualitäten ab. Nun jedoch will er gemeinsam an der Seite von Trump Amerika im Ausland repräsentieren. Das bißchen Respekt, das Mitt Romney aufgrund seiner Haltung gegen Trump bei vielen Demokraten im Wahlkampf gewonnen hatte, ist mit einem Schlag weg. Wie kann man nur, fragen viele. Man kann alles, auch sich selbst für einen Posten verleugnen, wie das Mitt Romney nun aller Welt zeigt.

 

An Lebkoung am Golden Gate

lebkoungIch gebe zu, ich musste jetzt kurz suchen, wie man Lebkuchen auf Fränkisch schreibt: Lebkoung. Ich bin zwar in Würzburg geboren und in Nürnberg aufgewachsen, aber das Fränkische ging irgendwie an mir vorbei. Deshalb musste ich nun mal nachlesen, wie man das leckere Weihnachtsgebäck aus Franken im Dialekt schreibt.

Ja, auch hier am Pazifik findet man echte Nürnberger Lebkuchen. Ich war heute bei Trader Joe’s, der 100prozentigen Tochter von Aldi, und die hatten wieder eine ganze Palette geliefert bekommen. Es sind zwar nicht die feinen, saftigen Elisenlebkuchen, aber hier drüben, neun Zeitzonen hinter Nürnberg auf der anderen Seite der Weltkugel, darf man nicht wählerisch sein. Da muß eben diese eher staubig-trockene Variante schmecken.

Geht alles, und ja, als Nürnberger im selbstgewählten Exil, freue ich mich jedes Jahr darauf, wenn ich Ende November hier im Laden echte Nürnberger Lebkuchen finde. An der Kasse wurde ich wieder mal gefragt, ob ich die schon mal hatte. „Yes, I had them before. They’re from my hometown.“ Und der volltätowierte Bartträger meinte dann ganz begeistert: „Really! I gotta try them myself“, so, als ob ich ein bekannter fränkische Konditormeister sei. Ich habe es mir dann doch verdrückt ihm zu sagen, die Dinger heißen im Original „Lebkoung“. Ich glaube, das hätte ihn dann „weihnachtstechnisch“ etwas überfordert.

Twitter sollte pleitegehen, dann hat dieser Wahnsinn ein Ende

140 Zeichen. So regiert Donald Trump. Er machte so Wahlkampf und nun geht es damit weiter. Jüngstes Beispiel, die Androhung, die Staatsbürgerschaft jenen zu entziehen, die die amerikanische Flagge verbrennen. Das ist von heute Morgen.

Trump hält keine Pressekonferenzen, erklärt sich nicht, vielmehr kommuniziert er mit den Medien und seinen Anhängern über twitter. Und das ist alles andere als präsidial, wie dieser Tweet zeigt, ein erneuter Angriff auf die Medien. Trump kritisiert jeden, der nicht in sein Populismushorn bläst.

Wer glaubte, der gewählte Donald Trump würde endlich mal ein paar Gänge runterfahren und nicht mehr so sehr auf der „Ich-Welle“ reiten, der liegt schief. Trump beweihräuchert sich weiter als Retter der Nation, als Sieger, Gewinner, Alleskönner. Auch das zeigt er in seinen Tweets, wie diesem hier, in dem er erklärt, er habe nicht nur mehr Wahlmänner erhalten sondern auch die meisten Stimmen, wenn man jene illegalen Wahlstimmen von  Hillary Clinton abziehe. Donald Trump behauptet damit ernsthaft, ohne Beweise vorzulegen, dass in dieser Präsidentenwahl mehr als zwei Millionen Stimmen von Personen abgegeben wurden, die eigentlich nicht wählen dürften. Das ist der gewählte Präsident der USA, ein beeindruckender Verfechter der amerikanischen Demokratie.

Donald Trumps Regierungsstil wird sich nicht von dem unterscheiden, was er als Wahlkämpfer gemacht hat. Er meint, nur „my way or the highway“. Hatten bislang gewählte Präsidenten still und leise ihr Kabinett zusammen gestellt, macht Trump auch das anders. Er spricht über Treffen, verheimlicht nicht, wen er für welchen Posten in Erwägung zieht und lässt es sogar zu, dass seine engsten Berater Kandidaten beleidigen, wie jüngst Kellyanne Conway Mitt Romney. Trump hat die Zügel in der Hand und lässt die Dinge geschehen. Seine Auswahl seines Kabinetts erinnert mehr an eine Folge von „The Apprentice“ als eine ernstzunehmende Kandidatensuche. Es fehlt nur noch, dass jene Männer und Frauen, die auf der Trumpschen Liste stehen, Aufgaben erledigen müssen, um ihre Qualitäten und ihre Loyalität unter Beweis zu stellen.

In den Kommentaren der „Talking Heads“ auf den 24 Stunden Nachrichtenkanälen hört man immer, Donald Trump mache es einfach anders. Das sei eben seine Art. Eine Entschuldigung, eine Erklärung, dass unter Trump nun alles anders wird. Ein Präsident, der über twitter hetzt, tobt, lügt. Ist das das Amerika in dem ich nun lebe? Ich kann nur hoffen, dass twitter wirklich pleite geht, vielleicht ist dann endlich Schicht im Schacht mit diesem 140 Zeichen Blödsinn von Donald Trump.

Eins, zwei, drei, vier, fünf….

Wisconsin 0,8 Prozent, Michigan 0,2 Prozent und Pennsylvania 1,1 Prozent. Das ist der jeweilige Vorsprung von Donald Trump in diesen „Swing States“. Es geht also nur um ein paar Stimmen, die ihn am Ende zum Wahlsieger werden ließen. Nicht die meisten Stimmen in den USA zählen, sondern die meisten Stimmen in den umkämpften Bundesstaaten. Denn hier entscheiden sich die Wahlen, hier entscheidet sich die Anzahl der Wahlmänner, die am Ende ausschlaggebend sind.

Donald Trump glaubte schon früh an ein Verschieben der Wahlen, er kündigte an, das Wahlergebnis anfechten zu wollen. Das war im Wahlkampf. In der Wahlnacht sah er alles dann anders. Hillary Clinton gestand die Niederlage ein, kündigte an, keine Nachzählung durchführen zu lassen, auch wenn ihre Anhänger das forderten.

Jill Stein zählt die Stimmen in drei Bundesstaaten neu aus. Foto: Reuters.

Jill Stein zählt die Stimmen in drei Bundesstaaten neu aus. Foto: Reuters.

Doch nun will genau das Jill Stein machen lassen. Die Kandidatin der Grünen will sich mit Präsident Trump noch nicht abfinden, glaubt, da ist etwas nicht ganz mit rechten Dingen zugegangen. Sie lässt nun nachzählen. Erst in Wisconsin, wahrscheinlich auch in Michigan und Pennsylvania. Überraschenderweise hat sie viele, sehr viele Bürgerinnen und Bürger gefunden, die insgesamt Millionen an Dollar spendeten, um diese Nachzählung der Stimmen überhaupt möglich zu machen. Im Wahlkampf noch hinkte sie bei den Spenden hinterher, nun bauen viele auf die Wahrheitsbringerin Jill Stein.

Hillary Clinton schließt sich nun der Neuauszählung an. Und Donald Trump? Der tobt. Nichts werde sich ändern, twittert er. Aber man stelle sich vor, es würde sich was ändern. Die drei Bundesstaaten fielen doch noch an Hillary Clinton, damit wäre sie auf einmal Präsidentin. Donald Trump und das amerikanische Wahlsystem wären dann vorgeführt. Es käme zu weiteren Auszählungen, Klagen, einer noch tieferen Krise der Demokratie in den USA. Also, sollte man es vielleicht lassen? Ganz und gar nicht, Jill Steins Initiative sollte unterstützt werden, denn sie wird letztendlich die Frage klären, ob Trump wirklich in diesem seltsamen Wahlsystem der USA zum  Präsidenten gewählt worden ist. Damit verdient Stein großen Respekt. Die Endlosgeschichte „Wahlkampf in den USA“ wird also noch um ein paar Kapitel bereichert.