Die kleinen Hände des großen Don

Die kleinen Hände des großen Don

Man kennt das ja. Es wird fotografiert und selten findet man sich selbst auf den Bildern gut abgebildet. Ich denke mir immer, die Kamera hat ein paar Pfunde draufgelegt oder das Licht vergrößert wirklich meine Geheimratsecken.

Dass es auch anders geht, beweisen Prominente, die gerne an ihren Fotos rumdoktern lassen. Da verschwinden Schweissflecken genausso wie Falten an Hals und Wangen. Donald Trumps Publicity Team ist nun sogar noch ein paar Schritte weiter gegangen, wie das Online Magazin Gizmodo meldet. Da wurden die Bilder des Präsidenten ganz besonders bearbeitet. Zum einen machten ihn seine Mitarbeiter schlanker. Trump isst ja gerne Fast Food, was sich anscheinend auf die Figur des „Hamburger Eater in Chief“ auswirkt. Gizmodo verglich die Original Fotos mit denen, die das Team-Trump veröffentlichte. Kein Problem, denkt man sich, soll ja alles passen.

Doch das ist nicht alles, was seine Photoshopper da noch veränderten. Im Wahlkampf kamen mehrmals die anscheinend etwas zu klein geratenen Hände Trumps zur Sprache. Senator Marco Rubio, der im republikanischen Lager gegen Donald Trump kandidierte, meinte einmal, dass Trumps kleine Hände wohl darauf hindeuteten, dass auch an anderen Stellen des Milliardärkörpers die Proportionen nicht stimmen könnten. Trump erwiderte während einer Fernsehdebatte und vor versammelter Fernsehnation: “He referred to my hands: If they’re small, something else must be small. I guarantee you there’s no problem.” Trump selbst reagierte also auf den alten Vorwurf der zu kleinen Hände und zeigte sie immer wieder stolz seinen jubelnden Anhängern. Doch die kurzen Finger des Kandidaten waren fortan auch beliebtes Thema bei den Late Night Shows und selbst in der Cartoon Serie „Family Guy“ wurde Trump mit deutlich kleineren Händen gezeigt.

Die kleinen Hände von Donald Trump wurden auch in einer Episode von „Family Guy“ gezeigt.

Dass Trump dieser Makel nicht passt ist bekannt. Kein Wunder also, dass Trumps Medien Team auf Fotos die Finger des Präsidenten wachsen ließ. Wohlgemerkt die Finger und nicht die Nase, was wohl passender gewesen wäre. Im Bildervergleich von Gizmodo ist das eindeutig zu sehen, Original gegen Trump-Foto, die Hände wurden länger.

Natürlich kann Donald Trump mit seinen Fotos tun und lassen was er will. Aber Medienvertreter dürfen auch darauf hinweisen, dass mit den Fotos, die Trump seinen Anhängern und den Amerikanern präsentiert, etwas nicht stimmt. Trump entscheidet eben auch hier nach dem Motto „ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt“. Und da scheinen größere Hände einfach dazu zu gehören.



„The Female Barack Obama“

„The Female Barack Obama“

Kamala Harris ist eben nicht einfach „nur“ der weibliche Barack Obama. Eigentlich ist die Behauptung, die nun durch die Presse geistert, rassistisch und sexistisch zugleich. Denn sie beschränkt Harris auf die gleiche Hautfarbe wie Obama- sie ist die Tocher einer Inderin und eines Jamaikaners – und mindert ihre durchaus beeindruckende Karriere als Juristin und Politikerin.

Die kalifornische Senatorin Kamala Harris will Präsidentin werden. Foto: Reuters.

Nun also kandidiert sie offiziell. In einem Fernsehinterview am Martin-Luther-King-Day gab sie ihre Kandidatur bekannt. Am kommenden Sonntag soll eine große Kick-off Veranstaltung in Oakland folgen. Hier in Oakland, in ihrem Heimatstaat, wird es ein Büro für ihren Wahlkampf geben. Die Headquarters werden in Baltimore, dem „East-Oakland“ sein.

Kamala Harris beobachte ich schon länger. Sie ist eine erklärte Todesstrafengegnerin, die auch unter erheblichem Druck zu ihrer Überzeugung steht. Als Staatsanwältin von San Francisco musste sie 2004 einen Mann anklagen, der zuvor einen Polizisten erschossen hatte. Es ist üblich, dass bei Polizistenmord die Todesstrafe verlangt wird. Doch Harris blieb bei ihrer Haltung, bei dem, was sie im Wahlkampf für den Posten des „District Attorneys“ gesagt hatte: Sie werde keine Todesstrafe fordern. Der Druck in San Franciso war groß, auch und vor allem von Seiten der Polizeieinheiten, der „Peace Officers“. Kamala Harris verlangte hingegen eine lebenslängliche Haftstrafe ohne Aussicht auf Begnadigung für David Hill.

Dieser Fall stoppte nicht ihre Karriere. Harris wurde gewählte Justizministerin von Kalifornien und schließlich US-Senatorin. Nun will sie den nächsten Schritt gehen und wirft ihren Hut in den Ring. Kamala Harris hat sich entschieden, an diesem „blutigen Kampf“, wie sie es in einem Interview beschrieb, teilzunehmen. Es wird brutal, hässlich und teuer werden. Doch die 54jährige ist bereit und hat schon jetzt eine beeindruckende Gruppe an Unterstützern um sich gesammelt. Es wird spannend….

Global Warming gegen den Winter

Donald Trump wachte am heutigen Sonntag mal wieder auf und wusste nicht so recht, was er mit seine Zeit anfangen sollte. Also, griff er zu seinem Smartphone und tweetete ein paar Beleidigungen in Richtung der Sprecherin des Abgeordnetenhauses, Nancy Pelosi: „Nancy Pelosi has behaved so irrationally & has gone so far to the left that she has now officially become a Radical Democrat…And by the way, clean up the streets in San Francisco, they are disgusting!“ Also Pelosi verhalte sich unvernünftig, sei eine radikale Demokratin geworden und sollte sich wohl besser darum kümmern, dass die Straßen in ihrer Heimatstadt San Francisco sauberer werden sollten. Quasi nach dem Motto, Putzen sollte die Alte schon können.

Doch der Topper an diesem Morgen war zweifellos das obige Tweet, in dem der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika (!) die Amerikanerinnen und Amerikaner dazu auffordert, lieber daheim zu bleiben, als in den Winterstürmen vor die Tür zu gehen. Das sei zu gefährlich. Und dann: „Wouldn’t be bad to have a little of that good old fashioned Global Warming right now!“ Trump meint hier ernsthaft, ein bißchen Klimawandel täte uns allen ganz gut, denn dann würde es auch nicht mehr solche harschen Winterstürme geben.

Wie soll man das nun nennen, was Trump da so von sich gibt? Es war sicherlich kein (schlechter) Scherz, denn Donald Trump ist ja bekannt dafür, dass er „Global Warming“ anzweifelt, deshalb das Pariser Klimaabkommen aufgekündigt hat und lieber auf Kohle und Öl setzt als auf den Energiewandel. Von daher meint er das auch so, wie er es schreibt. So ein paar Grad wärmer täten uns in diesen Tagen voller Schnee und Eis ganz gut. Fehlte eigentlich nur noch, dass er erklärt, die Mauer zu Mexiko würde uns auch noch gegen den Winter bewahren, denn mit der „Wall“ würden dann nicht nur die Vergewaltiger, Mörder und MS-13 Mitglieder vom illegalen Grenzübertritt abgehalten werden, auch die Südwinde könnten so geblockt werden, die immer so ein kühles Lüftchen in die USA wehen lassen…so ganz unamerikanisch.

Der Schuss ging nach hinten los

Der Schuss ging nach hinten los

Zwei, die sich nicht leiden können: Nancy Pelosi und Donald Trump. Foto: Reuters.

Donald Trump macht einfach mal die Regierung dicht. Er sei stolz, wenn er das machen könne im Kampf um seine Grenzmauer. Das sagte Trump bei einem Treffen mit Chuck Schumer und Nancy Pelosi im Oval Office.

Doch davon will der Präsident nichts mehr wissen. Nun meint er, die Demokraten seien Schuld daran, dass mehr als 800.000 Männer und Frauen im öffentlichen Dienst zwangsbeurlaubt wurden oder ohne Gehalt arbeiten müssen. Denn eigentlich sei es ja einfach, die Demokraten müssten nur zustimmen, dass sie seine Mauerpläne finanzieren, dann wäre alles ok, und alle könnten wieder an ihren Arbeitsplatz zurückkehren. Das nennt sich Trumpscher Kompromiss, macht was ich will, und alles ist gut.

Die Demokraten ziehen nur nicht so richtig. Und das aus gutem Grund, denn unter Drohungen lässt es sich nicht regieren. Einig sind sich alle, dass die Grenze zu Mexiko besser gesichert werden muss, dass es eine Art physische Barriere geben sollte, die Zahl der Grenzschützer erhöht, Überwachungstechnologien eingesetzer werden müssen. Aber die Demokraten werden nicht einem Mauerbau zustimmen, vor allem nicht, wenn das unter Drohungen und auf Kosten der Arbeitnehmer im öffentlichen Dienst passieren sollte.

Und Donald Trump scheint sich mit seiner Blockadehaltung verrechnet zu haben. Glaubte er, dass der Großteil der Amerikaner hinter ihm stehen würde, zeigen jüngste Umfrageergebnisse vielmehr, dass ihm der Schlamassel angerechnet wird. Trump sinkt und sinkt. Konnte er bei der letzten Wahl noch viele „Independent“ Wähler für sich gewinnen, sagen nun weit über 60 Prozent von ihnen, sie werden nicht mehr für Trump stimmen. Und das ist ein Problem, denn nur mit seiner Basis hat Trump keine Chance 2020 die Wahl zu gewinnen. Der „Government Shutdown“ sollte für ihn einen „Boost“ bedeuten, doch es scheint, der Schuss ging kräftig nach hinten los.

Die Demokraten setzen auf Zeit, setzen darauf, dass die Republikaner im Kongress Druck auf Trump ausüben. Und sie positionieren sich. Etliche Frauen in den demokratischen Reihen haben bereits ihre Kandidatur verkündet, sie wollen gegen Donald Trump antreten. Und es sind starke Frauen, denen man einen Zweikampf mit dem Don mehr als zutrauen kann. Amerika könnte endlich eine Präsidentin bekommen.

Der amerikanische Kulturklangschatz

Eine MusikerIn oder eine Band erhalten für das Spielen eines Songs über einen Streaming Dienst 0,003 Euro. Das ist nicht viel, zeigt aber, welch geringen Wert Musik in unserer Gesellschaft eingeräumt wird. Es ist nur noch eine Art Klangtapete für nebenbei. Konsumiert in Massen, Smartphones und Abspielgeräte mit Zehntausenden von mp3 Songs in minderwertiger Soundqualität.

Vor diesem Hintergrund wirkt es schon seltsam, dass eine neugegründete Non-Profit, eine gemeinnützige Organisation in den USA daran geht, so viele 78er Platten zu digitalisieren, wie es nur geht. Die treibende Kraft hinter „Music Memory“ ist Lance Ledbetter, Gründer und Betreiber von “Dust to Digital” Records, einem Grammy ausgezeichneten und mehrfach nominierten Plattenlabel, das sich auf alte Aufnahmen spezialisiert hat. Die alten, knisternden und verrauschten Platten sind jedoch ein historischer Kulturschatz, der bewahrt werden sollte, so Ledbetter. „Als Musikfan und als jemand, der an den Erhalt solcher Platten glaubt, war es für mich immer schwer, kulturell wichtige Projekte zu erkennen, die aber finanziell keinen Sinn machten. Aber anstelle den Leuten zu sagen, wir können das nicht machen, denn es gibt nur fünf Leute auf der Welt, die das kaufen würden, und ich bin einer davon, entstand die Idee, das alles dennoch zu bewahren, ohne dabei an einen Profit zu denken.“

April und Lance Ledbetter, Gründer von „Dust to Digital“.

Vor rund 20 Jahren gründeten Lance Ledbetter und sein Frau April das “Dust to Digital” Plattenlabel. Gleich mit der ersten Veröffentlichung, der in Holz gefassten Box “Goodbye Babylon”, auf der man alte Gospel Songs hören kann, ließ das kleine Indie-Label aufhorchen. Seitdem ist Ledbetter auf einer Mission. Durch seine Veröffentlichungen, seiner Liebe zur alten Musik hat er sich viele Freunde in Sammlerkreisen gemacht. Und die unterstützen nun das Projekt “Music Memory”: „Wir kommen mit einem Toningenieur zu den Sammlern nach Hause und haben so einen ganzen anderen Ansatz als zum Beispiel die “Library of Congress”, die ebenfalls Platten digitalisiert. Aber die LoC will, dass man die Scheiben irgendwohin bringt. Wir alle wissen, dass einige dieser Sammler niemals ihre Platten aus der Hand geben würden.“

Dieser Ansatz zahlt sich aus, denn Ledbetter und seine Mitstreiter kommen so an die rarsten der raren 78er RPM Platten heran. Gemeinsam mit den Sammlern wird die Digitalisierung durchgeführt. Sie suchen die entsprechende Platten heraus, sie geben vor, wie die eigene Sammlung überspielt werden muss. Manchmal alphabetisch, manchmal ein Genre nach dem anderen. Was Lance Ledbetter dabei vor allem begeistert ist, wie die Sound-Puristen, jene 78er Schellack Sammler, auf dieses Projekt reagieren: „Auch, wenn die Idee oder der Gedanke daran, diese Aufnahmen auf einem Computer, einem Smartphone oder iPad zu hören, für sie nichts bedeutet, ich glaube, sie verstehen es, was wir vorhaben. Genauso wie sie in den 50er und 60er Jahren diese Platten gerettet haben, als sie von anderen einfach weggeschmissen wurden, sie in den Süden, den Mittleren Westen und in den Nordosten des Landes reisten, um die 78er zu suchen. Ich denke, sie verstehen unser Bestreben, diese Musik allgemein zugänglich zu machen.

Lance Ledbetter beschreibt, wie er das gesamte Bild der Digitalisierung aufnimmt. Man komme man oftmals in spezielle Keller oder Plattenräume, die nach Zigarre oder Pfeifenrauch riechen, könne so erkennen, wie wichtig all diese Musik für die jeweiligen Sammler war und ist. Mehr als 50.000 Aufnahmen sind bereits zusammen gekommen, 100.000de von Songs warten noch auf ihre Digitalisierung. Dazu Fotos der Cover und der Labelaufkleber, die gerade für Sammler und Archivare interessant sind. Mit der “Non-Profit”, der gemeinnützigen Organisation “Music Memory”, will man nun den nächsten Schritt gehen, Stipendien und Zuschüsse beantragen, um diesen riesigen Klangschatz der Allgemeinheit zugänglich zu machen. Angedacht sind Partnerschaften mit bereits bestehenden Online-Plattformen und eine eigene Webseite, die sich zu einem riesigen historischen Songarchiv entwickeln soll.

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Es schmeckt immer noch nicht

Es gibt diesen schon etwas älteren Witz: What do American beer and making love in a canoe have in common? They’re f…. close to water! Heißt auf Deutsch, Bier „Made in America“ schmeckt mehr wie stilles Mineralwasser als nach dem edlen Gerstensaft. Dass das nicht mehr so ganz stimmt, zeigen die vielen, hervorragenden Micro-Breweries in allen Teilen der USA. Aber mit dem Witz waren (und sind) vor allem die drei großen Brauereien im Geschäft gemeint: Budweiser, Miller und Coors.

Coors macht Werbung mit dem guten Wasser aus den Rocky Mountains. Miller erklärt, es sei der „Champagne of Beers“ und Budweiser meint, sie seien „The King of Beers“. Tatsache ist jedoch, dass alle drei sehr nah am Wasser gebraut wurden. Und alle drei Brauhäuser geben Millionen von Dollar für ihre Werbung aus, um die Biertrinker zu überzeugen, dass das der amerikanische Geschmack sei.

Die jüngste Werbekampagne von Budweiser dreht sich nun um die Zutaten des Biers. Jahrelang wurden die nicht veröffentlicht, doch in jüngster Zeit forderten immer mehr „Food Blogger“, dass auch die Brauer bekannt geben sollten, was in ihrem Produkt drin sei. Immerhin wisse man, was in jeder Coca Cola, in jedem Burger, in jeder Pizza sei. Warum also machten die „Breweries“ so ein Geheimnis aus ihrem Gerstensaft. Budweiser reagierte nun und verkündet im neuesten Werbeclip, dass man im Februar (!) die Zutaten bekannt geben wird. So, als handele es sich um ein Staatsgeheimnis, Top Secret, streng geheim. Ganz im Sinne des eigenen Slogans, wird diese bahnbrechende Nachricht von einem König verkündet. Man kann also gespannt sein, was neben Hopfen, Malz und Wasser noch so für den faden Geschmack eins Bud verantwortlich ist.

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Der Weg ist das Ziel…oder so

Ich fliege ja öfters nach Deutschland. 10-11 Stunden in der immer enger werdenden Economy Class in überfüllten Flugzeugen ist kein Spass. Und billig ist das auch schon lange nicht mehr. Irgendwie scheint es nun immer Hochsaison zu sein, zumindest dann, wenn ich fliege und nicht schon ein Jahr vor meinem geplanten Abflug gebucht habe.

Von daher war ich offen für die Werbung eines Online Reisebüros, das mir Angebote an Business Class Flügen „on sale“ zuschicken wollten. Warum nicht, dachte ich mir, vielleicht klappt das ja mal. Aber was ich da nun angeboten bekommen habe, fällt wohl mehr unter den philosophischen Gedanken der Weg ist das Ziel. Anders ausgedrückt, Hauptsache man fliegt Business Klasse, ankommen ist da nebensächlich. Nur so kann ich folgendes und wahrlich ernstgemeintes Angebot lesen:

Für 2459 Dollar würde ich mit United von San Francisco nach Newark fliegen. Von Newark müsste ich zum John F. Kennedy Airport nach New York City kommen, denn von dort geht es nach sechs Stunden mit Kuwait Airways weiter Richtung Kuwait City. Dort angekommen hätte ich sechs Stunden Aufenthalt, bevor es dann mit Etihad nach Abu Dhabi weitergehen würde, wo ich dann in einen Lufthansa Flieger nach München einsteigen dürfte, um zwei Tage nach dem Abflug endlich deutschen Boden betreten zu dürfen.

Auch der Rückflug nach San Francisco wäre nicht ohne. Abflug München, zuerst ginge es mit Egypt Air nach Kairo. Von dort mit Kuwait Airways nach Kuwait City. Sechs Stunden warten, dann mit einem Kuwait Airways Flieger aus dem Emirat Richtung New York City. Knappe 12 (!) Stunden später würde dann der letzte Flug, diesmal mit Jet Blue, von JFK nach SFO angetreten. Alles Business Class wohlgemerkt.

Der nette Mann im Reisebüro rief mich schließlich an, da ich mich auf sein unglaubliches Angebot per Mail nicht meldete und fragte, ob ich sein „offer“ erhalten habe. Ich konnte ihm nur sagen, dass ich das habe, aber wir wohl nicht zusammen kommen werden. „Thank you for the offer, but please take me off your list. Goodbye.“

Gleich gehe ich harken

Donald Trump weiß es mal wieder besser. Zwar sind Zweidrittel des kalifornischen Waldes als „National Forest“ ausgeschrieben, also unter seiner Aufsicht, doch der nicht gerade belesene und halbwissbegierige Mann im Oval Office meint, die Kalifornier liegen nur am Strand, bräunen sich die Bäuche und sind schlichtweg faul. Denn was er schon vor ein paar Wochen vorgeschlagen hat, wird einfach nicht im Sonnenstaat umgesetzt.

Trump meinte kurz nach den desaströsen Feuern in Kalifornien, er habe mit dem finnischen Präsidenten Sauli Niinistö gesprochen, der erklärte, so Trump, dass solche Brände in den Wäldern Finnlands nicht passierten, weil die Finnen regelmäßig den Boden harkten und das Laub aufklaubten. Ist logisch, dass da Horden von Finnen durch die nordischen Wälder streifen und Blatt für Blatt aufsammeln. Einziges Problem bei der Geschichte, Sauli Niinistö hat das nie gesagt. Auf Nachfrage gleich mehrerer finnischer und amerikanischer Medien meinte er, er habe mit Donald Trump zu keinem Zeitpunkt über die Wälder Finnlands und Kaliforniens gesprochen. Also, eine weitere bestätigte Lüge des amerikanischen Präsidenten.

Doch egal, Trump legt nach. Während die Kleinstadt Paradise nach den Bränden nicht mehr existiert und der neue kalifornische Gouverneur, Gavin Newsom, den Brandschutz zur Priorität erklärt hat, droht der Präsident ganz offen mit dem Entzug jeglicher Gelder für Kalifornien. Und das vor dem Hintergrund, dass der Bundesstaat am meisten in die US Haushaltskasse einzahlt. Nicht nur das, die stetig steigende Feuergefahr liegt sicherlich nicht an den Blättern, die auf dem Waldboden zu finden sind. Als ich Mitte der 90er Jahre nach Kalifornien zog, gab es eine „Fire Season“. Immer im Herbst, nach dem heißen Sommer und noch vor dem winterlichen Regenfällen, war man gewarnt. Die Schilder zur Brandgefahr standen auf „Extreme“. Doch das ist lange her. Nun gilt das ganze Jahr über hohe oder extreme Feuergefahr in den Wäldern des Bundesstaates.

Der Klimawandel ist hier bereits zu spüren, darin sind sich nahezu alle Klimaforscher einig. Doch Trump hört lieber auf die paar wenigen Pseudo-Wissenschaftler, die ihm das Märchen von der Wetterfee erzählen. Die Menschen können nichts dafür, von daher setzt Trump einfach weiter auf Kohle und Öl, wendet sich gegen ein Umdenken in der Energie- und Verkehrspolitik und haut seine dämlichen Ratschläge raus. Wir Kalifornier sollten also mehr harken und den Waldboden reinemachen. Also, weiß ich ja, was ich heute noch mache. Gummistiefel und Arbeitshose an und wie ein Zwerg aus Schneewittchen „dum-di-dum-di-dum“ pfeifend und eine Rechen geschultert in den Wald marschieren. Alles klar, Mister President!

Von welcher Krise spricht Trump?

Donald Trump überlegt, ob er den nationalen Notstand ausruft, wendet sich dafür in seiner ersten Fernsehansprache vom Oval Office an die Nation, um die Amerikanerinnen und Amerikaner davon zu überzeugen, dass an der Grenze zu Mexiko eine Mauer gebaut werden muss. Zwei Jahre im Amt und Trump zeigt damit, wie er dieses Land nur weiter spalten will und wird.

Präsident Trump während seiner ersten Oval Office Rede. Foto: Reuters.

Amerika braucht eine Immigrationsreform, darin sind sich alle einig. Wie unsinnig das System derzeit ist, konnte ich gleich mehrmals in den letzten 25 Jahren erleben. Auch, dass die südliche Grenze gesichert werden muss, ist kein Streitpunkt zwischen Republikanern und Demokraten. Doch eine Mauer ist eine Verschwendung von Geld, denn sie wird nichts helfen, wenn nicht gleichzeitig auf Technologie und Manpower gesetzt wird. Doch für eine olle Mauer den nationalen Notstand zu beschwören, und das, obwohl die Zahlen der illegalen Grenzübertritte deutlich gesunken sind, ist unverantwortlich. Auch führt Trump an, dass über die, wie er sagt, ungesicherte Grenze Drogen ungehindert ins Land strömen. Tatsache ist jedoch, dass 95 Prozent der Drogen über die legalen Grenzübergänge zwischen Mexiko und den USA in die USA gebracht werden. Da hilft auch keine Mauer, um den Drogen- und Geldfluss zu beschränken.

Ich lebe nun seit fast 23 Jahren in den USA. Die Grenze ist ein Politikum, aber kein nationaler Notstand. Ein andauernder nationaler Notstand sind vielmehr Tausende von Mordopfern aufgrund der laxen Waffengesetze in den USA. Ein nationaler Notstand sind die steigenden Obdachlosenzahlen in Ballungsräumen. Ein nationaler Notstand ist der dramatische Anstieg von Amerikanerinnen und Amerikanern, die einen Zweit- und Drittjob zum Überleben benötigen. Ein nationaler Notstand sind die ersten überdeutlichen Anzeichen eines Klimawandels, der gerade die Küstenregionen der USA trifft.

Präsident Donald Trump könnte, sollte, müsste also den nationalen Notstand ausrufen, um die Dringlichkeit so einiger Probleme deutlich zu machen. Doch ein antiquierter Mauerbau gehört nicht dazu. Vielmehr ist das eine politische Entscheidung für seine Jubel-Trumpianer, denen er immer und immer wieder eine Mauer zum Schutz gegen die kriminellen Mexikaner, jene Vergewaltiger, Mörder und Drogendealer, versprach. Trump spaltet weiter und eskaliert dabei die Situation im eigenen Land. Vor Amerika liegen stürmische Monate.

Der Kampf um den klaren Sound

Neil Young ist einer der ganz großen im Musikgeschäft. Und das schon seit Jahrzehnten. Dabei hat er sich nie darum geschert, was andere tun und lassen oder von ihm halten. Er zieht sein Ding durch. Kurz vor Weihnachten war es endlich so weit. Neil Young ging nach einer jahrelangen Entwicklungszeit mit seiner eigenen App an den Start. Für ihn kam damit endlich alles zusammen, der direkte Kontakt zu seinen Fans und die Einbindung seines selbst entwickelten Audioplayers „Pono“, mit dem Neil Young für eine bessere Sound- und Hörqualität kämpft.

Die App der “Neil Young Archives” ist mehr als nur der Versuch eines Musikers, seine Fans bei der Stange zu halten. Young habe ein Ziel, mit dem was er da macht, glaubt Derek Hirsch, langjähriger Fan und selbst hauptberuflicher Toningenieur. Neil versucht die Leute weiterzubilden, darin, dass es einen Unterschied zwischen einer hohen Auflösung und einer mp3 File gibt. Aber die Leute interessiert das nicht, denn viele nehmen Musik wie eine Art Audiotapete wahr.“

Im eingebauten App-Player kann man zwischen 320er mp3 Files, CD-Qualität und Studio-Master High Resolution wählen. Über die Stereoanlage daheim, ist das durchaus ein interessantes Angebot. Das Problem mit der App sei allerdings, so der 52jährige Toningenieur und Musiker, dass viele Nutzer Neil Youngs umfangreiches Musikarchiv meist über billige Kopfhörer hören. Und dennoch, Derek Hirsch ist begeistert von dieser App, denn sie ist ein Projekt im Wandel. Ich glaube, es ist für Leute, die Neil Young lieben, denn da ist zum Beispiel ein etwas klobiges Album von Mynah Birds, das war Neil Youngs Band in Kanada, da spielte er mit Rick James am Bass. Der Rick James mit “Super Freak”…Man hat also auch Zugriff auf solche alten Aufnahmen.“

Neil Young betonte bei der Vorstellung der App, dass es ein Lebenswerk in Arbeit sei. 50 + Alben sind bereits verfügbar, weitere werden folgen, dazu kommen unzählige von Konzertmitschnitten, eigene Zeitungsartikel und Infos und ein spezieller Kartenvorverkauf für Neil Young Archives Nutzer. Und Neil Young mischt selbst mit, will sich hier direkt mit seinen Fans austauschen.

Diese App ist sicherlich kein Vorbild für die meisten Künstler. Lediglich für Bands wie Pearl Jam, die u.a. auch ihre Konzerte mitschneiden und als offizielle Bootlegs ihren Fans anbieten, um so eine bessere Soundqualität zu garantieren, könnte solch ein integrierter Audioplayer interessant sein. Neil Young ist also mit seiner App auf einer Mission, er will seine Musik klar und deutlich und nicht komprimiert präsentieren. Und eben, unabhängig von den großen Playern wie Apple, Spotify oder Amazon – direkt aus den Händen eines alten Hippies. Und wie sagte er, bei der Vorstellung: “You think that Apple would be able to do it or somebody else would be able to do it. But it turns out an old Hippie did it…”