Popcorn, Chips und ein nette Flasche Wein

Jetzt wird richtig am Wahlkampfrad gedreht. Eigentlich sollten Hillary Clinton und Bernie Sanders noch eine Fernsehdebatte vor der abschließenden Vorwahl in Kalifornien führen. Doch Hillary zickt rum. Sie hält sich nicht an die eigentlich abgemachten Termine. Bernie regte sich vor ein paar Tagen darüber so richtig auf, beschuldigte die demokratische Parteiführung, ein abgekartetes Spiel zu führen. Am Montag meinte der Senator aus Vermont auf einer Wahlkampfveranstaltung: „Vor ein paar Monaten, hatten wir uns auf ein einige Debatten geeinigt, darunter eine hier in Kalifornien. Ich muß sagen, ich empfinde es als eine Beleidigung für Kalifornien – unseren größten Bundesstaat – dass sie nicht darauf vorbereitet ist, mit mir eine Diskussion darüber zu führen, wie wir die großen Krisen angehen, die uns bevorstehen.“

Bernie Sanders Wahlkampfmanager, Jeff Weaver, brachte daraufhin eine mögliche Debatte zwischen Sanders und Trump ins Gespräch. Am Donnerstag war #BernieTrumpDebate eines der meist benutzten Hashtags auf twitter. Der Donald ließ sich da nicht lumpen und antwortete am Donnerstagnachmittag auf einer Pressekonferenz: „Ich würde gerne mit Bernie eine Debatte führen. Aber ich will damit viel Geld für gemeinnützige Organisationen sammeln. Was wir machen sollten ist, wir sollten Geld, vielleicht 10-15 Millionen Dollar für Gesundheitsprojekte von Frauen zusammenkriegen, das wäre eine gute Sache. Ich kenne das Fernsehgeschäft sehr gut, ich glaube, es würde sehr hohe Einschaltquoten bringen. Es sollte in einer großen Arena sein. Und wir können jede Menge Spaß damit haben.“

Und dann antwortete Bernie Sanders in einem Tweet: „Ich freue mich, dass @realDonaldTrump der Debatte zugestimmt hat. Laßt es uns im größtmöglichen Stadium machen.“ Am Nachmittag fügte er dann noch auf einer Wahlkampfveranstaltung in Ventura hinzu: „Es scheint, Donald Trump will eine Debatte. Ich kann es kaum erwarten“.

Der Showkampf kann beginnen, es wird ein vielbeachteter und vielgesehener Fernsehabend. Der Verlierer steht auch schon fest: Hillary Clinton!

Ich schwitze nie!

Ich hatte mich schon immer gewundert, wie die beim Münchner Trikont Label veröffentlichte Band „Ich schwitze nie“ auf ihren Namen gekommen ist. Denn ich schwitze viel. In meinem Fitnessclub bin ich wahrscheinlich als CSG bekannt, das steht für „Crazy Sweaty German“, denn ich bin der schwitzende Deutsche mit dem komischen Akzent. Doch nun glaube ich zu wissen, wie „Ich schwitze nie“ auf ihren Bandnamen gestoßen sind.

Das bißchen Botox ist doch nicht so schlimm, sagt mein... Foto: Reuters.

Das bißchen Botox ist doch nicht so schlimm, sagt mein… Foto: Reuters.

In den USA gibt es schon seit langem den Botoxtrend. Fältchen und Falten werden damit im Alter geglättet. Und „Alter“ fängt da schon in Jugendjahren an. Manche Frauen und auch Männer übertreiben das etwas maßlos, ihre Gesichter wirken dann wie bewegungslose Fratzen. Und das sieht dann wieder nicht so gut aus, aber Schönheit ist immer die Schönheit des Betrachters, nicht wahr? Die Nervengiftinjektionen sind dennoch sehr verbreitet in den USA. Selbst in meinem Bekanntenkreis gibt es einige, die regelmäßig zur Spritze greifen.

Doch zurück zum Schwitzen. Ja, Botox scheint nicht nur gegen die Altersfalten zu helfen, es hemmt auch das Schwitzen. Wer selbst extrem schwitzt, weiß, dass man da schon mal alles versucht, um die Rinnsale auf der Stirn, die dunklen Flecken auf dem Hemd zu stoppen. Und ich rede jetzt nicht vom Fitnessclub, sondern von den Meetings und Interviews, von Konferenzen und Präsentationen. Aber Amerika wäre nicht Amerika, wenn es da nicht auch Damen und Herren gäbe, die sogar das Schwitzen beim Work-out unterbinden wollten. Schließlich haben sie viel Geld für Frisuren und Make-up ausgegeben. Gerade in den Metropolen wie New York und Los Angeles geht man gestylt in den Fitnessclub. Die Haare liegen schön, der Lidschatten und der Lippenstift wurden nach dem Umziehen ins trendige, hautfreundliche und in modischen Farben gehaltene Outfit noch einmal nachgezogen. Da passt ein Schweissfluss so gar nicht ins Bild.

Die Lösung wurde gefunden: Botoxinjektionen unter die Kopfhaut. Damit verhindert man das lästige Schwitzen, selbst auf dem Laufband, beim „Spinning“, in der Zumba-Klasse. Und ganz wichtig, die teure Frisur bleibt erhalten. Frauen rechnen vor, dass der tägliche Gang zum Hairstylisten für eine Fönsitzung zwischen 20-30 Dollar kostet. Eine Botoxsitzung mit Injektionen unter die Kopfhaut liegt bei rund 1000 Dollar, und das soll dann für etwa acht Monate das Schwitzen unter der Tolle verhindern. Die Kleinmädchenrechnung ergibt also, Botox ist billiger als unzählige Fönsitzungen. Ich lasse das nun einfach mal so stehen, nur mit dem Zusatz, dass ich keine aufwendige Fönfrisur habe, und auch nicht brauche, von daher schwitze ich lieber mal weiter.

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Der Präsident im Verschwörungstheoretikerclub

Hitler lebt noch, die Mondlandung gab es nie, die Außerirdischen sind unter uns. Und hinter allem steckt die geheime Weltregierung, die uns nicht die Wahrheit sagen will. Ich weiß nicht, wie Donald Trump die gerade genannten Beispiele bewertet, aber er ist mit Sicherheit einer der größten Verschwörungstheoretiker, dem zugehört und auch noch applaudiert wird.

Donald Trump weiß auf alles eine Antwort. Foto: AFP.

Donald Trump weiß auf alles eine Antwort. Foto: AFP.

Trumps Wahlkampf ist von unzähligen unsäglichen Theorien durchzogen. Nach wie vor glaubt er nicht, dass Barack Obama in den USA geboren wurde. Man erinnere sich an die Geburtsurkundenepisode von 2008. Doch das ist nur ein kleiner Nebenschauplatz für Donald Trump. Er hinterfragt alles, auch wenn es noch so absurd ist. Der König der Tweets erklärte: „Die USA müssen sofort alle Flüge aus EBOLA infizierten Ländern stoppen oder die Seuche wird sich innerhalb unserer Grenzen ausbreiten. Sofort!“. Danach dann die Ergänzung: „EBOLA verbreitet sich leichter als CDC und Regierungsvertreter zugeben“. CDC sind die „Centers for Disease Control“, eine Einrichtung für die öffentliche Gesundheit in den USA. Trump will hart durchgreifen, auch wenn das bedeutet hätte, dass keine Hilfsflüge mehr für die Menschen in Guinea, Sierra Leone und Liberia möglich gewesen wären. EBOLA hätte sich ungebremst ausbreiten können.

Das ist nicht der einzige Fall, in dem der Immobilienmogul Trump den Wissenschaftlern und Experten Unvermögen, Unkenntnis und Untätigkeit vorwirft. „Ein gesundes Kind geht zum Arzt, wird vollgepumpt mit mehren Spritzen an Impfstoffen, fühlt sich danach nicht gut und anders – Autismus“, so Trump auf der Wahlkampfbühne. „Die Ärzt lügen.“ „So viele Leute mit autistischen Kindern haben mir gedankt – unglaubliche Resonanz. Sie wissen es besser als gefälschte Berichte“.

Donald Trump weiß es einfach besser, er weiß es immer besser, er hat auf alles und auf jeden eine Antwort. Und sei sie noch so balla-balla. Die mexikanische Regierung schicke „die ganz schlimmen Verbrecher über die Grenze, denn sie wollen nicht selbst dafür zahlen“, meinte er und führt als Quelle seiner Information Grenzbeamte an, „die lieber nicht namentlich genannt werden wollen“.

Sowieso hat der Millardär kein Problem dubiose Quellen für seine Verschwörungstheorien anzugeben. So erklärte er im Wahlkampf, „Tausende von Moslems“ hätten von New Jersey aus, jubelnd den einstürzenden Türmen des World Trade Centers zugesehen. Diese Information habe er von der Webseite Infowars, die von Alex Jones geführt wird, einem der größten Verschwörungstheoretiker in den USA. Jones meint ganz offen, dass die US Regierung selbst hinter den 9/11 Anschlägen steht. Trump ist das nicht zu doof und ergänzte sogar, im Falle seines Wahlsieges werden wir alle „erfahren, wer wirklich das World Trade Center zum Einsturz gebracht hat“.

Trump kommentiert alles und immer mit einem Fragezeichen am Ende. Zum Tod des politisch eher rechts orientierten Verfassungsrichters Antonin Scalia bestach der Donald mit seiner eigenen Sicht der Dinge: „Sie sagen, man habe ein Kissen auf seinem Gesicht gefunden, was ein ziemlich ungewöhnlicher Ort ist, ein Kissen zu finden“. Hinter diesem Satz steckt die Anschuldigung, dass liberale Kräfte im Land, dem verhassten Verfassungsrichter das frühzeitige Ende gebracht haben. Egal, ob die Ermittlungen der Polizei und des FBI zu einem anderen Ergebnis kommen und von einem natürlichen Tod sprechen.

Donald Trump will Amerika wieder „great“ machen. Falls er wirklich den Sprung ins Oval Office schaffen sollte, dann werden die kommenden Jahre mehr als „unterhaltsam“. Als Korrespondent wird es mir dann mit Sicherheit nicht langweilig werden.

„San Quentin you’ve been living hell to me“

Ein Samstagmorgen in San Quentin, an einem Wochenende, an dem meine Lange Nacht über das älteste kalifornische Staatsgefängnis auf Deutschlandradio Kultur und dem Deutschlandfunk läuft. Seit 1980 sitzt Reno dort auf Death Row, 1978 wurde er verhaftet. Heute ist er ein alter Mann, er sitzt im Rollstuhl, kann sich kaum erheben, als ich mit einigen Sandwiches, Cola und Popkorn in dem „Besucherkäfig“ eingesperrt werde, in dem er schon wartet.

Das kalifornische Staatsgefängnis von San Quentin.

Das kalifornische Staatsgefängnis von San Quentin.

8:30 ist mein Termin, vor ein paar Tagen hatte ich angerufen und nachgefragt, ob am Wochenende noch ein Besuchertermin offen sei. Am Eingang von San Quentin warten Dutzende Frauen auf den Einlass. Ich bin der einzige Mann, der in der Besucherreihe steht. Kontrolle, Metalldetektor und dann der lange Spaziergang zur „Bastille by the Bay“. Wie oft bin ich diesen Weg schon in den letzten 20 Jahren gegangen? Damals, 1996, war alles noch neu, ein komisches Gefühl im Bauch begleitete mich auf diesem ersten Besuch. Heute ist alles Normalität, man grüßt „Correctional Officers“ und andere Besucher. Ich weiß, nach was ich in den Automaten für Reno suchen muß, wie die Mikrowelle funktioniert, ein kleiner Plausch noch mit dem zuständigen Strafvollzugsbeamten, bevor der mich dann in den Käfig einsperrt. Reno, der schon drin ist, muß die Hände durch einen kleinen Schlitz stecken, ihm werden Handschellen angelegt, dann wird die stählerne Stahlschiebetür geöffnet, ich darf eintreten, die Stahltür schließt sich mit einem lauten Krachen. Anschließend die gleiche Prozedur, die Handschellen werden abgenommen. Eine kurze Umarmung, „Hello, here I am“.

Wir reden über alles mögliche, wir lachen, scherzen, essen und trinken gemeinsam. Reno fragt viel nach, will wissen, wen ich wählen werde. Ich erzähle ihm von meinen anstehenden Reisen, von dem, was ich gerade mache, von meinem Hund. Ein paar Stunden Unterhaltung, bevor ich zurück nach Oakland fahre, um mir das DFB Pokalfinale im Internetradio anzuhören und er zurück in seine 1,40 x 2,30 Meter große Zelle geht. Alltag in San Quentin.

„The most dangerous place in the world“

Ich war in der mexikanische Grenzstadt Ciuadad Juarez zu Fuß unterwegs, als dort im Jahr 3600 Menschen ermordet wurden.

      Besuch in Ciudad Juarez

Mit der Bundeswehr war ich zweimal in Afghanistan. Nach der Landung in Kunduz bekam ich gleich eine kugelsichere Weste und einen Stahlhelm verpasst, im gepanzerten Fahrzeug ging es die kurze Strecke vom Flughafen in die Kaserne der Deutschen. Ich reiste in den Ostkongo, um über die dortige Krise zu berichten, sprach im Rebellengebiet der M23 mit dem Präsidenten, während vor der Tür bewaffnete Soldaten mit Maschinengewehren und Raketenwerfern standen.

      Besuch im Ostkongo

Es ging in den Tschad. Im Süden des Landes herrschte eine Flüchtlingskrise, das Chaos aus der benachbarten Zentralafrikanischen Republik drohte in den Tschad überzuschwappen.

      Besuch im Tschad

Dann ging es nach Somalia, ans Horn von Afrika. Einen funktionierenden Staat gibt es dort nicht mehr, seit 25 Jahren ist das Land gespalten, Teile versinken im Chaos, werden von Terrorgruppen, wie der Al-Shabaab Miliz, tyrannisiert.

      Besuch in Somalia

Ach ja, und hier drüben war ich auch mal in Los Angeles unterwegs, um dort auf Spurensuche nach den Gangs zu gehen, denn LA gilt als die Hauptstadt der Banden und kriminellen Organisationen in den USA.

      Besuch in Los Angeles
Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Donald Trump redet mal wieder Unsinn. Foto: Reuters.

Das sind nur ein paar der „Reiseziele“, die ich in den letzten Jahren angesteuert habe. Waffen, Gewalt, Not und Elend gab es auf all diesen Trips zu sehen. Doch anscheinend hätte ich für den „Nervenkitzel“ gar nicht so weit fahren müssen, denn der angehende republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump erklärte nun in seiner allumfassenden Kenntnis des amerikanischen Alltags in einem Interview mit der New York Times: „There are places in America that are among the most dangerous in the world. You go to places like Oakland, or Ferguson. The crime numbers are worse. Seriously.“ Oakland ist, laut Trump, also vergleichbar mit den Krisenherden dieser Welt.

Was stimmt, meine neue Heimatstadt in Kalifornien hat ein Gewaltproblem. Die FBI Statistik für 2014 belegt, dass es in dem Jahr 6900 Gewaltverbrechen in Oakland gab, darunter 80 Morde. Doch das ist nichts besonderes für die USA. Vergleichbare Städte, wie Miami oder New Orleans, liegen noch darüber. Oakland ist also nicht gefährlicher als andere US Städte.

Die Reaktion in Oakland ließ nicht lange auf sich warten. Bürgermeisterin Libby Schaaf, geboren und aufgewachsen in Oakland und eine erklärte Hillary Clinton Unterstützerin, twitterte und postete diese Nachricht auf facebook: „Let me be clear, regarding @nytimes story, the most dangerous place in America is Donald Trump’s mouth.“ Dazu muß ich glaube ich nichts mehr hinzufügen!

Nach dem Biafrakrieg kam der Rock

Wenn man von der afrikanischen Musik spricht, dann denken die meisten wohl an traditionelle Sounds, an Weltmusik. Heutzutage strahlen die Radiostationen in vielen Metropolen auf dem afrikanischen Kontinent mehr folklorische Klänge oder Hip Hop aus. Umso erstaunter war ich, als ich am „Record Store Day“ auf eine Box bei Amoeba Records in Berkeley stieß, in der die Rockmusik Nigerias vorgestellt wird.

Die nigerianische Rockmusik der 70er Jahre wird auf "Wake up you!" vorgestellt.

Die nigerianische Rockmusik der 70er Jahre wird in der CD und LP Box „Wake up you!“ vorgestellt.

Aktion heißt eine dieser Bands. Und sie kommt nicht aus England, den USA oder aus Deutschland. “Groove the Funk” wurde vielmehr 1975 in den EMI Studios in Lagos, Nigeria aufgenommen. Aktion ist Teil einer neuen CD und LP Box, die nun auf “Now Again Records” erschienen ist. “Wake Up You!” beschreibt eine lebendige, energiegeladene und hochkreative nigerianische Rockmusikszene am Anfang der 70er Jahre. Zu einer Zeit, in der sich das Land nach einem dreijährigen Bürgerkrieg, dem sogenannten Biafra-Krieg, langsam wieder erholte.

Zusammengestellt hat diese Sammlung der in Boston lebende DJ, Produzent und Musikhistoriker Uchenna Ikonne. Geboren in den USA wuchs er in den 80er Jahren in Nigeria auf: „Ich habe an einem Film gearbeitet, der in Nigeria in den 70er Jahren spielt. Dafür suchte ich nach Musik und kam mehr und mehr auf diese Rockmusik, von der ich begeistert war. Die meisten kannten sie gar nicht. Weder Leute außerhalb von Nigeria, noch in Nigeria selbst. Sie erinnerten sich nicht an diese Musik. Also dachte ich mir, es wäre interessant, das ganze wieder auszukramen.“

Die Musik Nigerias zu dieser Zeit vereinte die vielen Einflüsse des Westens. Rock, Funk, Soul, auch etwas Country und Folk. Und das vor dem Hintergrund der noch jungen Unabhängigkeit des Staates Nigeria, wie Ikonne erklärt: „Die Kulturnationalisten dachten, es wäre nicht sehr produktiv, wenn man nur die Musik nachahmen würde, die aus Amerika und England kommt. Aber, was nach dem Krieg, Anfang der 70er Jahre passierte, war, dass die Leute einen Weg fanden, um Rock mit lokalen Einflüssen zu bereichern. Das machte das ganze viel eigenständiger, als nur eine reine Kopie der ausländischen Musik.“

Teil 2 der umfangreichen nigerianischen Rockbox erscheint in wenigen Tagen.

Teil 2 der umfangreichen nigerianischen Rockbox erscheint in wenigen Tagen. Wieder als CD, LP oder als Download.

Nigeria war zu dieser Zeit auf dem Radarschirm der großen westlichen Plattenfirmen. Decca, Polydor und vor allem EMI investierten in den boomenden Musikmarkt Nigerias: „EMI war wirklich eine bedeutende Plattenfirma, die die Identität der nigerianischen Rockmusik mitformte. Denn als viele der Rock- und Pop-Bands in Nigeria nur das kopierten, was aus dem Ausland kam, drängten die EMI Produzenten ihre Künstler dazu, die Musik mit einheimischen Sounds zu verbinden. Rock und Funk angereichert mit lokalen, afrikanischen Elementen. EMI war dafür bekannt. Sie hatten diesen erkennbaren Sound, wenn es um Afro-Rock ging.“

Uchenna Ikonne sieht den brutalen Biafrakrieg im Land als einen Scheidepunkt für die Rockmusik Nigerias. „Der Bürgerkrieg hat die Entwicklung der Rockmusik in Nigeria aus mehreren Gründen beschleunigt. Zuvor war die populärste Musik, was man hier “Highlife” nannte. “Highlife” war keine ethnische Musik, sie war auch nicht an irgendeine ethnische Gruppe in Nigeria gebunden. Es war vielmehr Musik, die jeder mochte. Aber während des Krieges, mit den Spannungen zwischen den ethnischen Gruppen, wurde “Highlife” kaum noch beachtet. Und da wuchs eine jüngere Generation heran, die lieber Soul und Rock hörte. Von daher hat der Krieg die Popularität der Rockmusik wohl beschleunigt.“

Und Rock war in diesen Nachkriegsjahren genau das richtige für eine Jugend, die sich ganz neu ausrichten mußte, meint Uchenna Ikonne: „Nach den Jahren der Gewalt wollten die Leute Musik hören, die schwerer war, mehr disharmonisch, die kraftvoll war, als das weiche “Highlife” und auch der weiche Soul, all das, was man vorher gehört hatte. Der Krieg hatte also einen großen Einfluß auf die Leute, sich der Rockmusik zu öffnen.“

Heute findet man in Nigeria kaum noch Spuren dieser nigerianischen Rockgeschichte. Auch deshalb sieht Uchenna Ikonne die Notwendigkeit für diesen historischen Rückblick. Teil eins von “Wake Up You!” ist nun als LP und CD mit einem umfangreichen Begleitbuch auf dem amerikanischen Label erschienen. Ende Mai folgt der zweite Teil.

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Ein Präsident für alle Einwohner

Wahlkampf ist ein Politzirkus. Das wird in diesem Präsidentschaftswahlkampf nur allzu deutlich. Vollmundige Töne, große Versprechen, ein lautes Tam-Tam. Und dann ist da einer wie Bernie Sanders, der eigentlich so gar nicht in das geleckte Politbild passt. Die Haare wirr, der Anzug zerknautscht, er wirkt wie der etwas mürrisch dreinblickende Senior im Zeitungscafé. Doch Sanders begeistert vor allem die jungen Leute in den USA. Sein Wahlkampf ist eine Welle, die derzeit das ganze Land erfasst.

Bernie Sanders Action-Figur.

Bernie Sanders Action-Figur.

Das ganze Land wohlgemerkt. Bernie Sanders ist der einzige Kandidat, der gezielt und bewußt und ohne großen Pressezirkus die Reservate der Indianer, der Ureinwohner Amerikas aufsucht. Zuletzt fuhr er nach Pine Ridge, abgelegen in South Dakota, um dort mit den Bewohnern zu sprechen. Bernie Sanders will von ihnen hören, denn er weiß, gerade die „Native Americans“ sind nach wie mehr als benachteiligt, sind am äußersten Rande der Gesellschaft zu finden. Allein im Reservat Pine Ridge verlassen 70 Prozent der High School Schüler die Schule ohne Abschluss. Die Arbeitslosigkeit ist riesig, wie auch die Drogen- und Alkoholprobleme.

Bernie Sanders ist der einzige Kandidat, der auch in den Fernsehdebatten von sich aus die Problematiken in den Reservaten angesprochen hat. Und das wurde gehört. Zwei Prozent der amerikanischen Bevölkerung sind „Native American“. Viele von ihnen unterstützen Sanders im Wahlkampf, gerade weil er glaubwürdig ist und sich nicht verbiegt. Was der Senator aus Vermont in seinem Wahlkampf geschafft hat, ist, den Blick auf die Ränder der Gesellschaft zu werfen. Er reist und rauscht nicht an mit großen Versprechen, fabuliert nicht von „the greatest nation“. Er spricht vielmehr die Probleme dieses Landes an, in dem es nach wie vor Reservate gibt, in denen Menschen ohne Hoffnung und Zukunft leben.

Kein Wunder, dass Bernie-Fans nun mit einer Kickstarter-Kampagne eine Bernie-Actionfigur umgesetzt haben. Sanders ist zwar nicht der muskelbepackte Marvel-Comic Held, aber er legt mit diesem Wahlkampf den Finger in die Wunden Amerikas. Das ist ehrlich und glaubwürdig und, ja, heldenhaft in einem Land, in dem noch immer viele der Meinung sind, „America is the best place on earth“.

Wir saufen uns Amerika schön

bud_12oz_bottle_jkr_summer_sxs_custom-fd48dd472d2795a78bab5e43af37169ba87f698a-s800-c85In diesem Sommer heißt es nicht mehr „Bitte ein Bud“, sondern „Please one America“. Die Großbrauerei Anheuser-Busch hat angekündigt, ihr Budweiser Bier ab Ende Mai bis zu den Wahlen im November als „America“ umzubenennen. Dieses Jahr, so die Braumeister, sei ein Jahr des Patriotismus. Zum ersten Mal wird das Fußballturnier „Copa America Centenario“ in den USA abgehalten, daneben stehen die olympischen Spiele in Brasilien an und natürlich wird auch noch gewählt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Alles ein Grund, stolz zu sein, Flagge zu zeigen, Amerika zu trinken, wobei die Namensänderung die Plörre auch nicht besser schmecken läßt.

Die Häme ließ nicht lang auf sich warten. Einige Kommentatoren verwiesen darauf, dass die „amerikanische“ Brauerei Anheuser-Busch 2008 für 50 Milliarden Dollar an die belgische InBev Gruppe verkauft wurde. Von Patriotismus war im Angesicht des harten Dollar da nicht viel zu sehen. Auch ist die Frage, ob es dann ein „America Light“ zu kaufen gibt und was man mit den leeren Dosen anstell soll? Darf man diese einfach wegschmeißen und zerknüllen oder kommt das dann der Flaggenschändung gleich? Einer, der von der Idee ganz begeistert ist und schon meint, das hänge alles mit seinem Wahlkampf zusammen ist der republikanische Kandidat Donald Trump. „We’ll make America great again“, ist sein Wahlspruch. Darauf also ein „America“. Wir saufen uns das Land wieder schön.

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Mein Kreuzchen machen

IMG_5718Mit einem Kreuzchen komme ich hier nicht weit. In meinem County, Alameda, werden Linien gezogen. Das ist hier so, in anderen Counties, in anderen Bundesstaaten ist das wieder ganz anders. Ein einheitliches System gibt es in den USA nicht.

Der US Präsidentschaftswahlkampf kommt nun auch nach Kalifornien. Diesmal haben die Stimmen sogar eine Bedeutung, nicht mehr bei den Republikanern, da ist Donald Trump durch. Doch bei den Demokraten könnte sich noch was tun. Bernie Sanders rechnet sich noch was aus, und mit einem Sieg gegen die Frontrunnerin Hillary Clinton im bevölkerungsreichsten Bundesstaat könnte er mit breiter Brust nach Philadelphia zum Parteikonvent fahren.

IMG_5720Ich bin als „Independent“ registriert und darf dennoch bei den Demokraten im Vorwahlkampf mit abstimmen. Daneben wird am 7. Juni noch über einiges mehr entschieden. Ein paar weitere Vorwahlen für verschiedene politische Ämter stehen an, darunter für den US Kongress und Senat , für den kalifornischen Senat und „Assembly“ (Landtag). Und dann darf man seinen Strich auch bei Richtern und Schulaufsichtsbehörden ziehen. Keine Ahnung, wer da kandidiert und warum ich die wählen soll. Ich glaube, ich konzentriere mich auf die Ämter und Personen, die ich kenne und fange erst gar nicht mit solchen Wahlen für Richter, Behöreden oder U-Bahn Gremien an. Was soll das auch?

America is ready

Trump Shirts gehen weg wie warme Semmel.

Trump Shirts gehen weg wie warme Semmeln.

Bis zu den Wahlen ist es noch etwas hin, aber Amerika ist bereit. Zumindest, wenn man sich die Angebote in den Touristenshops in Washington DC ansieht, wie hier in einem Laden in der gewaltigen Union Station.

Langsam nimmt das Angebot zwar ab, es sind ja nur noch wenige Kandidaten im Rennen. Hillary, Trump und Bernie T-Shirts, Tassen, Kühlschrankmagneten, Spielkarten. Alles, was das Herz eines leidenschaftlichen Politik-Fans begehrt. Am besten scheinen die Donald Trump und Bernie Sanders Artikel zu laufen. Die Anzahl der Produkte ist überwältigend und vielseitig. Sowas bekommt man für die Bundestagswahl mit ihren Kanzlerkandidaten nicht zu sehen.

Offizielle Artikel der Kandidaten sind das nicht, von daher stellt sich die Frage, wer damit vor allem das große Geld macht. Und nein, ich habe mir kein Andenken an den weltweit beachteten Proll-Wahlkampf von Trump gekauft. Und ich kenne auch niemandem, dem ich auch nur aus Spass eine Ted Cruz Tasse mitbringen würde, ohne sie danach an den Kopf geknallt zu bekommen. Wobei die sogar 50 Prozent billiger war!