Der Mann im Mond

„That’s one small step for man, one giant leap for mankind.“ Diese Worte von Neil Armstrong am 20. Juli 1969, als er als erster Mensch den Mond betrat, drücken heute so viel mehr aus. Es zeigt die Größe Amerikas, aber auch die Verbundenheit mit der internationalen Gemeinschaft. Es zeigt aber auch, wie demütig dieser Amerikaner in diesem großen Moment für sein Land und für die ganze Welt war. 50 Jahre ist das nun her. Der Ton hat sich verändert.

Nichts aus der Geschichte gelernt. Foto: Reuters.

Es ist heute schwer vorzustellen, wie in so einem historischen Augenblick Bescheidenheit gezeigt werden kann. Gerade und vor allem auch, weil an der Spitze dieses Landes ein Mann steht, der so etwas nicht kennt. Donald Trump ist ein Großmaul, ein Angeber, ein Lügner, ein Egozentriker, ein Rüpel. Beispiele für jeden dieser Begriffe gibt es genügend, die müssen hier nicht wieder und wieder aufgeführt werden. Es langt eigentlich, wenn man Donald Trump in dieser vergangenen Woche betrachtet, das was er getweetet, das was er gesagt hat. Demut kennt er nicht.

Dieser Satz von Neil Armstrong auf der Mondoberfläche ist einer der ganz großen, historisch bedeutenden Worte in der Menschheitsgeschichte. Und er kam zu einer Zeit, als es eine Aufbruchstimmung gab. Die Mondlandung zeigte, was nicht nur vorstellbar war, sondern auch was realisierbar ist. Solch ein technischer Sprung in einer so kurzen Zeit. Und dazu eine Nation, die das ausführte. Der „American Dream“ wurde hier gelebt. Heute ist das nahezu undenkbar, zumindest mit diesem Präsidenten, der zwar immer wieder betont, er vertrete Amerika, die amerikanischen Werte, „America First“. Doch Trump ist nicht der Präsident aller Amerikaner. Er ist machtbesessen, regiert nur für seine Basis, er liefert seinen Unterstützern genau das, was sie hören wollen. Ohne Rücksicht auf Verluste, auch das hat diese Woche gezeigt. Um zu punkten öffnet er sogar die Giftkammer der Politik und greift Andersdenkende mit primitivsten Äusserungen an. Klasse hat dieser Präsidente nicht. Seine rassistisch gröhlenden Anhänger beschreibt er als „wunderbare Patrioten“. Das ist Amerika 2019. In 50 Jahren hat sich viel verändert. Von der einstigen Demut ist nicht mehr viel übrig geblieben. Auch daran sollte man an diesem Jubiläumstag denken.

Am Allerwertesten der amerikanischen Demokratie

Seit Wochen schon wurde das Trauerspiel angekündigt. Nun war es endlich so weit. CNN übertrug live die Auslosung, wer von den Demokraten mit wem und wann auf der Bühne stehen wird. 20 Kandidatinnen und Kandidaten wurden auf zwei Tage (30./31.7.) verteilt. Das ganze wurde als hochbrisant verkauft, mehrere Kameras im Studio, ein achtköpfiges Expertengremium, Vermutungen, Aussichten, politische Brisanz. Dann ein Technoticker unter dem eigentlichen Namenziehen. Auf Deutsch gesagt wurde hier aus Mist ein Fernsehevent geformt. Es stank gefährlich nach einer peinlichen Posse.

Wenn mich jemand fragt, was in der amerikanischen Demokratie falsch läuft, dann kann ich jetzt getrost auf diese bescheuerte Sendung von CNN hinweisen. Die Demokraten sind sich echt nicht zu blöd, so ein unsägliches Schauspiel mitzumachen. Nicht nur, dass da 20 Kandidaten im Rennen sind. Selbst ich, dessen Geschäft politische Nachrichten aus den USA ist, kann noch nicht mal die Hälfte der Namen aufsagen, die da um das Präsidentenamt antreten. Für eine Partei wie die Demokraten, die nun seit über zweieinhalb Jahren zusehen (müssen), wie der Nachfolger von Barack Obama dessen Amtserfolge, dessen politische Vorstösse, dessen nationale und internationale Verträge für null und nichtig erklärt, diese Partei sollte nur ein einziges Ziel vor Augen haben: die Abwahl von Donald Trump.

Aber es scheint die Partei verliert sich im Dunstkreis der Egomanen, die alle meinen sie seien aus Präsidentenholz geschnitzt. Dieses Trauerspiel müsste eigentlich ein schnelles Ende haben, doch es wird noch mindestens acht Monate weitergehen, bevor endlich ein oder zwei klare Kandidatinnen oder Kandidaten auszumachen sind. Bis dahin werden wohl einige der Männer und Frauen an ein Wunder glauben, die Demokratenkolonne noch von hinten aufmischen zu können.

Die Auslosung der Kandidaten auf CNN…was für ein Nachrichtensender soll das bitteschön sein, der ein Nullevent als politisch explosiv ankündigt, die Auflistung der Namen in drei Teile aufspaltet, um die Spannung noch zu steigern und ein paar Werbespots einzuspielen? Die amerikanische Demokratie krankt an einigen Ecken und Enden, aber das hier heute war ein Debakel für die Absichten der Demokraten das Weiße Haus zurück zu gewinnen. So jedenfalls kann man Donald Trump nicht schlagen.

Trumps Masterplan

Man muss sich schon fragen, was Donald Trump mit seinen sehr fragwürdigen und durchaus rassistischen Tweets vor hat. Da ist sicherlich, dass er die genau zu dem Zeitpunkt rausgehauen hat, als sein einstiger Busenfreund Jeffrey Epstein vor Gericht antreten musste. Immerhin geht es um Vergewaltigung von Minderjährigen und ausufernde Sex Parties. Und Donald Trump soll wohl nicht nur mit Epstein diniert und „pc“ gefeiert haben. Also kann man die rassistischen Tweets durchaus als Rauchbomben erklären.

Mit Rotfront Gruss gegen die Sozialisten. Foto: Reuters.

Doch Trump verfolgt mit diesen Frontalangriffen auf die vier jungen Abgeordneten, alles „women of color“, vor allem ein Ziel. Er will die Demokraten als „out of touch“ mit den Wählern, als radikal, als sozialistisch darstellen. Dafür ist ihm keine Behauptung zuwider. Selbst die nicht, dass die Abgeordnete Ilhan Omar, eine der vier, mit der Terrororganisation Al Qaeda sympathisiere. Das ist ein totaler Krampf, ist mehrfach widerlegt worden, Trump verdreht hier vielmehr bewusst Aussagen der Abgeordneten. Doch das stört ihn nicht, er macht einfach weiter und verbreitet diese Lüge. Auch auf die Gefahr hin, dass Omar Opfer von Gewalt werden könnte, denn die Terroranschläge des 11. Septembers sind nach wie vor eine offene Wunde in den USA.

Trump zündelt derzeit. Er hofft auf einen Kulturkrieg im Wahlkampf. Hier , er als der Vertreter des weißen, christlichen Amerikas mit seinem Spruch „Make America Great Again“. Und dort die sozialistischen Demokraten, die sich für „undocumented immigrants“, für offene Grenzen, für Schwule, Transsexuelle, für höhere Steuern, für den Abbau des Militärs, für internationale Verträge, für Abtreibung bis zur Geburt und, und, und einsetzen. Trump lügt sich einfach durch die Gegend, erfindet Dinge, verdreht Tatsachen, zurücknehmen muss er ja nie etwas. Sich entschuldigen kennt dieser Präsident nicht. Trump spaltet die Nation aus dem einfachen Grund, um seine Wiederwahl zu erreichen.

Ob das klappen wird, ist derzeit total offen. Wie sich die Wählerinnen und Wähler entscheiden werden kann niemand genau sagen. Amerika wandelt sich. Von der demografischen Entwiclung her, dürfte Trump eigentlich keine Chance haben. Doch klar ist, dass eine Minderheit den Präsidenten bestimmen kann, wie man das 2016 sehen konnte. Es geht also nicht nur um eine demokratische Entscheidung. Es geht vor allem darum, wie man diesen – fragwürdigen – demokratischen Prozess in den USA besser ausnutzen kann. Und Donald Trump ist darin ein Meister. Die große Frage ist also derzeit, ob die Demokraten in ihren Reihen eine bessere Meisterin oder einen besseren Meister finden werden.

Die Christliche Rechte steht zu Trump

Im Wahlkampf 2008 reiste ich in den „Bible Belt“, um dort christlich-konservative Radiosender zu besuchen. Ich wollte wissen, wie sie sich damals im Wahlkampf positionierten. Nach acht Jahren George W. Bush war der Kandidat Mitt Romney auf der republikanischen Seite nicht unumstritten und relativ spät setzte sich Barack Obama gegen Hillary Clinton durch. Und Clinton war das rote Tuch für die Christliche Rechte im Land. Seitdem verfolge ich, was Organisationen, wie „American Family Radio“ und die dazugehörige Association verbreiten. 2016 im Wahlkampf griff ich das Thema erneut auf, denn was mich verwunderte, war, dass die Christliche Rechte sich für Donald Trump einsetzte. Jenen Kandidaten, der mehrfach geschieden war, der eigentlich so gar nicht in das Bild eines „christlichen“ Kandidaten passte:

Fundamentalismus in den USA     

Donald Trump wurde Präsident auch und vor allem durch die Unterstützung der Fundamentalisten in den USA. Und die stehen nach wie vor zu ihm, verteidigen jeden seiner Schritte und auch jeden seiner Fehltritte. Wie auch heute wieder. Täglich wird mir der Rundbrief vom „OneNewsNow News Desk“ der „American Family Association“ zugeschickt. Und in aktuellen Ausgabe geht der Autor Michael Brown auf Trumps Tweets ein, dass doch die vier Abgeordneten der Demokraten, Ayanna Pressley (Mass.), Rashida Tlaib (Mich.), Alexandria Ocasio-Cortez (N.Y.) und Ilhan Omar (Minn.), in die Länder zurückgehen sollten, aus denen sie gekommen sind. Die vier Frauen sind alle „women of color“, drei von ihnen wurden in den USA geboren, eine, Ilhan Omar, kam als Kind mit ihrer Familie aus dem Bürgerkriegsgebiet in Somalia und wurde als Teenager eingebürgert.

Die Tweets und die Kommentare dazu von Donald Trump sind durchaus rassistisch einzustufen. Die Mehrheit der Kommentatoren sieht das so, die Demokraten sehen das so. Bei den Republikanern sieht das schon anders aus. Senator Lindsay Graham sagte zwar auf „Fox and Friends“, der Morgensendung auf FoxNews, dass Trump sowas nicht sagen sollte, aber die Angesprochenen seien ja eh „Kommunisten“ und hassten Israel und die Vereinigten Staaten von Amerika.

Auch die Christliche Rechte verteidigt den Präsidenten. Zwar seien die Tweets „inkorrekt“ gewesen, so Michael Brown im „OneNewsNow“ Rundbrief, da ja drei der Abgeordneten von Geburt an Amerikanerinnen seien. Auch seien sie „unangebracht“, da ja Trump der Präsident aller Amerikaner sei. Doch, so Brown, habe Trump ja nicht einfach gesagt, die vier sollten sich vom Acker machen und dort bleiben „wo sie herkamen“. Nein, Brown betont, der Präsident habe ja geschrieben, wenn sie diese Länder auf Vordermann gebracht haben, könnten sie ja wieder zurück kommen und zeigen, wie sie das gemacht haben. Und so etwas würde kein Rassist sagen, so der Kolumnist Michael Brown. („…a racist would not say, „Then come back here once you help fix these other countries.“) Wenn man das nun weiterspinnt, dann vertritt Brown hier tatsächlich die These, dass Donald Trump nur vorgeschlagen habe, dass die vier Abgeordneten der Demokraten quasi eine Lehrzeit in Somalia, Palästina, Puerto Rico, USA – die Herkunftsländer ihrer Familien (!) – absolvieren und mit ihren Erfahrungen dann die US Regierung beraten sollten.

Das nenne ich dann schon eine leichte Verdrehung der eigentlichen Aussage von Präsident Donald Trump. Aber, die Christliche Rechte muss ja den man weiterhin unterstützen, den sie in Amt und Würden gehoben hat, den sie als Retter von „God’s Country“ ansieht. Ich bin nun mal so richtig gespannt auf weitere Verzwirbelungsargumente im kommenden Wahlkampf, denn egal was Trump auch sagt, wen er auch beleidigt, was er auch verdreht, die fundamentalistischen Christen in den USA finden eine Erklärung.

Geht dahin, wo ihr hergekommen seid

Als jemand, der selbst Amerikaner geworden ist, zumindest ein Amerikaner auf dem Papier, also mit Pass, kann ich durchaus behaupten, man wird nie ein „vollständiger“ Amerikaner. Darüber habe ich vor ein paar Monaten auch ein Feature für Deutschlandfunk Kultur produziert. Irgendwie hängt man zwischen den Ländern, den Kulturen, den Sprachen. Doch nun wird auch klar, dass das nicht nur die eigene Sicht der Dinge ist. Auch von außen wird einem deutlich gemacht, dass man einfach nicht ganz dazu gehört.

Was Donald Trump da über das Wochenende getweetet hat und am Montag nochmal nachlegte, zeigt, dass Immigranten für ihn nicht dazu gehören. Gerade, wenn sie auch noch eine andere Hautfarbe und eine andere Religion haben. Ob Trump mit mir als Einwanderer ein Problem hätte, das weiß ich nicht, ich denke aber mal, da ich nicht auf seiner verblendeten, hasserfüllten und populistischen Welle mitschwimme, dass ich wohl von ihm ähnliches hören könnte: „Go back to your country“.

Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika greift vier Abgeordnete der Demokraten an. Drei von ihnen wurden in den USA geboren, eine kam als Kind aus Somalia, erhielt hier Asyl und wurde als Teenager eine amerikanische Staatsbürgerin. Doch alle vier wurden in ihren Distrikten von Wählern gewählt, um sie im US Kongress zu repräsentieren. Trump wettert also nicht nur in billigen rassistischen Tönen gegen die Parlamentarierinnen, sondern auch gegen ihre Wählerinnen und Wähler. Und er macht deutlich, dass Amerika ein Land des weißen Mannes ist. Denn so eine billige Kritik an Kritikerinnen hat er bislang nur gegen Frauen mit anderer Hautfarbe und teils auch einer anderen Religion vom Stapel gelassen.

Donald Trump zeigt hier – mal wieder – sein wahres Gesicht. Und erschreckend ist nicht, dass er das tweetet, sagt und denkt. Solche Worte erwartet man mittlerweile vom Präsidenten. Viel erschreckender finde ich das große Schweigen in der Partei der Republikaner. Sie schließen nicht die Reihen untereinander, stellen sich schützend vor ihre Kolleginnen, auch wenn diese andere politische Überzeugungen haben. Sie schauen vielmehr weg, sitzen es mal wieder aus und machen sich so mitschuldig am neuen Ton in der amerikanischen Politik. Rassismus wird damit von ganz oben gesellschaftsfähig gemacht und auch noch stillschweigend abgesegnet.

Die Area 51 wird gestürmt

Alle kann man nicht stoppen. Das zumindest ist die Hoffnung der Facebookgruppe „Storm Area 51“. Rund eine halbe Million Menschen interessiert sich genau dafür, am 20 September dieses Jahres gemeinsan auf das hochgeheime Militärareal zu rennen. Das Ziel ist, endlich Klarheit darüber zu bekommen, ob auf der Air Force Basis tatsächlich Außerirdische festgehalten werden.

Der Eingang zur Area 51. Einfach weiterlaufen ist nicht zu empfehlen.

Eigentlich ist es als Spass gedacht. Denn keiner wird wohl wirklich ernsthaft glauben, die „Nellis Air Force Base“ überrennen zu können. Doch diese Facebookseite hat nun auch viele Alien-Fans und Alien-Gläubige angezogen, die diesen Plan in die Tat umsetzen wollen. Denn, wer am Eingang der „Area 51“ steht, könnte meinen, es ist ein leichtes Unterfangen einfach loszurennen. Denn ein Tor gibt es nicht, auch keinen Schlagbaum, kein Panzer steht da, keine bewaffneten Soldaten patroullieren. Lediglich Warnschilder weisen darauf hin, dass man nicht weitergehen darf. Allerdings ist das Gelände weitläufig gesichert. Bewegungsmelder sind im Sand entlang der Staubstrasse vergraben und kündigen jeden Besucher schon Meilen vor dem eigentlichen Tor an. Dazu kommen Kameras, die jeden Schritt und Tritt genauestens verfolgen.

Auch hat die Air Force bereits erklärt, „Nellis Air Force Base“ sei eine militärische Einrichtung, die gesichert sei. Und eine Sprecherin der amerikanischen Luftwaffe machte unmissverständlich klar: „The U.S. Air Force always stands ready to protect America and its assets.“ Heisst, wer die Warntafeln missachtet, wer wirklich das Projekt „Storm Area 51“ umsetzen will, der kann sich auf was gefasst machen. Wie das nun aussehen würde, falls da wirklich Hunderttausende von Menschen auf einmal loslaufen, das lässt sich wohl nur erahnen. Von daher werde ich mal am 20. September mit Jörg sprechen, der in Rachel, Nevada, direkt am Extraterrestrial Highway lebt. Denn eine halbe Million Menschen wird man nicht einfach übersehen können….und schon gar nicht stoppen können.

„So great looking and smart, a true Stable Genius!“

Du hast die Haare schön, Mister President. Foto: Reuters.

„So großartig aussehend und klug, ein wahres, beständiges Genie!“. Wer schreibt sowas über sich selbst? Na klar, Donald Trump. Wenn das nun eine Satireseite wäre, dann würde man beim Anblick Donald Trumps lachen und sagen, der Mann hat Humor. Doch so ist es nicht. Diese Worte fielen in einer frühmorgendlichen Tweet-Serie des Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, und das zwischen Tweets zur Wirtschaft, zur Irankrise, zum Wahlkampf und mal wieder zu den Mueller Ermittlungen.

Da wacht man früh auf und denkt sich nichts böses, macht seinen Kaffee, geht mit dem Hund um den Block, um dann so etwas zu lesen. Klar, Geschmack ist sehr persönlich und Gott sei Dank unterschiedlich, aber Donald Trump nun als „great looking“ zu umschreiben, das ist gewagt. Wenn das auch noch von ihm selbst kommt, dann erinnert an des Kaisers neue Kleider. Egal, welche Richtlinien man für Schönheit auch anlegen will. Und dann ist er ja auch noch „klug und ein wahres Genie“, wie sagt man hier so schön, „the man has balls“.

Ich muss nicht verstehen, warum Trump-Anhänger diesen Mann wählen. Politisch sind wir sicherlich auf einer ganz anderen Wellenlänge. Aber gerne würde ich mal erklärt bekommen, wie ein Trump Wähler oder eine Wählerin diese Art von Selbstbeweihräucherung, dieses eigene Schulterklopfen, dieses unsägliche und peinlich narzistische Gebahren sieht und einschätzt. Donald Trump ist ein Musterbeispiel eines selbstverliebten Egozentrikers. Und das ist die große Gefahr für Amerika. Denn was wird passieren, wenn dieser Mann 2020 die Wahl verliert und eigentlich seine Niederlage eingestehen müsste? Die Aussichten sind alles andere als gut.

Es geht um die Macht des weißen Mannes

Was wie aus einem Wild-West Film klingt, ist im Jahr 2019 bittere Realität. Republikaner versuchen die Macht des weißen Mannes zu erhalten. Das wird durch die Neuziehung von Wahldistriktgrenzen, gerade in sogenannten „Swing States“, durchgeführt, also jenen Bundesstaaten, die mal so und mal so wählen. Das Ziel ist es, dass sie eben nur noch so wählen, sprich republikanisch. Und dann ist da die umstrittene „Citizen“ Frage auf dem Census 2020. Donald Trump und die Republikaner wollen sie unbedingt auf dem Fragebogen haben. Nicht, weil es um die Rechte von amerikanischen Staatsbürgern geht, sondern um die Entrechtung von Millionen Einwanderern in die USA.

Die Wahldistrikte in den USA werden derzeit nach der Einwohnerzahl bestimmt. Das bedeutet, jeder, der in einem Wahldistrikt lebt ist damit repräsentiert, egal ob er amerikanischer Staatsbürger ist oder nicht. Millionen von Menschen leben legal in den USA, zahlen Steuern, ohne Amerikaner zu sein. Mit der angedrohten Frage nach der Staatsbürgerschaft durch Donald Trump und seine republikanische Partei werden gerade jene Distrikte getroffen, in denen viele Immigranten leben. Und diese Distrikte sind vor allem in den Ballungsräumen, die in demokratischer Hand sind, wie Los Angeles, die San Francisco Bay Area, Chicago, New York, Houston. Immigranten werden mit so einer Frage, so die Vermutung, den Census nicht ausfüllen und zurückschicken. Damit wäre das Ergebnis falsch, neue Distriktgrenzen würden gezogen werden, Gelder umverteilt, die politischen Machtverhältnisse im Land zugunsten der ländlichen und damit republikanischen Gegenden verschoben werden. Bei der Volksbefragung geht es also nicht um die Rechte der Amerikaner, sondern um das Aushebeln der Rechte von (legalen) Immigranten.

Wenn Wahlen nichts zählen. Foto: Reuters.

Zwar hat das Verfassungsgericht erklärt, die Frage sei nicht rechtens, doch Trump will sie haben und hat sein Justizministerium beauftragt alles zu tun, um die Staatsbürgerfrage doch noch stellen zu dürfen. Der Masterplan ist damit klar. Die obersten Richter haben nun aber auch in einem anderen Fall entschieden, bei dem es um „Gerrymandering“ geht. Das ist die politische Ziehung der Distriktgrenzen, um so die Wahlen politisch zu manipulieren und zu entscheiden. Die konservative Mehrheit am höchsten Gericht in den USA entschied, dass ihnen bewusst sei, dass es diese undemokratische Praxis gebe, allerdings müssten die einzelnen Parlamente in den Bundesstaaten darüber entscheiden. Und da beisst sich die Katze in den Schwanz, denn genau diese Parlamente in den Bundesstaaten ziehen die Distriktgrenzen und erhalten so ihre Macht. Und nicht nur die, sondern zementieren so auch die Rollenverteilung im US Kongress. Als Beispiel kann man Wisconsin anführen, einen dieser „Swing States“, die Präsidentschatfswahlen entscheiden. Dort zog die republikanische Mehrheit im Parlament die Distriktgrenzen neu, was dazu führte, dass sie bei den Kongresswahlen 2018 46 Prozent der Stimmen bekam, doch auf sie 64 Prozent der Sitze abfiel. Undemokratischer kann es nicht gehen.

Das amerikanische Wahlsystem ist mehr als fragwürdig. Das ist seit der Wahl 2016 mehr als offensichtlich. Hillary Clinton bekam weit über zwei Millionen mehr Stimmen und verlor dennoch. Die gesellschaftlichen und demografischen Veränderungen in den USA ließen bei der GOP schon lange die Alarmglocken aufschrillen. Um die eigene Macht zu erhalten gehen die Republikaner nun daran, die amerikanische Demokratie mit sehr zweifelhaften Methoden ganz aus den Angeln zu heben. Eine Wahl ist da nicht mehr nur eine Stimmabgabe, sondern an vielen Orten in den USA ein von vornherein abgekartetes Spiel.

Nun kommt die „Family Operation“

Eine Kirche in Oakland. Nach dem Gottesdienst sprechen der Pfarrer, Kirchenvertreter und zahlreiche Mitglieder der Gemeinde über das, was da wohl kommen wird und was die Trump Administration als „Family Operation“ bezeichnet. Der Präsident selbst hatte bereits Mitte Juni in einem Tweet deutlich gemacht, dass er die Deportation von Millionen von Migranten angeordnet habe.

Wenige Tage nach diesem Tweet ruderte Trump etwas zurück, er werde nun zwei Wochen warten, damit die Demokraten mit ihm einen Deal ausarbeiten könnten. Die „Deadline“ dafür ist allerdings am Samstag verstrichen, kein „Deal“ für den „Dealmaker“. Nun bereiten sich Behörden und die Immigrationspolizei (ICE) auf das Projekt „Family Operation“ vor. Dabei sollen Familien des Landes verwiesen werden. In den Großstädten und in den Agrarregionen des Landes geht die Angst um. Viele der „undocumented immigrants“ trauen sich kaum noch auf die Straße, zum Einkaufen, in den Park. Und in den unzähligen Kirchen, wie dieser hier in Oakland, wird darüber gesprochen, was man tun kann, ja, was man als Christ tun muss.

Tausende von Familien sollen ausgewiesen und abgeschoben werden. Doch viele der Kinder in diesen Familien wurden in den USA geboren, sind damit amerikanische Staatsbürger. Was soll mit ihnen passieren? Es wäre nicht das erste Mal, dass die USA ihre eigenen Staatsbürger ausweisen. Deutsche Familien beispielsweise wurden nach dem 2. Weltkrieg nach Deutschland deportiert, mit ihnen ihre Kinder, die in den Vereinigten Staaten zur Welt kamen.

Donald Trump macht nun Wahlkampf auf dem Rücken von Migranten. Er zeigt seiner Basis, dass er ernst macht, dass er hart durchgreift, dass für ihn die Migranten das Problem allen Übels in den USA sind. Dem gegenüber stehen Bürgermeister und Bürgermeisterinnen, wie Libby Schaaf in Oakland, die sich schützend vor Migranten stellen. Schaaf erklärte mir in einem Interview: „Als Amerikanerin und als Bürgermeisterin muss ich meine Gemeinde beschützen. Und in meiner Gemeinde leben auch Menschen wie Maria Mendoza Sanchez, die mit einem Baby im Arm und ihrem Mann in dieses Land kam und alles richtig machte. Sie arbeitete hart, kaufte sich ein Haus, bildete sich weiter, und legte Wert darauf, dass ihre Kinder, drei davon wurden in den USA geboren, eine gute Schulbildung erhalten. Sie wurde eine examinierte Krankenschwester in unserem öffentlichen Krankenhaus, rettete Leben, half den Kranken und wurde in den mehr als 20 Jahren in diesem Land nie straffällig. Welchen Vorteil hat meine Gemeinde in Oakland, wenn sie in ein Land zurückkehren soll, in dem sie seit mehr als zwei Jahrzehnten nicht mehr war, wenn sie ihre Kinder, die amerikanische Staatsbürger sind, verlassen muss, ihre Patienten, die sie mögen. Was hilft das meiner Gemeinde? Es hilft nichts!“

Seit der Amtsübernahme von Donald Trump hat sich in den USA ein Schattennetzwerk aus Hilfsorganisationen, Kirchen und Privatpersonen gebildet, die auf drohende Abschiebungen in den Städten und Gemeinden reagieren wollen. Und derzeit schrillen überall die Alarmglocken. Telefonlisten werden verbreitet, Hinweise und Informationen für den Tag X ausgedruckt. Nun also scheint dieser Tag gekommen zu sein. Bei der Immigrationspolizei gibt man sich bedeckt, man spreche nicht über bevorstehende „Law Enforcement“ Aktivitäten. Berater des Präsidenten, wie etwa Stephen Miller, plädieren allerdings dafür, dass diese angekündigte Verhaftungswelle und die Abschiebungen möglichst werbe- und öffentlichkeitswirksam durchgeführt werden. Miller ist sich sicher, dass diese Bilder gut im Wahlkampf für Donald Trump ankommen werden. Das Leid der einen scheint der Erfolg des anderen einen zu sein.

„He got, what he wanted“

Donald Trump am 4. Juli. Foto: Reuters.

Er hat das bekommen, was er wollte. So kann man den Auftritt von Donald Trump am 4. Juli vor dem Lincoln Memorial umschreiben. Als ich ihn da stehen sah, dachte ich mir, die Bilder kann sein Publicity Department nicht nutzen, denn jemand hatte vergessen, die Panzerglasscheibe vor ihm abzutrocknen. Donald Trumps Image war für die Fernsehnation hinter einer Regenschicht etwas verschwommen.

Doch am Abend dann wurde ein Video auf Twitter veröffentlicht, das man durchaus in die Kategorie „Propaganda Video“ packen kann. Trump hat genau die Bilder bekommen, die er haben wollte. Er vor dem Lincoln Memorial, Tausende von Menschen, Kampfflugzeuge, Panzer, patriotische Lieder und viele Fahnen. Genau auf solche Images steht Trump, der sich selbst gerne als großen, wenn nicht sogar als den größten US Präsidenten aller Zeiten bezeichnet. Die zahlreichen historischen Ungenauigkeiten in seiner Rede wurden zwar im Nachhinein erwähnt, doch kaum kritisiert. Trump erwähnte am Freitag, der Teleprompter sei ausgefallen, deshalb habe er die Fehler gemacht. Damit ist das auch geklärt.

Bemerkenswert war sicherlich, dass Donald Trump beim eigentlichen Skript der Rede blieb und nicht zu einer großen politischen Abrechnung für seine Basis ausholte. Die war sicherlich erstaunt davon, denn man hatte mit was anderem gerechnet, ja, sogar darauf gehofft. Doch Trump brauchte das an diesem 4. Juli nicht. Ihm genügten die Bilder, die er haben, die er ins Land und um die Welt schicken wollte. Der Präsident vor den nationalen Symbolen, als „Commander in Chief“, als Erklärer der „Greatest Nation“ in der Geschichte der Menschheit. Sein „Salute to America“ war genau so, wie er das seit fast zwei Jahren haben wollte. Der eigentliche Skandal, sein Auftritt überhaupt, die Verschwendung von Steuergeldern für diesen PR-Stunt und für seine republikanischen Großspender, das war ihm wie immer egal. Nun kann man darauf warten, dass Trump schon bald einen erneuten Auftritt für das nächste Jahr ankündigt. Das würde zu ihm passen. Und es wären dann nur noch ein paar Monate vor dem Wahltag. Was wäre da besser als eine vielbeachtete Rede an einem geschichtlichen Ort zu halten?