Eine Folklegende sagt zum Abschied leise Servus

Glenn Yarbrough (rechts) mit den Limeliters.

Glenn Yarbrough (rechts) mit den Limeliters.

Glenn Yarbrough ist tot. Der Name wird nicht vielen in Deutschland etwas sagen. Doch Yarbrough ist sehr eng mit der amerikansichen Folkmusik-Bewegung der 60er Jahre verbunden. 1959 war er Mitbegründer der „Limeliters“, einer Gruppe in der Tradition des „Kingston Trios“. Die Limeliters wurden schnell zu Superstars, traten in Fernsehsendungen auf und repräsentierten den neuen Sound einer jungen Generation.

Schon 1963 jedoch verließ Glenn Yarbrough die Band, um auf Solopfaden zu wandeln. Und das durchaus erfolgreich. Sein bekanntester Hit war „Baby the rain must fall“. Yarbrough setzte sich ein Leben lang für soziale Projekte ein, gründete mit seinen verdienten Millionen Dollar eine Schule für benachteiligte Kinder. Und es zog ihn immer wieder hinaus aufs Meer, Segeln wurde zu seiner Leidenschaft. Immer wieder wollte er den Bruch mit dem Musikbusiness, kehrte aber stets zurück.

2004 lernte ich den gealteten Glenn Yarbrough persönlich kennen. Bei einem privaten Überraschungskonzert im kalifornischen Ojai hatte ich die Gelegenheit mich lange mit ihm zu unterhalten, Fotos zu machen, das Konzert für gerade mal 15 Personen in voller Länge aufzuzeichnen. Er war ein beeindruckender Geschichtenerzähler und ein interessierter Zuhörer. Danach spielte ich seine Musik oftmals im Country und Folk Programm einer deutschen Airline, für die ich zehn Jahre lang das Inflight Radio produzierte und moderierte. Yarbrough hatte viele private und berufliche Rückschläge erlebt. Gleich mehrmals hatte er sein Geld in fragwürdige Projekte investiert, war von anderen ausgenutzt, von Plattenfirmen über den Tisch gezogen worden. Und dennoch, er gab nie auf. Die Musik begleitete ihn ein Leben lang. Als er da auf der Farm stand und seine Lieder sang, blitzte noch einmal die ganze Größe dieses Ausnahmesängers auf. Er hatte sie noch, die Stimme, die Millionen von Fans in den frühen 60ern faszinierte.

Ein paar Monate später traf ich ihn erneut bei einem Weihnachtskonzert. Sein weißer Rauschebart passte perfekt zur Weihnachtsgeschichte, die er vortrug und mit ein paar Liedern musikalisch umrahmte. Ein liebenswürdiger, lächelnder, vom Leben durchaus gezeichneter Mann. Glenn Yarbrough starb am 11. August im Alter von 86 Jahren in Nashville, Tennessee

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Ehrlich jetzt!?

In diesen Tagen muß ich viel an die Worte des republikanischen Kongressabgeordneten Glenn „GT“ Thompson denken. Im Mai traf ich ihn auf einer Veranstaltung in Washington DC. Und natürlich kam das Gespräch auch auf Donald Trump und Hillary Clinton. Thompson meinte, er verstehe gar nicht, wie bei einer Bevölkerungszahl von 400 Millionen ausgerechnet diese beiden ums Präsidentenamt kandidieren können.

Recht hat er. Donald Trump oder Hillary Clinton, man weiß gar nicht, wohin man in diesen Tagen blicken soll, einer von beiden lässt sicherlich einen Kracher los. Trump poltert durch die Reihen und besticht durch seine Grobschlächtigkeit. Clinton hingegen durch einen Kelller voller Skandale.

Nein, ich bin nicht käuflich. Ich doch nicht. Foto: Reuters.

Nein, ich bin nicht käuflich. Ich doch nicht. Foto: Reuters.

Eigentlich schien vor ein paar Wochen das Rennen ums Oval Office gelaufen zu sein. Trump hatte sich mal wieder weit, diesmal jedoch zu weit aus dem Fenster gelehnt. In den Umfragen stieg Hillary Clinton und setzte sich deutlich von Trump ab. Die Wahrscheinlich eines Clinton-Wahlsieges lag bei 85 Prozent. Das konnte der Donald nicht mehr einholen. Clinton hätte sich eigentlich nur noch zurücklehnen müssen.

Doch dieser Wahlkampf wird in die amerikanische Geschichte als der seltsamste aller Zeiten eingehen. Clinton haut sich gerade selbst vom Thron. Was heißt gerade, eine ihrer vielen Skandale holt sie wieder ein. Die Verwebung zwischen Geldgebern der Clinton Foundation und ihr als Außenministerin zeigen erneut, dass Hillary Clinton käuflich war. Und nicht nur das, sie hat darüber auch unter Eid Falschaussagen abgegeben. Man möchte der ambitionierten einstigen First Lady zurufen: So blöd kann man doch gar nicht sein! Das möchte ich nicht schreien, weil ich Hillary Clinton so gut finde und sie unbedingt als Präsident im Weißen Haus sehen möchte. Nein, ich möchte es ihr zurufen, weil sie mit ihrem Verhalten eine Präsidentschaft des Egomanen Donald Trump ermöglicht.

Der Name Clinton steht für mich schon lange für das Ende des amerikanischen Sozialstaates, für den Genozid in Ruanda, für sinnlose Bombardements im früheren Jugoslawien, für sexlose „Blowjobs“ und Zigarrenspielchen, für weißliche Flecken auf einem blauen Kleid. Und nun kommt wohl auch noch der totale Ausverkauf der Politik hinzu. Ich weiß, das gehörte wohl schon längst dazu. Doch was soll man sagen, wenn am Ende aus Clinton + Cash ein Präsident Trump wird?

Von einer Wüste in die andere

Eine weitere Reise steht an. Eine, der etwas anderen Art. „Black Rock City“ ist das Ziel, eine Woche lang, die drittgrößte Stadt im Bundesstaat Nevada. Von hier in Oakland sind es ein paar Stunden bis Reno, dann geht es noch ein Stückcken weiter auf dem Interstate 80, bis zum Highway 447 Richtung Gerlach. Durch Indianergebiet auf einem endlos langen Highway. Das Ziel ist das „Burning Man“ Festival, alljährlich findet es in der Woche vor dem Labor-Day statt.

Gerade habe ich die nächste Radio Goethe Sendung produziert, den passenden Soundtrack für die Playa. Deutscher Elektrosound, harte, treibende Beats. Etwas für die Anreise. Das letzte Mal war ich 2013 bei diesem einzigartigen Festival, 2014 und 2015 klappte es nicht mit den Tickets. Die Nachfrage ist mittlerweile so groß, die 60.000 Karten sind innerhalb kürzester Zeit vergriffen. Pressetickets gibt es sowieso nicht, auch, wenn ich Jahr für Jahr über „Burning Man“ berichtete. Aber dieses Jahr bin ich wieder dabei, auch wieder zum Berichten. Zumindest einmal noch will ich es sehen.

Es ist schwer in Worte zu fassen, was einen immer wieder in den Staub, die Hitze, auf die Playa zieht. Für einige ist es die konstante Rave-Party. Man findet dort gigantische Soundanlagen, Weltklasse DJs, die unterm Sternenhimmel ihren Klangmix auflegen. Dazu diese schrille Mischung aus Love-Parade und apokalyptischen Mad Max Filmszenen, Themencamps, Freiheiten und ein Community-Gedanke, den man nirgends sonst in den USA findet. Und es ist ein Stück Gegenkultur, Amerika präsentiert sich auf diesem ausgetrockneten Seebett ganz anders. Was mich jedoch immer wieder dorthin zieht, sind die eigenwilligen Kunstprojekte, die manchmal über Nacht aus dem Playaboden zu wachsen scheinen. Mir sagte mal jemand, „Burning Man“ ist die größte Galerie der Welt, hier könne man als Künstler fast alles realisieren. Der Fantasie sind in dieser Woche wahrlich keine Grenzen gesetzt.

In der kommenden Woche geht es los, ein krasser Gegensatz zu meiner aktuellen Arbeit über die weibliche Genitalbeschneidung in Somaliland. Von einer Wüste in die andere. Von einer Kultur in die andere. Von einem Extrem zum anderen. Aber ich bin mir sicher, ich werde da draußen ein paar ruhige Momente finden, um mal in mich zu gehen. Auch das ist „Burning Man“, die Seelen-Tankstelle im gestressten Alltag.

Der Kaiser hat keine Eier

Ist das Kunst? Und wenn ja, wie weit darf Kunst gehen? In diesem Wahlkampf scheinen alle Grenzen gefallen zu sein. Dafür verantwortlich ist sicherlich Donald Trump. Ihn hält nichts auf, er beschimpft und verhöhnt, lügt und verspritzt seine giftige Galle. Nicht nur seine politischen Gegner werden von ihm angegangen. Auch Mexikaner, Frauen, Muslime, Behinderte, Homosexuelle, selbst Journalisten wurden von Trump schon niedergemacht. Er macht sich lustig über vermeintliche Schwächen der anderen. Der Donald teilt aus, und das fast stündlich über twitter.

Der nackte Donald Trump in New York. "The Emperor has No Balls" heißt diese Aktion. Foto: Reuters.

Der nackte Donald Trump in New York. „The Emperor has No Balls“ heißt diese Aktion. Foto: Reuters.

Trump provoziert heftige Reaktionen, die er auch bekommt. Ich selbst habe bislang sicherlich nicht mit den samtigsten Worten über seinen Wahlkampf geschrieben. Ich mag ihn nicht, ich sehe ihn als einen gefährlichen Populisten, der in den USA eine gefährliche Diskussion losgetreten hat. Die zahlreichen „White Supremacist“ Gruppen sehen sich auf einmal im Auftrieb. Trump hat ihre Denke salonfähig gemacht.

Doch ist das ein Grund, diese Tiefschläge so zu erwidern? „The Emperor has No Balls“ heißt eine Aktion einer anarchistischen Künstlergruppe, die derzeit in den USA viel Öffentlichkeit erreicht. Nackte Donald Trump Statuen sind in verschiedenen Städten aufgetaucht. Sie stehen einfach da, ein übergewichtiger Trump, nackt, mit einem winzigen Penis, doch ohne „Eier“. Passanten lachen darüber, machen „Selfies“, fotografieren sich mit dem Donald. Doch da ist ein Beigeschmack, den ich einfach nicht los werde. Muss man Trump so präsentieren, ihn nackt und fett bloßstellen? Irgendwie begeben sich damit seine Kritiker auf die selbe Stufe wie der egozentrische Milliardär, machen sich lustig über seinen Körper, über Äußerlichkeiten. Ist das der politische Wahlkampf, den Amerika in diesen Tagen braucht? Ich hoffe, diese Art der politischen Auseinandersetzung macht keine Schule. Doch die Gefahr ist, das mit Donald Trump alles anders geworden ist.

Es geht um mehr als Trump oder Clinton

Eine Präsidentenwahl ist eine wichtige Wahl. Am Wahltag geht es nicht nur darum, wer für die kommenden vier Jahre im Oval Office Platz nehmen wird. Die Stimmabgabe für Trump oder Clinton mobilisiert auch die Wähler in allen 50 Bundesstaaten. Und darauf bauen viele Kandidaten und auch Initiativen. Wichtige Volksbefragungen auf bundesstaatlicher, regionaler und kommunaler Ebene werden genau an diesem Tag platziert.

Welche Auswüchse der Wahlkampf da hat, ja, wie offen gelogen wird, um eine Wahl zu entscheiden, zeigt „Measure HH“ in Oakland. Wie bereits andere Städte zuvor, will Oakland zuckerhaltige Limonaden, wie Coca und Pepsi Cola, Mountain Dew, Dr. Pepper und all die anderen süßen Brausen besteuern. Ein Cent pro Ounce, das sind fast 0,3 Liter. Damit will die Stadt ein Zeichen für gesunde Ernährung setzen und die einkassierten Gelder in Gesundheitsprogramme investieren. Am Wahltag im November stimmen wir hier also nicht nur über Trump vs. Clinton ab, sondern auch noch über allerhand andere Sachen, wie die Besteuerung von Limo.

Eigentlich eine klare Sache, doch es formiert sich Widerstand. Die „Soda Tax“ wird von den Gegnern als „Grocery Tax“ bezeichnet. Sie erklären, diese Steuer auf die Limos würde zu einer allgemeinen Verteuerung der Lebensmittel führen. Das stimmt so nicht, doch in Wahlkämpfen und Abstimmungen geht es um Stimmungsmache, man denke nur an den Brexit. Und die Gegner der „Soda Tax“ haben viel Geld in der Kasse, um ihre Falschwerbung unter die Leute zu bringen. Als Geldgeber tritt die „American Beverage Association“ auf, ein Zusammenschluß der Cola-, Limo- und Brausenbranche. In den zahlreichen Werbeclips, die hier auf auf den Lokalsendern geschaltet werden, muß man genau hinsehen, um diesen perfiden Plan der Cola-Wächter zu durchschauen. Erst im Abspann heißt es: „Paid for by No Oakland Grocery Tax with major funding by American Beverage Association California PAC“. Aber im Trump-Zeitalter wundert einen eigentlich gar nichts mehr. Wo sind wir nur hingekommen, wenn man noch nicht einmal der Colamarke seines Vertrauens trauen kann?

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Man sollte Donald Trump danken

Mal ehrlich, Donald Trump ist gar nicht so falsch in diesem Wahlkampf. Denn wie besser, als er das nun seit über einem Jahr tut, könnte man das kaputte, gestörte, ja, bescheuerte Wahlsystem der USA vorführen. Dafür gebührt dem Donald ein Dankeschön.

Trump zeigt, wie man das Wahlsystem auf sehr plakative Art und Weise mißbrauchen und ausnützen kann. Er, der Entertainer nutzt seinen Glamour-Status, um allgegenwärtig in den Medien zu sein. Seine Interviews erreichten hohe Einschaltquoten, die republikanischen Debatten im Vorwahlkampf übertrumpften sogar die Football-Abende. Politik wurde zum Bespaßungsprogramm für die Massen mit Flachschüssen, Beschimpfungen, unterhaltsamen Spitznamen wie „Little Mario“, „Lying Ted“, „Crooked Hillary“. Noch nie zuvor wurde auf einer solchen Bühne über die Größe von Händen und anderen Körperteilen eines Kandidaten gesprochen. Trump mußte im Vorwahlkampf kaum Geld für seine Öffentlichkeitsarbeit ausgeben, ihm gehörte vielmehr die amerikanische Öffentlichkeit. Für seine Pressekonferenzen wurden Sendungen unterbrochen.

Dank Dir, oh Donald! Foto: Reuters.

Dank Dir, oh Donald! Foto: Reuters.

Mit Nullprogramm, einem stets gekränktem Ego und nur der Aussage „We’ll make America great again“ setzte er sich am Ende durch. Und das durchaus gegen namhafte Kandidaten. Erfahrungen in Politik und Regierungsarbeit zählten nicht für die Wähler. Die Mehrheit der wählenden Republikaner – ganz wichtig nicht die Mehrheit der Partei – wollten stattdessen einen egozentrischen Polterer, der mit flachen Sprüchen und großen Lügen ein sehr eigenwilliges Amerika- und Weltbild entstehen ließ. Eines, das auf Angst, Xenophobia, Islamhetze und dem Wunsch nach den guten alten Zeiten aufgebaut ist.

Und nun der Zweikampf mit Hillary Clinton. Glaubten viele noch, Donald Trump würde sich nach dem heftigen Vorwahlkampf nun „präsidialer“ zeigen, der sah sich schnell eines besseren belehrt. Trump ist Trump und bleibt eben auch Trump. Er poltert und lügt weiter ohne auch nur ein klares politisches Konzept vorzulegen. Was gegen Bush, Rubio und Cruz noch klappte, scheint nun jedoch ein Auslaufmodell zu sein. So langsam erwachen die Partei und das Land und sehen sich der Gefahr eines Präsidenten gegenüber, der aus dem Bauch heraus und eher eigennützig entscheidet und nicht nach Erfahrungen, diplomatischen und historischen Zusammenhängen, nach einer umsichtigen Analyse der Sachlage.

Trump wird nicht Präsident werden, das sollte klar sein. Einfach auch aus dem Grund, weil er es nicht werden darf. Die Schlußfolgerung für die USA müsste allerdings sein, dass erkannt wird, dass dieses politische System, mit einem Endloswahlkampf, in dem mehrere Milliarden Dollar ausgegeben werden, überholt ist. Trump hat das gnadenlos aufgezeigt. Allein die Tatsache, dass ein Egomane wie er so weit kommen konnte, sollte Veränderungen nach sich ziehen. Doch dann sind da noch die Wahlen im Jahr 2000, als Al Gore mehr Stimmen als George W. Bush erhielt und dennoch nicht ins Weiße Haus einzog. Der Aufschrei war groß, doch verändert hat sich danach nichts. Noch schlimmer, es könnte wieder passieren. Die Amerikaner haben mit Trump einen Kandidaten bekommen, der auch irgendwie zu ihnen passt. „America first“, „America the best“, „America the beautiful, home of the brave“. Wer dieses Bild des auserwählten Landes, ja Gottesstaates im Kopf hat, wird nicht gewillt sein auch nur etwas am Wahlprozedere in den USA zu verändern. Denn, in „God’s Country“ passt ja alles. Und die Folge ist klar, ein nächster Donald Trump wird bestimmt bald wieder um ein hohes Amt in den USA kandidieren. Vielleicht schlägt er sich dann ja nicht selbst, wie derzeit der Milliardär aus New York.

Aus die Maus für die Sommerzeit

Kein Gedrehe mehr an den Uhren. Foto: Reuters.

Kein Gedrehe mehr an den Uhren. Foto: Reuters.

In Kalifornien gehen die Uhren bald anders. Dann zumindest, wenn sich der Vorschlag des kalifornischen Abgeordneten Kansen Chu durchsetzen sollte. Der Abgeordnete aus San Jose hat nun im Parlament von Sacramento eine Gesetzesinitiative gestartet, die zum Ziel hat, die Wähler im Pazifikstaat über die Zukunft der Sommerzeit abstimmen zu lassen.

Chu führt an, dass die Sommerzeit nichts bringe, und das schon seit über einem halben Jahrhundert. Auch belegten Statistiken, dass die Sommerzeit mehr Herzprobleme, Verkehrsunfälle und Energieverschwendung mit sich brächte

Nachdem bereits einige Sachkommissionen, darunter der Energieausschuss des Bundesstaates, und auch der Unterausschuss des Senats den Weg für diese Gesetzesinitiative freigegeben haben, wird nun demnächst der gesamte kalifornische Senat darüber abstimmen. Bei einer Annahme muss dann noch Gouverneur Jerry Brown seine Unterschrift drunter setzen, erst dann haben die Wähler 2018 die Möglichkeit in einer Volksbefragung über die Zukunft der Sommerzeit in Kalifornien abzustimmen. Das würde für mich bedeuten, dass ich im Sommer dann zehn Stunden hinter Deutschland liege.

Das Land der starken Frauen

Es geht dem Ende zu. Ein Reisestipendium der Stiftung Weltbevölkerung brachte mich hierher ans Horn von Afrika, genauer gesagt in die Republik Somaliland, ein Land, das es offiziell nicht geben darf. Als ich die Ausschreibung der Stiftung gelesen hatte, dachte ich sofort an das Thema „Female Genital Mutilation“ oder Genitalverstümmelung. Ein Thema, das keineswegs einfach ist, vor allem nicht für einen Mann, vor allem nicht für einen Mann aus einem westlichen Land. Als ich im November hier war, sprachen viele Frauen jedoch ganz offen darüber, was mich verwunderte. In Absprache mit dem CARE Büro in Bonn traute ich mich dann doch an dieses Thema, gerade auch, weil ich die Zusage der Unterstützung vor Ort erhielt. Ohne die wäre die Realisierung all der Interviews und Einblicke gar nicht möglich gewesen.

NAGAAD ist eine lokale NGO, die mir vermittelt wurde. Sie arbeiten im ganzen Land, unterstützen Frauenprojekte, „Women’s Empowerment“, in auch noch so entlegenen Gegenden. Und dabei spielt FGM immer eine Rolle. Die Gesundheitsprobleme für Kinder, Jugendliche, junge und alte Frauen sind einfach zu groß, um dieses gewaltige Thema in der täglichen Arbeit auszugrenzen.

Auf dieser Reise in Somaliland traf ich vor allem starke Frauen. Engagiert, zielgerichtet, „outspoken“, kritisch. Fast alle sind von der Genitalverstümmelung betroffen, und gerade vor diesem Hintergrund setzen sie sich ein. Sie organisieren sich nicht nur in den Dörfern, suchen die Gespräche, zeigen auf, dass FGM nichts mit dem Islam zu tun hat, fordern von den religiösen Führern im Land, von den Politikern, von Männern allgemein klare und deutliche Worte.

Edna Adan im Gespräch.

Edna Adan im Gespräch.

Edna Adan kämpft seit 40 Jahren gegen die Genitalverstümmelung. Sie war mit dem früheren somalischen und somaliländischen Präsidenten, Mohamed Haji Ibrahim Egal, verheiratet, und selbst auch Außenministerin Somalilands. Schon in den 70er Jahren engagierte sie sich. Heute trägt ein Hospital in Hargeisa ihren Namen, das hat sie selbst aufgebaut. Das „Edna Adan University Hospital“ hilft vor allem Frauen und Kindern. Doch hier werden auch Hebammen ausgebildet. Edna Adan nennt sie „my foot soldiers“, ihre Mitstreiter im Einsatz. FGM ist ein wichtiger Teil der Ausbildung. Die fast 79jährige ist unermüdlich im Einsatz. Sie habe alles im Leben gesehen, mit Präsidenten diniert, den Luxus gehabt. Heute lebt sie gleich neben ihrem Büro im ersten Stock des Krankenhauses, ihre Tür ist immer offen. Sie ist das Gesicht der somiländischen Frauenbewegung gegen FGM geworden.

In diesen Tagen in der Region traf ich aber auch viele Frauen, deren Hintergrund ganz anders ist, ganz einfach und doch nicht weniger engagiert. Sie waren bereit mit mir zu sprechen, weil man über FGM offen sprechen muß, erklärten sie. In Gesprächen flossen Tränen, schlimme Erinnerungen wurden wieder hervorgeholt. Alleine als Mann hätte ich diese Interviews nie führen können, nie die Tiefe erreicht. In Hodan Elmi von CARE fand ich eine beeindruckende Frau, die mir zur Seite stand, mich beriet, was ich fragen kann und was nicht, was ich vorab wissen sollte, welche Zusammenhänge es gab und gibt. Unermüdlich erklärte sie, übersetzte sie und „öffnete“ für mich die Gespräche. Auch sie selbst kam an ihre Grenzen. Beeindruckend war für uns das Treffen in Gabiley mit betroffenen Frauen, eine von ihnen führte die „Beschneidungen“ durch. Die anderen Frauen erklärten im Gespräch, sie versuchten immer wieder ihr zu helfen, einen anderen Job zu finden. „Ich muß aber meine Familie ernähren“, meinte diese. Sie würde ja aufhören, aber das Geld für ihr „Handwerk“ unterstütze nicht nur sie.

In der somiländischen Hauptstadt Hargeisa wird offener über das Thema gesprochen. Hier leben viele aus der Diaspora, Rückkehrer aus England, Holland, Deutschland, den USA und Kanada. Sie treiben die Diskussion um einen allgeimein Stopp der Genitalverstümmelung mit an. „Zero Tolerance“ ist das Ziel. In den engagierten und rastlosen Frauen und Männern von NAGAAD und anderen lokalen Organisationen im ganzen Land, sind sie auf tatkräftige Mistreiterinnen gestoßen. Gemeinsam wird schon seit Jahren für ein Ende dieser uralten, doch sinnlosen Tradition gekämpft. Und ihre Stimme wird mit jedem Tag lauter.

Ein Land voller Schmerzen

Drei Buchstaben sind es: FGM. Sie stehen für „Female Genital Mutilation“, übersetzt wird das fälschlicherweise oftmals mit weiblicher Beschneidung. Doch das trifft es nicht, ganz und gar nicht. Wenn man von Beschneidung spricht, denkt man an die Beschneidung eines Jungen, wie es bei Juden, Muslimen und auch in den USA ganz normal ist. Die Vorhaut wird dabei abgetrennt, ein kleiner chirurgischer Eingriff. „Female Genital Mutilation“ ist dagegen Genitalverstümmelung. Zumeist Mädchen im Alter zwischen 5-10 Jahren werden dabei ein Leben lang gezeichnet.

Dabei werden vier Typen unterschieden, Typ I ist die Entfernung der Klitoris, Typ II die Entfernung der Klitoris und der Schamlippen. Typ IV alles was nicht unter I, II oder III fällt. Die schlimmste Methode ist die Infibulation nach Typ III, oder auch „pharaonische Beschneidung“ genannt. Und die ist am weitesten verbreitet am Horn von Afrika.„Die Beine des Mädchens werden von der Hüfte bis zu den Knöcheln für bis zu 40 Tage zusammengebunden, damit die Wunde heilen kann. Die Haut über der Vaginalöffnung und dem Ausgang der Harnröhre wächst zusammen und verschließt den Scheidenvorhof. Lediglich eine kleine Öffnung für den Austritt des Urins, des Menstruationsbluts und der Vaginalsekrete wird geschaffen, indem ein dünner Zweig oder Steinsalz in die Wunde eingefügt wird. Durch diese Behinderung kommt es zu zusätzlichen Schmerzen und Infektionsrisiken. Weitere gesundheitliche Risiken und Komplikationen ergeben sich dadurch, dass die Vulva wieder aufgeschnitten werden muss, um Geschlechtsverkehr zu ermöglichen. Gelingt dem Mann die Öffnung der Vagina durch Penetration nicht, muss die infibulierte Vaginalöffnung mit einem scharfen Gegenstand erweitert werden. Zur Entbindung ist oft eine zusätzliche weiter reichende Defibulation notwendig. Manchmal wird an unbeschnittenen schwangeren Frauen vor der Entbindung eine Infibulation durchgeführt, weil geglaubt wird, dass Berührung mit der Klitoris zu Fehlgeburten führt. In manchen Gegenden folgt nach der Geburt eine erneute Infibulation, Reinfibulation oder auch Refibulation genannt.“ (Quelle Wikipedia).

Die Stiftung Weltbevölkerung hat es mir ermöglicht, auf diese Reise nach Somaliland zu gehen. Eine Reise, die mich oftmals an Grenzen gebracht hat. Es ist ein Thema, über das kaum jemand sprechen will. In Deutschland und den USA, jene Länder, in denen ich mich bewege, ist nicht viel bekannt über FGM, meist nur, dass aus religiösen Gründen die Klitoris abgeschnitten wird. Der Islam wird dabei verflucht, was für eine Religion sei das, die so etwas zulässt, wird abgeurteilt.

Ich gebe zu, ich habe auch nicht viel darüber gewußt, bis ich 2014 mit CARE in den Tschad und im letzten November hier ans Horn von Afrika reiste. Das Thema kreuzte immer wieder unseren Weg. In den Flüchtlingslagern im südlichen Tschad, in Somaliland und Puntland in den Gesprächen in den Dörfern und Flüchtlingslagern. Doch das ganze Ausmaß dieses barbarischen Aktes hatte ich auch nicht vor Augen.

"Female Genital Mutilation" geschieht nicht im Namen des Islam.

„Female Genital Mutilation“ geschieht nicht im Namen des Islam.

Schon am ersten Tag, kurz nach meiner Ankunft, stand das erste Interview an. Edna Adan, ausgebildete Krankenschwester, hat hier ein Hospital eröffnet. Seit 40 Jahren ist sie eine der wohl bekanntesten Kämpferinnen gegen FGM. Auch sie ist betroffen, wie eigentlich jede Frau, die ich hier im Laufe meines Aufenthaltes getroffen habe. Um das Krankenhaus aufzubauen, spendete die Witwe des früheren somalischen und somaliländischen Präsidenten, Mohamed Haji Ibrahim Egal, ihre Pension und ihr Vermögen. Ganz ruhig und sachlich berichtete sie von ihrem fast aussichtslos erscheinenden Kampf gegen tief verwurzelte Überzeugungen, eine Kultur des Schweigens, gegen scheinbar unüberbrückbare Fehlinformationen. Die fast 78jährige ist dennoch voller Energie. Mehr und mehr Mistreiterinnen und Mitstreiter findet sie für diesen Kampf.

Am Tag danach saß ich mit Frauen im Büro von Nagaad zusammen. Vertreterinnen der Frauenrechtsorganisation, die schon 1997 gegründet wurde, und Frauen aus einem Flüchtlingslager am Rande der Stadt. Sie alle arbeiten daran, die hohe Rate von weiblicher Genitalverstümmelung in Somaliland zu senken. Und die ist hoch, weit über 90 Prozent. Alle Frauen, die im Kreis in diesem kargen Raum um mich herumsaßen waren Betroffene. Eine 70jährige berichtete davon, dass sie noch immer massive Gesundheitsprobleme habe. Und dennoch, sie selbst hat ihre Töchter und Enkelinnen „beschnitten“. Das verlangte ihre Religion, glaubte sie. Zumindest sei sie davon über all die Jahre überzeugt gewesen. Erst vor kurzem hat sie gelernt, dass im Koran nichts von dieser frauenfeindlichen und schmerzhaften Prozedur steht. Die Vertreter ihrer Religion hätten sie enttäuscht und betrogen. Ein Leben lang. Als sie das begriff ging sie zu ihren Töchtern und bat um Vergebung für das, was sie ihnen angetan hatte.

Persönliche Geschichten und Erfahrungen wie diese sind kein Einzelfall. Die Frauen erzählen bereitwillig, denn sie wissen, der Deckmantel des Schweigens ist ein Grund dafür, warum diese gewaltsame Prozedur noch immer in ihrem Land, in ihrer Kultur und vermeintlich im Namen ihrer Religion durchgeführt wird.

Mit der Wumme über den Markt

Trump und Knarren in Hargeisa.

Trump und Knarren in Hargeisa.

Das erlebt man auch nicht alle Tage. Am Morgen wollte ich hier auf den Markt gehen. Meine Begleiterin meinte gestern, lass uns mit dem Bus fahren, das ist ein Erlebnis. Doch dazu kam es nicht. Am Morgen fuhren gleich mehrere Pick-up Wagen auf das Hotelgelände, Polizei und Militär zeigten Präsenz. Und auch überall in der Stadt sah man Uniformierte. Was das bedeutete, war mir anfangs nicht klar. Etwas später erfuhr ich, dass der Hafen von Berbera für 30 Jahre an ein saudisches Unternehmen verpachtet werden soll, die somaliländische Regierung dieses Projekt allerdings hinter verschlossen Türen aushandelte. Die Öffentlichkeit im Land verlangte Einblick in den Deal. In Berbera kam es schon zu Protesten, man fürchtete nun, dass es auch in Hargeisa zu Demonstrationen kommen könnte.

Zum Markt bin ich dann dennoch gekommen, allerdings nicht im öffentlichen Bus, sondern in einem Wagen und neben mir ein junger Soldat im Kampfanzug mit einem Kalaschnikow-Gewehr. Der lächelte, begrüßte mich per Handschlag lachte, als ich im erklärte, so sei ich auch nicht zum Einkaufen gefahren. Da fühlte ich mich so richtig sicher. Und so gingen wir dann über den Markt. Hier mal Tee getrunken, auch der Soldat trank einen, und half dann sogar beim Finden von diversen Läden, fragte hier und da nach und wies den Weg durch die vielen Gänge des Marktplatzes.

Auf dem Weg im Auto unterhielten wir uns über….yeap, Donald Trump. Man will es nicht glauben, doch selbst am Horn von Afrika hört man genauhin, was der Donald aus New York da wieder von sich gelassen hat. Auch die jüngste Meldung, dass er quasi indirekt Hillary Clinton zum Abschuß freigegeben hat, war hier schon bekannt. Und ja, der Fahrer hatte selbst Verwandte in den USA, die sich große Sorgen machten, denn als Somalier sind sie ja aus einem Land, in dem es Terror gibt, also ein Land, dass auf Trumps Hassliste steht.

Ich versuchte dann zu erklären, dass Donald Trump wahrlich nicht für die Mehrheit der Amerikaner spricht, dass seine bislang erfolgreiche Kandidatur eher ein Zeichen für das verrückte und kaputte Wahlsystem der USA sei. Nun also bin ich auch in der Rolle, die USA zu verteidigen. Und im Angesicht von Donald Trump mache ich das nur zu gerne. Der Pass verpflichtet, denn Trump ist wahrlich nicht der Grund gewesen, warum ich das umfangreiche Prozedere der Staatsbürgerschaft auf mich genommen habe.

Ach ja, die Polizei und das Militär waren um 13 Uhr wieder abgezogen. In Somaliland wird nur morgens zwischen 7:30 und 12:30 protestiert, nachmittags, heisst es, ist es zu heiß. Da keine Demonstranten am Morgen kamen, war die Sache also damit vorbei. Das nennt man dann StreitKultur!